12.01.2016

Lombardkredit: Was ist ein Lombardkredit und wo liegen die Risiken

Der Lombardkredit ist eine weitverbreitete Form der Verpfändung von Wertpapieren. Als Lombardkredit wird ein Kredit bezeichnet, der durch Wertpapiere, Bankguthaben, Edelmetalle oder Ansprüche aus Lebensversicherungspolicen mit Rückkaufswert gedeckt ist.

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lombardkredit

Der Lombardkredit dient zur Abdeckung von meist kurzfristigen Liquiditätsbedürfnissen. Zu beachten ist vor allem das Risiko der nachträglichen Unterdeckung. Tritt eine solche ein, ist die Bank i.d.R. berechtigt, weitere Sicherheiten zu fordern.

Begriff des Lombardkredites

Der Begriff Lombardkredit entstand im Mittelalter durch die Lombarden, die als Kaufleute und Bankiers internationale Bedeutung hatten. Als Lombardierung wurde damals die Verpfändung von beweglichen Wertgegenständen bezeichnet.

Beim Lombardkredit unterscheidet man zwischen kuranten Sicherheiten, die rasch verwertbar sind, z.B. Titel, die regelmässig an der Börse oder ausserbörslich gehandelt werden, und unkuranten Sicherheiten. Als unkurante Sicherheiten bezeichnet man nicht sofort verwertbare Pfänder, z.B. Aktien einer Familien-AG oder sonstige Wertpapiere, die nicht regelmässig gehandelt werden oder deren Bewertung unklar ist.

Der Lombardkredit dient zur Abdeckung von Liquiditätsbedürfnissen. Die Bank ermächtigt den Kunden, sein Konto zu überziehen, unter der Bedingung, dass der gesamte Sollsaldo durch die Verpfändung der Forderungen und Wertpapiere im Kundendepot gedeckt ist. Das wird auch als Lombardfazilität bezeichnet. Unter Lombardlimite versteht man den Maximalbetrag der Fazilität.

Kreditsumme und Zinsen

Die Kreditsumme entspricht normalerweise einem bestimmten Prozentsatz des jeweiligen Marktwertes der hinterlegten Wertpapiere. Dieser Belehnungssatz hängt von der Art, der Währung, der Qualität und der Handelbarkeit der Wertschriften ab und wird periodisch überprüft. Auch die Zusammensetzung des Depots spielt dabei eine Rolle.

Tipp für Kunden: Als Kunde sollte man sich das Recht vorbehalten, das Depot allenfalls zu verändern.

Die Zinsen sollten sich nach dem Betrag richten, den man tatsächlich als Kredit beansprucht. Bei Abschlüssen über feste Laufzeiten sollte der Zinssatz tiefer sein als für unbestimmte Laufzeiten.

Lombardkredite kann man in Schweizerfranken oder aber in gewissen Fremdwährungen aufnehmen. Bei Schweizerfranken-Krediten ist die Form des Kontokorrentkredits üblich, doch sind auch feste Vorschüsse mit bestimmter Laufzeit möglich. Der Lombardkredit kann verbunden werden mit einer allgemeinen Faustpfandverschreibung für die hinterlegten Wertschriften.

Häufig wird der Lombardkredit auch zum Kauf von weiteren Wertschriften eingesetzt, wobei insbesondere bei dieser Praxis Vorsicht geboten ist, da das Risiko einer nachträglichen Unterdeckung besonders gross ist.

Risiko: Ungenügend gedeckter Lombardkredit

Sollte das belehnte Gut (insbesondere die belehnten Papiere) stark an Wert verlieren, verlangt die Bank weitere liquide Vermögenswerte zur Sicherung des Kredites. Dasselbe gilt, wenn ein Lombardkredit überzogen wird. Der Vertrag kann als Schuldanerkennung im Sinn von SchKG Art. 82 dienen, wobei man das mit Vorteil im Vertragstext erwähnt.

Fallbeispiel aus der Praxis:

Der Kunde überzog einen Lombardkredit seiner Bank. Diese verlangte zusätzliche Werte als Deckung und setzte eine Frist. Der Kunde verlangte eine Verlängerung der Frist und wollte statt der von der Bank verlangten Wertpapiere oder der Garantie einer anderen Bank eine hypothekarische Deckung beibringen. Die nötigen Sicherheiten wurden auch nach Ablauf der verlängerten Frist der Bank nicht übertragen. Deshalb verkaufte sie einen Teil der bei ihr hinterlegten Titel des Kunden. Dieser machte geltend, der Verkauf sei im ungünstigsten Zeitpunkt erfolgt und habe ihm einen unnötigen Verlust von CHF 50’000.– verursacht. Zusätzlich argumentierte er, ein Verkauf wäre überhaupt nicht nötig gewesen, weil er den Lombardkredit auf andere Art hätte decken können. Die Unterlagen zeigten, dass der Kunde wiederholt hypothekarische Deckung angeboten hatte und die Bank diese nie klar genug zurückgewiesen hatte. Deswegen verlangte der Ombudsman von der Bank eine Stellungnahme zu diesem Punkt.

Diese konnte die Korrespondenz mit dem Kunden detailliert nachweisen. Mehrmals war der Lombardkredit überschritten worden, worauf die Bank weitere Deckungen verlangte. Der Kunde beantragte immer wieder Fristverlängerung aus verschiedenen Gründen. Eines Tages schlug der Kunde eher nebenbei vor, den Schuldbrief auf seiner Liegenschaft zu erhöhen. Der Berater lehnte das ab, weil es für die Deckung eines Lombardkredites ungeeignet sei. Die Bank hielt zudem fest, eine Erhöhung der Hypothek innerhalb der notwendigen Frist wäre auf keinen Fall möglich gewesen. Auch den Einwand des Kunden, ein Guthaben seiner Frau hätte die nötige Sicherheit gegeben, liess die Bank nicht gelten, da dafür eine formelle Verpfändung notwendig gewesen wäre. Der Ombudsman gab der Bank Recht.

Fazit:

Werden bei einem Lombardkredit die von der Bank festgelegten Belehnungsgrenzen von den hinterlegten Wertschriften nicht eingehalten, so darf die Bank eine zusätzliche Sicherheit verlangen. Sie hat auch das Recht, zu bestimmen, welche Sicherheiten sie wünscht. Normalerweise steht es ihr nach Vertrag zu, die nötigen Verkäufe bei ihr liegender und als Sicherheit haftender Wertschriften vorzunehmen, wenn der Kunde ihrer Aufforderung, zusätzliche Sicherheit zu leisten, nicht fristgerecht nachkommt.

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