Langfristige Aufträge: Das gilt in Bezug zur Rechnungslegung
Inhalt
- Wie bilanziert man langfristige Aufträge korrekt nach Swiss GAAP FER, IFRS und OR?
- Überblick zu den der Bilanzierungsmethoden für langfristige Aufträge: POC und CCM
- Anforderungen und Standards bei langfristigen Fertigungsprojekten
- Bilanzierung langfristiger Aufträge gemäss den Swiss GAAP FER
- Bestimmung des Fertigstellungsgrads
- In der Literatur wird zwischen Input- und Output-orientierten Methoden unterschieden
- Voraussetzungen für die praktische Umsetzung der POC-Methode
- Fazit
- FAQ: Langfristige Aufträge
KURZ ZUSAMMENGEFASST
Die korrekte Abbildung von Langfristigen Aufträgen in der Jahresrechnung hängt massgeblich vom gewählten Rechnungslegungsstandard ab. Während das Obligationenrecht (OR) einen vorsichtigen Ansatz mit Gewinnrealisierung erst bei Fertigstellung bevorzugt, erlaubt Swiss GAAP FER 22 die Percentage-of-Completion-Methode (POC), sofern bestimmte Voraussetzungen kumulativ erfüllt sind. Bei IFRS-Anwendern ist IFRS 15 massgebend, welches die Umsatzrealisierung an die Erfüllung von Leistungsverpflichtungen über einen Zeitraum knüpft.
Die wichtigsten Punkte:
- Swiss GAAP FER 22 unterscheidet zwischen der POC-Methode (periodengerechte Gewinnerfassung) und der CCM-Methode (Gewinnerfassung erst bei Abschluss).
- IFRS 15 ersetzt IAS 11 und verlangt die Beurteilung, ob eine Leistung über einen Zeitraum oder zu einem bestimmten Zeitpunkt erbracht wird.
- Das OR kennt keine explizite Methode, folgt aber dem Vorsichtsprinzip, was oft der Completed-Contract-Methode entspricht.
- Für die Anwendung der POC-Methode müssen Vertragserfüllung, Organisation und Schätzbarkeit der Kosten und Erlöse zuverlässig gegeben sein.
- Erkennbare Verluste sind unabhängig von der angewandten Methode sofort vollständig zu erfassen.

Passende Arbeitshilfen
Wie bilanziert man langfristige Aufträge korrekt nach Swiss GAAP FER, IFRS und OR?
Viele Unternehmen stehen vor der Herausforderung, «langfristige Aufträge» am Abschlussstichtag korrekt in ihrer Jahresrechnung abzubilden. Die anzuwendende Bilanzierungs- und Bewertungsmethode richtet sich dabei nach dem jeweiligen Rechnungslegungsstandard.
Zu den in der Schweiz anerkannten Standards der Rechnungslegung gehören die «Swiss GAAP FER», die «IFRS» des IASB, die «IFRS for SMEs», die «IPSAS» sowie die «US GAAP». Die anerkannten Standards sind in der Verordnung über die anerkannten Standards zur Rechnungslegung (VASR) aufgeführt.
- Zwingend ist gemäss Art. 962 Abs. 1 OR ein zusätzlicher Abschluss nach einem anerkannten Standard zur Rechnungslegung für
- Gesellschaften, deren Beteiligungspapiere an einer Börse kotiert sind, sofern dies die Börse verlangt,
- Genossenschaften mit mindestens 2000 Genossenschaftern sowie
- Stiftungen, die von Gesetzes wegen zu einer ordentlichen Revision verpflichtet sind (Art. 83b Abs. 3 ZGB i. V. m. Art. 727 Abs. 1 OR).
Die periodengerechte Zuordnung der erbrachten Fertigungsleistungen und der Umsätze kann je nach angewendetem Rechnungslegungs- und Bewertungsstandard zu einer unterschiedlichen Gewinn- und Vermögensdarstellung führen. Weitere für die Bewertung relevante Merkmale können beispielsweise die Vertragsart, vertragliche Gestaltungen, die Handhabung von Gruppenaufträgen, die Ermittlung des Fertigstellungsgrads, Verluste aus Verträgen, Anzahlungen, konzerninterne Preise oder die Auslastung sein.
