28.04.2020

Liquidität: So wird eine Liquiditätsplanung einfach umgesetzt

Bei der Liquiditätsplanung gilt es als Ziel, keine grösseren Zahlungsüberschüsse oder Fehlbeträge entstehen zu lassen. Für den Fall, dass eine Kapitalbeschaffung erforderlich ist, lässt sich durch ein rechtzeitiges Erkennen des Kapitalbedarfs im Rahmen der Liquiditätsplanung auch die Höhe der Kapitalkosten positiv beeinflussen. Auf der anderen Seite bietet eine kurzfristige Finanzplanung die Möglichkeit, durch rechtzeitige Vorausschau vergleichsweise vorteilhafte Anlagen für überschüssige liquide Mittel zu finden. Darüber hinaus sind auch die optimale Ausnutzung der Zahlungsfristen sowie die Überwachung des Währungsrisikos wichtige Ziele, die sich im Zusammenhang mit der kurzfristigen Finanzplanung realisieren lassen.

Von: Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch  DruckenTeilen 

Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch

Thomas Rautenstrauch ist Professor für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Accounting und Controlling sowie Leiter des Center for Accounting & Controlling an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich und seit Januar 2019 Leiter des Departments Business Analytics & Technology sowie Mitglied der Schulleitung. Weiterhin ist er als Gastprofessor für Management Accounting im Executive MBA des Institute for Management in Technology (iimt) an der Universität Fribourg tätig. Thomas Rautenstrauch ist Autor von mehreren Fachbüchern und zahlreichen Artikeln in Fachzeitschriften und in der Wirtschaftspresse.

Liquidität

Liquiditätsenpässe vermeiden

In Konzernen bzw. Unternehmensgruppen übernimmt die kurzfristige Finanzplanung zudem die wichtige Aufgabe der Koordination der Liquiditätspolitik mit derjenigen von verbundenen Unternehmen (Konzernclearing).

Um eine Liquiditätssicherung zu gewährleisten, ist eine umfassende Planung der Zahlungsströme notwendig. Unternehmen können trotz intaktem Eigenkapital in einen Liquiditätsengpass geraten. Daher ist es für das Unternehmen wichtig, seine zukünftigen Zahlungsströme zu kennen und diese entsprechend zu planen. Beispielsweise können langfristige Investitionen dazu führen, dass kurzfristige Zahlungen aufgrund mangelnder Liquidität nicht mehr tilgbar sind. Hingegen werden nicht benötigte liquide Mittel angelegt, um den bestmöglicher Nutzen für das Unternehmen zu generieren. Dabei gilt es zwischen Rentabilität, Sicherheit und Liquidität abzuwägen. Das Anlegen und Steuern der Liquidität wird in der Praxis auch unter dem Begriff «Liquiditätsmanagement/Cash-Management» zusammengefasst. Im Folgenden soll ein Praxisbeispiel zeigen, wie die Liquiditätsplanung erfolgen kann.

Praxisbeispiel zur Liquiditätsplanung

Die Mobilplusminus AG plant eine neue Service-Sparte, welche als eigenes Profit Center organisiert sein soll. Im Rahmen der Finanzplanung rechnet der Geschäftsführer der Mobilplusminus AG für die nächsten 8 Monate mit folgenden Ausgaben und Einnahmen:

Investition: Anschaffung eines Kleintransporters für CHF 55'000.–, eines Kombi-Pkw für CHF 20'000.– sowie die Anschaffung von Betriebs- und Geschäftsausstattung für CHF 5'000.–.

Ausgaben: ab dem ersten Monat fallen für Löhne jeweils CHF 15'000.– sowie für weitere Ausgaben CHF 25'000.– an.

Einnahmen: ab dem ersten Monat sollen Einnahmen in Höhe von CHF 20'000.– und im zweiten Monat durch bereits abgeschlossene Verträge mit einer Reihe von Kunden CHF 40'000.– sowie ab dem dritten Monat dann jeweils CHF 60'000.– erzielt werden.

Der Geschäftsführer der Mobilplusminus AG sieht keine Möglichkeit, durch Selbstfinanzierung oder Innenfinanzierung das notwendige Kapital aufzubringen. Es bleibt als einzige Alternative die Fremdfinanzierung durch die Hausbank.

Es stellen sich mehrere Fragen, die zu beantworten sind:

  • In welcher Höhe ist eine Fremdfinanzierung in den einzelnen Monaten notwendig?
  • In welchem Monat ist mit einer erstmaligen Kredittilgung zu rechnen und wie hoch ist die Schuldenlast des Profitcenters in den einzelnen Monaten unter der Prämisse, dass die Einzahlungsüberschüsse vollständig zur Kreditrückzahlung eingesetzt werden?
  • Wann wird der aufgenommene Kredit zurückgezahlt sein?

Die Lösung für diesen Fall mit den entsprechenden Antworten auf die genannten Fragen stellt sich
wie folgt dar:

Anfang des Monatst0t1t2t3t4t5t6t7t8
Einzahlungen (CHF)020'00040'00060'00060'00060'00060'00060'00060 000
Auszahlungen (CHF)80'000040'00040'00040'00040'00040'00040'00040'00040 000
Finanzierungs bedarf
(CHF)
-80'000-20'0000+20'000+20'000+20'000+20'000+20'000+20 000

Die Mobilplusminus AG muss zu Beginn des ersten Monats CHF 80'000.– und Anfang des zweiten Monats noch einmal zusätzlich CHF 20'000.– Kredit aufnehmen.

Durch die Aufrechnung von Ein- und Auszahlungen des Profit Centers ergibt sich zu Beginn von t1 ein Auszahlungsüberschuss in Höhe von CHF 80'000.– und zu Beginn von t2 ein Auszahlungsüberschuss in Höhe von CHF 20'000.–.

Das Profitcenter der Mobilplusminus AG kann erstmals zu Beginn des vierten Monats mit der Kredittilgung beginnen, da in diesem Zeitpunkt ein Einzahlungsüberschuss in Höhe von CHF 20'000.– auftritt.
 

Anfang des Monatst0t1t2t3t4t5t6t7t8
Kredittilgung (CHF)  020'00020'00020'00020'00020'00020'000
Kreditaufnahme (CHF)80'00020'0000      
Guthaben (CHF)         
Schulden (CHF)80'000100'000100'00080'00060'00040'00020'0000 

Zu Beginn des Monats ist die neue Sparte der Mobilplusminus AG mit CHF 80'000.– verschuldet, die Schuld steigt auf CHF 100'000.– zu Beginn des zweiten Monats an, verbleibt einen weiteren Monat unverändert auf CHF 100'000.– und fällt dann monatlich um CHF 20'000.–.

Folgen:
Somit wird der Kredit zu Beginn des 8. Monats vollständig getilgt sein.

In t8 sind die Einzahlungsüberschüsse des Profitcenters so hoch, dass ein Guthaben in Höhe von CHF 20'000.– verzeichnet werden kann.

Das oben dargestellte Praxisbeispiel geht auf die Schritte zur Erstellung ein und zeigt, was im Hinblick auf die gewünschte Aussagefähigkeit unbedingt zu berücksichtigen ist. Insofern gilt eine detaillierte Liquiditäts- und Finanzplanung neben der Planung von Produktion und Absatz zu den Voraussetzungen einer soliden Unternehmenspolitik.

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