Höflichkeit: Das A und O im Beruf
KURZ ZUSAMMENGEFASST
Höflichkeit im Beruf ist keine Frage veralteter Etikette, sondern ein entscheidender Erfolgsfaktor für effiziente Kommunikation und ein respektvolles Miteinander. Sie manifestiert sich in alltäglichen Details wie Pünktlichkeit, dem richtigen Umgang mit Technologie und der sensiblen Wahrung persönlicher Grenzen. Wer den anderen durch eine wohlwollende, aber klare Haltung wertschätzt, mildert Konflikte und stärkt das Arbeitsklima nachhaltig.
Die wichtigsten Punkte:
- Höflichkeit ist ein Luftkissen, das Stösse im Arbeitsalltag mildert, ohne Heuchelei zu sein.
- Das richtige Mass an Nähe und Distanz, etwa beim Duzen oder Siezen, entscheidet über den Erfolg der Kommunikation.
- Kritik sollte sachlich und auf den Punkt beschränkt werden, um die Person des Gegenübers nicht zu verletzen.
- Unaufmerksamkeiten wie ein vergessenes Danke hinterlassen bleibende negative Eindrücke.

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Wie bewahrt man im Berufsalltag die richtige Balance zwischen Höflichkeit und Effizienz?
Das richtige Mass finden
Schlechtes Benehmen ist ein Ausdruck von Rücksichtslosigkeit. Höflichkeit zeigt sich in vielen kleinen Details: Pünktlichkeit, Kommunikation in allen Formen, der Umgang mit der modernen Technologie wie Smartphones und Ähnlichem und das richtige Mass an Nähe und Distanz zeigen, wie höflich und respektvoll man den anderen gegenüber ist. Wer seinem Gegenüber zu nahe tritt, verstösst gegen dessen persönliche Grenzen und sein Recht auf Eigenständigkeit. So wird eine effiziente Kommunikation verunmöglicht.
Höflichkeit ist wie ein Luftkissen: Nichts darin, doch es mildert die Stösse des Lebens. Deutsches Sprichwort
Höflichkeit hat nichts mit Heuchelei oder Lügen zu tun
Oft ist es höflicher, gewisse Tatsachen ein bisschen abzumildern oder nur einen Teil der Wahrheit zu kommunizieren. Dem anderen die Wahrheit wie ein nasses Tuch um die Ohren zu klatschen, ist nicht höflich. Es ist rücksichtslos und egoistisch.
Das optimale Vorgehen beim Anklopfen ist einfach. Bei Grossraumbüros muss man nie anklopfen. Bei einer geschlossenen Tür klopft man an, wartet auf Antwort und tritt erst dann ein. Bei einer angelehnten oder geöffneten Tür klopft man kurz und betritt dann den Raum. Sieht man den Gesprächspartner am Telefon, wartet man auf ein Zeichen oder kommt etwas später wieder.
Wie viel Wahrheit ist erträglich? Es gibt ein einfaches Mittel, um dies herauszufinden. Man versetzt sich in die Lage des Gegenübers. Würde ich die volle Wahrheit ertragen? Mich darüber freuen? Oder am liebsten in den Erdboden versinken?
Bei einem Mitarbeiter fällt Ihnen schon während der ersten Worte auf, dass er unangenehmen Mundgeruch hat. Nützt der «Wink» mit den angebotenen Bonbons nichts, sprechen Sie ihn ruhig und sachlich unter vier Augen darauf an. Beginnen Sie das Gespräch mit einigen positiven Worten und weisen Sie ihn dann auf das Problem hin. Die Kritik sollte nur diesen Punkt, nicht seine ganze Person betreffen.
Du oder Sie? Und wie?
Das Duzen unter Mitarbeitenden ist weit verbreitet. Der Trend geht im Moment jedoch zurück zum Siezen. Einerseits schafft das Duzen eine grössere Vertraulichkeit und eine lockere Atmosphäre, andererseits kann eine gewisse Distanz manchmal sehr wohltuend sein. Auch der goldene Mittelweg – «Peter, geben Sie mir bitte die Akte.» – ist heute aktuell. Bei undurchsichtigen «Du/ Sie-Verhältnissen» – zum Beispiel beim Antritt einer neuen Stelle – fragt man am besten nach, wie man sich verhalten soll.
Ihr ist nicht der Plural von Sie. Beim Satz «Das ist für euch interessant.» duzt man alle aus der Gruppe. Die Mehrzahl von «Sie» ist «Sie». Wenn Sie mit der Hälfte einer Gruppe per Du sind, dann ist die höflichste Form der Anrede die respektvollere: Siezen Sie alle Anwesenden, wenn Sie diese gleichzeitig ansprechen.
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Wollen Sie mich duzen?
Die Hierarchie entscheidet, wer wem das «Du» anbietet. So trägt der Chef der Mitarbeiterin, dem Angestellten oder dem Lehrling das «Du» an. Er sollte jedoch nicht ohne Absprache auf das übliche «Sie» verzichten, weil das als Herabwürdigung aufgefasst wird.
