14.02.2018

FAQ MWST-Abrechnung: Komplexe Praxisfälle zur Abrechnung der Mehrwertsteuer

Was muss bei der MWST-Abrechnung beachtet werden? Wie verhält es sich mit den Mittelzuflüssen und wie deklariert man den Umsatz in den Ziffern korrekt? Diese Themen werfen rechtlich immer wieder Fragen auf. Sie erhalten von unserem Fachexperten Dr. oec. HSG Manuel Vogel, aus der WEKA Online-MWST-Beratung, Antworten auf Praxisfragen.

Von: Dr. oec. HSG Manuel Vogel   Drucken Teilen   Kommentieren  

Dr. oec. HSG Manuel Vogel, dipl. Steuerexperte, CAS FH Unternehmensnachfolge

Herr Dr. Manuel Vogel ist Spezialist mit überwiegendem Tätigkeitsgebiet Mehrwertsteuer und verfügt über langjährige Beratungserfahrung in nationalen und internationalen MWST-Fragen. Nach seiner Diplomarbeit auf dem Gebiet des nationalen Mehrwertsteuerrechtes an der Universität St. Gallen hat er eine Dissertation an der Universität St. Gallen auf dem Gebiet des internationalen Mehrwertsteuerrechtes verfasst. Er ist Autor verschiedener Publikationen und Referent an Fachveranstaltungen zur MWST und Co-Autor beim Kommentar der Treuhandkammer zum Mehrwertsteuergesetz sowie Prüfungsexperte an verschiedenen eidg. Prüfungen so etwa zum dipl. Steuerexperten. Dr. Manuel Vogel ist CEO und Seniorpartner bei der a&o accta ortag ag, Baar/Horgen/Zürich. A member of Kreston International, a global network of independent accounting firms.

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FAQ MWST-Abrechnung

Betreibungskosten ohne MWST

Frage: Ein Inkassobüro verrechnet Betreibungskosten (ohne MWST) weiter an einen Geschäftspartner, da dieser die Hälfte des Risikos trägt. Ist es korrekt, dass die Weiterverrechnung ohne MWST gemacht wird? Wenn der Schuldner die Betreibungskosten bezahlt hat, werden diese auf der MWST-Abrechnung in der Ziffer 910 ausgewiesen. Wenn die Weiterverrechnung an den Geschäftspartner ohne MWST ist, stellt sich die Frage, ob der verbuchte Ertrag ebenfalls in der Ziffer 910 (Spenden, Dividenden, Schadensersatz usw.) ausgewiesen werden muss?

Antwort: Typischerweise gelten Betreibungskosten als Nicht-Entgelt und sind somit nicht zu versteuern und sind, wie von Ihnen korrekt erwähnt, in der Ziffer 910 der MWST-Abrechnung zu deklarieren. Ob die Weiterverrechnung in der gleichen Ziffer zu deklarieren ist, hängt m.E. von der vertraglichen Gestaltung ab. Ohne diese zu kennen, ist eine abschliessende Stellungnahme nicht möglich. Typischerweise wird in den von Ihnen geschilderten Vertragskonstellationen aber nicht ein Nicht-Entgelt, sondern vielmehr eine ausgenommene Leistung angenommen, da die Finanzierung im Vordergrund steht.

Erwerben, Halten und Veräussern von Beteiligungen

Frage: Eine Holdinggesellschaft, welche steuerpflichtig ist, besitzt eine Beteiligung (über 10%) an einem Unternehmen, welches sie nun an eine andere Firma in der CH verkaufen möchte. Das Erwerben, Halten und Veräussern von Beteiligungen stellt grundsätzlich eine unternehmerische Tätigkeit im Sinne von Art. 10 Abs. 1 MWSTG dar (Art. 9 MWSTV). Im Zusammenhang mit aus der Holdingtätigkeit anfallenden Vorsteuern ist diese, abgestützt auf ihre unternehmerische Tätigkeit, abzugsberechtigt. In welcher Ziffer der MWST-Abrechnung muss der Verkauf deklariert werden? Meines Erachtens betrifft dies nicht die Ziffer 230 der Abrechnung, eine von der Steuer ausgenommene Leistung im Bereich des Geld und Kapitalverkehrs (Art. 21 Abs. 2 Ziffer 19 MWSTG), weil dies nur das Handeln mit Wertschriften betrifft, welche keine Beteiligung darstellen. Kann dieser Verkauf unter der Ziffer 280 Diverse aufgeführt werden? Müsste ein Verkauf an ein ausländisches Unternehmen auch unter dieser Ziffer erfolgen?

