Rechnungslegungsstandard: Ist die Wahl des richtigen Standards wirklich eine Kostenfrage?
KURZ ZUSAMMENGEFASST
Die Entscheidung zwischen IFRS, US GAAP und Swiss GAAP FER hängt weniger von reinen Kosten ab als von der Passung zum Geschäftsmodell und den Erwartungen der Anspruchsgruppen. Während internationale Standards wie IFRS oft höhere Komplexität und damit verbundene Transaktionskosten mit sich bringen, bieten nationale Standards wie Swiss GAAP FER eine praxisnähere und schlankere Lösung. Unternehmen, die in den letzten Jahren von IFRS auf Swiss GAAP FER gewechselt sind, tun dies primär, um den operativen Aufwand zu reduzieren, auch wenn dies einen Wechsel in ein anderes Segment der SIX Swiss Exchange bedeuten kann.
Die wichtigsten Punkte:
- Swiss GAAP FER wird zunehmend als Alternative zu IFRS gewählt, um Komplexität und Kosten zu senken.
- Die Wahl des Standards beeinflusst direkt die Erwartungen von Investoren, Kreditgebern und anderen Anspruchsgruppen.
- Transaktionskosten für Erfassung, Prüfung und Verbreitung von Informationen variieren je nach gewähltem Standard erheblich.
- Der Seitenumfang des Geschäftsberichts dient oft als Indikator für die Komplexität und die damit verbundenen Kosten.

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Welche Rechnungslegungsstandards sind für Schweizer Unternehmen am kosteneffizientesten und wie beeinflusst die Wahl die Transparenz?
Rechnungslegungsstandard Swiss GAAP FER statt IFRS
Mehrere börsenkotierte Schweizer Unternehmen haben sich in den letzten Jahren für einen Wechsel von IFRS zu Swiss GAAP FER entschieden. Grund dafür war vor allem die hohe Komplexität der internationalen Standards – verbunden mit einem deutlich höheren Aufwand und steigenden Kosten. Der potenzielle Reputationsgewinn durch eine Kotierung im Hauptsegment der SIX Swiss Exchange wog für viele Unternehmen weniger schwer als der operative Nutzen einer schlankeren, praxisnäheren Rechnungslegung. Der damit verbundene Wechsel ins Nebensegment wurde in Kauf genommen.
Wechsel Rechnungslegungsstandard
Einzelne Unternehmen im Hauptsegment der SIX Swiss Exchange haben sich entgegen der bisherigen Vorgabe entschieden, ihre Finanzberichterstattung auf Swiss GAAP FER umzustellen. Dies war insofern bemerkenswert, als die Rechnungslegung nach Swiss GAAP FER ursprünglich nur für das Nebensegment vorgesehen war. Für das Hauptsegment verlangte die SIX bislang die Anwendung von IFRS oder US GAAP. Diese Entwicklung wirft Fragen zur Regulierungspraxis auf und zeigt, dass sich die Anforderungen an Transparenz und Vergleichbarkeit auch mit nationalen Standards erfüllen lassen:
| IFRS | US GAAP | Swiss GAAP FER | |
|---|---|---|---|
| Emittenten von Beteiligungsrechten: | |||
| Main Standard | x | x | |
| Standard für Investmentgesellschaften | x | x | |
| Standard für Immobiliengesellschaften | x | x | |
| Domestic Standard | x | x | x |
| Emittenten von ausschliesslich Forderungsrechten | x | x | x |
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Rechnungslegung reduziert das Problem ungleich verteilter Informationen
Unternehmenspublizität bzw. Rechnungslegungspublizität stellt gemäss Art. 716a Abs. 1 Nr. 6 OR eine unübertragbare und entziehbare Aufgabe des Verwaltungsrats gegenüber den Anspruchsgruppen einer Unternehmung dar. So sollte die Rechnungslegung dazu beitragen, dass die besser informierten Leitungsorgane der Unternehmung vor allem die risikotragenden Eigen- und Fremdkapitalgeber regelmässig mit entscheidungsnützlichen Informationen über den Zustand der Unternehmung versorgen, so dass die existierende asymmetrische Informationsverteilung reduziert wurde. Einen Überblick über die Erwartungen der verschiedenen Anspruchsgruppen an die Rechnungslegungspublizität zeigt die nachfolgende Tabelle 2:
| Gruppen von Abschlussadressaten | Interessen an der Rechnungslegung |
|---|---|
| Investoren und ihre Berater | - Beurteilung, ob sie kaufen, halten oder veräussern sollen - Beurteilung der Fähigkeit eines Unternehmens zur Dividendenausschüttung |
| Arbeitnehmer | - Beurteilung der Fähigkeit eines Unternehmens zur Zahlung von Löhnen und Gehältern sowie von Altersvorsorgeleistungen und zur Bereitstellung von Arbeitsplätzen |
| Kreditgeber | - Beurteilung, ob ihre Darlehen und die damit verbundenen Zinsen bei Fälligkeit gezahlt werden |
| Lieferanten und andere Gläubiger | - Beurteilung, ob die ihnen geschuldeten Beiträge bei Fälligkeit gezahlt werden - Informationen über die Fortführung eines Unternehmens |
| Kunden | - Informationen über die Fortführung eines Unternehmens |
| Regierungen und ihre Institutionen | - Regulierung der Tätigkeiten eines Unternehmens - Festlegung der Steuerpolitik - Informationen als Grundlage für Statistiken |
| Öffentlichkeit | - Informationen über die Tendenzen und jüngsten Entwicklungen der Prosperität eines Unternehmens sowie über seine Tätigkeitsbereiche |
Quelle: Maier, A: Rahmenkonzept zur Abwägung von Kosten und Nutzen im Standardsetzungsprozess der internationalen Rechnungslegung
Checkliste
- Analysieren Sie die spezifischen Informationsbedürfnisse Ihrer wichtigsten Anspruchsgruppen (Investoren, Banken, Lieferanten).
