29.07.2019

Skonto: Zahlungskondition und finanzielles Steuerungsinstrument

Zahlungskonditionen gelten als ein wichtiges Instrument zur Steuerung des Zahlungsverhaltens sowie des Forderungsmanagements, weshalb sie für die Liquiditätssteuerung von hoher Bedeutung sind. In der aktuellen Niedrigzinsphase, in der Sichtguthaben von Unternehmen sogar ein Negativzins droht, scheint der Skonto in seiner Bedeutung etwas in Vergessenheit geraten zu sein, allerdings zu Unrecht.

Von: Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch  DruckenTeilen 

Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch

Thomas Rautenstrauch ist Professor für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Accounting und Controlling sowie Leiter des Center for Accounting & Controlling an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich und seit Januar 2019 Leiter des Departments Business Analytics & Technology sowie Mitglied der Schulleitung. Weiterhin ist er als Gastprofessor für Management Accounting im Executive MBA des Institute for Management in Technology (iimt) an der Universität Fribourg tätig. Thomas Rautenstrauch ist Autor von mehreren Fachbüchern und zahlreichen Artikeln in Fachzeitschriften und in der Wirtschaftspresse.

Skonto

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Skonto als wichtigste Zahlungskondition

Mit Skonto wird dem Abnehmer ein Anreiz zur raschen Bezahlung einer Rechnung angeboten. Die dem Skonto zugrunde liegende Leistung besteht somit im frühzeitigen Ausgleich einer Forderung aus Lieferungen und Leistungen.

Zur Sicherung ihrer Liquidität sind die Unternehmen allgemein an einem möglichst schnellen Ausgleich der ausstehenden Forderungen interessiert. Die Kunden des Unternehmens interessiert dagegen ein möglichst später Rechnungsausgleich, um dadurch mehr finanzielle Dispositionsfreiheit zu haben. So erlaubt eine verzögerte Bezahlung den Kunden die Realisierung von Zinsgewinnen, welche sich bei dem hohem Gesamtvolumen der zu begleichenden Forderungen zu einem massgeblichen Einflussfaktor auf die Erlössituation bzw. Liquidität einer Unternehmung summieren.

Der Zahlungsbezug des Skonto wird durch seine Berechnung auf Basis des Rechnungswerts der ausstehenden Forderungen berechnet. Der Zeitcharakter des Forderungsausgleichs wird durch folgende Zeitspannen beeinflusst:

  • Zeitspanne zwischen der Warenauslieferung bzw. dem Rechnungserhalt beim Kunden und dem Zahlungseingang beim Verkäufer bzw. beim leistenden Unternehmen
  • Zeitspanne zwischen dem Rechnungserhalt beim Kunden und dem Zahlungseingang beim Hersteller multipliziert mit dem Rechnungswert

Ein Unternehmen muss sich daher die Frage stellen, was es als eine frühzeitige Bezahlung erachtet, denn nur dann liegt eine konditionenrelevante Sonderleistung vor. Wird beispielsweise die Bezahlung innerhalb von 30 Tagen von einem Hersteller als Standardzahlungsfrist angesehen, so sind nur Zahlungseingänge mit einem Skonto zu vergüten, die diese Zahlungsfrist unterschreiten.

Als Vergleichsbasis für die Festlegung der Skontofrist können Unternehmen die in ihrer Branche üblichen Standardzahlungsziele heranziehen oder auch einen Vergleich der historischen Zahlungsfristen der eigenen Kunden durchführen.

Für die Bewertung des Skontos besteht die Möglichkeit einer Orientierung an den Finanzierungskosten des eigenen Unternehmens. Diese wiederum werden durch den Sollzins einer allfälligen Fremdfinanzierung, durch die Finanzierungsdauer sowie durch das monetäre Volumen der Fremdfinanzierung bestimmt. Eine Berücksichtigung dieser Parameter wird durch die Gewährung des Skontos in Form eines Prozentsatzes auf den Rechnungswert unter Berücksichtigung der Zeitspanne ermöglicht.

Die Berechnung des Skontos folgt in diesem Fall der folgenden Formel:

Skonto=    Sollzins        Finanzierungsdauer in Tagen  
           –––––––––– X  ––––––––––––––––––––––––––– X Rechnungswert
               100                       360

Die dargestellte Ableitung des Skontos unter Berücksichtigung der exakten Tagesanzahl der Finanzierungsdauer wird in der Praxis allerdings nicht angewendet, sondern vereinfacht durch die Anwendung einer zeitlichen Skonto staffel umgesetzt. Ein Beispiel hierfür ist die weitverbreitete Zahlungskondition: «Abzug von 2% Skonto bei Zahlung in 10 Tagen».

