17.07.2014

Fusionen: Buchführung und Wirtschaftsprüfung

Gemäss Art. 15 FusG müssen der Fusionsvertrag, der Fusionsbericht des Verwaltungsrates beider Gesellschaften, die Jahresendbilanzen (evtl. Zwischenbilanzen) und die Fusionsbilanz von einem zugelassenen Revisionsexperten oder einer zugelassenen Revisionsexpertin geprüft werden, falls es sich bei der übernehmenden Gesellschaft um eine Kapitalgesellschaft (Aktiengesellschaft oder GmbH) oder eine Genossenschaft mit Anteilscheinen handelt. Dieses Merkblatt zeigt Ihnen die Vorbereitungsschritte auf.

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Klein- und Mittelunternehmen (KMU) sind aus Kostengründen davon befreit, sofern alle Gesellschafter zustimmen.Normalerweise wird die Fusionsbilanz von der Revisionsgesellschaft per 31. Dezember (bei Kalenderjahrabschlüssen) geprüft. Es handelt sich um die normal geprüften handelsrechtlichen Bilanzen der Fusionspartner. Zwischenbilanzen müssen erstellt und geprüft werden, falls der Fusionsvertrag mehr als sechs Monate nach dem Bilanzstichtag liegt. Für Gesellschaften mit Kalenderjahrabschlüssen (per 31. Dezember) ist somit bei Fusionen nach dem 30. Juni jeweils ein Zwischenabschluss zu erstellen und prüfen zu lassen. Für die Prüfung des Zwischenabschlusses gelten dabei die Vorschriften der Jahresabschlussprüfung. Zudem gilt, dass die zu Gesellschaften in Fusionen ihre Zwischenbilanzen auf den gleichen Stichtag erstellen müssen (Art. 11 FusG).Für die Definition des zugelassene Revisionsexperten ist auf Art. 4 RAG zu verweisen.

Gemäss Art. 11 Abs. 2 FusG über die zu prüfende Zwischenbilanz werden gewisse Erleichterungen wie folgt gewährt:
‹Die Erstellung der Zwischenbilanz erfolgt gemäss den Vorschriften und Grundsätzen für den Jahresabschluss unter Vorbehalt folgender Vorschriften:

  1. Eine körperliche Inventur ist nicht notwendig.
  2. Die in der letzten Bilanz vorgenommenen Bewertungen brauchen nur nach Massgabe der Bewegungen in den Geschäftsbüchern verändert zu werden: Abschreibungen, Wertberichtigungen und Rückstellungen für die Zwischenzeit sowie wesentliche, aus den Büchern nicht ersichtliche Veränderungen müssen jedoch berücksichtigt werden.›

Was dies in der Praxis genau bedeutet, ist noch nicht klar. Einerseits wollte man gewisse Erleichterungen bei der Abschlusserstellung gewähren, auf der anderen Seite haben genau diese physischen Inventuren (vor allem von Warenlagern) bzw. andere Buchungen und Bewertungen oft einen grossen Einfluss auf die Bilanz und Erfolgsrechnung. Zudem stellt sich auch die Frage der Berücksichtigung von Ereignissen nach dem Bilanzstichtag. Immerhin verlangt das FusG, dass die Zwischenbilanzen gemäss den Vorschriften und Grundsätzen für den Jahresabschluss zu erstellen sein. Damit dürften die aktienrechtlichen Bilanzierungs-, Gliederungs- und Bewertungsvorschriften gemäss Art. 662 ff. OR gemeint sein (generell historisches Anschaffungskostenprinzip abzüglich Abschreibungen bzw. Wertminderungen). Diese entsprechen auch weit gehend der Steuerbilanz. Die Zwischenbilanz erfolgt gemäss den Vorschriften und Grundsätzen für den Jahresabschluss unter Vorbehalt folgender Vorschriften.

