Rentabilitätsrechnung: Berechnung der Rentabilität von Investitionen

KURZ ZUSAMMENGEFASST

Die Rentabilitätsrechnung dient als zentrales Instrument, um geplante Investitionen – sei es in neue Geschäftsfelder, Produkte oder Kundensegmente – hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Tragfähigkeit zu bewerten. Im Kern werden Kosten und Erträge quantifiziert und gegenübergestellt, um fundierte Entscheidungen über die Ausrichtung strategischer oder operativer Pläne zu treffen. Durch die Berücksichtigung von Geldflüssen und deren Abzinsung auf den Entscheidungszeitpunkt erhalten Unternehmen eine fundierte Basis, um konkurrierende Projekte miteinander zu vergleichen.

Die wichtigsten Punkte:

  • Ziel ist die systematische Analyse von Kosten und Erträgen für eine fundierte Investitionsentscheidung.
  • Geldzu- und -abflüsse müssen über den gesamten Betrachtungshorizont erfasst und bewertet werden.
  • Die Abzinsung der Geldflüsse ermöglicht den direkten Vergleich von Projekten unterschiedlicher Laufzeiten.
  • Der interne Zinsfuss (IRR) zeigt die Verzinsung des Projekts über die gesamte Dauer an.
  • Die Payback-Periode gibt an, wann die Investition inklusive Zielverzinsung zurückbezahlt ist.
05.06.2026 Von: Dr. Lukas Rieder
Rentabilitätsrechnung

Wie berechnet man die Rentabilität von Investitionen und vergleicht Projekte?

Ausgangspunkt der Rentabilitätsrechnung ist die Frage, ob und wie sich eine geplante Investition in ein neues Geschäftsfeld, eine neue Produkt- oder Kundengruppe oder die Umsatzausweitung in bestehenden Geschäften lohnen wird. Es geht um die Quantifizierung strategischer oder mittelfristiger operativer Pläne sowie um den Rentabilitätsvergleich konkurrierender Investitionsprojekte.

Einleitung in die Rentabilitätsrechnung

Die Rentabilitätsrechnung ist ein wesentliches Instrument des betrieblichen Rechnungswesens und spielt insbesondere bei Investitionsentscheidungen eine zentrale Rolle. Mithilfe der Rentabilitätsrechnung können Unternehmen geplante Projekte wie den Einstieg in neue Geschäftsfelder, die Entwicklung neuer Produkte oder die Erschliessung neuer Kundensegmente hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Attraktivität bewerten. Ziel dieser Methode ist es, potenzielle Investitionen systematisch zu analysieren, um die Projekte auszuwählen, die langfristig den höchsten finanziellen Nutzen versprechen. Dabei werden insbesondere Kosten und Erträge quantifiziert und gegenübergestellt, um eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu schaffen.

Geldflussbetrachtung

Für jeden Investitionsantrag ist festzustellen, ob die erwarteten Geldzu- und -abflüsse im Betrachtungshorizont der Investition den festgelegten Ziel-ROCE erreichen werden. Dazu ist eine Geldflussbetrachtung erforderlich, da die zu erwartenden Geldflüsse in jedem Planjahr unterschiedlich sein werden.

Investitionsrechenmodell

Hier finden Sie ein Beispiel eines Investitionsrechenmodells. Die im Beispiel gelb markierten Zahlen sind für die Erstellung der ganzheitlichen Betrachtung pro Jahr des Planungshorizonts erforderlich. Sie können angepasst werden:

Erläuterungen zu den Positionen:

  • Die Investition ins Anlagevermögen, z.B. neue oder zusätzliche Maschinen/Anlagen inkl. Ausgaben für deren Installation und Inbetriebnahme sowie Folgeinvestitionsausgaben in späteren Jahren (Zeile 12).
  • Die zu erzielenden jährlichen Nettoerlösveränderungen (zu fakturierende Umsätze abzüglich aller «Geschenke» an die Kunden. Handelt es sich um eine interne Rationalisierungsinvestition ohne Erlösänderung, sind die jährlich zu erwartenden Kosteneinsparungen in Zeile 2 einzutragen.
  • Die erwarteten proportionalen Herstellkosten für die geplanten Nettoerlöse (Zeile 3).
  • Die Veränderungen der primären Fixkosten (Geldflüsse, hauptsächlich Personalkosten), welche durch das Projekt in den einzelnen Kostenstellen zu erwarten sind (Zeilen 5-8).
  • Daraus entsteht der jährliche Nettonutzen des Projekts. Er entspricht dem Cashflow vor Abzug von Zinsen und Steuern CFBIT (Zeile 10).
  • Die Geschäftsausweitung wird dazu führen, dass sich das Nettoumlaufvermögen verändert. Mehrumsatz führt zu höheren durchschnittlichen Debitorenbeständen, Mehreinkäufe zu höheren Kreditorenbeständen, die Investition hat Geldabfluss zu Folge. Am Ende der Betrachtungsperiode können die aus dem Projekt entstandenen Restbestände von Debitoren und Kreditoren wieder aufgelöst werden. Dies erfolgt zwar erst im Jahr 6 (im Beispiel) wurde aber hier schon am Ende von Jahr 5 als Geldrückfluss berücksichtigt, um eine weitere Spalte zu ersparen (Zeilen 11-13).
  • Können die investierten Anlagen am Ende der Massnahme verkauft werden, kann in Zeile 14 der erwartete Liquidationserlös eingetragen werden (fällt wegen Abzinsung meistens nicht ins Gewicht).
  • Durch Anfügen von Spalten und Kopieren der Formeln kann das Modell für längere Zeiträume erweitert werden.