Auch wenn auf eine präzise Verwendung zeitlicher Skontostaffeln verzichtet wird, so erscheint doch die einfache Umsetzung von zeitlichen Skontostaffeln mit nur wenigen Abstufungen als gewichtigeres Argument für die Praxis.

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Da sich die dem Skonto zugrunde liegende Leistung aus der frühzeitigen Bezahlung einzelner Forderungen bzw. Rechnungen ergibt, ist zu fordern, dass eine rechnungsbezogene Überprüfung und Abrechnung des Skontos erfolgt. So kann sichergestellt werden, dass das Skonto für einen Forderungsausgleich korrekt berechnet wird und die Skontoregeln konsequent umgesetzt werden.

Die zwischen Unternehmen und ihren Kunden beobachtbare Praxis einer pauschalen Gewährung von Skontoabzügen auf Basis einer bestehenden Jahresvereinbarung bzw. eines Rahmenvertrags ohne Überprüfung der Finanzierungsdauer bei einzelnen Rechnungen im Jahresverlauf erscheint wenig sinnvoll. Eine solche Vereinbarung birgt das Risiko der Umgehung und Aufweichung der Skontoregeln.

Für die häufig in den Jahresvereinbarungen definierten Skonti mit einzelnen Kunden ist es ausserdem empfehlenswert, dass diese nicht gegen das Prinzip der Gleichbehandlung der Kunden verstossen.

Grundsätzlich sollte bei gleichen Zahlungsfristen allen Kunden ein identischer Skontoabzug gewährt werden. Nach Kunden differenzierte Skontosätze sind nur dann gerechtfertigt, wenn die Kunden mit unterschiedlichen Zahlungsfristen agieren. Vergleicht man die in der Praxis anzutreffenden Skontosätze mit den Zinssätzen der Finanzmärkte, so erscheint es zweifelhaft, dass die Kosten der Fremdfinanzierung eines Unternehmens einen wesentlichen Einfluss auf den Skontosatz besitzen. Angenommen, die durchschnittlichen Kosten der Fremdfinanzierung (Cost of Debt) einer Unternehmung betragen 4% p.a. und es besteht eine durchschnittliche Zahlungsfrist von 30 Tagen durch die Kunden der Unternehmung, so ergibt sich ein betriebswirtschaftlich begründbarer Skontosatz von ca. 0,33% für einen sofortigen Rechnungsausgleich.

Auf der anderen Seite übersteigen die in der Praxis üblichen Skontosätze die Fremdfinanzierungskosten deutlich und lassen sich aus einer rationalen Beurteilung aus Sicht des leistungserbringenden Unternehmens kaum erklären. So können in der Praxis nicht selten Skontosätze von 2 bis zu 3% bei einem Zahlungsziel von 30 Tagen beobachtet werden.

Darüber hinaus zeigt sich in der Praxis, dass vor allem umsatzstarke Kunden mit überdurchschnittlicher Marktmacht nicht selten den Skontoabzug durchführen, auch wenn die vereinbarte Skontofrist überschritten wurde. Dies kann beispielsweise in der Automobilbranche beobachtet werden, wo die Machtverhältnisse zwischen Zulieferern und Autoherstellern sehr ungleich verteilt sind. Hersteller sichern sich damit einen unberechtigten Zinsvorteil. Vor allem Grosskunden wird dennoch häufig der Skonto gewährt, auch wenn die vereinbarten Zahlungsfristen nicht eingehalten wurden. Die Hersteller sehen sich vielfach nicht in der Lage, zu Unrecht einbehaltene Skonti von den Handelspartnern zurückzufordern, und schrecken vor einer potenziellen Gefährdung der Geschäftsbeziehung zurück.

Auch in den Debitorenbuchhaltungen, welche zumeist mit der Aufgabe der Überwachung des Zahlungseingangs beauftragt sind, finden sich häufig nicht die notwendigen Mittel bzw. Möglichkeiten zur Durchsetzung der Zahlungsbedingungen. Insbesondere erhalten diese regelmässig keine ausreichende Unterstützung durch das Management des Verkaufsbereichs.

Wird eine wiederholte Missachtung der Skonto vereinbarungen durch einzelne Grosskunden einfach toleriert und werden keine Gegenmassnahmen ergriffen, so besteht zudem die Gefahr, dass das Skonto als dauerhafter Preisnachlass bzw. Sonderrabatt angesehen wird.

Das Monitoring und die Anpassung der Skontosätze ist überdies dann angezeigt, wenn sich die Finanzierungskosten des Unternehmens aufgrund einer Zinserhöhung auf den Finanzmärkten oder auch aufgrund einer schlechteren Finanzierungsposition des Unternehmens gegenüber seinen Gläubigern ändert.

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