Liquiditätsplan: Steuerungsmassnahmen der kurzfristigen Finanzplanung

KURZ ZUSAMMENGEFASST

Cash Management umfasst alle Massnahmen zur Steuerung der kurzfristigen Finanzplanung, wobei der Fokus auf einem aktiven Liquiditätsplan liegt. Durch die Bündelung von Zahlungsströmen und die zentrale Verwaltung liquider Mittel werden nicht nur die Zahlungsfähigkeit gesichert, sondern auch Finanzaufwände reduziert und die Rendite auf Finanzanlagen optimiert. Besonders in Konzernen ermöglichen Instrumente wie Cash-Pooling und Inhouse-Banken eine effiziente Kapitalallokation über Ländergrenzen hinweg.

Die wichtigsten Punkte:

  • Sicherung der Zahlungsfähigkeit als Hauptaufgabe des Cash Managements.
  • Optimierung des Nettoumlaufvermögens durch effizienten Zahlungsverkehr.
  • Minimierung von Bankspesen und Finanzaufwänden durch Bündelung von Mitteln.
  • Zentrale Verwaltung und renditeorientierte Anlage überschüssiger Liquidität.
  • Anpassung an ein negatives Zinsumfeld durch alternative Strategien.
02.02.2026 Von: Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch
Cash Management

Wie funktioniert ein effektives Cash Management zur Sicherung der Liquidität?

Als Bestandteil der Unternehmenssteuerung werden unter dem Begriff Cash Management alle Massnahmen zur Steuerung der kurzfristigen Finanzplanung bezeichnet. Dies beinhaltet die Sammlung und Aufbereitung aller Daten, welche für die Beurteilung von Finanz- bzw. Liquiditätsrisiken oder für die Steuerung und Kontrolle der Liquidität benötigt werden. Der Hauptfokus liegt dabei auf einem aktiven und zielorientierten Liquiditätsplan.

Aufgaben und Wirkungen von einem Liquiditätsplan

Durch ein effizientes Cash Management wird das Nettoumlaufvermögen (engl. Net Working Capital) optimiert. Dies erfordert einen möglichst effizienten Zahlungsverkehr, in welchem gleichartige Zahlungsströme gebündelt werden. In einem Konzern können durch eine solche Bündelung auch Bankspesen, welche auf den diversen lokalen Banken anfallen, minimiert werden. Durch die Freisetzung und Bündelung von verfügbaren liquiden Mitteln werden im Bereich der Finanzierungen vor allem Vorteile durch bessere Verzinsung auf Finanzanlagen erwirtschaftet. Parallel dazu sollen durch eine Optimierung des Working Capitals die Finanzaufwände reduziert werden können.

Die Hauptaufgabe des Cash Managements ist jedoch, die Zahlungsfähigkeit einer Unternehmung oder einer Unternehmensgruppe bzw. eines Konzerns sicherzustellen. Durch einen effizienten Liquiditätsplan sollen sowohl im Unternehmen als auch im Konzern die liquiden Mittel in der entsprechenden Währung zur Verfügung stehen, wann und wo sie benötigt werden. Überschüssige liquide Mittel sollen zentral verwaltet und möglichst renditeorientiert angelegt werden.

In einem zentralen Cash-Management-Prozess haben die einzelnen Konzerneinheiten wenig bis keinen Spielraum bezüglich der Steuerung und Verwendung der liquiden Mittel. Der Zentralisierungsgrad, welcher in einem Konzern angewendet wird, hängt jedoch von diversen Faktoren ab: vom operativen Geschäft, von der Konzernstruktur, von der Struktur der Bankkonten aller Konzerneinheiten sowie von regulatorischen Einschränkungen der einzelnen Länder (Ceglarek/Zehnder, 2007, S. 28 ff.).

Ausgewählte Konzepte und Methoden des Cash Managements

Das Cash Management und der Liquiditätsplan umfasst die folgenden Teilbereiche:

  • Cash-Pooling
  • Cash Management
  • Liquiditätsplan
  • Kontodatenverarbeitung und Finanzstatus
  • Inhouse-Bank
  • Liquiditätsanalyse und -steuerung

Vordringliches Ziel ist es, dass eine Unternehmung bzw. ein Konzern die gewünschte und notwendige Transparenz über die aktuellen Liquiditätsbestände erhält sowie die Kosten im internen sowie auch im externen Zahlungsverkehr optimieren kann. Unter normalen Umständen sollten sich zudem mit der Bündelung der Liquiditätsbestände (Cash-Pooling) auch die Zinsergebnisse optimieren lassen. Das aktuelle negative Zinsumfeld für Geldanlagen stellt das Cash Management in Konzernen allerdings vor neue Herausforderungen.

