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Verzinsung: Berechnung der marktgerechten Verzinsung

KURZ ZUSAMMENGEFASST

Die marktgerechte Verzinsung ist der Mindestgewinn, den ein Unternehmen erwirtschaften muss, um die Erwartungen von Eigen- und Fremdkapitalgebern zu erfüllen. Sie wird als Weighted Average Cost of Capital (WACC) ermittelt und setzt sich aus den Kosten des Eigenkapitals, den Fremdkapitalkosten (nach Steuern) sowie der Verschuldungsstruktur zusammen. Ein Vergleich der erzielten Verzinsung (ROCE) mit diesem Zielwert zeigt, ob ein ökonomischer Übergewinn vorliegt und die Unternehmensführung erfolgreich ist.

Die wichtigsten Punkte:

  • Der ROCE (Return on Capital Employed) misst die erzielte Verzinsung des eingesetzten Kapitals.
  • Der WACC repräsentiert die geforderte Verzinsung basierend auf Risiko und Marktkonditionen.
  • Ein ökonomischer Übergewinn entsteht, wenn der ROCE den Ziel-ROCE (WACC) übersteigt.
  • Gratiskapital wie Lieferantenkredite senkt das Capital Employed und verbessert die Kennzahl.
12.01.2026 Von: Markus Berger-Vogel
Verzinsung

Wie berechnet ein Schweizer KMU die marktgerechte Verzinsung und prüft den Ziel-ROCE?

Wie viel Gewinn ist eigentlich genug? Die Antwort darauf liefert die marktgerechte Verzinsung – ein zentraler Indikator zur Bewertung der Unternehmensleistung. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie Schweizer KMU einfach und praxisnah prüfen können, ob ihre Verzinsung den Erwartungen von Kapitalgebern entspricht – und wie Sie damit fundierte Entscheidungen über Investitionen und strategische Ausrichtungen treffen.

Was versteht man unter einer marktgerechten Verzinsung?

Ein Unternehmen sollte mindestens so viel Gewinn erwirtschaften, dass es die Zinsanforderungen der Kreditgeber für das Fremdkapital sowie der Eigentümer für das zur Verfügung gestellte Eigenkapital deckt. Das bedeutet, dass derjenige Teil des Vermögens, der mit «zinskostendem Kapital» finanziert wird, eine Verzinsung erwirtschaften muss, die den Zinsanforderungen der Eigen- und Fremdkapitalgeber entspricht. Dieses «zinskostende Vermögen», das als Capital Employed bezeichnet wird, ermittelt man am einfachsten, indem man vom betriebsnotwendigen Vermögen das Gratiskapital abzieht.

Als Gratiskapital bezeichnet man denjenigen Teil der Schulden, die dem Unternehmen zinslos zur Verfügung stehen. Dazu zählen: Schulden bei Lieferanten, Anzahlungen von Kunden und unverzinsliche Rückstellungen. Setzt man nun den EBIT ins Verhältnis zum Capital Employed, erhält man den ROCE (Return on Capital Employed). Für unser Beispielunternehmen beträgt der ROCE 8,00%. Die Berechnung für den ROCE sowie sämtliche Zahlen und Berechnungen dieses Beitrags finden Sie in dieser Abbildung hier.

Ermittlung der marktgerechten Verzinsung

Ziel des Unternehmens ist es, eine Verzinsung des Capital Employed zu erzielen, die den Anforderungen der Eigen- und Fremdkapitalgeber genügt. Für das gesamte Capital Employed wird ein Zinssatz gesucht, der den Kapitalgebern nach Abzug aller Kosten, also auch der Ertragssteuern, bleiben sollte. Diese risiko- und damit marktgerechte Verzinsung wird als gewichteter Kapitalkostensatz bzw. Weighted Average Cost of Capital (WACC) bezeichnet.

Zur Ermittlung des WACC benötigt man somit:

  • die Kosten des Eigenkapitals,
  • die Kosten des Fremdkapitals,
  • den Ertragssteuersatz und
  • das Verhältnis von Fremdkapital zu Eigenkapital (Verschuldung).

Bestimmung der Kosten des Eigenkapitals

Aus Sicht des Eigentümers stellen die Eigenkapitalkosten die Verzinsung (Rendite) dar, die er erzielen würde, wenn er sein Geld in eine alternative Anlageform mit gleichem Risiko und gleicher Laufzeit investieren würde. Dies bedeutet, dass der Anteilseigner mindestens den risikofreien Zinssatz zuzüglich eines Risikozuschlags erhalten möchte. Da es sich bei Eigenkapital um eine langfristige Finanzierungsform handelt, muss man sich bei der Suche nach dem risikofreien Zinssatz an einer langfristigen Anlageform orientieren. In der Praxis verwendet man den Zinssatz für zehn- bis 30-jährige Staatsanleihen mit AAA-Rating.

Tipp: In der KPMG Kapitalkosten­studie 2025 bewegten sich die verschuldeten Eigenkapitalkosten der Unternehmen zwischen 7,2 Prozent und 12,9 Prozent und weisen branchenübergreifend einen Durchschnitt von 9,7 Prozent auf.

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