12.04.2017

MWST Liegenschaften: Vermietung mit oder ohne Option?

Im Sinne von Art. 10 Abs. 1 MWSTG ist steuerpflichtig, wer unabhängig von Rechtsform, Zweck und Gewinnabsicht ein Unternehmen betreibt. Ein Unternehmen betreibt, wer eine auf die nachhaltige Erzielung von Einnahmen aus Leistungen ausgerichtete berufliche oder gewerbliche selbständige Tätigkeit ausübt und unter eigenem Namen nach aussen auftritt.

Von: Fabian Petrus   Drucken Teilen   Kommentieren  

Fabian Petrus, lic.oec. HSG et lic.iur. HSG, dipl. Steuerexperte

Fabian Petrus, lic.oec. HSG et lic.iur. HSG, dipl. Steuerexperte, Partner, OBT AG, studierte Betriebswissenschaft und Rechtswissenschaft an der Universität St. Gallen und erwarb im Jahr 2002 das Diplom zum dipl. Steuerexperten. Nach dem Studium spezialisierte er sich in den Bereichen der nationalen und internationalen Steuerberatung sowie mit der Besteuerung von Immobilien.

Fabian Petrus ist Fachbereichsleiter Steuern und Recht und Mitglied der Geschäftsleitung bei der OBT AG in Zürich. Er ist Koautor des Buches «Das KM Unternehmen – Rechtliche Aspekte von der Gründung bis zur Nachfolge» und ist regelmässig als Referent bei verschiedenen Weiterbildungsinstitutionen tätig, so unterrichtet er an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich sowie am Unternehmer Forum Schweiz und bei weiteren Veranstaltungen.

 zum Portrait

Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben. Wir freuen uns, wenn Sie den ersten Kommentar zu diesem Artikel verfassen.
 
Kommentar schreiben

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben! Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte alle fett beschrifteten Pflichtfelder ausfüllen.
Zurücksetzen
 
MWST Liegenschaften

Besondere Bestimmungen bei MWST Liegenschaften

Somit kann nur eine Person im Sinne der Mehrwertsteuer steuerpflichtig werden, die ein Unternehmen betreibt und Leistungen im Inland erbringt sowie den Sitz der wirtschaftlichen Tätigkeit oder eine Betriebsstätte in der Schweiz hat.

Aus dieser Legaldefinition geht hervor, dass Personen mit Liegenschaften im Privatvermögen nicht mehrwertsteuerpflichtig werden aufgrund der fehlenden unternehmerischen Tätigkeit. Besondere Bestimmungen gelten für die Vermietung von Ferienwohnungen und Ferienhäusern. Diese gelten als Geschäftsvermögen im Sinne der MWST, wenn der jährliche Mietertrag aus solchen Objekten mehr als CHF 40 000.– beträgt. Liegen die Mieterträge der Ferienwohnungen unter dieser Schwelle, so wären sie nicht MWST-pflichtig, auch wenn die Einzelunternehmung für die übrigen Erträge der MWST unterliegen würde.

Hingegen können Immobilienhändler und Gesellschaften mit Immobilien mehrwertsteuerpflichtig werden, weshalb in gewissen Konstellationen die Mehrwertsteuer anfallen kann – sofern hierfür optiert wird.

Der Bereich der Mehrwertbesteuerung von Liegenschaften im Geschäftsvermögen ist eine äusserst komplexe Materie. Grundsätzlich sind der Handel und die Vermietung von der Mehrwertsteuer ausgenommen aufgrund von Art. 21 Abs. 2 Ziff. 20 und 21 MWSTG.

Wird die Liegenschaft geschäftlich für einen steuerbaren Zweck genutzt und zählt sie zum Betriebsvermögen, liegt eine Mehrwertsteuerpflicht vor. Der Vorteil liegt darin, dass die vorsteuerbelasteten Aufwendungen/Anschaffungskosten im Umfang der steuerbaren Nutzung zum Vorsteuerabzug berechtigen. Nachteilig ist, dass abgerechnet werden muss, sobald die Liegenschaft nicht mehr für einen mehrwertsteuerlichen Zweck genutzt wird (bspw. bei der Überführung ins Privatvermögen).

Im Sinne von Art. 21 Abs. 2 Ziff. 21 MWSTG ist die Vermietung von Immobilien von der MWST ausgenommen. Anspruch auf Vorsteuerabzug ist aufgrund von Art. 29 Abs. 1 MWSTG nicht gegeben, sofern für die Vermietung nicht optiert wird.

Die freiwillige Unterstellung unter die Mehrwertsteuer ist bei der Vermietung von Immobilien möglich, sofern der Gegenstand vom Empfänger für mehrwertsteuerliche Zwecke genutzt wird (Optierung im Sinne von Art. 22 MWSTG).

Werden Immobilien im Geschäftsvermögen gehalten und werden diese ganz oder teilweise vermietet, so ist grundsätzlich die Vermietung von der Steuer ausgenommen. Es besteht jedoch die Möglichkeit zur Option. Die Option ist nur ausgeschlossen, wenn der Empfänger die Liegenschaft ausschliesslich für private Zwecke nutzt.