Antwort: Der Verkauf von Wertpapieren stellt eine von der Steuer ausgenommene Leistung dar (Art. 21 Abs. 2 Ziffer 19 Bst. e MWSTG). Werden jedoch ganze Wertpapierpakete im Sinne von Unternehmensbeteiligungen erworben, übertragen oder gehalten, steht nicht mehr der Handel mit Wertpapieren im Vordergrund, sondern die Organisation/die Besitzverhältnisse des Unternehmens. Vorsteuern auf Leistungen, die im Zusammenhang mit qualifizierten Beteiligungen (mindestens 10% am Kapital gemäss MWSTG) stehen, können deshalb grundsätzlich im Rahmen der allgemeinen unternehmerischen Tätigkeit, sofern der Vorsteuerabzug zulässig ist, abgezogen werden. Beim Erwerben, Halten und veräussern bemisst sich der Umfang des Vorsteueranspruchs nach der unternehmerischen, steuerbaren Tätigkeit jener Gesellschaft, deren Beteiligung erworben beziehungsweise veräussert wird. Der Umsatz, welcher sich aus dem Verkauf der Beteiligung ergibt, ist in Ziffer 200 zu deklarieren und kann in Ziffer 230 oder Ziffer 280 deklariert werden (im letzteren Fall ist ein Hinweis bei der dafür vorgesehenen Stelle – gepunktete Linie) anzubringen, dass es sich um einen Umsatz aus Verkauf einer wesentlichen Beteiligung (10%) handelt.

Meldeverfahren

Frage: Die Firma XY AG, eine Tochterfirma von uns, hat im 2010 ein Geschäftsbereich an eine andere Firma verkauft (Veräusserung Teilvermögen). Gemäss Vertrag war eine 1. Tranche nach Vertragsunterzeichnung fällig, dies wurde mittels Meldeverfahren nach Art. 38 MWSTG abgewickelt. Die 2. Tranche wurde im 2011 in Rechnung gestellt und ebenfalls mittels Meldefahren abgewickelt. Da die verkaufte Sparte beim neuen Besitzer nicht den gewünschten Erfolg brachte, musste die Firma XY AG einen Teil der geplanten 3. Tranche, die sich u.a. erfolgsbasiert berechnet hätte, abschreiben. Diese reduzierte 3. Tranche soll nun in Rechnung gestellt werden. Die berechnete Steuer unterschreitet jedoch den Betrag von CHF 10 000.– und die Käuferin ist keine eng verbundene Person. Kann gemäss Art. 104 Bst. B MWSTG trotzdem freiwillig das Meldeverfahren angewendet werden?

Antwort: Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass Sie nach vereinbarter Abrechnungsart die MWST abführen. In diesem Fall wäre korrekt, dass Sie den gesamten Betrag einmalig in einem Meldeverfahren anmelden und, falls sich eine Korrektur ergibt diese entsprechend später berücksichtigen. Sollten Sie vereinnahmt abrechnen, würde ebenfalls der gesamte Betrag einmalig in einem Meldeverfahren anzumelden sein, wobei die Beträge in der MWST-Abrechnung nach den vereinnahmten Zahlungen zu deklarieren wären. Obwohl formal nicht korrekt, können Sie auch die von Ihnen vorgeschlagene Variante durchführen; allerdings würde ich in diesem Fall der guten Ordnung halber den Sachverhalt mittels eines Briefes an die ESTV kurz darlegen.