Als Resultat ergeben sich die Jahresgeldflüsse (Zeile 16). Um den Zeitwert von Geld zu berücksichtigen, sind sie auf das Jahr 0, also den Entscheidungszeitpunkt, abzuzinsen (gleichnamig machen). Dies erfolgt durch die Anwendung des Barwertfaktors (in Zeile 1 mit 10% angenommen). Der Netto-Geldrückfluss im Jahr 1 ist mit 7.2 Mio. angegeben (Zeile 16). Aus Sicht des Entscheidungszeitpunkts im Jahr 0 ist dieser bei 10% Abzinsung «nur» 6.545 Mio. wert (Zeile 17).

Werden der Investition von 50 Mio. im Jahr 0 die barwertigen Geldrückflüsse aller Jahre (inklusive Folgeinvestitionen in den Jahren 2 und 3) gegenübergestellt (Zeilen 17 und 18), ist zu erkennen, dass die Investition inklusive Zielverzinsung im Lauf des Jahres 4 komplett zurückbezahlt sein sollte, da der kumulierte Barwert dort über 0 steigt. Die Payback-Periode unter Berücksichtigung der Zielverzinsung beläuft sich somit auf etwas weniger als 4 Jahre.

Konkurrieren intern verschiedene Projekte um die Zuteilung von Geld, kann diese Investitionsrechnung für jedes Projekt erstellt werden, auch wenn sie unterschiedliche Laufzeiten haben. Durch die Abzinsung aller Geldflüsse auf den Entscheidungszeitpunkt werden die absoluten Barwerte und Payback-Perioden aller Anträge vergleichbar, da immer die gleichen Abzinsungsfaktoren angewendet werden.

Der interne Zinsfuss (Internal Rate of Return) zeigt die Verzinsung des Projekts über die gesamte Projektdauer an. Die Berechnung basiert jedoch auf der Annahme, dass die Jahresüberschüsse zum gleichen Prozentsatz wieder angelegt werden können, was in der Realität kaum eintreffen wird. Die Internal Rate of Return ist vor allem für den Vergleich von Projekten mit unterschiedlichen Investitionssummen hilfreich.

 

Quellen:

Controller-Leitfaden, WEKA-Verlag, 3. Auflage 2014, Kap. 4, S. 169-216: Vergleich der verschiedenen Investitionsrechnungsverfahren mit Anwendungsbeispielen und der Methoden zur Bestimmung der Zielverzinsung.

360°-Management für alle Funktionen und Führungsstufen, WEKA-Verlag, 2015, Anhang B, S. 243 – 252: Detailliertere Methoden zur Bestimmung des Kapitalkostensatzes für verschiedene Länder (empirische Daten)

https://blog,management-control.eu: Das gesamte Excel-Investitionsrechenmodell mit Erklärungen, anpassbar für eigene Entscheidungssituationen, Gratis-Download, Im Blog auch Englisch verfügbar).

Dr. Lukas Rieder, CZSG Controller Zentrum St. Gallen, https://czsg.com

FAQ: Rentabilitätsrechnung

Warum ist die Abzinsung der Geldflüsse notwendig?

Die Abzinsung berücksichtigt den Zeitwert von Geld, da ein Betrag heute mehr wert ist als derselbe Betrag in der Zukunft. Sie ermöglicht den fairen Vergleich von Geldflüssen unterschiedlicher Zeitpunkte auf den Entscheidungszeitpunkt (Jahr 0).

Was bedeutet der interne Zinsfuss (IRR)?

Der interne Zinsfuss gibt die erwartete Verzinsung des investierten Kapitals über die gesamte Projektdauer an. Er ist besonders nützlich, um Projekte mit unterschiedlichen Investitionssummen miteinander zu vergleichen.

Wie wird die Payback-Periode bei der Rentabilitätsrechnung bestimmt?

Die Payback-Periode wird berechnet, indem der kumulierte barwertige Geldrückfluss betrachtet wird. Der Zeitpunkt, an dem dieser Wert positiv wird, markiert die Rückzahlung der Investition inklusive der Zielverzinsung.

Welche Rolle spielt das Nettoumlaufvermögen in der Rechnung?

Eine Geschäftsausweitung führt oft zu höheren Debitorenbeständen und Mehreinkäufen, was Geldabflüsse verursacht. Diese Veränderungen müssen erfasst werden, da sie den Cashflow beeinflussen. Am Ende der Periode können diese Bestände wieder aufgelöst werden.

Können Projekte mit unterschiedlichen Laufzeiten verglichen werden?

Ja, durch die Abzinsung aller Geldflüsse auf den gemeinsamen Entscheidungszeitpunkt werden die absoluten Barwerte vergleichbar. Dies erlaubt eine fundierte Entscheidung zwischen Projekten mit unterschiedlichen Laufzeiten.

Member werden Newsletter