05.09.2018

Rechnungslegung: Wie komplex ist die Umstellung auf Swiss GAAP FER?

Die Entwicklung der Swiss GAAP FER in den letzten Jahren kann zu Recht als Erfolgsgeschichte bezeichnet werden. Mit der Ausrichtung auf kleine und mittlere Unternehmen und Unternehmensgruppen hat deren Verbreitung stark zugenommen und geniesst einen sehr guten Ruf bei Kapitalgebern.

Von: Linus Furrer, Daniel Schweizer  DruckenTeilen Kommentieren 

Linus Furrer

Linus Furrer ist Bereichsleiter Wirtschaftsprüfung und Mitglied des Kaders bei der OBT AG in Rapperswil. Er verfügt über langjährige Erfahrung in der Beratung und Prüfung von nationalen und internationalen Dienstleistungs- und Industrieunternehmen sowie von Stiftungen und Non-Profit-Organisationen nach Swiss GAAP FER oder OR. Er leitet die Fachgruppe Swiss GAAP FER der OBT AG.

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Daniel Schweizer

Daniel Schweizer ist seit 2006 bei OBT in der Beratung und Prüfung von Dienstleistungs- und Industrieunter-nehmen tätig. Zu seinen Kunden zählen nationale als auch internationale Gesellschaften. Daniel Schweizer hat bei diversen Unternehmen die Einführung des IKS begleitet.

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Swiss GAAP FER

Gemäss einer Studie der Stiftung für Fachempfehlungen zur Rechnungslegung (FER) in Zusammenarbeit mit der Universität Zürich aus dem Jahr 2014 wendet jedes fünfte mittelgrosse Unternehmen Swiss GAAP FER an. Bei Konzernrechnungen liegt die Quote der Anwender sogar bei 39%.

 

Im Hinblick auf eine mögliche Erstanwendung von Swiss GAAP FER in einem Unternehmen stellen sich folgende Fragen:

  • Welches sind die Vor- und Nachteile einer Umstellung?
  • Mit welchem Aufwand ist zu rechnen und welche Knacknüsse treten bei einer Umstellung in der Praxis regelmässig auf?

Gründe für den Wechsel

Eine wesentliche Stärke der Swiss GAAP FER besteht darin, dass Banken und andere Kapitalgeber diesem Rechnungslegungsstandard einen erheblichen Vertrauensvorschuss entgegenbringen. Diese Tatsache vereinfacht die Kreditverhandlungen mit Banken und kann zu vorteilhafteren Konditionen führen. Eine weitere Stärke liegt in der höheren Transparenz gegenüber den Aktionären – insbesondere dann, wenn sie nicht operativ im Unternehmen tätig sind. Die Praxis zeigt, dass bei einem Unternehmensverkauf mit einer Berichterstattung nach Swiss GAAP FER oft ein höherer Verkaufspreis erzielt werden kann. Die stillen Reserven werden nicht nur in einer Separatrechnung geführt, sondern sind auf den ersten Blick ersichtlich und von der Revisionsstelle über Jahre testiert.

Transparenz als starkes Signal

Die Jahresrechnung nach Swiss GAAP FER zeigt die finanzielle Situation der Gesellschaft, wie sie sich effektiv darstellt – ohne Verzerrung durch stille Reserven. In der Regel wird der Abschluss nach Swiss GAAP FER ergänzend zum statutarischen Abschluss, der weiterhin für die Besteuerung relevant bleibt, erstellt. Die Einführung von Swiss GAAP FER führt daher nicht dazu, dass die stillen Reserven versteuert werden müssen, und hat somit keine negativen steuerlichen Auswirkungen.

In der Praxis ist zudem häufig zu beobachten, dass Gesellschaften und Organisationen, die im Rahmen eines Leistungsauftrags Zuschüsse von staatlichen Stellen oder Spenden von Privaten erhalten, Swiss GAAP FER anwenden. Dazu zählen soziale Betreuungsstätten, Schulen, Pflegeheime und Spitäler. Die Anwendung der Swiss GAAP FER ist für sie nicht zwingend vorgeschrieben, sendet aber ein starkes Signal. Da diese Organisationen im Rahmen ihrer Rechenschaftsablage ohnehin zu einer höheren Transparenz verpflichtet sind, ist die Wahl von Swiss GAAP FER zweckmässig. Zudem sind solche Organisationen oftmals steuerbefreit. Dadurch entfällt das Erstellen eines zweiten, handelsrechtlichen Abschlusses.

