Resilienzbildung: Resilienz ist trainierbar
Inhalt
KURZ ZUSAMMENGEFASST
Resilienz ist kein feststehendes Persönlichkeitsmerkmal, sondern ein dynamischer Prozess, der durch Interaktion mit der Umwelt und gezieltes Training entwickelt werden kann. Die Broaden-and-build-Theorie zeigt, dass positive Emotionen kognitive Ressourcen freisetzen und so die Problemlösungsfähigkeit erweitern. Dieser sich aufschaukelnde Prozess ermöglicht es sowohl Individuen als auch Teams, Herausforderungen besser zu bewältigen und langfristig widerstandsfähiger zu werden.
Die wichtigsten Punkte:
- Resilienz ist erlernbar und kann auch im Erwachsenenalter weiterentwickelt werden.
- Positive Gefühle erweitern das Aufmerksamkeitsfeld und fördern kreative Lösungsansätze.
- Durch das Training verschiedener Ressourcen entsteht eine positive Spirale der Widerstandsfähigkeit.
- Individuelle Resilienz bildet die Grundlage für die Resilienz ganzer Organisationen.
- Neuronale Plastizität ermöglicht lebenslange Anpassungs- und Lernprozesse im Gehirn.

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Wie lässt sich Resilienz bei Arbeitenden und Teams aktiv fördern und trainieren?
Philipsen und Ziemer (2013) sehen in der Förderung der Resilienzbildung nicht nur einen Kostenvorteil (durch Verringerung krankheitsbezogener Absenzen), sondern auch eine zentrale Ressource für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit auf dem Wirtschaftsmarkt. Durch das Training von Resilienz kann ein sich positiv aufschaukelnder Prozess in Gang gebracht werden. Eine theoretische Erklärung für die Resilienzbildung liefert die Broaden-and-build-Theorie.
Resilienzbildung
Die Theorie hat, wie ihr Name bereits vermuten lässt, zwei Komponenten, nämlich «broaden» und «build». Diese beiden Aspekte können folgendermassen beschrieben werden:
«Broaden»-Komponente (engl.: to broaden = erweitern): Ausgehend davon, dass Emotionen aufgrund der Einschätzung von Situationen in der Umwelt entstehen, kann gemäss Fredrickson (2004) ein positives Gefühl wiederum unmittelbar kognitive Ressourcen freisetzen. Wenn jemand positive Gefühle, bspw. Liebe, Freude, Dankbarkeit und Stolz, empfindet, vergrössert sich das Aufmerksamkeitsfeld. Auf der Basis dieser Erweiterung können vielseitigere Lösungsversuche unternommen werden.
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«Build»-Komponente (engl.: to build = aufbauen): Durch die oben erwähnten vielseitigeren Lösungsversuche werden diverse Ressourcen trainiert (z. B. soziale, physische, kognitive, emotionale und motivationale), die wiederum langfristig genutzt werden können. Diese Ressourcen können wiederum dazu beitragen, dass vermehrt positive Gefühle empfunden werden. So dreht sich die positive Spirale weiter. Aus dem Zusammenwirken dieser beiden Komponenten entsteht also ein sich aufschaukelnder Prozess zwischen einer Erweiterung der Aufmerksamkeit, einem als positiv erlebten Gefühl und dem Training von Ressourcen. Auf der Basis der Broaden-and-build-Theorie konnte in diversen empirischen Studien belegt werden, dass Personen durch diesen Ressourcenbildungsprozess resilienter werden und Herausforderungen besser bewältigen können.
Merke: Forscher sind sich einig, dass Resilienz kein angeborenens Persönlichkeitsmerkmal ist, sondern durch die Interaktion mit Menschen und der Umwelt erworben wird. Diese Fähigkeit ist bei jedem Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt und somit kann Resilienzbildung auch im Erwachsenenalter erfolgen (Liossis, Shochet, Millear, & Biggs, 2009; Sander, 2012; Werner, 1997).
Checkliste
- Schaffen Sie eine Arbeitsumgebung, die positive Emotionen und Anerkennung fördert.
- Bieten Sie Schulungen an, die das Bewusstsein für die eigene Resilienz schärfen.
- Fördern Sie den sozialen Austausch und den Teamzusammenhalt als Ressource.
- Integrieren Sie kurze Reflexionsphasen, um positive Erfahrungen bewusst zu machen.
- Stellen Sie sicher, dass Mitarbeitende über ausreichende Ressourcen für ihre Aufgaben verfügen.
- Unterstützen Sie die Entwicklung von Problemlösungskompetenzen durch gezielte Trainings.
- Berücksichtigen Sie die neuronale Plastizität bei der Gestaltung von Lernangeboten.
- Ermutigen Sie Mitarbeitende, Herausforderungen als Chancen für das Ressourcenwachstum zu sehen.
Neuronale Plastizität
Die Grundlage für lebenslange Entwicklung und Ressourcenbildungsprozesse ist unser Gehirn. Das Gehirn des Menschen ist ein beeindruckendes Organ. Es verfügt über ungefähr 100 Milliarden Nervenzellen, wobei jede Nervenzelle zirka 10 000 Verbindungen zu anderen Neuronen aufweist. Ein Netzwerk, das für unser Handeln, Fühlen und Denken verantwortlich ist und sich ständig infolge unserer Erfahrungen verändert. Die durch Erfahrungen ausgelösten Veränderungen des Gehirns werden als neuronale Plastizität bezeichnet.
Wenn man über die Neuroplastizität reflektiert, dann fragt man sich zwangsläufig: Sind nun die Erfahrungen oder die Gene wichtiger für die Entwicklung unseres Gehirns und unseres Verhaltens? Sind es also die Herausforderungen, welche uns stark machen, oder sind wir bereits stark und bewältigen deshalb diverse Herausforderungen?
Diese Frage zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der (Neuro-)Psychologie. Heute ist bekannt: Trotz aller genetischen Determinanten ist nach den neueren Erkenntnissen aber auch das Erwachsenengehirn überraschend plastisch.
FAQ: Resilienzbildung
Ist Resilienz angeboren oder erlernbar?
Forscher sind sich einig, dass Resilienz kein angeborenes Merkmal ist, sondern durch die Interaktion mit Menschen und der Umwelt erworben wird. Sie kann auch im Erwachsenenalter noch entwickelt werden.
Wie funktioniert die Broaden-and-build-Theorie?
Die Theorie besagt, dass positive Gefühle das Aufmerksamkeitsfeld erweitern (broaden) und so vielseitigere Lösungsversuche ermöglichen. Diese Versuche bauen wiederum Ressourcen auf (build), die langfristig genutzt werden können.
Welche Rolle spielt die neuronale Plastizität?
Neuronale Plastizität beschreibt die Fähigkeit des Gehirns, sich durch Erfahrungen lebenslang zu verändern. Dies ist die biologische Grundlage für das Lernen und die Entwicklung von Resilienz.
Warum ist individuelle Resilienz für Unternehmen wichtig?
Die individuelle Resilienz der Arbeitenden ist eine Grundvoraussetzung für die Resilienz einer Organisation. Sie trägt zur Verringerung von Absenzen und zur zukünftigen Wettbewerbsfähigkeit bei.
Kann Resilienztraining negative Effekte haben?
Nein, durch das Training von Resilienz wird ein sich positiv aufschaukelnder Prozess in Gang gebracht, der sowohl das Wohlbefinden als auch die Leistungsfähigkeit steigert.