Im aktuellen Zinsumfeld stellen sich die Unternehmen zunehmend auf alternative Anlagemöglichkeiten und andere Methoden des Liquiditätsmanagements ein. Viele Banken gewähren einen Sockelbetrag in der Anlage, bis zu welchem keine negativen Zinsen bzw. Strafzinsen verlangt werden. Einige Unternehmen versuchen daher, ihre Liquidität nur bis zu dieser Höhe vorzuhalten. Andere hingegen haben als Reaktion auf die Ankündigung von Strafzinsen ihre Bank gewechselt. Ungeachtet dessen kann dies in der Praxis vor allem für Grossunternehmen eine temporäre Alternative darstellen. Meistens sind diese nicht auf ein Finanzinstitut angewiesen, sondern arbeiten mit einer Vielzahl von Banken zusammen.

Im Rahmen einer Unternehmensgruppe weisen die einzelnen Gesellschaften häufig unterschiedliche Liquiditätspositionen auf. Unter Berücksichtigung verschiedener steuerlicher Aspekte wird oft durch diese Unternehmen eine konzernweite, zentrale Finanzierungsfunktion zur bestmöglichen Kapitalallokation auf Konzernebene eingesetzt. Beispiele dafür sind eine länderübergreifende Cash-Pooling-Struktur oder die zentrale Steuerung mittels einer Inhouse-Bank. Die Abstimmung zwischen einem Liquiditätsüberhang der einen und einem Liquiditätsbedarf einer anderen Konzerngesellschaft wird beim Cash-Pooling kurzfristig über einen Liquiditätsausgleich auf zentralen Bankkonten beseitigt. Eine Inhouse-Bank ist in diesem Zusammenhang als zentrale Organisationseinheit diejenige, die den einzigen Marktzugang des Konzerns innehat und alleiniger Vertragspartner bei allen externen Finanzgeschäften ist. Im Rahmen der Kapitalbedarfsplanung werden Mittel am Kapitalmarkt aufgenommen und wird überschüssige Liquidität am Geld- oder Kapitalmarkt angelegt.

Vor dem Hintergrund eines negativen Anlagezinsniveaus sinkt auch die Attraktivität aus Sicht der Konzerngesellschaften, mit ihrer überschüssigen Liquidität an Cash-Pools teilzunehmen bzw. überschüssige Liquidität in der Inhouse-Bank anzulegen.

Checkliste

  • Alle anstehenden Ein- und Auszahlungen (Plandaten) zusammenführen.
  • Datenquellen aus Vorsystemen der Buchhaltung oder manuell erfassen.
  • Konzerninterne Zahlungen durch Netting-Verfahren abwickeln.
  • Externe Zahlungen mittels Payment Factory zentralisieren.
  • Forderungsmanagement durch Factoring-Lösungen absichern.
  • Einen aussagekräftigen Cash-Forecast zur Planung erstellen.
  • Entscheiden, ob eine Inhouse-Bank als zentraler Marktzugang sinnvoll ist.
  • Prüfen, ob Cash-Pooling für die konzernweite Kapitalallokation geeignet ist.
  • Regulatorische Einschränkungen in verschiedenen Ländern berücksichtigen.
  • Strategien gegen negative Zinsen für Geldanlagen entwickeln.

Konzepte für ein zentralisiertes Cash Management

Um ein zentralisiertes Cash-Management-System aufzusetzen, werden folgende Prozesse ausgearbeitet: Zusammenführung aller anstehenden Ein- und Auszahlungen (Plandaten), welche direkt aus entsprechenden Vorsystemen der Buchhaltungen oder manuell übernommen werden. Für konzerninterne Daten wird dies durch Netting erreicht, für externe Zahlungen wird Payment Factory eingesetzt. Externe Zahlungseingänge, das sogenannte Forderungsmanagement, werden mit Factoring abgedeckt. Die Gesamtheit dieser Daten wird für die Planung und Steuerung der finanziellen Mittel herangezogen, um einen aussagekräftige Cash-Forecast zu erstellen. Nachfolgend werden die Konzepte Netting, Payment Factory und Factoring vorgestellt.

FAQ: Liquiditätsplan

Was ist der Hauptvorteil eines zentralen Cash Managements?

Der Hauptvorteil liegt in der Sicherstellung der Zahlungsfähigkeit zu jedem Zeitpunkt sowie in der Optimierung von Finanzaufwänden und Zinsergebnissen durch die Bündelung liquider Mittel.

Wie funktioniert Cash-Pooling in einem Konzern?

Cash-Pooling gleicht Liquiditätsüberhänge und -bedarfe verschiedener Gesellschaften kurzfristig auf zentralen Bankkonten aus, um die Kapitalallokation zu optimieren.

Welche Rolle spielt eine Inhouse-Bank?

Eine Inhouse-Bank fungiert als zentrale Organisationseinheit, die den einzigen Marktzugang des Konzerns innehat und alleiniger Vertragspartner für alle externen Finanzgeschäfte ist.

Wie gehen Unternehmen mit negativen Zinsen um?

Unternehmen passen ihre Strategien an, indem sie Liquidität nur bis zu einem Sockelbetrag vorhalten, die Bank wechseln oder alternative Anlagemöglichkeiten nutzen.

Was ist ein Cash-Forecast?

Ein Cash-Forecast ist ein Planungsinstrument, das auf der Gesamtheit aller Ein- und Auszahlungsdaten basiert, um die finanzielle Mittelsteuerung aussagekräftig zu gestalten.

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