Traditionelle Budgetierung: Die Vor- und Nachteile der klassischen Budgetierung

KURZ ZUSAMMENGEFASST

Die traditionelle Budgetierung ist ein stark am Rechnungswesen orientierter Prozess, der auf Vergangenheitswerten und jährlichen Fortschreibungen basiert. Sie zeichnet sich durch einen hohen Detaillierungsgrad und feste Jahresziele aus, bietet jedoch in volatilen Märkten oft zu wenig Flexibilität. Während sie Stabilität und klare Motivation für Mitarbeitende schafft, kann die starre Ausrichtung auf interne Ziele und der hohe Zeitaufwand zu Ineffizienzen führen.

Die wichtigsten Punkte:

  • Basis bilden Vergangenheitswerte und Marktforschung für Absatz- und Produktionspläne.
  • Der Prozess ist stark formalisiert und erfolgt meist im Gegenstromverfahren.
  • Kritischer Punkt: Die jährliche Budgetfortschreibung berücksichtigt oft keine schrumpfenden Budgets.
  • Stärken liegen in der Einfachheit und Stabilität, Schwächen in der Starrheit und Kostenintensität.
17.06.2026 Von: Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch
Traditionelle Budgetierung

Was sind die Vor- und Nachteile der traditionellen Budgetierung für Schweizer Unternehmen?

Die klassische oder traditionelle Budgetierung ist stark am Rechnungswesen orientiert und erfordert somit von den Beteiligten ein umfassendes Verständnis für die bilanziellen Zusammenhänge und Buchhaltung.

Produkt- und marktbezogene Absatz- und Umsatzpläne

Als Ausgangslage verwendet die traditionelle Budgetierung meist die produkt- und marktbezogenen Absatz- und Umsatzpläne. Die Basis für die Daten kommt aus der Marktforschung und aus den Vergangenheitswerten, damit bilden sie den Grundstein für die Bestimmung der Pläne für die Produktion bzw. Leistungserstellung. Anschliessend leiten sich aus den Produktionsplänen die Beschaffungspläne ab. Für die Beschaffungspläne steht bei den Unternehmen oft eine analytische Datenbasis zu Verfügung, wie Stücklisten für die Produkte.

Die Planungsbasis für die administrativen und dispositiven Leistungen in Absatz, Produktion und Beschaffung ist oft deutlich ungenauer zu ermitteln. Für diese Kosten werden häufig Vergangenheitswerte verwendet, worin aber zugleich ein Problem liegt, da die Vergangenheit für zukunftsorientierte Pläne nur eingeschränkt aussagekräftig ist.

Vor allem bei der inkrementellen Budgetierung bzw. Budgetfortschreibung wächst das Volumen des Budgets jährlich und es wird lediglich über die Budgeterhöhung verhandelt, aber nicht das bisherige Budget in Frage gestellt. Somit wird hierbei auch nicht die Möglichkeit schrumpfender Budgets in Betracht gezogen, was angesichts der heutigen volatilen Entwicklungen auf vielen Märkten jedoch notwendig erscheint.

Es findet sich in der traditionellen Budgetierung oft die Vereinbarung von Zielen sowie auch Belohnungen und Mittel zur Erreichung von diesen vereinbarten Zielen zwischen dem Management und den Mitarbeitern. Damit soll die Motivation der Mitarbeiter erhöht werden, sich für die gleichen Ziele wie diejenigen der Geschäftsführung einzusetzen und diese wenn immer möglich sogar zu übertreffen.

Die traditionelle Budgetierung wurde in der heute bekannten Form bereits in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts entwickelt, um die zunehmend diversifizierten und komplexen Unternehmen zu steuern, allerdings mit der Einschränkung, dass man sich ursprünglich an einem hierarchischen, arbeitsteilig organisierten Grossunternehmen orientierte.