MWST Liegenschaften - Vermietung ohne Option

Sofern der Mieter die Liegenschaft ausschliesslich für private Zwecke nutzt, darf nicht optiert werden. In diesen Fällen – und in Fällen, wo auf die Optierung verzichtet wird - unterliegt der Mietzins nicht der Mehrwertsteuer und der Eigentümer der Liegenschaft hat keinen Anspruch auf Vorsteuerabzug.

Dies ist oft der Fall bei grossen Liegenschaftsgesellschaften, welche Immobilien halten, die an Privatpersonen zwecks Wohneigentums vermietet werden. Für diese Gesellschaften stellen die vorsteuerbelasteten Aufwendungen eine Endbelastung dar und die Mehrwertsteuer ist ein reiner Kostenfaktor.

MWST Liegenschaften - Vermietung mit Option

Sofern die Voraussetzungen im Sinne von Art. 22 MWSTG erfüllt sind, kann für die Vermietung optiert werden. Somit hat der Eigentümer der Liegenschaft auch Anspruch auf Vorsteuerabzug (Art. 29 Abs. 1 MWSTG).

Damit der Mieter den Vorsteuerabzug auch geltend machen kann, ist es empfehlenswert, den Mietvertrag so auszugestalten, dass die Anforderungen der Rechnungsstellung im Sinne von Art. 26 Abs. 2 MWSTG erfüllt sind. Falls der Mieter den Gegenstand als Untermiete weitervermietet, kann er wiederum selber entscheiden, ob er den Gegenstand mit oder ohne Option weitervermietet.

Die Nebenkosten sind grundsätzlich steuerlich gleich zu behandeln wie die Miete und der Eigentümer kann den Vorsteuerabzug geltend machen. Auch kann er den Vorsteuerabzug auf Aufwendungen für Unterhalt und Investitionen geltend machen.

Eine Nutzungsänderung und dementsprechend entweder ein Tatbestand des Eigenverbrauchs[2] oder ein Tatbestand der Einlage-Entsteuerung liegt beim Mieterwechsel vor, wenn einem optierten Mietverhältnis ein nicht optiertes folgt respektive umgekehrt. Aufgrund der Nutzungsänderung ist entweder der Eigenverbrauch oder die Einlage-Entsteuerung vorzunehmen.

MWST Liegenschaften - Teilweise Vermietung mit Option

Es ist nicht Voraussetzung, dass die Liegenschaft als Ganzes mit Option vermietet wird. Die Option kann in einer Liegenschaft für jede einzelne Räumlichkeit separat geltend gemacht werden, sofern die Voraussetzung der Option für die betreffende Räumlichkeit zulässig ist. Somit kann der Eigentümer der Liegenschaft für das gleiche Gebäude Mietverträge abschliessen mit Option und ohne Option.

Der Vorsteuerabzug darf in solchen Fällen selbstverständlich nicht in vollem Umfange geltend gemacht werden, sondern im Sinne von Art. 30 Abs. 1 MWSTG nach dem Verhältnis der Verwendung. Es ist somit aufzuteilen zwischen der geschäftlichen Nutzung und Vermietung mit Option und der privaten Nutzung mit Vermietung ohne Option. Die Aufteilung kann bspw. anhand der Wohn- resp. Nutzungsflächen in m2 gemacht werden.

Seminar-Empfehlung

Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

Mehrwertsteuer und Immobilien

Praxis-Tipps zur Umsetzung und Renditesteigerung

Steigern Sie Ihre Rendite durch einen optimalen Umgang mit der Mehrwertsteuer: Erfahren Sie, wie Sie die Gestaltungsspielräume der Bestimmungen nutzen, um Ihren Steueraufwand zu minimieren.

Nächster Termin: 26. Oktober 2017

mehr Infos

Produkt-Empfehlungen

  • Newsletter Mehrwertsteuer

    Newsletter Mehrwertsteuer

    Praxisorientierte Fachexpertenbeiträge und Fälle aus der Praxis, die MWST-Verantwortliche im Alltag beschäftigen.

    CHF 98.00

  • Steuern und Immobilien

    Steuern und Immobilien

    Immobiliensteuern vom Erwerb bis zum Verkauf der Immobilie.

    Mehr Infos

  • MehrwertsteuerPraxis

    MehrwertsteuerPraxis

    Mehrwertsteuer richtig abrechnen, optimieren und Risiken minimieren.

    Mehr Infos

Seminar-Empfehlungen

  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    MWST - ADVANCED

    Komplexe MWST-Fälle sicher abwickeln

    Nächster Termin: 07. September 2017

    mehr Infos

  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    Mehrwertsteuer und Immobilien

    Praxis-Tipps zur Umsetzung und Renditesteigerung

    Nächster Termin: 26. Oktober 2017

    mehr Infos

  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    Immobilien und Steuern

    Liegenschaftensteuern korrekt planen und optimieren

    Nächster Termin: 04. Oktober 2017

    mehr Infos