Anlagestrategie: Worauf Sie als Unternehmen achten müssen

Die Welt verändert sich und das zunehmend schneller. Ein Blick auf die letzten Jahre genügt, um zu verstehen, dass alte Gewissheiten keine Garantie für die Zukunft bereithalten. Nicht nur Erdölkonzerne und Energieversorger können ein Lied davon singen. Auch ganz normale mittlere Unternehmen werden immer wieder von den grossen Verwerfungen in Politik und Weltmarkt erfasst und tun gut daran, sich stets auf ein Neues anzupassen.

30.11.2022
Anlagestrategie

Die Welt im Blick behalten

Unternehmen machen es sich mitunter ein wenig zu leicht, wenn sie glauben, es wäre vollkommen ausreichend, eine umfangreiche Expertise für ihr eigenes Geschäftsfeld zu entwickeln. Dabei wird konsequent übersehen, dass jedes Geschäftsfeld und jedes Geschäftsmodell in globale Zusammenhänge eingebettet ist, die es zu beobachten gilt.

Allein seit der Jahrtausendwende hat die Welt mindestens drei grosse Krisen erlebt, auf die mittelständische und grössere Unternehmen mit entsprechender Anpassung ihrer Anlage- und Investitionsstrategie reagieren sollten. Ohne hier allzu sehr in das Detail gehen zu können, zeigte die erste Krise bereits eine Tendenz, die bis heute anhält:

Nach den Anschlägen auf das World Trade Center besannen sich die USA auf die eigene Stärke und zeigten zunehmend weniger Interesse an einer weiteren Vertiefung der weltweiten Wirtschaftsbeziehungen. Der Ausbau der Sicherheitsarchitektur, insbesondere an Flughäfen, hatte bereits zu diesem Zeitpunkt reale und negative Auswirkungen auf den Handel. Die ersten Konflikte mit China und der Beginn der chinesischen Strategie, sich eigene Ressourcen und Absatzmärkte in Afrika zu sichern, folgten nicht viel später.

Nach einer oberflächlich ruhigen Phase der Konsolidierung und der Stagnation folgte bereits 2007 die Weltfinanzkrise, die seither nicht wirklich verschwunden ist. Ohne auch hier allzu tief in die Details abtauchen zu wollen, hat die Krise ohne Zweifel gezeigt, dass es weltweit ein Missverhältnis zwischen Produktion und Konsum beziehungsweise zu viel Geld mit zu wenigen guten Investitionsmöglichkeiten gab.

Die goldene Zeit des grenzenlosen, kreditbasierten Wachstums, vor allem der Finanzmärkte, ist mit der Krise vorbeigegangen. Nicht nur die, aber speziell auch die Schweizer Anlageberatung musste sich neu erfinden und neue, nachhaltige und hochqualitative Anlagemöglichkeiten entwickeln, die nicht auf Spekulation und billigem Geld beruhen.

Status quo analysieren

Um von den dynamischen Prozessen des Weltmarkts oder den grossen wirtschaftspolitischen Umwälzungen nicht auf dem falschen Fuss erwischt zu werden, gilt es den status quo des Unternehmens stets im Blick zu haben. Als CEO, Manager oder Controller eines grossen oder mittelständischen Unternehmens, kann man sich nie sicher sein, dass die erfolgreichen Geschäftsmodelle von heute auch morgen noch Erfolg versprechen.

Es ist daher vollkommen unabdingbar, sich einen Überblick zu verschaffen, wie das Unternehmen mit dem Rest der Welt vernetzt ist, welche Abhängigkeiten bestehen und welche Geschäftsfelder von aktuellen Entwicklungen betroffen sind. Der Chipmangel, von dem derzeit vor allem deutsche Autobauer betroffen sind, beispielsweise, konnte nur für den unvorbereiteten Geist eine Überraschung sein.

Ein Unternehmer, der sein Geschäft und die Welt gut im Blick hat, hätte das Risiko auseinanderbrechender Lieferketten, der Produktionsausfälle durch Corona, der zunehmenden Knappheit relevanter Rohstoffe und der zunehmenden Weltmarktkonkurrenz zwischen den USA und China spätestens im Sommer 2020 richtig erfassen können. Ein hellsichtiger Manager hätte vielleicht schon die Zeichen nach der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten 2016 und die folgende Wende hin zu einer protektionistischen Wirtschaftspolitik entsprechend gedeutet.

Die richtigen Schlüsse ziehen

Alle diese Ereignisse der jüngeren Vergangenheit deuten auf eine deutliche Reduzierung der weltweiten wirtschaftlichen Verflechtungen hin. Gleichzeitig sind die Lieferketten, insbesondere der europäischen Produktion, derzeit noch global ausgerichtet und haben sich als krisenanfällig erwiesen. Hier wird jetzt mit teilweise panisch getroffenen Entscheidungen gegengesteuert.

So reagiert etwa die Bundesrepublik Deutschland, wohlgemerkt nicht die deutsche Automobilindustrie, mit der Förderung und Ansiedlung von Chipherstellern wie Intel in Deutschland, um die Abhängigkeit von asiatischen Produktionsstandorten zu verringern. Doch das Kind ist bereits in den Brunnen gefallen. Produktionsstätten stehen still und Käufe werden storniert.

Mit etwas Pech kommen die panischen Investitionsentscheidungen der letzten zwei Jahre nicht nur zu spät, sondern übersteigen auch die spätere Nachfrage, denn es wird bereits von einer möglichen Überproduktion ab 2027 gesprochen. Die Entwicklung der aktuellen Inflationsraten und die Prognosen zum Wachstum im Euroraum, aber auch in der Welt sowie die politischen Mobilitätsstrategien weg vom Individualverkehr und hin zum gut ausgebauten Bahn- und Nahverkehr, dürfen in dieser Hinsicht weiter skeptisch stimmen.

Wer sich als Unternehmer auf diese stürmischen Zeiten einstellen will und gerade die Investitionen der nächsten 10 oder 20 Jahre plant, sollte diese Entwicklungen einbeziehen. Die Stichworte, unter denen aktuelle Investitions- und Anlageentscheidungen getroffen werden sollten, lauten daher: Resilienz, Autonomie und verlässliche Partnerschaft sowie Vorsicht, was die Wachstumsaussichten angeht.

 

Bildquelle:

pixabay.com/de/photos/moderne-technologien-marketing-1263422/

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