07.03.2019

Währungsrisiko: Absichern oder nicht?

Im Rahmen der Jahresplanung stellt sich zwangsläufig die Frage, zu welchen Wechselkursen die zukünftigen Fremdwährungsflüsse geplant werden sollen. Gleichzeitig ist dies auch der Zeitpunkt, um festzulegen, ob eine Absicherung der Fremdwährungsvolumen für KMU's sinnvoll ist.

Von: Robert Bloch  DruckenTeilen Kommentieren 

Robert Bloch

Robert Bloch verfügt über langjährige Erfahrung im Treasury- und Währungsmanagement bei Grossunternehmen und ist Mitgründer der AMNIS Treasury Services AG.

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Währungsrisiko

Sollen Währungsrisiken abgesichert werden?

Die Antwort auf diese Fragen ist abhängig von der individuellen Situation des Unternehmens. Die Möglichkeit, Wechselkursrisiken an die Kunden abzuwälzen, das Geschäftsmodell und nicht zuletzt auch die Branche sind dabei wesentlich.

 

Identifikation und Management von Währungsrisiken

Ziel einer Absicherung ist die Erhöhung von Planungssicherheit und der Ausgleich von Ergebnisschwankungen. Es werden folgende Arten von Währungsrisiken unterschieden:

  • Transaktionsrisiken: Zukünftige Transaktionen werden zu einem heute unbestimmten Wechselkurs abgewickelt.
  • Translationsrisiken: Durch die Umrechnung von Bilanzpositionen entstehen Währungseffekte.
  • ökonomische Risiken: Wechselkursveränderungen wirken sich auf zukünftige Umsätze und den Wert des Unternehmens aus.

Um das Währungsrisiko zu managen, empfiehlt es sich, nach einem standardisierten Prozess vorzugehen.

Abbildung 1: Abbildung eines standardisierten Währungsmanagement-Prozesses

1. Risiko identifizieren:
Die Identifikation von Transaktionsrisiken ist die Grundlage für die Entwicklung einer Absicherungsstrategie. Diese entstehen aus der Wertschwankung einer Basiswährung gegenüber der Währung von Forderungen oder Verpflichtungen. Werden zum Beispiel Waren gegen Euro importiert, unterliegt der Importeur einem Fremdwährungsrisiko. Wird der Franken gegenüber dem Euro schwächer, verteuern sich die Importe, die ursprünglich einkalkulierte Marge schmitzt. Identifiziert ein Unternehmer in seinem Geschäft entsprechende Risiken, muss reagiert werden.

2. Risiko analysieren:
Der nächste Schritt besteht dann darin, die Risiken zu beurteilen und zu bewerten. Der Unternehmer prognostiziert in einer währungsdiversifizierten Liquiditätsplanung zukünftig Geldflüsse pro Währung. Die Summe dieser Währungsströme inklusive der aktuell verfügbaren Liquidität ergibt die Höhe des Währungsrisikos.

3. Risiko steuern:
Die individuelle Situation eines Unternehmens bestimmt, ob eine Absicherung von Währungsrisiken nötig ist. Zur Sicherung des zukünftigen Geschäftsergebnisses stehen verschiedene Handlungsoptionen zur Verfügung. 

  • natürliches Hedging: Im Optimalfall besteht die Möglichkeit, Aufwand und Ertrag in Fremdwährungen im Gleichgewicht zu halten. In einigen Fällen bietet sich die Umstellung der Fakturierungs- oder der Einkaufswährung an. Dies ist die einfachste und günstigste Lösung gegen Fremdwährungsrisiken und vor allem anwendbar für Firmen mit genügend Marktmacht. Jedoch birgt dieses Vorgehen auch Risiken. So besteht beispielsweise die Gefahr, dass ausländische Lieferanten ihre Absicherungskosten über den Preis abwälzen.
  • Absicherung einzelner Geschäfte: Sobald der Vertrag mit einem Kunden oder Lieferanten zustande kommt, wird zur Sicherung des Wechselkurses ein Termingeschäft abgeschlossen. Dadurch sichern sie die kalkulierte operative Marge bereits bei Vertragsunterzeichnung ab. Dies ist sinnvoll für Firmen mit Projektgeschäft.
  • rollierende Strategie: Entsteht das Währungsrisiko durch viele kleine Geschäfte (Einkauf oder Verkauf), bietet sich eine rollierende Absicherung an. Dabei wird der Fremdwährungsüberhang ermittelt und mit einer Serie von Termingeschäften abgesichert. So reduziert sich der Einfluss von Währungsschwankungen auf die operative Marge.