Ablauf der Umstellung

1. Analyse und Entscheid

Vor einer Umstellung ist unter Kosten-Nutzen- Aspekten zu evaluieren, ob es sinnvoll ist, Swiss GAAP FER einzuführen. Dabei ist es unabdingbar, die erwarteten Auswirkungen auf den Jahresabschluss zu analysieren und zu quantifizieren. Es gilt realistisch abzuwägen, ob die betroffenen Mitarbeitenden für die Umstellung über das nötige Fachwissen verfügen und ob ausreichend zeitliche Kapazität vorhanden ist. Ansonsten sollte darüber nachgedacht werden, einen externen Experten hinzuzuziehen.

Die Praxis zeigt, dass eine Kombination aus interner Vorbereitung und Umsetzung mit Projektbegleitung durch einen externen Experten den grössten Erfolg verspricht. Ebenfalls genau analysiert werden sollte, ob das Buchhaltungssystem die zusätzlichen Anforderungen bereits abdeckt oder ob weitere Investitionen nötig sind.

2. Planung

In der Planungsphase geht es darum, den zeitlichen Ablauf des Projekts zu skizzieren. Die Swiss GAAP FER schreiben nicht vor, dass der gesamte Abschluss Vorjahreszahlen enthalten muss. Lediglich in der Bilanz sind zwingend Vorjahreswerte offenzulegen.

Jedoch ist die vollständige Angabe der Vorjahreswerte anzustreben. Das bedeutet grundsätzlich eine längere Vorlaufzeit. Soll beispielsweise 2018 die Jahresrechnung erstmals nach Swiss GAAP FER erstellt werden, sind die Eröffnungsbestände per 1. Januar 2017 bereits an die Werte nach Swiss GAAP FER anzupassen. Durch den Verzicht auf die Angabe nicht absolut zwingender Vorjahreswerte kann die Einführungszeit erheblich verkürzt bzw. der Einführungsaufwand massgeblich verringert werden.

3. Umsetzung

Die Umsetzung erfordert ein klassisches Projektmanagement. Verantwortlichkeiten sind klar zu definieren und es ist für den Erfolg entscheidend, dass das Projekt die Unterstützung des obersten Managements geniesst. Der wichtigste Erfolgsfaktor – und dennoch oft vernachlässigt – ist die frühzeitige Involvierung sämtlicher Geschäftsbereiche. Plant beispielsweise ein Bauunternehmen die Einführung von Swiss GAAP FER, ist die Bewertung der angefangenen Bauprojekte zentral. Die Informationen für die Bewertung werden von den Bauleitern bereitgestellt und sind daher bereits in der Planungsphase ins Projekt einzubeziehen.

Knacknuss stille Reserven

Wie die Erfahrung aus der Praxis zeigt, ist die Umstellung auf Swiss GAAP FER mit relativ geringem Aufwand verbunden, sofern eine gut ausgebaute Betriebsbuchhaltung existiert und dadurch die stillen Reserven bekannt sind. Existiert jedoch keine Betriebsbuchhaltung oder weist diese Lücken auf, ist die Einführung mit zusätzlichem Aufwand verbunden.

Der Mehraufwand sollte hingegen nicht der Umstellung auf Swiss GAAP FER angelastet werden, denn verlässliche betriebswirtschaftliche Werte sind für die finanzielle Führung eines Unternehmens auch ohne Swiss GAAP FER unabdingbar.

Knacknuss Betriebsgebäude

Häufig bestehen wesentliche stille Reserven auf Betriebsliegenschaften, die in der Vergangenheit nicht genau beziffert wurden. Bei neueren Liegenschaften kann der Anschaffungswert meistens relativ problemlos ermittelt werden. Bei älteren Gebäuden ist dies oft nicht mehr möglich. Es kommt vor, dass bei Investitionen in die Gebäude nicht unterschieden wurde, ob diese werterhaltend oder wertvermehrend waren. Daher sind für eine faire Bewertung älterer Liegenschaften nach Swiss GAAP FER in der Regel Bewertungsgutachten notwendig. Bei neueren Liegenschaften ist es jedoch meistens möglich, den Zeitwert über die ursprünglichen Anschaffungskosten abzüglich betriebswirtschaftlich notwendiger Abschreibungen zu ermitteln.

Fazit

Die Verbreitung der Swiss GAAP FER hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Diese geniessen eine grosse Akzeptanz bei Banken und anderen Kapitalgebern. Falls bereits eine gut ausgebaute Betriebsbuchhaltung existiert, ist die Einführung der Swiss GAAP FER mit überschaubarem Aufwand möglich. Die Einführung ist vorausschauend und mit genügend Vorlauf zu planen und alle Geschäftsbereiche sollten zeitnah vor dem Hintergrund eines sauberen Projektmanagements involviert werden.

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