Entbindung vom Prüfbericht

Kein Prüfbericht durch zugelassene Revisionsexperten sind in folgenden Fällen notwendig:

  1. Kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) können auf die Prüfung verzichten, sofern alle GesellschafterInnen gemäss Art. 15 Abs. 2 FusG dem zustimmen. Kleine und mittlere Unternehmen sind gemäss Art. 2 lit. e. FusG solche, die keine Anleihensobligationen ausstehend haben, deren Anteile bzw. Aktien nicht an der Börse kotiert sind und die überdies zwei der nachfolgenden Grössen nicht in den zwei letzten dem Fusionen-, dem Spaltungs- oder dem Umwandlungsbeschluss vorangegangenen Geschäftsjahren überschreiten:
    1. Bilanzsumme von 20 Millionen CHF
    2. Umsatzerlös von 40 Millionen CHF
    3. 200 Vollzeitstellen im Jahresdurchschnitt
  2. Da diese Kriterien gleich sind wie diejenigen für die Konsolidierungspflicht im Aktienrecht gemäss Art. 663e Abs. 2 OR, gehen wir davon aus, dass die gemeinsamen bzw. unkonsolidierten Beträge der Gesellschaften gemeint sind.
  3. Bei Kapitalgesellschaften (normalerweise AG und GmbH), wenn die übernehmende Gesellschaft alle Anteile bzw. 100% der Stimmrechte der übertragenden Kapitalgesellschaft besitzt (Absorption- bzw. Annexions- Fusionen der Mutter- mit der Tochter-Gesellschaft gemäss Art. 23 Abs. 1 lit. a FusG.
  4. Wenn ein Rechtsträger, eine natürliche Person oder eine Personengruppe alle Anteile der an den Fusionen beteiligten Kapitalgesellschaft besitzt, die ein Stimmrecht gewähren (Fusionen zwischen Schwestergesellschaften, vgl. Art. 23 Abs. 1 lit. b FusG).

Achtung
Die Ausnahme für KMU gemäss Art. 15 Abs. 2 FusG sind nur scheinbare Erleichterungen. Falls es sich um eine Sacheinlage handelt, sind für Aktiengesellschaften die Vorschriften gemäss Art. 628, 634 bzw. Art. 652e OR beachtlich, bei denen für die Eintragung im Handelsregister gemäss Art. 635a und 652f OR eine Prüfbestätigung der Revisionsstelle erforderlich ist. Allerdings sind dazu keine Revisionsexperten, sondern (nur, aber immerhin) zugelassene Revisoren notwendig.

Praxis-Tipp
Auf jeden Fall ist es kostengünstiger, die Fusion im ersten halben Jahr nach dem Bilanzstichtag durchzuführen, da rückwirkend die schon von den Revisionsstellen geprüften Jahresbilanzen verwendet werden können. Die Kosten für die Erstellung eines Zwischenabschlusses und deren Prüfung entfallen.

Ablauf von Fusionen nach FusG

Nach dem neuen Fusionsgesetz (FusG) ist der Ablauf wie folgt:

  1. Geprüfte Bilanzen per Bilanzstichtag bzw. geprüfte Zwischenbilanzen (Art. 11 FusG), falls Fusionsbeschluss nach 30. Juni bei Kalenderjahrabschlüssen nach den Grundsätzen für den Jahresabschluss
  2. Bewertung der Gesellschaften bei Aktientausch
  3. Fusionsvertrag (Art. 12 f. FusG) der beiden Verwaltungsräte
  4. Konsultation der Arbeitnehmervertretungen (Art. 28 FusG)
  5. VR-Beschluss der untergehenden und übernehmenden AG
  6. Fusionsbericht untergehende und übernehmende AG (Art. 14 FusG) der beiden Verwaltungsräte
  7. Prüfung des Fusionsvertrages, des Fusionsberichts und der Fusionsbilanz und der Jahresendbilanzen (oder gegebenenfalls) der beteiligten Gesellschaften durch zugelassenen Revisionsexperten oder zugelassene Revisionsexpertin
  8. 30 Tage Einsichtsrecht für Gesellschafter (Art. 16 FusG) in Fusionsvertrag, Fusionsbericht inkl. geprüfte Fusionsbilanz, die geprüften Jahresrechnungen (und evtl. geprüfte Zwischenabschlüsse) und den Fusionsprüfbericht

Die Konsultation der Arbeitnehmer im FusG ist neu und aus dem deutschen bzw. europäischen Gesellschaftsrecht übernommen. Er dient dem Schutz der Arbeitnehmerinteressen (vgl. auch Art. 333a OR). Die Konsultation muss gemäss Art. 18 FusG vor dem Fusionsbeschluss stattfinden. Ohne diese Konsultation kann die Arbeitnehmervertretung vom Gericht verlangen, dass es die Eintragung der Fusionen ins Handelsregister untersagt (Art. 28 Abs. 2 OR). Somit könnten die Fusionen nicht durchgeführt werden.