Eine Absicherungsstrategie kann auch aus einem Strategie-Mix bestehen. Wichtig ist einfach, eine einmal gewählte Strategie konsequent zu verfolgen.

4. Risiko überwachen:
Schlussendlich muss der Effekt der getroffenen Massnahmen gemessen und kritisch beurteilt werden.  Eine regelmässige Überwachung des Geschäftsgangs und Adjustierung der Absicherungen stellt sicher, dass man sich nicht von der wirtschaftlichen Realität entfernt.

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Absicherungsinstrumente in der Praxis

Um eine gewählte Absicherungsstrategie in der Praxis umzusetzen, können verschiedene Möglichkeiten zum Einsatz kommen. Hier eine Übersicht über die gängigsten Instrumente (siehe Tabelle unten).

 

 

Termingeschäft
Der Währungskurs für einen Wechsel
auf einen bestimmten Zeitpunkt in
der Zukunft wird heute schon fixiert.

Vorteil

  • transparente Kosten
  • einfach zu handhaben

Nachteil

  • Der Valutatag ist fix definiert
  • keine Möglichkeit, von positiven
    Kursbewegungen zu profitieren
 

 

 

Flexibles Termingeschäft:
Im Unterschied zu einem einfachen
Termingeschäft kann der abgesicherte
Betrag innerhalb eines bestimmten
Zeitfensters flexibel bezogen werden.

Vorteil

  • Zeitfenster für flexible Teilbezüge
  • einfach zu handhaben
 

Nachteil

  • keine Möglichkeit, von positiven
    Kursbewegungen zu profitieren

 

 


Stop-Loss-Auftrag:
Ein Stop-Loss-Auftrag ist eine Anweisung, einen Wechsel bei Erreichen
eines bestimmten Kurses auszuführen.

Vorteil

  • automatische Überwachung des Kurses
  • Möglichkeit, von positiven Kursbewegungen zu profitieren
 

Nachteil

  • nachdem der definierte Kurs erreicht wurde, ist es möglich,
    dass er sich wieder in die Gegenrichtung bewegt.

 

 

Währungsoption:
Eine Option beinhaltet das Recht, nicht aber die Verpflichtung, eine Währung an einem
bestimmten Tag zu einem bestimmten Kurs zu kaufen. Dafür muss eine Versicherungsgebühr
– der Optionspreis – bezahlt werden.

Vorteil

  • Möglichkeit, von positiven Kursbewegungen zu profitieren
 

Nachteil

  • teurer und wenig transparent
 

 

Fazit – bessere Resultate durch einen strukturierten und einfachen Prozess

Relevanz des Geschäftsmodells und strukturierter Prozess: Ein klar definierter Risikomanagementprozess ist unabdingbar. Dieser sollte institutionalisiert werden. Dabei sind notwendige Korrekturen laufend vorzunehmen. Die optimale Absicherungsstrategie ist abhängig vom Geschäftsmodell.

Einfachheit und Transparenz: Die Absicherung ist möglichst einfach zu halten. So bleibt die Ausführung günstig, und die Resultate können klar interpretiert werden. Strukturierte Produkte und Optionen mögen auf den ersten Blick verlockend sein, sind jedoch eher teuer und intransparent.

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