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Cash-Management: Liquiditätsengpässe früh erkennen

Ein wirksames Cash-Management schafft Transparenz über Zahlungsströme, Liquiditätsreserven und künftigen Finanzierungsbedarf. Der Beitrag zeigt, wie Unternehmen ihre Liquidität systematisch planen, Engpässe früh erkennen und überschüssige Mittel gezielt einsetzen. Zudem erfahren Sie, welche Rolle Finanzstatus, Szenarioanalysen und eine rollierende Liquiditätsplanung für die Sicherung der Zahlungsfähigkeit spielen.

21.07.2026 Von: Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch
Cash-Management

Was ist das Cash-Management?

Cash-Management kann auch wie folgt erklärt werden (Volkart, R., 2011, S. 103): “Das Cash-Management umfasst die Bewirtschaftung der flüssigen Mittel sowie der sie verändernden Einnahmen- und Ausgabenströme. In grossen, international tätigen Konzernen geht es dabei vor allem um die Harmonisierung einer Vielzahl in unterschiedlichen Währungen laufend auftretender Zahlungsströme zum Zwecke der Kosten- und Risikoreduktion.”

Die Hauptaufgabe eines konzernweiten Liquiditätsmanagements ist es sicherzustellen, dass die Zahlungsfähigkeit zu jedem Zeitpunkt gewährleistet ist. Künftigen Liquiditätsengpässen wird durch sorgfältig geplante Liquiditätsreserven entgegengewirkt. Ein effizientes Liquiditätsmanagement versucht daher durch eine adäquate Liquiditätssteuerung das Risiko eines Liquiditätsengpasses zu senken. Da die Vorratshaltung (in Form einer Reserve) von Liquidität mit Kosten verbunden ist, ist es wichtig, diese zu managen. Das Liquiditätsmanagement ist bemüht, diese Vorratshaltung zu senken, um die Kosten zu minimieren.

Eine weitere Frage, welche in Bezug auf das Liquiditätsmanagement zu stellen ist, ist die der Definition der Verantwortlichkeiten bzw. wie diese in der Konzernstruktur verankert ist. Um ein Liquiditätsmanagement effizient zu gestalten, gilt es die Frage zu klären, wie die Tochtergesellschaften ihre eigene Liquidität steuern. Wie stark sich ein Konzern im Liquiditätsmanagement zentralisiert, hängt von vielen Faktoren ab. Jedoch ist der Trend zur Zentralisierung durch die automatisierten Prozesse der Liquidität, wie zum Beispiel durch Cash-Pools, eine “Inhouse Bank” oder eine Payment-Factory, unterstützt.

Sind diese konzeptionellen Strukturen geklärt, gilt es, diese in einer Policy, zusammen mit den strategischen Rahmenbedingungen, festzuhalten. Diese gelten als verbindliche Richtlinien für alle Konzerngesellschaften.

Bei einem zentralen Liquiditätsmanagement beschränkt sich der Fokus der Tochtergesellschaften auf die Analyse und Meldung der Liquiditätspositionen. Eigenständige Massnahmen bezüglich Sicherung sowie Verwendung der Liquidität müssen die Tochtergesellschaften daher mit dem Konzern-Treasury absprechen. Ungeachtet organisatorischer Faktoren ist sicherzustellen, dass die Prozesse eine Aggregation sämtlicher liquiditätsrelevanter Informationen auf Konzernebene sicherstellen.

Koordiniertes Auftreten gegenüber Banken und dem Kapitalmarkt zählt ebenfalls zu effizientem Liquiditätsmanagement. So ist es wichtig, dass die Zahl der involvierten Banken eher tief gehalten wird und die Beendigung von Bankbeziehungen bzw. der Aufbau neuer Bankverbindungen zentral abgewickelt wird. Mit der Reduktion auf eine kleinere Anzahl von Banken können Konditionsvorteile ausgehandelt werden. Dies führt auch zu mehr Transparenz und zu einer Vereinfachung der Pflege der einzelnen Bankenbeziehungen. Die Tochtergesellschaften sollten somit in der Regel nur noch eine Bankverbindung zur Abhandlung des lokalen Zahlungsverkehrs besitzen. Die Banken müssen zwingend in das konzernweite Liquiditätsmanagement eingebunden werden.

Um das Liquiditätsmanagement effizient zu gestalten, kommt der eingesetzten IT-Infrastruktur eine wichtige Bedeutung zu. Die Herausforderung heutiger Konzerne mit ihren länderübergreifenden Zahlungsströmen in verschiedenen Währungen besteht darin, standardisierte IT-Infrastrukturen und dedizierte Software einzusetzen. Neben einer konzernweiten, einheitlichen ERP-Struktur sind daher vor allem aus Sicht des Liquiditätsmanagements Systeme notwendig, die Banken- und Konteninformationen, Cash- und Risikomanagement sowie Buchhaltungsinformationen schnell und in der geforderten Qualität aufbereiten. Erst damit stehen die benötigten Liquiditätsinformationen auch schnell und aussagekräftig zur Verfügung.

