Arbeitsformen: Für New Work 7 Arbeitsformen klug einsetzen

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New Work – so alt…
Obwohl der Begriff bereits in den 70er-Jahren durch den Sozialphilosophen Frithjof Bergmann geprägt wurde, beherrscht New Work erst jetzt die Unternehmens- und Arbeitswelt. Verwunderlich ist dies wenig. Denn, New Work benötigte einen Wandel, der alles einschloss und umfasste, um überhaupt greifen zu können. Typische New Work Merkmale wie beispielsweise
- Flache Hierarchien
- Digitalisierung
- Flexibilität
- Individualität
- Sinnstiftung der Arbeit
- Selbstständigkeit
- Agilität
- Diversity
wären (und waren) in den 50er, 60er, 70er, 80er und auch in den 90er Jahren noch nicht möglich gewesen. Nicht allein, weil die Gesellschaft eine andere Arbeitskultur lebte, sondern auch, weil die technischen Möglichkeiten eindeutige Grenzen gesetzt haben. Homeoffice, Remote Work oder Co-Working-Spaces waren – vielleicht – ein Traum, gar Vision Einzelner.
… und doch so neu
Heute sieht dies anders aus. Heute versucht jedes Unternehmen, New Work zu etablieren. Nur, oft genug „scheitert“ der Versuch. Oder wird es „halbherzig“ durchgeführt. Vielleicht auch, weil sich hinter dem Begriff New Work eben sehr viele neue Arbeitsformen versammeln. Und – vielleicht – dadurch auch eine mentale Hürde, gar Unsicherheit aufbaut:
- Welche New Arbeitskonzepte gibt es?
- Welches passt zu unserem Unternehmen, unserer Unternehmenskultur, unserer Arbeit,– und auch zu unseren Führungskräften und Belegschaft?
- Welches wird von unseren MitarbeiterInnen gewünscht und gefordert?
- Welches passt zu unserer Produktion und unseren Produkten, zu unseren Waren und Angeboten?
- Welches passt zu unseren Kunden und deren Wünsche und Bedürfnissen?
- Welches beschert uns Vorteile auf dem Markt?
- Welches bietet eine hervorragende Abgrenzung gegenüber der Konkurrenz?
- Welches lässt uns schneller auf Veränderungen – global, regional, geopolitisch, gesellschaftlich – reagieren, gar pro-aktiv agieren?
- Welches kann mühelos um- und eingesetzt werden?
- Für welches gibt es entsprechende Ressourcen und Strukturen im Unternehmen?
Alles wichtige, entscheidende, gar essentielle Fragen. Um diese für sich und Ihr Unternehmen beantworten zu können, machen Sie sich mit den typischsten New Work Arbeitsformen vertraut.
New Work: 7 typische Arbeitsformen im Überblick
New Work ist ein Sammelbegriff für die unterschiedlichsten neusten Arbeitskonzepte. Kein Wunder, dass dann vielleicht Verunsicherung herrscht, ob die Arbeitsmethode, die Sie im Fokus haben, überhaupt unter New Work fällt. Verschaffen Sie sich deshalb Klarheit mit dem folgenden Überblick.
