07.06.2017

Investitionsprozess: Die dazugehörigen Phasen

Die erste Phase des Investitionsprozess bildet die Investitionsplanung, im Rahmen derer das Investitionscontrolling nicht nur die Aufgabe übernimmt, neue Investitionen anzuregen, sondern ebenso die Koordination der Investitionsplanung und des Investitionsvolumens sowie die Entscheidungsvorbereitung im Hinblick auf die Auswahl von Investitionsvorhaben.

Von: Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch   Drucken Teilen   Kommentieren  

Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch

Thomas Rautenstrauch ist Professor für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Accounting und Controlling sowie Leiter des Center for Accounting & Controlling an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich. Weiterhin ist er als Gastprofessor für Management Accounting im Executive MBA des Institute for Management in Technology (iimt) an der Universität Fribourg tätig. Thomas Rautenstrauch ist Autor von mehreren Fachbüchern und zahlreichen Artikeln in Fachzeitschriften und in der Wirtschaftspresse.

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Investitionsprozess

Die drei zentralen Phasen des Investitionsprozesses

Gerade die Anregung von neuen Investitionen erfordert einen intensiven Dialog mit den technischen Einheiten der Unternehmung sowie eine Auswertung der aggregatbezogenen Wartungs-, Reparatur- und Instandhaltungskosten, aus denen sich ebenso ein Investitionsbedarf ableiten lässt, sofern eine auffällige Kostenentwicklung in diesen Bereichen vorliegt.  

Die drei zentralen Phasen des Investitionsprozesses sind:

  • Planung & Beurteilung
  • Umsetzung bzw. Realisierung
  • Kontrolle

Investitionsplanung und -beurteilung

Die Investitionsplanung verläuft regelmässig in Abhängigkeit von den Investitionsarten, denn bei einer Erweiterungs- bzw. Ergänzungsinvestition werden auch andere Entscheidungskriterien angelegt als bei einer betriebsnotwendigen Ersatzinvestition. Die Abbildung (in der rechten Box zum downloaden) zeigt die wesentlichen Investitionsarten.  

Gerade im Rahmen einer strategischen Investitionsplanung können sich folgende Fragestellungen aus Sicht des Investitionscontrollings ergeben:

  1. Welche strategischen Prioritäten setzt das Unternehmen?
  2. Welche Investitionsalternativen bestehen?
  3. Sind die Investitionskonzepte strategiekonform geplant?
  4. Ist das Einzelvorhaben strategisch stimmig?
  5. Ist das Einzelvorhaben wirtschaftlich?

Somit ergeben sich als Anforderungen an eine strategische Investitionsplanung,                  

  • die Durchgängigkeit von der Unternehmensstrategie bis zur Einzelinvestition             
  • die Transparenz aller strategisch relevanten Aspekte des Einzelvorhabens                  
  • eine systematische Beurteilung von nicht oder nur schwer quantifizierbaren Faktoren          
  • die Berücksichtigung der Komponente Zeit               
  • die Fixierung und Verfolgung von Planungsprämissen               
  • eine Wirtschaftlichkeitsanalyse unter Einbeziehung strategischer Aspekte        
  • die Berücksichtigung von Opportunitätskosten             
  • das Aufzeigen von kritischen Einflussgrössen der Investitionsplanung

sicherzustellen.  

Für den Investitionsprozess ist bei der Investitionsplanung neben dem benötigten lang-, mittel- und kurzfristigen Investitionsbedarf auch der Bedarf an Betriebsmitteln sowie ein allfälliger Gründungsbedarf zu schätzen. Während langfristige Investitionen im Anlagevermögen sichtbar werden, zeigen sich kurz- bis mittelfristige Investitionen regelmässig im Umlaufvermögen. Zu den wichtigsten Gründungskosten lassen sich Kosten für Beratung, für Anmeldungen/Genehmigungen sowie die Eintragung ins Handelsregister nennen. Ebenso (in Abhängigkeit von der Rechtsform) können überdies Kosten für einen Notar, Aus- und Fortbildungskosten, Kautionen oder auch Markteinführungskosten als Bestandteile von Gründungskosten bzw. Gründungsinvestitionen angesehen werden.

Beispielrechnung zur Bestimmung der Vorteilhaftigkeit einer Investition

Das folgende Beispiel illustriert eine typische Situation im Rahmen der Investitionsplanung eines KMU:

Break-even-Rechnung
Die Anschaffungskosten einer neuen Maschine betragen CHF 240 000.–, wobei die Maschine über eine voraussichtliche Nutzungsdauer von 4 Jahren eingesetzt werden soll. Weitere jährliche Fixkosten sind in Höhe von CHF 15 000.– zu berücksichtigen.
Der nach Aussage vom Marketing erzielbare Stückpreis für ein mit der Maschine produziertes Produkt beträgt CHF 32.– bei variablen Stückkosten in Höhe von 16 EURO. Ab welcher Absatzmenge lohnt sich die Investition?
X = Fixkosten / Stück-Deckungsbeitrag = 75 000 / 32 – 16 = 5000 Stück
Erst ab einer Absatzmenge von mehr als 5000 Stück wird Gewinn erzielt.

Insgesamt gehören die folgenden Aufgaben zur Phase der Investitionsplanung und -beurteilung:       

  • Entwicklung von Instrumenten zur Investitionsplanung.          
  • Bereitstellung von Daten und Koordination der Informationsversorgung. 
  • Unterstützung bei der Festlegung des Investitionsbudgets.         
  • Kontrolle der Investitionsanträge.       
  • Unterstützung bei der Durchführung von Investitionsrechnungen.

