26.08.2015

Teilpensionierung: Die Varianten in der beruflichen Vorsorge

Dieser Beitrag zeigt Ihnen detaillierte Informationen bezüglich dem Entscheid einer Teilpensionierung, den Möglichkeiten der unveränderten Weiterversicherung trotz Pensumsreduktion, zu den effektiven Teilpensionierungschritten und zur Schweizer Praxis auf.

Von: Tony Z'graggen   Drucken Teilen   Kommentieren  

Tony Z'graggen

Nach einer kaufmännischen Ausbildung war der Autor Tony Z'graggen während mehrerer Jahre in einer Steuerverwaltung als Veranlagungsbeamter tätig. Schon bald nach seiner Ausbildung zum diplomierten Steuerexperten 1986 befasste er sich mit Fragen der Nachfolgeregelung bei KMU. Seit 2006 ist Z'graggen bei der Treuhand- und Revisionsgesellschaft Mattig-Suter und Partner in Schwyz aktiv (www.mattig.ch). Das Unternehmen hat sich u.a. auf Nachfolgeregelungen und Vorsorgelösungen bei KMU spezialisiert.

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Teilpensionierung

Das Fehlen reglementarischer Bestimmungen

Viele Arbeitsnehmende gehen stufenweise in Pension bzw. sie reduzieren ihr Pensum Schritt für Schritt. Ein solches Vorgehen darf das Gesetz natürlich nicht verbieten. Wenn das Reglement zu einer stufenweisen Reduktion keine Bestimmungen kennt, kann der Fall eintreten, dass ein zu hohes Vorsorgekapital besteht.

Das überschüssige Alterskapital darf auf eine Freizügigkeitspolice bzw. ein Freizügigkeitskonto überwiesen werden (Art. 13 FZG). Diese Massnahme ist besonders bei einem Duomodell (lesen Sie mehr darüber in Tony Z’graggens Handbuch „Berufliche Vorsorge“) empfehlenswert, denn im Schadenfall würde entsprechend der Lohnreduktion eine tiefere Rente ausgerichtet. Hier führt das überschüssige Alterskapital zu keiner Leistungsverbesserung.

Die Möglichkeit der unveränderten Weiterversicherung trotz Pensumsreduktion

Oft besteht auch das Bedürfnis, das Pensum zu reduzieren und die Vorsorge unverändert auf dem heute bestehenden Lohn zu belassen. Diesen Wunsch respektiert der Gesetzgeber teilweise (Art. 33a BVG). Demnach kann in einem Reglement vorgesehen werden, dass für versicherte Personen, deren Lohn sich nach dem 58. Altersjahr um höchstens die Hälfte reduziert, auf Verlangen der versicherten Person die Vorsorge – basierend auf dem jetzigen Lohn – weiter geführt werden kann.

Wird diese Möglichkeit der Teilpensionierung angeboten, muss die Beitragsparität nicht mehr zwingend eingehalten werden (Art. 33a Abs. 3 BGV). Denn für diese Weiterversicherung kann das Reglement Beiträge des Arbeitgebers nur mit dessen Zustimmung vorsehen. Somit stellt sich die Frage, ob die Arbeitsnehmenden in einem solchen Fall auch diese theoretischen Arbeitgeberbeiträge übernehmen können.

Darstellung 1

Ein definiertes Vorsorgeziel muss auch tatsächlich erreicht werden können. Solange eine der Schranken betreffend Beitrag oder Leistung besteht, sollten gegen eine solche Lösung keine Vorbehalte aufkommen. Diese Möglichkeit existiert nur bis zum ordentlichen Pensionierungszeitpunkt (Art. 33a Abs. 2 BVG).

Die effektiven Schritte der Teilpensionierung

Die fehlende gesetzliche Regelung

Das Gesetz sieht eine Pensionierung in Raten (noch) nicht vor. Trotzdem wird die schrittweise Teilpensionierung akzeptiert, wenn sie reglementarisch vorgesehen ist. Dabei kann im Reglement bestimmt werden, dass das Alterskapital im Ausmass des Schritts der Teilpensionierung ausbezahlt oder auf eine Freizügigkeitseinrichtung übertragen wird.