Traditionelle Budgetierung: Die wichtigsten Eigenschaften

  1. Koordination durch Pläne: Die Koordination der Entscheidungseinheiten erfolgt durch die Formulierung und Kommunikation von Budgets.
  2. Mittlerer Grad der Dezentralisierung: Es wird ein mittlerer Dezentralisierungsgrad für die Koordination gewählt, womit regelmässig das bereits oben erläuterte Gegenstromverfahren gemeint ist.
  3. Vollständigkeit und Detaillierung: Die klassische Budgetierung ist durch eine hohe Detaillierungstiefe gekennzeichnet. Durch die steigende Anwendung des Cashflows, Working Capital oder den Economic Value Added™ (EVA) im Zusammenhang mit der Budgetierung hat die Anzahl der zu beplanenden Position eher noch zugenommen.
  4. Fortschreibungsplanung: In der Praxis basiert das Budget oft auf vergangenheitsorientierten Werten, welche jährlich fortgeschrieben werden. Die Neuplanung der Positionen erfolgt sehr eingeschränkt. Auch eine Verkleinerung des Budgets wird meist nicht in Betracht gezogen.
  5. Absolute, intern orientierte Ziele: Die Budgetierung dominiert oft durch einen internen Fokus und nur die internen Ziele werden verfolgt. Die marktorientierte Budgetierung wird meist nicht angewendet.
  6. Mittelfristplanungsfokus: Bei der Budgeterstellung ist der Budgetverantwortliche meist in einem gewissen Umfang eingebunden. Für die Budgetkontrolle wird eher eine Fremdkontrolle angewendet, das heisst vor allem das Controlling oder Accounting erstellt die Abweichungsanalysen.
  7. Einjahresfokus: Im klassischen Verständnis bezieht sich die Budgetierung auf das Geschäftsjahr als Budgetzeitraum. Forecast oder Hochrechnungen unter dem Jahr sind immer auf das Geschäftsjahresende gerichtet.
  8. Begrenzte Partizipation: Nur bei der Budgeterstellung ist der Budgetverantwortliche regelmässig aktiv eingebunden, während die Budgetkontrolle im Sinne einer Fremdkontrolle primär durch das Controlling oder Accounting z.B. mittels Abweichungsanalysen erfolgt.
  9. Kombination von Prognose und Motivation: Durch die Kombination von Prognose und Motivation über ein Budget können unerwünschte Verhaltenswirkungen die Verlässlichkeit der Budgetierung beeinträchtigen.
  10. Starke Formalisierung, aber begrenzte Unterstützung durch Planungswerkzeuge: In der Praxis ist die Budgetierung mehrheitlich durch einen hohen Formalisierungsgrad geprägt, jedoch ohne dass dabei eine spezialisierte Planungssoftware zur Anwendung kommt.

Checkliste

  • Verfügen Sie über eine stabile analytische Datenbasis (z. B. Stücklisten) für die Planung?
  • Sind Ihre Märkte vorhersehbar genug, um Vergangenheitswerte als solide Basis zu nutzen?
  • Ist ein hoher Detaillierungsgrad in der Planung für Ihre Prozesse notwendig?
  • Können Sie den hohen Zeitaufwand und die Kosten für den Budgetierungsprozess tragen?
  • Ist Ihr Unternehmen stark hierarchisch organisiert, wie es die klassische Methode voraussetzt?
  • Sind Sie bereit, Budgetziele primär als interne Vorgaben und nicht als marktorientierte Ziele zu definieren?
  • Besteht die Gefahr von Budgetspielen oder dem Einbau von Puffern in Ihren Prozessen?
  • Ist die Motivation Ihrer Mitarbeitende stark an die Erreichung von Jahreszielen gekoppelt?
  • Verfügen Sie über eine eingespielte Abteilung für Controlling oder Accounting zur Fremdkontrolle?

Vorteile durch die traditionelle Budgetierung

  • Hoher Detaillierungsgrad
  • Einfachheit
  • Mitarbeitende bewegen sich in gewohnten Strukturen
  • Eingespielter Prozess
  • Budgets sind stabil
  • Fehler im Prozess wurden bereits eliminiert

Nachteile durch die traditionelle Budgetierung

  • Zeitaufwendig
  • Kostenintensiv
  • Starr/unflexibel
  • Fixierung auf ein Jahr
  • Auslöser für Budgetspiele
  • Fortschreibung der Kosten vom Vorjahr
  • Einbau von Puffern
  • Verfolgung von rein monetären Strategien

FAQ: Traditionelle Budgetierung

Auf welchen Daten basiert die traditionelle Budgetierung?

Sie stützt sich primär auf produkt- und marktbezogene Absatz- und Umsatzpläne, die aus Marktforschung und Vergangenheitswerten abgeleitet werden.

Was ist das Hauptproblem der inkrementellen Budgetierung?

Das Budgetvolumen wächst jährlich durch Fortschreibung, ohne dass das bisherige Budget hinterfragt wird; schrumpfende Budgets werden kaum in Betracht gezogen.

Welche Rolle spielen Mitarbeitende im Prozess?

Mitarbeitende sind aktiv bei der Erstellung eingebunden, um Motivation zu fördern, während die Kontrolle meist durch das Controlling als Fremdkontrolle erfolgt.

Warum gilt die traditionelle Budgetierung als unflexibel?

Da sie auf einem Einjahresfokus beruht und Neuplanungen nur eingeschränkt stattfinden, reagiert sie schlecht auf volatile Marktentwicklungen.

Welche Vorteile bietet die klassische Methode trotz der Nachteile?

Sie bietet einen hohen Detaillierungsgrad, Einfachheit im Prozess und schafft stabile, gewohnte Strukturen für die Mitarbeitenden.

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