Liquidität: So wird eine Liquiditätsplanung einfach umgesetzt
Inhalt
KURZ ZUSAMMENGEFASST
Eine vorausschauende Liquiditätsplanung ist entscheidend, um Zahlungsüberschüsse und Fehlbeträge zu vermeiden. Sie ermöglicht nicht nur die frühzeitige Identifikation von Kapitalbedarf und die Optimierung von Kapitalkosten, sondern auch die effiziente Anlage überschüssiger Mittel sowie das Management von Zahlungsfristen und Währungsrisiken.
Die wichtigsten Punkte:
- Vermeidung von Liquiditätsengpässen trotz intaktem Eigenkapital
- Frühzeitige Erkennung des Kapitalbedarfs für günstigere Konditionen
- Optimale Nutzung von Zahlungsfristen und Währungsrisiken
- Sinnvolle Anlage nicht benötigter liquider Mittel
- Koordination der Liquidität in Unternehmensgruppen (Konzernclearing)

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Wie kann eine Liquiditätsplanung Engpässe vermeiden und die finanzielle Stabilität sichern?
Liquiditätsenpässe vermeiden
In Konzernen bzw. Unternehmensgruppen übernimmt die kurzfristige Finanzplanung zudem die wichtige Aufgabe der Koordination der Liquidität mit derjenigen von verbundenen Unternehmen (Konzernclearing).
Um eine sichere Liquidität zu gewährleisten, ist eine umfassende Planung der Zahlungsströme notwendig. Unternehmen können trotz intaktem Eigenkapital in einen Liquiditätsengpass geraten. Daher ist es für das Unternehmen wichtig, seine zukünftigen Zahlungsströme zu kennen und diese entsprechend zu planen. Beispielsweise können langfristige Investitionen dazu führen, dass kurzfristige Zahlungen aufgrund mangelnder Liquidität nicht mehr tilgbar sind. Hingegen werden nicht benötigte liquide Mittel angelegt, um den bestmöglicher Nutzen für das Unternehmen zu generieren. Dabei gilt es zwischen Rentabilität, Sicherheit und Liquidität abzuwägen. Das Anlegen und Steuern der Liquidität wird in der Praxis auch unter dem Begriff «Liquiditätsmanagement/Cash-Management» zusammengefasst. Im Folgenden soll ein Praxisbeispiel zeigen, wie die Liquiditätsplanung erfolgen kann.
Praxisbeispiel, um die Liquidität zu sichern
Die Mobilplusminus AG plant eine neue Service-Sparte, welche als eigenes Profit Center organisiert sein soll. Im Rahmen der Finanzplanung rechnet der Geschäftsführer der Mobilplusminus AG für die nächsten 8 Monate mit folgenden Ausgaben und Einnahmen:
Investition: Anschaffung eines Kleintransporters für CHF 55'000.–, eines Kombi-Pkw für CHF 20'000.– sowie die Anschaffung von Betriebs- und Geschäftsausstattung für CHF 5'000.–.
Ausgaben: ab dem ersten Monat fallen für Löhne jeweils CHF 15'000.– sowie für weitere Ausgaben CHF 25'000.– an.
Einnahmen: ab dem ersten Monat sollen Einnahmen in Höhe von CHF 20'000.– und im zweiten Monat durch bereits abgeschlossene Verträge mit einer Reihe von Kunden CHF 40'000.– sowie ab dem dritten Monat dann jeweils CHF 60'000.– erzielt werden.
Der Geschäftsführer der Mobilplusminus AG sieht keine Möglichkeit, durch Selbstfinanzierung oder Innenfinanzierung das notwendige Kapital aufzubringen. Es bleibt als einzige Alternative die Fremdfinanzierung durch die Hausbank.
Es stellen sich mehrere Fragen, die zu beantworten sind:
- In welcher Höhe ist eine Fremdfinanzierung in den einzelnen Monaten notwendig?
- In welchem Monat ist mit einer erstmaligen Kredittilgung zu rechnen und wie hoch ist die Schuldenlast des Profitcenters in den einzelnen Monaten unter der Prämisse, dass die Einzahlungsüberschüsse vollständig zur Kreditrückzahlung eingesetzt werden?
- Wann wird der aufgenommene Kredit zurückgezahlt sein?
