Advanced Budgeting: Höhere Planungsqualität durch Vereinfachung

KURZ ZUSAMMENGEFASST

Advanced Budgeting löst sich von der starren, vergangenheitsorientierten Budgetierung hin zu einem zukunftsgestaltenden Prozess. Anstelle von detaillierten, aus historischen Daten abgeleiteten Werten stehen strategische Zielvorgaben und externe Benchmarks im Mittelpunkt. Durch den Einsatz von Globalbudgets, nicht-finanziellen Steuerungsinstrumenten wie der Balanced Scorecard und selbstadjustierenden Zielen wird die Planungsrelevanz erhöht und der administrative Aufwand signifikant reduziert.

Die wichtigsten Punkte:

  • Strategieanbindung: Operative Massnahmen leiten sich direkt aus langfristigen Unternehmenszielen ab.
  • Benchmarkorientierung: Planung basiert auf externen Zielvorgaben statt internen Kostenfortschreibungen.
  • Aggregation: Detaillierte Kostenarten werden zu Globalbudgets zusammengefasst, um Komplexität zu senken.
  • Dynamik: Rollierende Forecasts ersetzen statische Jahresbudgets für höhere Aktualität.
  • Steuerung: Nicht-finanzielle Kennzahlen ergänzen rein monetäre Grössen.
03.01.2026 Von: Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch, WEKA Redaktionsteam
Advanced Budgeting

Wie funktioniert Advanced Budgeting zur Steigerung der Planungsqualität und Reduktion des Aufwands?

Trotz des vergleichsweise hohen Aufwands verlieren Budgets heute häufig innerhalb kurzer Zeit ihre Relevanz und werden von der Realität überholt, was ihren Sinn immer fragwürdiger erscheinen lässt. Aufgrund von veränderten Marktsituationen empfinden immer mehr Controller und Manager die Budgetierung nicht mehr als passend bzw. zeitgemäss. Das Ziel des Advanced Budgeting ist, die Planungsqualität zu erhöhen, den Budgetierungsaufwand zu reduzieren und die Bedeutung von Budgets mittelfristig zu reduzieren.

Grundzüge des Advanced Budgeting

Die grosse Herausforderung besteht beim Advanced Budgeting zum einen darin, aus dem Pool unterschiedlicher Lösungen, Methoden und Instrumente diejenigen zu identifizieren, die überdurchschnittlich wirkungsvoll sind, und zum anderen darin, die verschiedenen Elemente in eine widerspruchsfreie Gesamtkonzeption zu überführen.

Anders als die traditionelle Budgetierung hat das Advanced Budgeting auch einen die Zukunft gestaltenden Charakter. Damit grenzt es sich deutlich von der Prognose ab, die nur auf eine Vorhersage der Zukunft abzielt. Am Anfang des Planungs- und Budgetierungsprozesses stehen beim Advanced Budgeting daher Zielvorgaben und keine aus der Vergangenheit abgeleiteten, sich voraussichtlich ergebenden (Plan-)Werte.

MerkmalBeschreibung
Starke StrategieanbindungEs werden Strategien und Ziele formuliert, die nicht nur auf finanziellen Grössen basieren. Damit ist das Advanced Budgeting ein geeignetes Instrument, um die Unternehmensstrategie in operative Massnahmen umzusetzen. Durch diese Konkretisierung der Strategie wird auch das Übertragen von strategischen Überlegungen in operative Budgets vereinfacht.
Benchmarkorientierte PlanungBeim Advanced Budgeting basiert die Planung auf extern orientierten Benchmarks (Ziele). Diese Benchmarks werden von der Unternehmensleitung für die Budgeterstellung definiert und sind die Grundlage für alle weiteren Planungen. Die Fortschreibung von intern orientierten Kostenzielen, was im Rahmen der traditionellen Budgetierung von grosser Bedeutung ist, findet aber keine Anwendung mehr.
Höhere Aggregationsstufe

In vielen Unternehmen werden zahlreiche Kostenarten nur geplant, weil dies schon immer der Fall war. Ob diese Grössen für die Zielerreichung von Bedeutung sind, ist nur von geringer Relevanz. Durch diese "Gewohnheit" ist der Detaillierungsgrad in der Regel viel höher als erforderlich. In vielen Fällen würde es ausreichen, aggregierte Grössen zu budgetieren. So könnte man beispielsweise die Kostenarten Miete, Reinigung, Grundsteuer, Abwasser etc. zur Planungsposition "Raumkosten" zusammenfassen.