| New Work – und seine 7 typischsten Arbeitsformen | |
| New Work Arbeitsform… | … und seine Umsetzung |
| Der Mitarbeiter arbeitet von zu Hause. Dank Computer, Internet, Office-Team und Co ist diese Arbeitsform in der Regel längst zum Standard geworden. Die physische Präsenz im Büro, um das Miteinander und den Teamgeist zu fördern, wurde „heruntergefahren“: Auf ein Tag, zwei oder drei Tage in der Woche. |
| Homeoffice mit globaler Auswirkung, d.h. bei Remote Work können Ihre MitarbeiterInnen von überall arbeiten. Ob nun in Indien, Bulgarien, Shanghai. Ob im Café, im Park, Ferienhaus oder in einer Bibliothek. Voraussetzung: Ein stabiler Internetzugang und für die Meetings die benötigte Ruhe der Umgebung. |
| Bye, bye gemeinsames Büro und fixer Arbeitsplatz. Stattdessen kommen die Teams und Mitarbeiter an einem Ort zusammen, den sie sich zum Arbeiten teilen. Vorteil: Spart Bürokosten und sorgt für innovativen Austausch mit anderen Teams, Branchen und freien Mitarbeitern, die zeitgleich im Co-Working-Space-Center arbeiten. |
| Beim Hotdesking bauen Sie fixe Arbeitsplätze ab. Wer im Büro arbeiten will, muss sich frühzeitig für das gewünschte Datum einen „freien Tisch“ buchen. Ob nun für eine Woche, einen Tag oder nur einzelne Stunden am Tag. So entstehen immer wieder neue Work-Konstellationen – auch teamübergreifend –, die für Inspirationen sorgen. |
| Job-Sharing beschert endlich eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf, ohne auf verantwortungsvolle (Führungs-)Positionen verzichten zu müssen. Denn beim Job-Sharing wird eine Vollzeitstelle geteilt – von zwei oder mehreren MitarbeiterInnen, die gemeinsam ihre Aufgaben, Verantwortungsbereiche, als auch Arbeitszeiten flexibel festlegen, um so die vertragliche Gesamtarbeitszeit, als auch das Aufgabenvolumen zu erfüllen. |
| Statt 5 Tage „nur“ 4 Tage arbeiten – natürlich mit dem gleichen wöchentlichen Arbeitsstundenumfang. Für MitarbeiterInnen, die lange pendeln müssen, bringt dies eine Zeitersparnis, falls Homeoffice keine Option darstellt. |
| New Work kann nur funktionieren, wenn Ihre Führungskräfte „mitspielen“. Denn alle New Work Arbeitsformen fordern
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New Work – und seine 7 Arbeitsformen klug einsetzen: 5 Tipps
Wie jede Neuerung fordert auch New Work heraus. Das gewohnte, vertraute Miteinander wird auf den Kopf gestellt. Die bisherige Arbeitsweise in Frage gestellt. Vieles will und muss ausprobiert werden – mit all seinen positiven, wie negativen Auswirkungen. Deshalb spielt Zeit eine Rolle, aber auch sich auf den Prozess einzulassen. Vielleicht unterstützt der eine oder andere der folgenden Tipps die Einführung und Etablieren von New Work.
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Tipp 1: Ist-Zustand prüfen
Ohne den aktuellen Ist-Zustand zu kennen, scheitert jeder New Work Change Prozess. Das wissen Sie. Analysieren Sie deshalb in Ruhe, wo Sie, Ihr Unternehmen und Ihre Mitarbeiter stehen:
- Welche Art der Unternehmenshierarchien bestehen im Unternehmen?
- Welche Art der Führung wird praktiziert? Welcher Führungsstil herrscht vor?
- Mit welcher Form von New Work sind welche Abteilungen, Teams und Mitarbeiter schon vertraut – vielleicht Home Office?
- Was wünschen sich Ihre MitarbeiterInnen?
- Welche Bedenken gibt es gegenüber welcher New Work Arbeitsform? Wer hat welche Einwände?
- Wie lassen sich diese Hürden und Einwände positiv wandeln? Was sollte unbedingt beachtet werden?
- Weshalb wollen Sie die eine oder andere New Work Arbeitsform einführen? Welches Ziel verfolgen Sie?
- Welche Ressourcen müssen Sie für die Etablierung bereitstellen?
- Welche Weichen dafür stellen?
Ihre Analyse – Ihre Antworten – zeigen Ihnen Ihren Startpunkt. Jetzt können Sie loslegen, oder? Vielleicht bedarf Ihre Zieldefinition noch einer genaueren Betrachtung – mit dem Tipp 2 gelingt es.
Tipp 2: Eine kluge Wahl treffen - eine, alle oder ein Mix
New Work offenbart nicht allein sehr viele, unterschiedliche Arbeitskonzepte. New Work ist auch so vielschichtig, dass viele der Arbeitskonzepte einfach ansprechen. Job-Sharing? Eine hervorragende Idee. Homeoffice? Schon längst eingeführt. Hotdesking? Spart Bürofläche und erhöht die Flexibilität.