Hier wird nicht das überschüssige Kapital berechnet, sondern der Anteil Kapital im Verhältnis zum Pensionierungsschritt ermittelt. Werden Pensum und Lohn z.B. um 30% reduziert, wird 30% des vorhandenen Kapitals frei. Dieses kann

  • in eine Rente umgewandelt und laufend ausbezahlt werden;
  • als Kapitalauszahlung bezogen werden;
  • auf eine Freizügigkeitseinrichtung übertragen werden (maximal 2 Konti).

Meist wird die Kapitalauszahlung oder die Überweisung auf Freizügigkeitspolicen gewählt. Beide Varianten brechen latent die Steuerprogression. Dies trifft insbesondere zu, wenn später das restliche Kapital ebenfalls in Form eines Kapitals bezogen wird und wegen dem zeitlichen Auseinanderklaffen zwei Kapitalauszahlungen separat besteuert werden.

Darstellung 2

Es erstaunt, dass insbesondere der Fall der anteilmässigen Auszahlung anlässlich der BVV 2-Überarbeitung nicht geregelt wurde. Denn hier ist schon vor einigen Jahren ein Tummelfeld kleiner Steuereinsparungen entstanden. Allerdings darf dieser Effekt nicht überbewertet werden. Wenn man die Steuerplanungsüberlegungen richtig angeht, handelt es sich zu guter Letzt oft um wenig sinnvolle Entscheide.

Die uneinheitliche Praxis

Schritte der Teilpensionierung, gestützt auf eine Reglementbestimmung, werden von den Steuerbehörden meist sehr kritisch geprüft. Der Grund: Solche Teilbezüge des Kapitals führen zu einer Brechung der Steuerprogression. Insbesondere in Kantonen mit einer steilen Progressionskurve für Kapitalauszahlungen ist diese Befürchtung nicht von der Hand zu weisen. So hat sich eine Praxis entwickelt, die teilweise kantonal noch enger betrachtet wird. Momentan sind Schritte der Teilpensionierung mit entsprechender Kapitalauszahlung in der Regel problemlos, wenn folgende vier Bedingungen eingehalten werden:

  • erste Reduktion ab Alter 58
  • Mindestreduktion von 30% pro Pensionierungsschritt
  • maximal 3 Pensionierungsschritte
  • keine Einkäufe mehr nach dem erstem Schritt der Teilpensionierung

Keine Probleme entstehen, wenn man sich für die Teilrente entscheidet. Sie führt aber kaum zu wesentlichen Steuereinsparungen. In den meisten Fällen liegt sogar der umgekehrte Fall vor. Wenn neben der Teilrente noch ein erhebliches Erwerbseinkommen fliesst, ist die zusätzliche Besteuerung auf dieser Teilrente wegen des hohen Grenzsteuersatzes beträchtlich.

Die Empfehlung

Das Bedürfnis, sich stufenweise pensionieren zu lassen, ist sehr verbreitet und wird tendenziell zunehmen. Deshalb gehört es zu einer modernen Beschäftigungspolitik, diesen Bedürfnissen in den Vorsorgereglementen optimal Rechnung zu tragen. Es ist wichtig zu wissen, dass der Einbau solcher Möglichkeiten für die Arbeitgeberschaft kostenneutral ist. Kosten entstehen erst, wenn die Arbeitgeberschaft trotz Pensumsreduktion beschliesst, die höheren Beiträge unverändert zu leisten (Art. 33a Abs. 3 BVG).

Moderne Reglemente sehen beide Varianten vor: Einerseits die Möglichkeit der unveränderten Weiterversicherung sowie andererseits genau definierte und steuerlich akzeptierte Schritte der Teilpensionierung. Die Versicherten sollen aufgrund ihrer persönlichen Verhältnisse wählen können. Vielleicht kombiniert man auch die Varianten über einen gewissen Zeitabschnitt, indem in einer ersten Phase die unveränderte Weiterführung des Modells gewählt wird, um in einem späteren Zeitpunkt einen Schritt der Teilpensionierung vorzunehmen.

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