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Cash-Pooling: Cash-Pooling als Konzept des Liquiditätsmanagements

In einer Unternehmensgruppe bzw. einem Konzern wird heute vielfach die Finanzfunktion zentralisiert, um Betriebsgrössenvorteile zu nutzen, die durch die Zusammenlegung (engl. Pooling) von Finanzbedarfsdeckung oder von freier (überschüssiger) Liquidität entstehen. Es wird vor allem die Effizienz von Cashflows gesucht, bei der das Cash-Pooling eine zunehmend wichtige Rolle spielt. Da das Cash-Pooling sehr viele Vorteile verspricht, gibt es immer mehr Unternehmensgruppen, die es einsetzen. Auf der anderen Seite gibt es zahlreiche Praxisbeispiele dafür, dass die Einführung des Cash-Poolings auch Nachteile und Risiken mit sich bringen kann. Dieser Beitrag zeigt Ihnen auf, wie das Cash-Pooling funktioniert und welche Vor- und Nachteile bestehen.

08.02.2022 Von: Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch
Cash-Pooling

Funktionsweise und Ziele des Cash-Poolings

Da die Finanzplanung und -kontrolle zu den nicht übertragbaren bzw. entziehbaren Verantwortlichkeiten eines Verwaltungsrats gehört, kommt der Frage des Cash-Poolings auch in der Praxis Schweizer Konzerne eine grosse Bedeutung zu. Im Folgenden werden deshalb die Grundzüge des Cash-Poolings und zugehörige Konzepte in kompakter Form vorgestellt.

Beim sogenannten Cash-Pooling werden die Kontostände bzw. die Barmittel der einzelnen Gesellschaften in einem Konzern entweder physisch oder virtuell zusammengefasst, und zwar mit dem Ziel, die Liquidität des Konzerns besser steuern zu können. Zugleich soll diese Zusammenführung des Geldes zu einer effizienteren Nutzung von Investitionen oder für das tägliche Geschäft führen, da so jederzeit flüssige Mittel zur Verfügung stehen.

Im Hinblick auf die Reichweite der Zusammenführung unterscheidet man zwischen einem “domestic pool”, bei dem diese Zusammenführung aller Konten in einem Land erfolgt, und einem “cross-border pool”, bei dem die Konten aus mehreren Ländern zusammen miteinbezogen werden. In der Regel ist ein Cash-Pooling nur dann wirtschaftlich rentabel, wenn sich die ganze Struktur der beteiligten Konten bei einer Bank oder Bankengruppe befindet (Giegerich, 2010).

Abbildung 1: Beispiel Cash-Pooling im Konzern (Quelle: Barthold, 2012)

Mit der Einrichtung eines Cash-Pools werden vor allem die folgenden Ziele verfolgt:

  • Optimierung der Zinssituation
  • bessere Koordination der Liquidität
  • Konzentration der Liquidität ermöglicht bessere Konditionen bei einer Kreditaufnahme
  • Unabhängigkeit gegenüber externen Investoren/Kreditgebern
  • bessere Verfügbarkeit der Liquidität

Ein übergreifendes Ziel einer Unternehmensgruppe ist es, sich mit eigenem Geld zu finanzieren und möglichst lange unabhängig zu bleiben. Daneben ist es ebenfalls sehr wichtig, die eigenen flüssigen Mittel bei einer sicheren Bank zu hinterlegen, was seit der Finanzkrise der Jahre 2007 und 2008, als mehrere weltweit tätige Banken fast bankrottgingen, nicht mehr selbstverständlich ist. Seither ist offenkundig, wie anfällig das weltweite Finanz- und Bankensystem ist, weshalb durch eine Unternehmensgruppe auch die Finanzrisiken verteilt werden, denn durch mehrere Bank-/Finanzierungsverbindungen kann eine gewünschte Risikodiversifikation erreicht werden.

Arten von Cash-Pooling

Notional Pooling (virtuelles Cash-Pooling)

Beim Notional Cash-Pooling werden lediglich rechnerisch (virtuell) die Banksalden auf einen Master Account zusammengeführt. Durch diese Zusammenführung lassen sich in der Regel höhere Haben- und niedrigere Sollzinsen vereinbaren. Das virtuelle Cash-Pooling wird in der Praxis allerdings nur selten angewendet, da die Auswahl der Banken, die diesen Service anbieten, gering ist und weil nicht genügend Zinsoptimierungspotenzial vorhanden ist (Handschin, 2006).

Zero Balance (physisches Cash-Pooling)

Beim sogenannten Zero Balancing oder physischen Cash-Pooling führt jede Konzerngesellschaft ein eigenes Konto bei einer Pool-Bank. Bei diesem Vorgehen werden die Saldi der Einzelkonten täglich auf ein von einem Pool Leader geführtes zentrales Konto, den sogenannten Master Account, überführt – und zwar nicht nur rechnerisch, sondern auch physisch. Dies geschieht automatisch zu einem bestimmten Zeitpunkt entweder komplett oder bis zu einem festgesetzten Betrag. In den meisten Fällen gibt es auch zusätzlich ein tägliches Limit, das der Konzerngesellschaft zur Verfügung steht. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass die Gesellschaften jederzeit ausreichend finanzielle Mittel für den täglichen Bedarf zur Verfügung haben. Die Überführung des Geldes auf den Master Account führt – rechtlich gesehen – zu einer Darlehensposition. Das heisst, die Tochtergesellschaft, die das Geld täglich auf den Master Account überführt, wird durch diese Transaktion automatisch ein Darleiher, und der Geldempfänger, der sogenannte Pool Leader, wird ein Borger. Umgekehrt wird der Pool Leader zum Darleiher, wenn eine Tochtergesellschaft das Geld ausleiht bzw. wenn das Banksaldo negativ wird. Erwähnt werden muss, dass in der Praxis diese Art des Cash-Pools am häufigsten genutzt wird (Giegerich, 2010).

Abbildung 2: Cash-Pooling nach der Zero-Balancing-Methode

Anhand des Beispiels in Abbildung 2 wird vereinfacht erklärt, wie ein Cash-Pooling nach der Zero-Balancing-Methode funktioniert. Die B-GmbH zeigt einen positiven Kontensaldo, der automatisch auf den Master Account überwiesen wird. Im Unterschied dazu zeigt die A-GmbH einen negativen Saldo; diese negative Differenz muss von dem Master Account noch am selben Tag ausgeglichen werden, damit am Tagesschluss ein Saldo von null erreicht wird. Nach diesen Bankbuchungen bleibt ein Überschuss von 75 000,– CHF, mit dem über den Master Account weitere nötige oder geplante Investitionen in der Gruppe getätigt werden können bzw. mit dem die Muttergesellschaft diese weiteren nötigen oder geplanten Investitionen in der Gruppe tätigen kann.

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