WACC: Der gewichtete Kapitalkostensatz

KURZ ZUSAMMENGEFASST

Der Weighted Average Cost of Capital (WACC) fasst die durchschnittlichen Kosten für Eigen- und Fremdkapital eines Unternehmens zusammen. Diese Kennzahl dient als zentrale Entscheidungsgrundlage, um die Rentabilität von Investitionen zu bewerten und den Unternehmenswert fundiert zu ermitteln. Sie berücksichtigt dabei sowohl die risikofreie Verzinsung als auch branchenspezifische Risiken und steuerliche Effekte.

Die wichtigsten Punkte:

  • Der WACC bildet den gewichteten Durchschnitt der Eigen- und Fremdkapitalkosten ab.
  • Er dient als Mindestverzinsung für neue Investitionsprojekte.
  • Die Berechnung integriert den Steuervorteil durch Fremdfinanzierung (Tax Shield).
  • Unterschiedliche Kapitalstrukturen führen zu unterschiedlichen WACC-Werten pro Unternehmen.
01.01.2026 Von: Dr. Lukas Rieder
WACC

Wie wird der gewichtete Kapitalkostensatz (WACC) berechnet und wofür ist er im Finanzmanagement nützlich?

Der gewichtete Kapitalkostensatz WACC (Weighted Average Cost of Capital) ergibt sich aus dem gewichteten Durchschnitt des Eigen- und Fremdkapitalkostensatzes des Unternehmens.

Der WACC – Weighted Average Cost of Capital – ist eine zentrale Kennzahl im Finanzmanagement, wenn es darum geht, Investitionen und Unternehmenswerte fundiert zu bewerten. Er zeigt auf, wie viel ein Unternehmen durchschnittlich für das eingesetzte Kapital zahlen muss – unabhängig davon, ob es sich um Eigen- oder Fremdkapital handelt

Der gewichtete WACC

Zur Ermittlung des Kapitalkostensatzs (WACC) sind folgende Schritte notwenig. 

Dazu sind vier Schritte durchzugehen:

  1. Ermittlung der notwendigen Eigenkapitalverzinsung
  2. Erhebung der echt bezahlten Fremdkapitalzinsen im Unternehmen und des Steuersatzes
  3. Feststellung des (geplanten) Verhältnisses von Eigenkapital zu Fremdkapital
  4. Berechnung des gewichteten Gesamtkapitalkostensatzes (marktgerechter Zins).

Zu Punkt 1:
Wird im Beispiel zur Daimler Benz Aktie angenommen, dass die risikofreie Verzinsung in Deutschland 6% beträgt und die Marktrisikoprämie des deutschen Aktienmarkts mit 4% ausgewiesen wird, ergeben sich – wie oben schon gezeigt – die Eigenkapitalkosten von 10.36% nach Steuern.

Zu Punkt 2:
Wird weiter angenommen, dass Daimler Benz AG für Fremdkapital durchschnittlich 7% Zins bezahlt und dass der Steuersatz des Unternehmens 40% beträgt, muss im Beispiel von einer Netto-Fremdkapitalzinsbelastung von 7% * 100% – 40% = 4.2% ausgegangen werden (tax shield = 2.8%).

Zu Punkt 3:
Wird schliesslich angenommen, dass sich Daimler Benz AG zu 35% mit Eigenkapital und zu 65% mit Fremdkapital finanziert, kann in

Zu Punkt 4:
der gewichtete Kapitalkostensatz oder eben die marktgerechte Verzinsung von 6.36% auf Basis dieser Annahmen berechnet werden:

Die Prüfrechnung zeigt, wie man ausgehend vom Betriebsergebnis EBIT die Zahlen verifizieren kann:

Wird der gewichtete Kapitalkostensatz von 6.36% durch 1 minus den Steuersatz dividiert, resultiert mit 10.59% der zu erzielende Gewinn vor Steuern und Zinsen EBIT. Bei einem angenommenen verzinslichen Kapitaleinsatz von 10'000 müsste zur Zielerreichung ein EBIT von 1'059 erreicht werden. Davon werden die Zinsen (7% von 6'500 = 455) bezahlt, was ein Ergebnis vor Steuern von 604 ergibt. Werden jetzt davon 40% in Abzug gebracht, resultiert der Reingewinn von 363, der 10.36% des Eigenkapitals von 3'500 beträgt.

Werden nun wie im Beispiel oben gezeigt, die Prozentsätze noch entsprechend dem Eigenkapital- EKA und dem Fremdkapitalanteil FKA gewichtet, ergibt sich der WACC als Formel für den marktgerechten Zins (Gesamtkapitalkosten):

WACC = (RFZ + Beta x MRP) x EKA + (FKZ x (1-t)) x FKA

 RFZ = Risikofreier Zins
     MRP = Marktrisikoprämie
     EKA = Eigenkapitalanteil
     FKZ = Fremdkapitalanteil
     FKA = Fremdkapitalanteil

Diese formelmässige Rekapitulation der WACC-Berechnung soll deutlich machen, dass die Konkurrenten in einer Branche ganz unterschiedlich finanziert sein können und unterschiedliche Steuerlasten tragen müssen. Dadurch haben sie auch unterschiedliche Zielverzinsungen.

Checkliste

  • Bestimmen Sie die risikofreie Verzinsung (z. B. Staatsanleihen).
  • Ermitteln Sie die Marktrisikoprämie für den relevanten Markt.
  • Schätzen Sie den Beta-Faktor des Unternehmens oder der Branche.
  • Berechnen Sie die Eigenkapitalkosten nach dem CAPM-Modell.
  • Erfassen Sie die tatsächlich bezahlten Fremdkapitalzinsen.
  • Ziehen Sie den relevanten Unternehmenssteuersatz vom Fremdkapitalzins ab.
  • Bestimmen Sie das Verhältnis von Eigen- zu Fremdkapital (Kapitalstruktur).
  • Gewichten Sie Eigen- und Fremdkapitalkosten entsprechend ihrer Anteile.
  • Summieren Sie die gewichteten Teile zum finalen WACC-Wert.
  • Verifizieren Sie das Ergebnis mit einer Prüfrechnung am Betriebsergebnis (EBIT).

FAQ: WACC

Was bedeutet der WACC für Investitionsentscheide?

Der WACC stellt die Mindestrendite dar, die ein Projekt erwirtschaften muss, um die Kapitalkosten zu decken und den Unternehmenswert zu steigern. Liegt die erwartete Rendite unter dem WACC, sollte die Investition verworfen werden.

Wie wirkt sich der Steuersatz auf den WACC aus?

Da Zinsaufwendungen steuerlich abzugsfähig sind, sinken die effektiven Kosten des Fremdkapitals. Dies wird durch den Faktor (1 - Steuersatz) im Berechnungsmodell berücksichtigt und führt in der Regel zu einem niedrigeren WACC.

Warum können Konkurrenten unterschiedliche WACC-Werte haben?

Unterschiedliche Kapitalstrukturen (Eigen- vs. Fremdkapitalanteil), verschiedene Risikoprofile (Beta-Faktor) und unterschiedliche Steuerlasten führen dazu, dass jeder Konkurrent einen spezifischen Kapitalkostensatz aufweist.

Welche Rolle spielt der Beta-Faktor?

Der Beta-Faktor misst die Volatilität einer Aktie im Vergleich zum Gesamtmarkt. Ein höherer Beta-Faktor deutet auf ein höheres Risiko hin und erhöht die geforderte Eigenkapitalverzinsung, was den WACC steigert.

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