16.10.2019

Nonverbale Kommunikation: Jeder Mensch sendet Körpersignale aus

Die Körpersprache unterstützt verbale Aussagen. Wenn wir von der Körpersprache reden, ist damit die Unterstützung unserer verbalen Aussagen durch Gestik, Mimik und körperliche Aktivität gemeint.

Von: Hans Conrad Hirzel  DruckenTeilen 

Hans Conrad Hirzel

Hans Conrad Hirzel ist selbstständiger Trainer und Organisationsberater in den Bereichen Führungs-/Organisationsentwicklung, Projektmanagement und Coaching. Er bringt eine langjährige Führungserfahrung im In- und Ausland mit.

Nonverbale Kommunikation

Körperliche Aktivität

Grundsätzlich können wir mit folgenden Körperteilen agieren und wirken:

  • Blickkontakt
  • Körperhaltung
  • Mimik/Gestik

Erst durch die Körpersprache, durch die Mimik, Gestik und den Blickkontakt, gelingt es dem Redner, seine Ausführungen visuell zu unterstützen und so besser zu wirken. Die Zuhörenden können auch «sehen», was sie hören, und hören, was sie sehen.

Der erste Eindruck: «You never get a seconde chance to make your first impression …»

Durch nonverbale Kommunikation machen wir uns unbewusst von jedem Gesprächspartner sofort ein Bild, das sehr dauerhaft sein kann – der sogenannte erste Eindruck. Wir beur­teilen die Menschen dabei häufig aufgrund ihrer Körperhaltung und ihrer Bewegung (Motorik).

  • Strahlt die Person durch harmonische, gleichmässige Bewegungen Ruhe aus?
  • Gelingt es der Person, durch Blickkontakt eine Brücke zu den Zuhö­renden zu schlagen?

Wirkt die Person durch fahrige, unkontrollierte Bewegungen und unsteten oder fehlenden Blickkontakt nervös und gehemmt?

Körpersprache beherrschen lernen?

Intuitiv merken wir an der Körpersprache, wie es unserem Gegenüber geht. Deshalb ist es wichtig, durch Üben die Körpersprache beherrschen zu lernen. Denn erst durch eine positive Körpersprache können wir als Rednerin oder Redner und als Mensch überzeugend wirken.

Interessant sind für die Redenden auch die Reaktionen des Publikums. Die nonverbale Kommunikation des Publikums ist interpretierbar, sodass Rückschlüsse auf die rednerische Wirkung gezogen werden können. Plötzliche Haltungsände­rungen, Änderung der Blickrichtung oder kleine Bewegungen können den Redenden zeigen, wie die Zuhörenden das Gesagte aufgenommen haben. Wie sieht das konkret aus?

Die Augen

  • Wenn Sie zu einem Publikum reden müssen, beginnen Sie erst dann zu reden, wenn Sie Blick­kontakt aufgenommen haben!
  • Lassen Sie Ihren Blick durch die Runde schweifen und suchen Sie den Kontakt mit den Zuhören­den, die ein freundliches Gesicht machen, die Ihnen wohlgesinnt sind und Interesse zeigen. Das gibt Ihnen die nötige Sicherheit und Ruhe.
  • Sie sollten die anderen Zuhörenden nicht vergessen und den Blickkontakt zu ihnen suchen. Wichtig ist, dass Sie die Zuhörenden auf den Plätzen am Rand, ganz links und rechts neben sich, nicht vergessen!

Die Mimik

Mimik nennt man die verschiedenen Gesichtsausdrücke, die wir mit den Muskeln unseres Gesichts erzeugen können. Man hat im menschlichen Gesicht 49 Bewegungsdimensionen festgestellt. Die Mimik drückt unsere Gefühle aus: Zuversicht, Freude, Glück, Erregung, aber auch Stress, Schmerz, Erschöpfung usw.

  • Wichtig ist die Mimik vor allem da, wo es um die Beziehung des Redenden zum Publikum geht. Ein unfreundliches, verkniffenes Gesicht trägt nicht zu einem positiven Ver­hältnis zum Publikum bei.
  • Man kann häufig beobachten, dass sich die Mimik des Publikums der­jenigen des Redenden anpasst. Ein freundliches, offenes Gesicht beein­flusst also ganz entscheidend die Stimmung der Zuhörenden.

Die Gestik

Die Gestik ist ein optisches rednerisches Mittel, mit dem das Gesprochene verstärkt und prägnant gemacht wird. Die Gestik wird mit den Händen und den Armen ausgeführt. Redende unterstreichen mit ihren Gesten, was sie mit Worten mitteilen, sie verstärken und unterstreichen so das Gesagte.