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Die Lösung für diesen Fall mit den entsprechenden Antworten auf die genannten Fragen stellt sich wie folgt dar:
| Anfang des Monats | t0 | t1 | t2 | t3 | t4 | t5 | t6 | t7 | t8 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Einzahlungen (CHF) | 0 | 20'000 | 40'000 | 60'000 | 60'000 | 60'000 | 60'000 | 60'000 | 60 000 |
| Auszahlungen (CHF) | 80'0000 | 40'000 | 40'000 | 40'000 | 40'000 | 40'000 | 40'000 | 40'000 | 40 000 |
| Finanzierungs bedarf (CHF) | -80'000 | -20'000 | 0 | +20'000 | +20'000 | +20'000 | +20'000 | +20'000 | +20 000 |
Checkliste
- Erfassen aller zukünftigen Ein- und Auszahlungen für einen definierten Zeitraum
- Unterscheidung zwischen langfristigen Investitionen und kurzfristigen Zahlungsverpflichtungen
- Erstellung eines detaillierten Cashflow-Plans Monat für Monat
- Berechnung des monatlichen Finanzierungsbedarfs (Soll-Ist-Vergleich)
- Planung der Fremdfinanzierung bei vorhersehbaren Defiziten
- Festlegung eines Zeitplans für die Kredittilgung bei Überschüssen
- Regelmässige Überprüfung und Anpassung der Planung an aktuelle Gegebenheiten
- Einbeziehung von Konzernclearing bei verbundenen Unternehmen
- Abwägung zwischen Rentabilität, Sicherheit und Liquidität bei Mittelverwendung
Die Mobilplusminus AG muss zu Beginn des ersten Monats CHF 80'000.– und Anfang des zweiten Monats noch einmal zusätzlich CHF 20'000.– Kredit aufnehmen.
Durch die Aufrechnung von Ein- und Auszahlungen des Profit Centers ergibt sich zu Beginn von t1 ein Auszahlungsüberschuss in Höhe von CHF 80'000.– und zu Beginn von t2 ein Auszahlungsüberschuss in Höhe von CHF 20'000.–.
Das Profitcenter der Mobilplusminus AG kann erstmals zu Beginn des vierten Monats mit der Kredittilgung beginnen, da in diesem Zeitpunkt ein Einzahlungsüberschuss in Höhe von CHF 20'000.– auftritt.
| Anfang des Monats | t0 | t1 | t2 | t3 | t4 | t5 | t6 | t7 | t8 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Kredittilgung (CHF) | 0 | 20'000 | 20'000 | 20'000 | 20'000 | 20'000 | 20'000 | ||
| Kreditaufnahme (CHF) | 80'000 | 20'000 | 0 | ||||||
| Guthaben (CHF) | |||||||||
| Schulden (CHF) | 80'000 | 100'000 | 100'000 | 80'000 | 60'000 | 40'000 | 20'000 | 0 |
Zu Beginn des Monats ist die neue Sparte der Mobilplusminus AG mit CHF 80'000.– verschuldet, die Schuld steigt auf CHF 100'000.– zu Beginn des zweiten Monats an, verbleibt einen weiteren Monat unverändert auf CHF 100'000.– und fällt dann monatlich um CHF 20'000.–.
Folgen:
Somit wird der Kredit zu Beginn des 8. Monats vollständig getilgt sein.
In t8 sind die Einzahlungsüberschüsse des Profitcenters so hoch, dass ein Guthaben in Höhe von CHF 20'000.– verzeichnet werden kann.
Das oben dargestellte Praxisbeispiel geht auf die Schritte zur Erstellung ein und zeigt, was im Hinblick auf die gewünschte Aussagefähigkeit unbedingt zu berücksichtigen ist. Insofern gilt eine detaillierte Liquiditäts- und Finanzplanung neben der Planung von Produktion und Absatz zu den Voraussetzungen einer soliden Unternehmenspolitik.
Fazit Liquidität
Liquidität ist die Grundlage für die finanzielle Stabilität und Handlungsfähigkeit eines Unternehmens. Eine sorgfältige Liquiditätsplanung hilft, Engpässe frühzeitig zu erkennen, Kapitalkosten zu optimieren und finanzielle Spielräume strategisch zu nutzen.
FAQ: Liquidität
Warum kann ein Unternehmen mit intaktem Eigenkapital in einen Liquiditätsengpass geraten?
Selbst bei solider Eigenkapitalausstattung können langfristige Investitionen oder zeitliche Diskrepanzen zwischen Ein- und Auszahlungen zu kurzfristigen Zahlungsschwierigkeiten führen, wenn die Zahlungsströme nicht geplant sind.
Welche Rolle spielt das Liquiditätsmanagement bei der Kapitalbeschaffung?
Durch frühzeitiges Erkennen des Kapitalbedarfs können Unternehmen Finanzierungsbedarf proaktiv planen, was die Verhandlungsposition stärkt und die Kapitalkosten positiv beeinflusst.
Wie wird der optimale Zeitpunkt für die Kredittilgung bestimmt?
Die Tilgung sollte erfolgen, sobald Einzahlungsüberschüsse vorliegen. Eine genaue monatliche Planung zeigt, ab welchem Monat Überschüsse zur Rückzahlung des aufgenommenen Kredits eingesetzt werden können.
Was ist der Unterschied zwischen Liquidität und Rentabilität?
Rentabilität beschreibt die Profitabilität des Kapitals, während Liquidität die Zahlungsfähigkeit sicherstellt. Eine gute Planung balanciert beide Aspekte, um sowohl Gewinne zu erzielen als auch Zahlungsverpflichtungen termingerecht zu erfüllen.