Jede Arbeitsmethode motiviert und begeistert. Begeistert so stark, dass sich manches Mal vielleicht zu viel vorgenommen wird. Deshalb führen Sie eine weitere Analyse durch. Fragen Sie sich:
- Welche Teams und/oder Abteilungen würden von welcher New Work Methode profitieren?
- Welche Teams und/oder Abteilungen können beispielsweise nicht im Homeoffice arbeiten, weil sie beispielsweise vor Ort in der Produktion gebunden sind?
- Wie würden sich bestehende Arbeitsstrukturen und –abläufe durch welche New Work Arbeitsmethode verändern?
- Was würde dies für die Unternehmensstrukturen, Geschäftsleitung, Führungskräfte und MitarbeiterInnen bedeuten? Was darf dabei neu gelernt und sich neu angeeignet werden?
- Wie müssen welche (Arbeits-)Schnittstellen koordiniert werden, damit beispielsweise eine 4-Tage-Woche oder das Hotdesking problemlos genutzt werden kann?
- Welche New Work Arbeitsmethoden würden sich für Ihr Unternehmen wunderbar ergänzen – beispielsweise Homeoffice mit Hotdesking?
- Soll es nun eine, alle oder ein Mix von New Work Arbeitskonzepten sein?
Tipp 3: Klein starten
Vielleicht haben Sie sich für einen Mix entschieden. Vielleicht für zwei New Work Arbeitskonzepte. Wie auch immer, starten Sie klein, d.h. beginnen Sie erst einmal eine Methode in die bestehenden Unternehmensstrukturen und Arbeitsabläufe zu integrieren. Denn trotz guter Vorplanung offenbaren sich manches Mal bei der Umsetzung noch Schwächen. Vielleicht muss die IT-Infrastruktur weiter ausgebaut und IT-Sicherheitslücken geschlossen werden. Vielleicht vermissen Mitarbeiter ihren festen Arbeitsplatz und benötigen ein wenig mehr Zeit, um sich an die Vorteile des Hotdesking zu gewöhnen.
Deshalb führen Sie lieber nach und nach weitere New Work Arbeitskonzepte ein. So minimieren Sie eine Überforderung aller Beteiligten – auch der Unternehmensebene. Schauen Sie auch in regelmässigen Abständen auf den Wandlungs-Prozess, um Probleme frühzeitig zu erkennen und diesen gegenzusteuern.
Tipp 4: Kommunikationsregeln klären
New Work lebt von Kommunikation. Ohne diese geht es nicht. Und zwar eine Kommunikation, die
- alle Ebenen durchdringt,
- offen ist,
- nichts zurückhält,
- Fehler anspricht und aufzeigt,
- Einwände zulässt,
- Fragen erlaubt und fördert,
- auf Augenhöhe stattfindet,
- die psychologische Sicherheit bietet, um angstfrei die eigene Meinung und Ideen vertreten zu können, ohne zu befürchten, von den anderen „niedergemacht“ zu werden.
Dafür benötigt das Team neue Kommunikationsregeln. Diskutieren Sie zusammen mit dem Team, wie die Kommunikation gestaltet werden kann – und auf was beim miteinander reden geachtet werden darf.
Tipp 5: Flexibel sein mit Grenzen
Jede New Work Arbeitsform fordert eine flexible Arbeits-Haltung, als auch erhöhte Selbstständigkeit und Eigenverantwortlichkeit des Mitarbeiters. Dies führt zu einer erhöhten Sinnstiftung und Motivation. Allerdings besteht auch das Risiko, das eigene Grenzen missachtet werden – und durch die Flexibilisierung Arbeit, Familie und Freizeit verschmelzen. Erhöhter Stress bis hin zu Burn-Out ist dann die Folge.
Deshalb ist es wichtig und sinnvoll,
- klare Regel der Erreichbarkeit festzulegen und zu kommunizieren,
- diese selbst einzuhalten und mit gutem Vorbild voranzugehen,
- individuelle Deep-Work-Phasen zu ermöglichen, zu fördern und zu respektieren.