  • Das für Redende Entscheidende an der Gestik ist ihre positive oder negative Wirkung auf die Zuhörenden. Da die Gestik immer entwe­der positiv oder negativ wirkt, müssen wir sie beherrschen und richtig einsetzen.
  • Wir können die Gestik nicht einfach abschalten, etwa dadurch, dass wir sie unterlassen, indem wir die Arme einfach hängen lassen. Gerade diese Geste wird von den Zuhörenden besonders negativ empfunden.

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9 Regeln der Gestik

Regel 1: Kongruenz

Was wir äussern, muss mit unserer Gestik übereinstimmen. Sogenanntes inkongru­entes oder paradoxes Vermeiden müssen wir unbedingt vermeiden.

Regel 2: Richtiger Beginn

Bei einer erfolgreichen Gestik kommt die Geste einen Moment früher als die Aus­sage, auf die sie sich bezieht. Das über die Gestik vermittelte Gewicht, das wir einer Aussage geben, verstärken wir gleichzeitig durch die stimmliche Betonung.

Regel 3: Dauer

Die Geste sollte etwas länger dauern als die zu betonende Aussage. Dadurch kann die Prägnanz der Aussage beim Publikum verstärkt werden, und das wichtige Wort wirkt länger nach.

Regel 4: Identifikation

Redende sollten die Gestik so einsetzen, dass die Zuhörenden sie richtig interpretie­ren. Der Redende sollte sich der Wirkung einer Geste sicher sein. Die Gesten müssen ausdrücken, was der Redende fühlt, nur das wirkt echt und überzeugend.

Regel 5: Häufigkeit

Es sollten nicht möglichst viele Gesten ausgeführt werden, sondern nur so viele, wie zur Unterstreichung einer wichtigen Aussage nötig sind. Zu viele Gesten werden häufig als Herumfuchteln empfunden.

Regel 6: Gang und Haltung verraten mehr als das Gesicht

Achten Sie auf Ihre Körperhaltung! Wenn Sie einen Raum betreten, tun Sie es mit Selbstsicherheit und einem normalen, raumgreifenden Schritt. Wenn Sie Ihren Standpunkt erreicht haben, stellen Sie sich weder zu schmal (Zeichen von Unsicher­heit) noch zu breitbeinig hin (Dominanzstreben). Stehen Sie aufrecht und locker, gehen Sie ruhig mal ein Stück vor, um ein Argument zu unterstreichen.

Regel 7: Nicht an Nase oder Kinn fassen

Vermeiden Sie es, sich während des Sprechens an die Nase, an den Mund oder ans Kinn zu fassen! Dies sind Anzeichen für Verlegenheit. Ausserdem erwecken Sie damit unterschwellig den Eindruck: «Ich bin ertappt».

Regel 8: Griff ans Ohr gilt als Bestrafungsgeste

Greifen Sie sich niemals ans Ohr, wenn Ihr Gesprächspartner etwas Unangenehmes sagt. Psychologen und Verhaltensforscher deuten den Griff ans Ohrläppchen als Bestrafungsgeste – Sie zeigen, dass Sie dem anderen diese Aussage übel nehmen.

Regel 9: Hände vor der Brust ist ein Anzeichen für Unsicherheit

Falten Sie die Hände nicht vor der Brust. Dies ist ein Anzeichen für Verkrampfung und Unsicherheit. Krallen Sie Ihre Hände nicht in die Stuhllehnen, wenden Sie sich Ihrem Gesprächspartner zu, allerdings ohne ihm zu nahe zu kommen.

Die Körperhaltung

Gute Sprecher üben und arbeiten an ihrer Körperhaltung, denn nicht nur das Erscheinungsbild, auch das Auftreten während der Rede signalisiert dem Publikum Selbstsicherheit oder Unsicherheit, Ruhe oder Nervosität, Offenheit gegenüber dem Publikum oder Angst vor den Zuhörenden.

Die Ausgangskörperhaltung nennt man auch rhetorische Grundhaltung. Sie muss folgende Voraus­setzungen erfüllen:

  • Aufrecht, frontal, zugewandt, offen (nicht versteckt) stehen.
  • Beidbeinig, fest stehen; mit erhobenem Kopf, aber nicht «hochnäsig».
  • Ruhig stehen (stellen Sie sich eine Zeitung unter Ihren Füssen vor).
  • Füsse parallel nebeneinander oder leicht nach aussen geöffnet mit den Fussspitzen in einem Winkel vom 45 Grad zueinander.

Gesamteindruck - Nonverbale Kommunikation

Zum Gesamteindruck tragen bei:

  • Mimik, Gestik, Haltung (55%)
  • Stimme (38%)
  • Inhalt des Gesagten (7%)

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