Das Liquiditätsmanagement kann in einem sogenannten Regelkreis zusammengefasst werden. Dieser Regelkreis beginnt mit der Ermittlung eines Liquiditätsstatus, basierend auf dem Finanzstatus und der Liquiditätsplanung. Weiter wird im Regelkreislauf die Liquiditätsreserve berücksichtigt. Wird diese aufgrund des ermittelten Liquiditätsstatus unterschritten, gilt es die nötigen Massnahmen einzuleiten. Die Massnahmen, die durchgeführt werden, finden sich im Finanzstatus wieder. Somit ist der Regelkreislauf geschlossen.

Was ist das Ziel von Cash-Management?

Ziel des Liquiditätsmanagements/Cash-Managements ist es, durch eine kurzfristige und langfristige Liquiditätssteuerung die Liquidität zu sichern und das damit verbundene Liquiditätsrisiko zu minimieren. Dabei ist die Aufgabe des kurzfristigen Liquiditätsmanagements die Disposition aller Kontenbestände inklusive der Fremdwährungen. Dies erfolgt mit dem Ziel, die Liquidität dort zur Verfügung zu stellen, wo sie benötigt wird, und nicht etwa benötigte Reserven zu sammeln, um diese anschliessend anzulegen.

Das langfristige Liquiditätsmanagement wird häufig auch mit einer Finanzplanung gleichgesetzt. Sie hat vor allem zum Ziel sicherzustellen, dass das Unternehmen jederzeit zahlungsfähig ist. Zukünftige Ein- und Auszahlungen werden gesteuert. Allfällige Engpässe gilt es frühzeitig zu erkennen und zu decken. Ein professionelles Liquiditätsmanagement beinhaltet – vergleichbar mit jedem Risikomanagement-Prozess – sämtliche Massnahmen zur Identifizierung, Steuerung und Kontrolle der unternehmens- oder konzernweiten Liquiditätsrisiken.

Wie wird der Finanzstatus ermittelt?

Der Finanzstatus betrachtet eine tagesaktuelle Ermittlung aller liquiden Mittel, aller frei verfügbaren Kreditlinien sowie die erwarteten Ein- und Auszahlungen des Tages. Die Grundlage hierzu bilden die Banksalden und Buchungspositionen mit den jeweiligen Ein- und Auszahlungen. Die Auszahlungen zu ermitteln ist eher unproblematisch, da diese vom Unternehmen gesteuert werden. Die Zahlungseingänge hingegen sind viel schwieriger zu ermitteln, da diese schlecht kalkulierbar sind. Mithilfe von Kreditzahlungen und Lastschriftverfahren versuchen Unternehmen diesem Umstand entgegenzuwirken, sofern dies aus Sicht des Kunden möglich ist. Aus diesem Grund wird das vergangene Zahlungsverhalten des Kunden in Bezug auf Barzahlung und Überweisung analysiert. Bei einer hohen Volatilität des Zahlungsverhaltens müssen sogenannte Puffer in Form einer Liquiditätsreserve eingebaut oder direkt im Finanzstatus berücksichtigt werden.

Der Finanzstatus sollte mindesten einmal täglich, durch den Abruf der Banksalden und Buchungsposten, ermittelt werden. Die tägliche Ermittlung der Banksalden auf Konzernebene kann jedoch in einem multinationalen Unternehmen, bedingt durch die verschiedenen Bankverbindungen und unterschiedliche Anbindungen, zu enormen Herausforderungen führen. Vor der Umsetzung eines konzernweiten Finanzstatus müssen daher im Rahmen der Konzern-Bankenpolitik die technischen sowie die organisatorischen Voraussetzungen geschaffen werden. Diese Funktionalitäten werden bereits in einigen Treasury-Systemen angeboten.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass ein professioneller Finanzstatus jederzeit, für Tochtergesellschaften, auf der Holdingebene sowie für frei wählbare Firmengruppen, die nötige Auskunft über die Liquiditätslage eines Unternehmens liefern muss.

Um die Risiken, welche durch eine Liquiditätsplanung aufgezeigt werden, zu gewichten bzw. zu messen, müssen zusätzliche Informationen zusammen mit dem Finanzstatus rapportiert werden. Aus diesen Informationen lassen sich dann Risiken ableiten, welche in Szenario-Analysen einfliessen können.