Einsatz von Investitionsrechenverfahren zur Beurteilung

Im Rahmen der Investitionsbeurteilung werden Investitionsrechenverfahren zwar vorwiegend zur Bewertung der wirtschaftlichen Vorteilhaftigkeit der Investitionsvorhaben eingesetzt, doch sie sind darüber hinaus auch für Bereitstellungsentscheidungen sowie Investitionskontrollen von grosser Bedeutung. Man unterscheidet hier die Gruppe der statischen Investitionsrechenverfahren von der Gruppe der dynamischen Investitionsrechenverfahren, die beide in der Praxis eine hohe Bedeutung haben, auch wenn sie Risiko- bzw. Unsicherheitsüberlegungen unberücksichtigt lassen.  

Bei einem Investitionsprozess basieren die statischen Verfahren der Investitionsrechnung auf der Betrachtung der durchschnittlichen Kosten und Erlöse einer Investition unter Bezug auf eine Referenzperiode, weshalb eine Betrachtung der exakten Zahlungsstruktur und Zinswirkung hier unterbleibt. Insofern handelt es sich bei den statischen Verfahren um eine einperiodische, durchschnittliche Erfolgs- und Rentabilitätsrechnung mit Abschreibungen sowie mit dem Ansatz von Zinskosten nach dem Prinzip der Durchschnittswertverzinsung.  

Zu den statischen Verfahren zählen im Einzelnen die Kosten-, die Gewinn-, die Rentabilitäts- und die statische Amortisationsvergleichsrechnung. Zusammenfassend sind die wichtigsten Merkmale der statischen Verfahren folgende:                 

  • Sie basieren auf Erfolgsgrössen.               
  • Sie berücksichtigen keine Zeitpräferenz zum Geld.        
  • Sie bilden die Kapitalbindung der Investition nur unzureichend ab.
  • Sie rechnen mit Restbuchwerten.  

Mit Hilfe der dynamischen Verfahren werden sämtliche mit einer Investition verbundenen Ein- und Auszahlungen erfasst und vergleichbar gemacht. Dazu werden die Zahlungen entweder auf den Anfangspunkt der Investition zum Barwert abgezinst, auf den Endzeitpunkt zum Endwert aufgezinst oder zu einem beliebigen Zeitpunkt der Investition mit dem Jahreswert unter Einsatz der finanzmathematischen Zinseszinsrechnung berechnet.  

Die folgenden Merkmale sind den dynamischen Methoden der Investitionsrechnung zuzurechnen:     

  • Sie basieren auf Zahlungsströmen.         
  • Sie berücksichtigen die Zeitpräferenz zum Geld durch Zins- und Zinseszinsrechnung.       
  • Durch sie wird die effektive Kapitalbindung abgebildet.  

Zu den traditionellen dynamischen Investitionsrechenverfahren gehören:          

  • Kapitalwertmethode: ermittelt die Vermögensmehrung zu Beginn des Investitionszeitraumes.         
  • Endwertmethode: ermittelt die Vermögensmehrung zum Ende des Investitionszeitraumes.        
  • Annuitätenmethode: Umrechnung des Kapitalwertes in eine Annuität oder auf einen konstanten Entnahmestrom abstellende Endwertmethode. 
  • Methode des internen Zinssatzes.  

Investitionsumsetzung

Bei einem Investitionsprozess ist die Investitionsumsetzung gekennzeichnet durch den Erwerb des Investitionsobjekts, der eine Bestellung und Lieferung einschliesst und an den sich weiterhin die Inbetriebnahme des Objekts sowie gegebenenfalls Schulungsmassnahmen für das Personal anschliessen können. Zur zentralen Herausforderung während der Investitionsumsetzung gehört die Kontrolle des Investitionsprojektes in sachlicher und zeitlicher Hinsicht. Hierzu gehört vor allem die Mittelkontrolle im Rahmen derer sichergestellt werden muss, dass das dem Projekt zugesprochene Finanzmittelbudget nicht überschritten wird sowie die wesentlichen Projekt(teil)ziele bzw. Meilensteine zeitlich und wirtschaftlich erreicht werden. Eine solche projektbegleitende Kontrolle schliesst regelmässig eine Termin-, Kosten- und Leistungskontrolle mit ein. Weiterhin kann aus Sicht des Investitionscontrollings ebenso die Erstellung von laufenden Berichten über Bestellungen, über Liefertermine, Zahlungsfristen, Investitionsauszahlungen oder die Budgetausnutzung als begleitende Unterstützung in der Realisierungs- oder Umsetzungsphase einer Investition einen wichtigen Beitrag leisten.

Investitionskontrolle bei einem Investitionsprozess

An die Investitionsumsetzung schliesst sich nahtlos die Phase der Investitionskontrolle an, im Rahmen derer die folgenden Aufgaben zu erledigen sind:  

  • Durchführung von Investitionsnachrechnungen.         
  • Unterstützung der Budgetkontrolle.             
  • Durchführung der bilanzorientierten Kapital- und Vermögensbindungskontrolle.  

Die betriebliche Praxis zeigt, dass eine ergebnisorientierte Investitionskontrolle zwar vielfach aus Kapazitäts- und Kostengründen vernachlässigt wird, allerdings sollte das Investitionscontrolling darum besorgt sein, dass wenigstens bei Grossprojekten oder in anderer Weise als kritisch zu bewertende Investitionsprojekte eine Investitionskontrolle erfolgt und somit der notwendige Lernprozess starten kann.

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