- Bewerten Sie den aktuellen und zukünftigen Aufwand für die Erfassung und Aufbereitung von Rechnungslegungsdaten.
- Prüfen Sie die regulatorischen Anforderungen Ihres angestrebten Börsensegments bei der SIX Swiss Exchange.
- Vergleichen Sie die Komplexität der Standards IFRS, US GAAP und Swiss GAAP FER im Kontext Ihres Geschäftsmodells.
- Kalkulieren Sie die direkten Transaktionskosten, einschließlich externer Prüfungskosten und Verbreitungskosten.
- Beachten Sie, dass Swiss GAAP FER auch für Immobiliengesellschaften ein relevanter Standard sein kann.
- Ermitteln Sie, ob ein Wechsel des Standards einen Reputationsverlust oder -gewinn für Ihr Unternehmen bedeutet.
- Nutzen Sie den Seitenumfang vergangener Geschäftsberichte als Vergleichsbasis für die Komplexität.
- Sichern Sie die Zustimmung des Verwaltungsrats, da die Rechnungslegung eine unübertragbare Aufgabe darstellt.
- Stellen Sie sicher, dass die gewählte Norm die asymmetrische Informationsverteilung zwischen Leitungsorganen und Kapitalgebern effektiv reduziert.
Kosten der Rechnungslegung
Durch die Wahl des Rechnungslegungsstandards wird immer auch ein gewisses Ausmass an Komplexität zur Regeleinhaltung abgebildet. Je nach Komplexität des gewählten Rechnungslegungsstandards resultiert für das publizierende Unternehmen direkte (Transaktions-)Kosten, die mit der Informationsbereitstellung und Kommunikation zusammenhängt (Maier):
- Kosten zur Erfassung und Aufbereitung von Informationen
- Prüfungskosten
- Verbreitungskosten
Die Messung von Komplexität im Zusammenhang mit der Rechnungslegungspublizität ist allerdings nicht unmittelbar möglich. Als möglicher Indikator kann die Entwicklung des seitenmässigen Umfangs der Geschäftsberichte über die Zeit sein.
Fazit zu Rechnungslegungsstandard
Die Entscheidung für oder gegen einen Rechnungslegungsstandard wird oft mit dem damit verbundenen Aufwand begründet. Besonders ins Gewicht fallen dabei die Transaktionskosten rund um die Informationsaufbereitung.
Alternativ werden die mit der Wahl eines bestimmten Rechnungslegungsstandards verbundenen Kosten auch durch den Umfang und die Komplexität der Rechnungslegungspublizität deutlich. Wählt man den Seitenumfang des Geschäftsberichts als Indikator für Komplexität (und damit verbundene Kosten), so zeigt sich am Beispiel der hier gewählten Unternehmen tatsächlich ein Unterschied zwischen IFRS- und Swiss GAAP FER-Bilanzierern.
Referenzen: Kelterborn, K./Bachofen-Keller, S.: Swiss GAAP FER – Ein optimaler Rechnungslegungsstandard: Warum Conzzeta Swiss GAAP FER einsetzt und wie sie die Rechnungslegungsnormen umsetzt; Pfaff, D./Hermann, R.: Beweggründe für den Wechsel von IFRS auf Swiss GAAP FER; SIX: Richtlinie betr. Rechnungslegung, www.six-exchange-regulation.com
FAQ: Rechnungslegungsstandard
Warum wechseln Schweizer Unternehmen von IFRS zu Swiss GAAP FER?
Der Wechsel erfolgt primär aufgrund der hohen Komplexität und der damit verbundenen Kosten von IFRS. Swiss GAAP FER bietet eine praxisnähere, schlankere Rechnungslegung, die den operativen Aufwand reduziert, auch wenn dies oft mit einem Wechsel ins Nebensegment der SIX verbunden ist.
Welche Rolle spielen die Transaktionskosten bei der Standardwahl?
Transaktionskosten sind ein entscheidender Faktor. Sie umfassen Kosten für die Erfassung, Aufbereitung, Prüfung und Verbreitung von Informationen. Je komplexer der Standard, desto höher sind in der Regel diese Kosten, was sich direkt im Seitenumfang des Geschäftsberichts widerspiegeln kann.
Können Unternehmen im Hauptsegment der SIX Swiss Exchange Swiss GAAP FER anwenden?
Ja, einzelne Unternehmen im Hauptsegment haben sich entgegen der bisherigen Vorgabe für Swiss GAAP FER entschieden. Dies zeigt, dass sich Transparenz und Vergleichbarkeit auch mit nationalen Standards erfüllen lassen, obwohl IFRS oder US GAAP traditionell verlangt wurden.
Wie beeinflusst der Rechnungslegungsstandard die Informationsverteilung?
Die Rechnungslegung dient dazu, die asymmetrische Informationsverteilung zwischen den besser informierten Leitungsorganen und den risikotragenden Eigen- und Fremdkapitalgebern zu reduzieren. Der gewählte Standard muss entscheidungsnützliche Informationen für die jeweiligen Anspruchsgruppen bereitstellen.