Manche wollen mit jedem per «Du» sein. Es gibt auch solche, die sich Vorteile von einem «Du» versprechen und sich mehr erlauben als vorher. Hier ist es wichtig, dass man sich im Voraus überlegt, wie man mit unerwünschten «Du»-Anträgen umgeht. Wenn man nicht unter Druck sofort reagieren muss, findet man die optimale Lösung. Ob «Du» oder weiterhin «Sie» – Sie haben die Wahl.
Checkliste
- Klopfen Sie bei geschlossenen Türen an und warten Sie auf Antwort, bevor Sie eintreten.
- Bei angelehnten Türen klopfen Sie kurz und betreten den Raum, es sei denn, das Telefonat des Gegenübers erfordert Warten.
- Prüfen Sie vor einer unangenehmen Wahrheit, ob der Empfänger diese in voller Schärfe ertragen würde.
- Klären Sie bei neuen Stellenverhältnissen aktiv, ob Sie oder Du verwendet werden soll.
- Respektieren Sie die Hierarchie: Der Vorgesetzte bietet das Du an, nicht umgekehrt.
- Bei widersprüchlichen Du/Verhältnissen in Gruppen wählen Sie stets die respektvollere Anrede (Siezen).
- Verzichten Sie bei Kritik auf Angriffe gegen die Person und beschränken Sie sich auf das konkrete Verhalten.
- Nutzen Sie diplomatische Formulierungen, wenn Sie ein unerwünschtes Du-Angebot höflich ablehnen müssen.
- Vermeiden Sie es, nach Firmenfeiern das private Du unreflektiert in den Arbeitsalltag zu übertragen.
- Achten Sie auf kleine Signale wie ein zeitnahes Danke und einen gepflegten Telefonanruf.
Duzen am Arbeitsplatz
Manchmal wird die allgemeine Katerstimmung am Morgen nach einer Firmenfeier noch vergrössert. Da lassen unbedachte «Verbrüderungsszenen» vom Vorabend starke Zweifel aufkommen, wie man damit im normalen Arbeitsalltag umgehen soll. Handeln ist dann angesagt, wenn man mit dem in Feststimmung leichtsinnigerweise abgemachten «Du» auf Dauer gesehen den Arbeitsprozess eher belastet, als ihn vereinfacht. Am besten bringt man das sofort zur Sprache.
Heikel wird es, wenn Sie ein Ihnen angebotenes «Du» nicht erwidern möchten. Diplomatie ist dann gefragt. Mit einem solchen Satz können Sie sich einigermassen schadlos herausschlängeln: «Ich fühle mich durch das Angebot geehrt. Und ich freue mich, wenn wir zu einem späteren Zeitpunkt in einem angemessenen Rahmen zum ‹Du› übergehen. Es ist eines meiner Prinzipien, eine solche Entscheidung nicht zu überstürzen. Bitte lassen Sie mir noch ein wenig Zeit.»
Kleinigkeiten summieren sich. Unaufmerksamkeiten – ein vergessenes Danke – oder Unzuverlässigkeiten– ein verschwitzter Telefonanruf – hinterlassen immer einen bleibenden Eindruck. Höflichkeit ist ein Lebensstil und eine vielsagende Lebenseinstellung.
FAQ: Höflichkeit
Wann ist es angebracht, bei einer Tür anzuklopfen?
Bei geschlossenen Türen immer anklopfen und auf Antwort warten. Bei angelehnten Türen kurz anklopfen und dann eintreten. In Grossraumbüros ist Anklopfen meist nicht notwendig.
Wie gehe ich mit Kritik um, wenn der Kollege unangenehmen Mundgeruch hat?
Sprechen Sie das Problem ruhig und sachlich unter vier Augen an. Beginnen Sie mit positiven Worten und beschränken Sie die Kritik auf den spezifischen Punkt, nicht auf die ganze Person.
Wer darf das Du anbieten?
Die Hierarchie entscheidet: Der Vorgesetzte (Chef) bietet dem Mitarbeiter, Angestellten oder Lehrling das Du an. Ein Vorgesetzter sollte ohne Absprache nicht vom Sie auf das Du wechseln, um keine Herabwürdigung zu signalisieren.
Was ist die höflichste Anredeform in einer gemischten Gruppe?
Wenn Sie mit einem Teil der Gruppe per Du sind und einen anderen Teil siezen, sollten Sie alle Anwesenden siezen, um die respektvollste Form der Anrede zu wählen.
Wie lehne ich ein unerwünschtes Du-Angebot höflich ab?
Nutzen Sie eine diplomatische Formulierung, die das Angebot ehrt, aber Zeit zur Überlegung bittet, zum Beispiel: «Ich fühle mich geehrt, bitte lassen Sie mir aber noch ein wenig Zeit, da es eines meiner Prinzipien ist, solche Entscheidungen nicht zu überstürzen.»