Fusionsverlust (Goodwill) oder Fusionsgewinn, wohin damit?

Bei der buchhalterischen Verbuchung der Fusionen ergeben sich normalerweise ein Fusionsverlust oder ein Fusionsgewinn, der jedoch in der Praxis unterschiedlich bezeichnet wird (vgl. die nachfolgende Gegenüberstellungen). Der Fusionsverlust bzw. Fusionsgewinn entsteht aus der Eliminierung des buchmässigen Eigenkapitals der übernommenen Gesellschaft gegen den Buchwert der bei der übernehmenden Gesellschaft im Hauptbuch aktivierten Beteiligung an der übernommenen Gesellschaft.

Gegenüberstellung von Begriffen des Fusionsverlustes bzw. Fusionsgewinnes

 

Beteiligungswert der Mutter > Eigenkapital der Tochter Beteiligungswert der Mutter < Eigenkapital der Tochter

Buchverlust

Fusionsverlust

Goodwill

positive Kapitalaufrechnungsdifferenz (+KAD)

Firmenwert

Fusionsmehrwert

Firmenwert

Buchgewinn

Fusionsgewinn

negativer Goodwill ("Badwill")

negative Kapitalaufrechnungsdifferenz (-KAD)

Konsolidierungsreserve

Fusionsagio

Agio/Kapitalreserven

Generell lässt sich sagen, dass wie in der Konsolidierungs- bzw. Konzernrechnungslegungspraxisein Fusionsverlust (Goodwill) eher negative Auswirkungen hat und der Fusionsgewinn (Badwill) eher positiv beurteilt wird. Dies zeigt sich an den nachstehend aufgeführten Verbuchnungsvarianten der Fusionen im Hauptbuch des übernehmenden Unternehmens.

Verbuchungsvarianten

Buchungsvarianten für Fusionsverlust:Buchungsvarianten für Fusionsgewinn:

1. Aktivieren/Amortisation linear

2. Verrechnen mit Eigenkapital – kann jedoch eine Überschuldung auslösen (OR 725)

3. Aufwertung von Aktiven

4. Aufwand sofort buchen

5. Aktivieren/Impairmentabschreibung, falls notwendig

1. Gesetzliche Reserven/Agioreserven – evtl. Abschreibung von Anlagevermögen – evtl. Abschreibung Anlagen

2. Freie Reserven – Dividenden

3. Rückstellungen/Auflösung auf Erfolgsrechnung

4. Ertrag sofort buchen

 Wie aus den Beispielen mit verschiedenen Fusionsbilanzen bzw. Buchungsvarianten hervorgeht, müssen die Konten der übernommenen Gesellschaft auf Rappen genau auf die Konten bzw. ins Hauptbuch der übernehmenden Gesellschaft übertragen werden.

Sanierungsfusionen

Gemäss Art. 6 Abs. 1 FusG kann eine Gesellschaft, deren Aktien-, Stamm- oder Genossenschaftskapital und deren gesetzliche Reserven zur Hälfte nicht mehr gedeckt sind oder die überschuldet ist, mit einer anderen Gesellschaft fusionieren, wenn diese über frei verwendbares Eigenkapital im Umfang der Unterdeckung und gegebenenfalls der Überschuldung verfügt. Diese Voraussetzung entfällt, so weit die GläubigerInnen der an der Fusion beteiligten Gesellschaften im Rang hinter allen anderen GläubigerInnen zurücktreten. Gemäss Art. 6 Abs. 2 FusG hat das oberste Leitungs- oder Verwaltungsorgan dem Handelsregisteramt eine Bestätigung eines besonders befähigten Revisors bzw. einer besonders befähigten Revisorin abzugeben, wonach die Voraussetzung nach Absatz 1 erfüllt ist.

Verzicht auf Publikation des Schuldenrufs

Die an den Fusionen beteiligten Gesellschaften müssen ihre GläubigerInnen im Schweizer Handelsamtsblatt (SHAB) dreimal auf ihre Rechte im Zusammenhang mit der Sicherstellung der Forderungen hinweisen (Art. 25 Abs. 2 FusG). Von einer solchen Publikation kann abgesehen werden, wenn ein zugelassener Revisionsexperte oder eine zugelassene Revisionsexpertin bestätigt, dass keine Forderungen bekannt oder zu erwarten sind, zu deren Befriedigung das freie Vermögen der beteiligten Gesellschaft nicht ausreicht.

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