Mittelzufluss

Frage: Von einer Versicherung erhält unser Mandant rund CHF 72 000.– für einen Totalschaden an einer Mähmaschine. Muss dieses Entgelt bei der MWST abgerechnet werden?

Antwort: Sämtliche Mittelzuflüsse sind in der MWST-Abrechnung zu erfassen. Die von Ihnen genannte Zahlung (Schadenersatz) gilt als Mittelzufluss (Nicht-Entgelte gemäss Art. 18 Abs. 2 MWSTG) welche in der MWST-Abrechnung nicht im Gesamtumsatz der Ziffer 200 enthalten sein dürfen, aber in der Ziffer 910 erfasst werden müssen. Auf dem Entgelt ist keine Mehrwertsteuer abzuführen.

Gruppen-MWST-Abrechnung

Frage: Ich erstelle die MWST-Abrechnung für die ganze MWST-Gruppe (7 CH-Gesellschaften). Muss ich nun bei der Deklaration der gruppeninternen Dividenden auf den Deklarationen die Dividendenerträge zusammenzählen und deklarieren? Oder, da es sich um gruppeninterne Dividenden handelt, nichts deklarieren?

Antwort: Bezugnehmend auf meine telefonische Rückfrage, wonach Sie mittels Gruppenbesteuerung abrechnen, teile ich Ihnen mit, dass gruppeninterne Umsätze irgendwelcher Art auf der Gruppen-MWST-Abrechnung nicht erfasst werden. Auf die Berechnung von rückforderbaren Vorsteuern haben gruppeninterne Dividenden entsprechend keinen Einfluss.

Vorsteuerabzug

Frage: Ich buche den Dienstleistungsbezug Ausland mit einem Buchungsschlüssel der direkt die Vorsteuer abzieht und die Umsatzsteuer bucht. Z.B. Total Aufwand 2711.50 bucht das System direkt 216 als Vorsteuer und gleichzeitig 216 als Umsatzsteuer. Die Umsatzsteuer deklariere ich im Formular unter Position 381 und bringe Vorsteuer auf Position 400 in Abzug. Können Sie mir kurz bestätigen, dass dieses Vorgehen korrekt ist.

Antwort: Dieses Vorgehen bzw. die Verwendung der von Ihnen genannten Ziffern bei der MWST-Abrechnung ist korrekt. Allenfalls wäre betreffend Vorsteuerabzug auch die Ziffer 405 zu verwenden. Zudem ist darauf zu achten, dass auch auf diesen Vorsteuern allfällige Korrekturen im Sinne von Ziffer 415 (Vorsteuerkorrekturen: gemischte Verwendung [Art. 30 MWSTG], Eigenverbrauch [Art. 31 MWSTG]) bzw. 420 (Vorsteuerkürzungen aufgrund Nicht-Entgelte wie Subventionen, Kurtaxen usw. [Art. 33 Abs. 2 MWSTG]) vorgenommen werden müssen.

Finalisierung

Frage: Im Jahr 2013 wurden Einnahmen (Münzgeld) aus unserem Getränkeautomaten gestohlen. Aufgrund von Erfahrungswerten gehen wir von einem Betrag von CHF 800.– aus. Die Diebe wurden ertappt und mussten uns einen Teil des Geldes im Februar 2014 zurückzahlen (CHF 500.–). Den Rest haben sie abgearbeitet (CHF 300.–). Im Jahr 2013 wurde diesbezüglich noch nichts verbucht/abgerechnet. Ist es korrekt, wenn wir die MWST betreffend der Getränkeeinnahmen mit der Finalisierung 2013 abrechnen (Umsatz 2,5%), sowie im 1. Quartal 2014 einen Schadenersatz (Ziffer 910) von CHF 800.– ausweisen?

Antwort: Sie können dieses Vorgehen, wie beschrieben, wählen; alternativ können Sie auch im Februar 2014 die CHF 800.– als Umsatz (inkl. MWST) deklarieren.

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