Bei diesen Informationen handelt es sich hauptsächlich um zusätzliche Angaben zu den einzelnen Banken, mit denen der Konzern operiert. Die wichtigsten Informationen sind:

  • Kreditlinien: Volumen/“Uncommitted” oder “Committed”/Laufzeit
  • Covenants
  • Zusatzangaben zu den Zinssätzen
  • Rating der Banken.

Bei den Kreditlinien unterscheidet man zwischen “Uncommitted” und “Committed”. Mündlich zugesagte oder bis auf weiteres gewährte Kreditlinien gelten als “Uncommitted”. Diese Kredite können, im Gegensatz zu zugesagten Kreditlinien oder “Committed Lines”, bei einer signifikanten Verschlechterung der Liquiditätssituation wegfallen. Daher ist es wichtig, dass im Finanzstatus die Kreditlinien als “Uncommitted” oder “Committed” deklariert werden.

Aber auch “Committed Lines”, also fest zugesagte Kreditlinien, können Regeln beinhalten, die es der Bank bzw. dem Kreditgeber erlauben, den Kreditvertrag zu kündigen. Hierzu zählen unter anderem vertraglich geregelte Klauseln, welche dem Kreditgeber erlauben, bei einer starken Verschlechterung der Wirtschaftslage den Kredit zu kündigen (auch “Material Adverse Change” genannt). Covenants gehören zu einem weiteren möglichen Grund für eine Vertragskündigung. Unter Covenants werden besondere Zusicherungen verstanden, welche die Handlungsfreiheit des Kreditnehmers während der Kreditlaufzeit verpflichtend beschränkt.

Ein sehr oft genutzte Art von Covenants sind sogenannte finanzielle Covenants, welche der Überwachung der Vermögens- und Kapitalstruktur sowie der Ertragskraft dienen. Für die Banken sind dies Warnsignale für eine sich verschlechternde Bonität. Hierbei handelt es sich um das Erreichen bzw. Einhalten gewisser Finanzkennzahlen, die Beschränkung oder gar den Verzicht auf Gewinnausschüttung sowie eine allfällige Höchstgrenze für Gehaltszahlungen. Werden beispielsweise die Finanzkennzahlen nicht in dem vom Kreditgeber vorgegebenen Rahmen erreicht, so verletzt der Kreditnehmer die Covenants und der Kreditgeber hat das Recht, die ausstehende Forderung, ohne Berücksichtigung der Laufzeiten, unverzüglich zurückzufordern.

Neben den Zusatzinformationen bezüglich der Kreditlinien und der an sie gebundene Klauseln ist es auch wichtig, über die Art und Konditionen der Zinssätze Bescheid zu wissen. Wenn man nun die Zinsgestaltung betrachtet, wird einem variablen, einem periodisch an die aktuellen Marktverhältnisse angepassten Zinssatz ein über die Kreditlaufzeit fixer Zinssatz gegenübergestellt. Dabei wird von den Unternehmen versucht, einen fixen Zinssatz für die Kredite zu erhalten, da sich dann die Zinszahlungen sicher vorausplanen lassen. Bei Grossbanken werden variable bzw. fixe Zinssätze so definiert, dass jeder Festzinskredit, Festkredit, jede Ausleihung zu kommerziellen Zwecken mit fixiertem Zinssatz und Betrag, jeweils auf einen bestimmten Zeitpunkt oder auf Kündigung hin zurückbezahlt werden muss.

Dagegen wird unter variablem Zinssatz ein während der Laufzeit eines Kredits oder einer Anleihe veränderlicher Zinssatz verstanden. Bei internationalen Krediten und Anleihen ist besonders die periodische Anpassung an das Zinsniveau des Londoner Eurogeldmarktes von grosser Bedeutung.

Eine weitere wichtige Information ist die Zusammensetzung des Zinssatzes. Zur Bestimmungen des markt- und risikogerechten Zinssatzes wird als Basiszinssatz der Refinanzierungssatz der Bank genommen. Auf diesem wird ein Zuschlag für die Betriebskosten sowie eine Gewinnzuschlag gerechnet. Die Bank muss dann entsprechend der Risiken zwei weitere Aufschläge addieren.

Seit der Finanzkrise und dem Untergang von Banken, wie beispielsweise Lehman Brothers, wird es für die Unternehmen immer wichtiger, sich auch mit dem Kontrahentenrisiko auseinanderzusetzen. So setzen sich die Finanzabteilungen in den Unternehmen vermehrt mit dem Risiko, das aus einer Bankenbeziehung entsteht, auseinander. Anlass hierzu gibt es reichlich, so mussten in der Vergangenheit bereits diverse Banken verschlechterte Ratings verantworten. Diese Ratings gilt es daher auch in den Finanzstatus miteinzubeziehen um sicherzustellen, dass die Geschäftsbeziehungen mit den einzelnen Banken gesichert sind.

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