Für langfristige Aufträge sind insbesondere das Schweizer Obligationenrecht (OR), Swiss GAAP FER 22 «Langfristige Aufträge» sowie bei einer Rechnungslegung nach IFRS die Regelungen von IFRS 15 «Revenue from Contracts with Customers» relevant.
Während Swiss GAAP FER 22 für langfristige Aufträge zwischen der Percentage-of-Completion-Methode (POCM) und der Completed-Contract-Methode (CCM) unterscheidet, verfolgt IFRS 15 ein eigenständiges Modell der Umsatzrealisierung. Es ist dabei insbesondere zu unterscheiden und beurteilen, ob eine Leistungsverpflichtung über einen Zeitraum oder zu einem bestimmten Zeitpunkt erfüllt wird.
Überblick zu den der Bilanzierungsmethoden für langfristige Aufträge: POC und CCM
Langfristige Aufträge erstrecken sich über mehrere Rechnungsperioden und erfordern deshalb eine sachgerechte Zuordnung von Erlösen und Aufwendungen zu den jeweiligen Berichtsperioden. Welche Bilanzierung zur Anwendung kommt, hängt vom jeweiligen Rechnungslegungsstandard ab.
Swiss GAAP FER 22 «Langfristige Aufträge» regelt die Erfassung und Bewertung langfristiger Aufträge ausdrücklich und sieht bei Erfüllung der entsprechenden Voraussetzungen die Anwendung der Percentage-of-Completion-Methode (POCM) vor. Sind die Voraussetzungen nicht erfüllt, kommt die Completed-Contract-Methode (CCM) zur Anwendung.
Für IFRS-Anwender ist dagegen IFRS 15 «Revenue from Contracts with Customers» massgebend. Der Standard hat IAS 11 «Construction Contracts» ab dem 1. Januar 2018 ersetzt. IFRS 15 enthält ein umfassendes Modell zur Erfassung von Umsatzerlösen aus Kundenverträgen und unterscheidet insbesondere danach, ob eine Leistungsverpflichtung über einen Zeitraum oder zu einem bestimmten Zeitpunkt erfüllt wird.
Die CC-Methode sieht vor, dass grundsätzlich nur die aufgelaufenen Kosten (ohne Gewinnzuschlag) in der Bilanz unter der Position „Fabrikate bzw. Aufträge in Arbeit“ innerhalb der Vorräte aktiviert werden. Die Realisierung des Gewinns erfolgt dabei grundsätzlich erst bei Abschluss des Auftrags.
Die nach IFRS 15 anzuwendenden Grundsätze unterscheiden sich hiervon grundlegend. IFRS 15 stellt nicht mehr auf eine eigenständige „Percentage-of-Completion-Methode (POC)“ im früheren Sinne ab, sondern knüpft die Umsatzrealisierung an die Erfüllung von Leistungsverpflichtungen aus Kundenverträgen. Wird eine Leistungsverpflichtung über einen Zeitraum erfüllt, ist der Umsatz entsprechend dem Fortschritt der Leistungserfüllung zu erfassen. Zur Bestimmung dieses Fortschritts kommen insbesondere Output- und Input-Methoden infrage. Bei einer Input-Methode kann beispielsweise das Verhältnis der bereits angefallenen Kosten zu den insgesamt erwarteten Kosten (Cost-to-Cost-Methode) herangezogen werden.
Im Unterschied zur klassischen CC-Methode wird damit der aus einem Auftrag erwartete Erfolg grundsätzlich nicht erst bei dessen Fertigstellung erfasst, sondern – sofern die Voraussetzungen für eine Umsatzrealisierung über einen Zeitraum erfüllt sind – entsprechend dem Leistungsfortschritt. Dabei werden Umsatz und die zugehörigen Aufwendungen periodengerecht in der Erfolgsrechnung erfasst. Die Anwendung einer Fortschrittsmethode ist insbesondere bei Aufträgen relevant, bei denen die Leistungsverpflichtung über einen Zeitraum erfüllt wird; die bloße Langfristigkeit eines Auftrags ist hierfür jedoch nicht allein ausschlaggebend.
Jetzt Member werden und weiterlesen:
- Unlimitierter Zugriff auf alle 1300 Arbeitshilfen
- Alle kostenpflichtigen Beiträge auf weka.ch frei
- Zugriff auf alle Videos
- Täglich aktualisiert
- Wöchentlich neue Inhalte und Arbeitshilfen
- Exklusive Spezialangebote
- News- & Update-Services
- Seminargutscheine