28.03.2018

Cash Flow-Berechnung: So beurteilen Sie die Finanz- und Ertragskraft Ihres Unternehmens

Das Ziel einer Cash Flow-Berechnung (synonyme Bezeichnungen für Cash Flow Rechnung sind Kapitalflussrechnung, Geldflussrechnung oder Mittelflussrechnung) ist es, die Veränderung des Fonds Flüssige Mittel eines Berichtszeitraums zu ermitteln. Hierzu stehen die zahlungsgleichen Wertbewegungen des Berichtszeitraums bei der Berechnung im Mittelpunkt.

Von: Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch   Drucken Teilen  

Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch

Thomas Rautenstrauch ist Professor für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Accounting und Controlling sowie Leiter des Center for Accounting & Controlling an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich. Weiterhin ist er als Gastprofessor für Management Accounting im Executive MBA des Institute for Management in Technology (iimt) an der Universität Fribourg tätig. Thomas Rautenstrauch ist Autor von mehreren Fachbüchern und zahlreichen Artikeln in Fachzeitschriften und in der Wirtschaftspresse.

Cash Flow-Berechnung

Wichtiges Element der Unternehmensplanung

Der Cash Flow gilt als wichtiger Erfolgsindikator, da die Cash Flow-Berechnung im Gegensatz zur Erfolgsrechnung nicht durch bilanzpolitische Einflüsse verzerrt wird, weshalb dieser vor allem für Zwecke der Finanzanalyse regelmässig den Vorzug vor Gewinngrössen erhält. Weil der Cash Flow weiterhin auch zur Selbstfinanzierung der Organisation informiert, bildet die zukunftsgerichtete Cash Flow-Berechnung ein wichtiges Element der Unternehmensplanung. Ein zu geringer Cash Flow aus der Geschäftstätigkeit lässt beispielsweise bereits im Rahmen der Planungsphase erkennen, ob die Investitionsvorhaben der Planungsperiode selbst finanzierbar sind oder einen zusätzlichen Aussenfinanzierungsbedarf auslösen.

Cash Flow-Rechnung als Element des Jahresabschlusses  

Die Cash Flow Rechnung ist ausserdem ein Pflichtelement des Jahresabschlusses bei allen anerkannten Standards zur Rechnungslegung und ebenso nach Schweizer Aktienrecht haben die grösseren Unternehmen gemäss Art. 961 OR eine Cash Flow-Rechnung als Teil der Jahresrechnung zu erstellen. Für die Cash Flow Rechnung als Element der Rechnungslegung besteht unabhängig vom jeweiligen Standard die Notwendigkeit, die Veränderung des jeweiligen Fonds (in der Regel ist dies der Fonds Flüssige Mittel bzw. Netto-Flüssige Mittel) entlang einer dreiteiligen Cash Flow-Rechnung darzustellen: zunächst wird der Geldfluss aus der Geschäftstätigkeit ermittelt, anschliessend der Geldfluss aus der Investitionstätigkeit und abschliessend der Geldfluss aus der Finanzierungstätigkeit. Die kumuierte Betrachtung dieser drei einzelnen Cash Flows zeigt dann die Veränderung des Fonds für die Berichtsperiode an und muss sich systembedingt zur Bilanzveränderung des gewählten Fonds abstimmen lassen.  

Zusammensetzung und Vorgehensweise zur rechnerischen Ermittlung  

Die Cash Flow-Rechnung stellt die Veränderung der flüssigen Mittel aus der Geschäftstätigkeit, der Investitionstätigkeit und der Finanzierungstätigkeit jeweils gesondert dar. Der Cash Flow aus der Geschäftstätigkeit zeigt die Einzahlungsüberschüsse aus der operativen Betriebstätigkeit einschliesslich aller Nebengeschäfte. Die Ermittlung des Cash Flow aus der Geschäftstätigkeit kann nach dem direkten oder dem indirekten Verfahren erfolgen. Beide Verfahren liefern grundsätzlich das gleiche zahlenmässige Ergebnis, jedoch unterscheiden sie sich in der Herangehensweise und im Hinblick auf den notwendigen Rechenaufwand.  