Beim Advanced Budgeting werden daher detaillierte Budgets für diverse Planungsobjekte durch Globalbudgets ersetzt, bei denen Kostenstellen und –arten nicht detailliert geplant werden. Dennoch sind Detailbudgets auch beim Advanced Budgeting nicht völlig bedeutungslos. Sie werden allerdings nur noch für Bereiche mit hoher Dynamik und Komplexität erstellt. Umso wichtiger ist es, das Umfeld des Unternehmens gründlich zu analysieren, um hierdurch Erkenntnisse für die Budgetierungstiefe zu erhalten.

Einsatz nicht finanzieller SteuerungsinstrumenteDas Advanced Budgeting setzt nicht nur auf monetäre Grössen, sondern auch auf nicht finanzielle Steuerungsinstrumente. Zu den am häufigsten eingesetzten Instrumenten gehört hierbei die Balanced Scorecard.
Selbstadjustierende ZieleBudgetziele werden beim Advanced Budgeting nicht nur absolut, sondern – vor allem in marktnahen Bereichen – auch relativ zu anderen Parametern und damit selbstadjustierend definiert. So werden beispielsweise Umsatzziele nicht nur durch einen absoluten Wert fixiert, sondern auch auf Basis eines relativen Marktanteils festgelegt.

Checkliste

  • Analysieren Sie die aktuelle Budgetierungstiefe und identifizieren Sie unnötige Detailgrade.
  • Definieren Sie klare strategische Zielvorgaben, die als Basis für alle Budgetplanungen dienen.
  • Ermitteln Sie relevante externe Benchmarks, um die Planung marktorientiert auszurichten.
  • Entscheiden Sie, welche Bereiche Globalbudgets erhalten und wo detaillierte Planungen notwendig bleiben.
  • Integrieren Sie nicht-finanzielle Steuerungsinstrumente wie die Balanced Scorecard.
  • Führen Sie selbstadjustierende Ziele ein, die relative Parameter wie Marktanteile berücksichtigen.
  • Etablieren Sie einen rollierenden Forecast als zentrales Element der laufenden Planung.
  • Schulen Sie Controller und Manager in den neuen Methoden und der strategischen Ausrichtung.
  • Analysieren Sie das Unternehmensumfeld gründlich, um die optimale Budgetierungstiefe zu bestimmen.
  • Sichern Sie die widerspruchsfreie Integration aller Elemente in eine Gesamtkonzeption.

Im Rahmen des Advanced Budgeting sind die Zielvorgaben in der Regel ein Ergebnis der strategischen Planung, deren langfristige Ziele zumindest auf die Ebene der Geschäftsbereiche heruntergebrochen werden.

Als Bindeglied zur Überführung der strategischen Langzeitziele in die operative Planung bzw. Budgetierung kommt häufig die Balanced Scorecard zum Einsatz. Dieses Instrument hat sich in den letzten Jahren zur Strategiekonkretisierung bewährt, da sie die strategischen Ziele hervorragend operationalisieren kann.

Der rollierende Forecast als zentrales Element des Advanced Budgeting

Zentrales Element des Advanced Budgeting ist die Erstellung eines Rollierenden Forecasts. Über dieses Instrument informiert Sie der Beitrag «Rollierender Forecast» ausführlich.

FAQ: Advanced Budgeting

Was ist der Hauptunterschied zwischen traditioneller Budgetierung und Advanced Budgeting?

Die traditionelle Budgetierung leitet Werte aus der Vergangenheit ab und ist oft statisch. Advanced Budgeting ist zukunftsorientiert, basiert auf strategischen Zielvorgaben und externen Benchmarks und nutzt rollierende Forecasts für mehr Dynamik.

Warum werden detaillierte Budgets durch Globalbudgets ersetzt?

Ein hoher Detaillierungsgrad führt oft zu unnötigem Aufwand ohne Mehrwert für die Zielerreichung. Globalbudgets fassen Kostenarten zusammen (z. B. zu «Raumkosten») und fokussieren die Planung auf Bereiche mit hoher Dynamik und Komplexität.

Wie helfen nicht-finanzielle Instrumente beim Budgeting?

Instrumente wie die Balanced Scorecard operationalisieren strategische Ziele, die nicht nur finanzieller Natur sind. Sie ermöglichen eine ganzheitlichere Steuerung und Konkretisierung der Unternehmensstrategie in operative Massnahmen.

Was bedeutet «selbstadjustierende Ziele» im Kontext des Advanced Budgeting?

Ziele werden nicht nur absolut (z. B. ein fester Umsatzbetrag), sondern relativ zu Parametern wie dem Marktanteil definiert. So passen sich die Budgetziele automatisch an veränderte Marktsituationen an, ohne dass eine Neuplanung nötig ist.

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