08.11.2019

Liquiditätsplanung: Wichtiger Einblick in zukünftige Zahlungsströme

Die Liquiditätsplanung ist ein zentrales Element der finanziellen Führung, gerade auch bei kleinen KMU und vor allem bei Start-ups. Dies wird jedoch vielfach nicht oder zu wenig beachtet – bis zu jenem Zeitpunkt, bei dem es dann oftmals (fast) zu spät ist. Eine Rettung ist in diesem Fall leider meistens nicht mehr zu bewerkstelligen.

Von: Pascal Strässle  DruckenTeilen 

Pascal Strässle

Pascal Strässle ist seit September 2013 bei der OBT AG in Weinfelden tätig. Beratungsschwerpunkte sind die Bereiche Abschluss- und Steuerberatung, Rechnungslegung, direkte Steuern, finanzielle Führung, Unternehmensbewertungen, Firmengründungen, Nachfolgeprozesse, Firmenverkäufe und Sanierungen. Pascal Strässle ist ausserdem Leiter der Fachgruppe Qualität im Bereich Treuhand bei OBT.

Liquiditätsplanung

Kritischer Punkt: Liquidität

80 bis 90% der Konkurse in der Schweiz geschehen nicht primär aufgrund einer bilanziellen Überschuldung, sondern wegen eines Liquiditätsengpasses. Daher ist es von zentraler Bedeutung, dass sich gerade auch die kleineren und mittelgrossen Unternehmen um die Planung ihrer Liquidität (Cashflow) kümmern – dies am besten bereits vor der Firmengründung. Nur so wird man mit der Liquiditätsplanung vertraut, begreift die Wichtigkeit und kann frühzeitig mögliche Liquiditätsengpässe erkennen.

Ein Budget für ein Geschäftsjahr wird in den meisten Unternehmen erstellt, doch das zeigt lediglich die Gesamtsumme der Erträge und Aufwände in der betreffenden Periode auf, nicht jedoch, wann und in welchem Zeitraum diese liquiditätswirksam anfallen. Ebenso sind Investitionen, Desinvestitionen und Finanzierungen nicht im Budget enthalten. Sie haben aber einen grossen Einfluss auf die Liquidität – vor allem auch bei Start-ups.

Kurzfristige Liquiditätsplanung

Die Planung der Geldflüsse ist meistens eine kurz- bis mittelfristige Betrachtung und relativ unkompliziert. Sie erfasst einen Zeitraum von mindestens sechs bis maximal zwölf Monaten. Als Basis dient das vorab zu erstellende Budget. Danach wird bei den Erträgen prognostiziert, in welchem Zeitraum die Kundenzahlungen eingehen werden. Bei Unternehmen mit saisonal stark schwankenden Absätzen (z.B. Glacéproduzent, Skiproduktion etc.) ist dies besonders wichtig.

Als nächster Schritt müssen die Ausgaben zeitlich geplant werden. Bei den Waren- und Materialeinkäufen ist zu berücksichtigen, dass diese nicht alleine von den Verkäufen abhängig sind, sondern auch die Lagerung und allfällige Erhöhungen/Reduktionen der Lagerbestände beachtet werden müssen. Aber auch die unterschiedlichen Zahlungsfristen oder Vorauszahlungen der Lieferanten müssen zeitlich eingeplant werden, und zu guter Letzt werden alle notwendigen Investitionsausgaben und Schuldenrückzahlungen geplant und zeitlich korrekt berücksichtigt.

Ein Muss für den Unternehmensaufbau

Gerade bei Start-ups ist die Liquiditätsplanung neben der Erstellung eines Businessplans eine wichtige Voraussetzung beziehungsweise ein Muss für den erfolgreichen Unternehmensaufbau. Denn in den ersten Monaten fliessen noch fast keine Debitorenzahlungen.

Da die ersten Aufträge zuerst akquiriert, ausgeführt, fakturiert und die Zahlungsfristen abgewartet werden müssen, vergeht meist einige Zeit, bis auf der einen Seite die ersten Zahlungseingänge zu verzeichnen sind. Auf der anderen Seite sind die Gehälter ab dem ersten Monat fällig, das Material muss vorgängig und teilweise auf Lager eingekauft werden und kostet viel wertvolle Liquidität. Zudem sind einige Betriebskosten wie Versicherungen vorschüssig zu zahlen, und auch die anfänglichen Investitionen müssen beim Start finanziert sein.

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Einfache Umsetzung

Eine Liquiditätsplanung ist trotz aller Unsicherheiten für jeden Unternehmer machbar. Den ersten Plan erarbeitet er oder sie sinnvollerweise unter Mithilfe eines Fachexperten. Die jährlich wiederkehrende Planung kann danach meist selbstständig erstellt werden. Zu bedenken ist jedoch immer, dass allenfalls neue Parameter, wie einmalige oder unregelmässige Zahlungen (Investitionen, Steuernachzahlungen etc.), zu berücksichtigen sind.

Für die Umsetzung gibt es auf dem Markt spezielle Tools. Aber auch einfache und günstige Excellösungen  (siehe Beispiel)  reichen bei kleineren KMU in den allermeisten Fällen aus. Wichtig und entscheidend ist, dass man einen genauen Überblick über seine Liquidität hat und monatlich einen Soll-Ist-Vergleich erstellt. Weichen die Istzahlen zu stark von den Planzahlen ab, sollte die Planung rollend angepasst werden.

Strategische Schlüsse

Auch die beste Liquiditätsplanung garantiert nicht, dass keine Liquiditätsprobleme auftreten. Nicht vorhersehbare Faktoren, wie Umsatzrückgang, Zahlungsschwierigkeiten eines grösseren Kunden oder Rückbehalte bei Schadenfällen, können die Situation massgeblich beeinflussen. Wichtig ist, dass diese rechtzeitig erkannt werden, bevor die Kreditlimiten bei der Bank ausgeschöpft sind und keine Liquidität mehr vorhanden ist. Nur so können frühzeitig mögliche Schritte eingeleitet werden. Solche Schritte und Massnahmen könnten Vorauszahlungen bei Kunden, schnellere Fakturierung, Factoring, längere Zahlungskonditionen bei Lieferanten, Leasing, Eigenkapitalerhöhung, Gesellschafterdarlehen oder ein Kreditantrag bei der Bank sein. Zu einem allfälligen Kreditantrag muss mit dem Budget immer auch eine seriöse Liquiditätsplanung eingereicht werden.

Fazit

Eine seriöse und verlässliche Liquiditätsplanung und die laufende Überwachung mittels Soll-Ist-Vergleich gehören zu den zentralen Elementen der Unternehmensführung sowie zum erfolgreichen Aufbau eines Unternehmens. Um die Planung umzusetzen, leisten spezielle Tools oder bei kleineren Unternehmen Excellösungen praktische Unterstützung.

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