Beim direkten Verfahren wird der Cash Flow rechnerisch aus dem Umsatz abgeleitet. Das heisst, es werden die verschiedenen betrieblichen Auszahlungen von den betrieblichen Einzahlungen einer Periode subtrahiert. Dieses Verfahren ist jedoch in der Praxis selten anzutreffen, da durch den Grundsatz der Abgrenzung nach der Sache und der Zeit in der doppelten Buchführung keine adäquate Erfassung erfolgt, um die direkte Methode anwenden zu können. Günstige Anwendungsvoraussetzungen für die direkte Methode bestehen dagegen, wenn ein Unternehmen eine einfache Buchhaltung im Sinne einer Einnahmen-/Ausgaben-Rechnung anwendet («Milchbüchleinrechnung»).  

Die indirekte Methode startet dagegen mit dem Jahresergebnis bzw. dem Gewinn und addiert die kurzfristig nicht-zahlungswirksamen Aufwendungen (z.B. Abschreibungen oder Zuführung zu Rückstellungen), während nicht-zahlungswirksame Erträge (z.B. Zuschreibungen oder die Auflösung von Rückstellungen) subtrahiert werden. Zusätzlich berücksichtigt die indirekte Methode die Veränderungen des Netto-Umlaufvermögens.  

Der Cash Flow aus der Investitionstätigkeit umfasst die Auszahlungen für Investitionsvorhaben aller Art sowie die Einzahlungen aus Desinvestitionen (Veräusserung von Investitionsgütern).  

Der Cash Flow aus der Finanzierungstätigkeit stellt das Ergebnis aus Finanzierungs- und Definanzierungsaktivitäten dar, mittels derer die Summe und Struktur des Kapitals verändert werden.  

Freier Cash Flow  

Die kumulierte Betrachtung des Cash Flow aus der Geschäftstätigkeit und des Cash Flow aus der Investitionstätigkeit führt zum sogenannten Freien Cash Flow («Free Cash Flow») und gibt somit den Teil des erwirtschafteten Zahlungsüberschusses an, der für Dividendenausschüttung, Darlehensgewährung, Rückzahlung von Eigen- und Fremdkapital oder zur Reservebildung verwendet werden kann. Der Freie Cash Flow ist daher auch für die Beurteilung des Innenfinanzierungsspielraums sowie für die Unternehmensbewertung nach der Discounted Cash Flow-Methode die zentrale Ausgangsgrösse.  

Somit ist der Cash Flow für die Finanzplanung und –kontrolle, welche gemäss Art. 716a OR zu den unentziehbaren und nicht delegierbaren Aufgaben des Verwaltungsrats gehören, von zentrale Bedeutung. Mit der Finanzplanung wird die Finanzmittelausstattung (Liquidität) und die Kapitalstruktur einer Organisation prospektiv ermittelt und somit stellt auch die Cash Flow-Berechnung einen wesentlichen Teil dieser Finanzplanung dar.  

Aktives Cash Flow-Management  

Das Cash Flow-Management übernimmt die grundlegende Aufgabe, die Höhe des Cash Flow zielorientiert zu gestalten, wobei auf eine Veränderung der Leistungsströme verzichtet wird. So kann der Cash Flow beispielsweise durch die Optimierung des Debit- und Credit-Management sowie durch ein zielgerichtetes Bestandsmanagement im Bereich des Umlaufvermögens auch ohne Eingriffe in die Beschafffungs- und Absatzprozesse verbessert werden.  

Andererseits kann der Cash Flow durch bilanzpolitische Massnahmen gestaltet werden, wenn sich Unternehmen für die Miete bzw. Leasing von Sachanlagen anstelle eines Kauf mit zugleich notwendigen Abschreibungen entscheiden. Ebenfalls wirken sich Entscheidungen wie Sale-and-Lease-back-Geschäfte oder Factoring (Verkauf von Forderungen) auf die Höhe des Cash Flow aus. Dagegen führen beispielsweise Rechnungsabgrenzungen und Rückstellungspolitik nicht zu Geldabflüssen, wohl aber zu Gewinnveränderungen. Auch deshalb beziehen die Bonitäts- und Kreditwürdigkeitsbeurteilungen den Cash Flow eines Unternehmens sowie dessen Liquidität und Finanzplan mit ein. Ein fehlendes Cash Flow-Management ist daher nicht nur als fahrlässig zu beurteilen, sondern sogar als existenzbedrohend. Dies gilt umso mehr als die Mehrheit der Konkurse in der Schweiz auf die Ursache der Zahlungsunfähigkeit zurückzuführen ist, was die Bedeutung der prospektiven Cash Flow-Berechnung sowie Finanzplanung unterstreicht.         

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