07.01.2016

Resilienz: Stehaufmännchen und Stehauffrauchen

Manche Menschen scheinen es einfach zu können: Sie bewältigen diverse Herausforderungen erfolgreich – und das scheinbar spielend! Sie wirken weder erschöpft, noch scheinen sie Schaden zu nehmen. Ganz im Gegenteil: Sie können anscheinend auch ungünstigen Bedingungen widerstehen, z. B. dem Termindruck im Job, privaten Konflikten und bitteren Niederlagen. Eine Erklärung für diese Widerstandsfähigkeit liefert das Konzept namens Resilienz.

Von: Sonja Kupferschmid Boxler   Drucken Teilen   Kommentieren  

Sonja Kupferschmid Boxler

Sonja Kupferschmid Boxler verfügt als Arbeits- und Organisationspsychologin und Klinische Psychologin über wissenschaftlich fundiertes Know-how im Bereich der Psychologie. In ihrer Tätigkeit als Leiterin Produkte/Entwicklung beim Coachingzentrum Olten setzt sie sich mit dem Themenschwerpunkt der Resilienz auseinander. Ihr Praxisbezug gründet ausserdem in ihrer täglichen Arbeit als Coach und Psychotherapeutin.

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Resilienz

Was ist Resilienz?

So wie ein Bambus, der selbst im Winter noch grüne Blätter treibt, oder wie ein Schiff, das Sturm für Sturm der hohen See trotzt, oder wie ein Grashalm, der sich im Wind biegt und dann schnell wieder in seine ursprüngliche Form zurückfindet! «Resilienz» aus dem Lateinischen «resilire» bedeutet zurückspringen. Der Begriff wurde anfänglich in der Physik für die Eigenschaft hochelastischer Materialien, die nach einer Verformung wieder ihre ursprüngliche Form annehmen, verwendet.  

Das Gute daran: Bezogen auf den Menschen ist Resilienz kein statisches Konstrukt sondern ein Prozess und lässt sich dementsprechend beeinflussen.  Manchmal werden resiliente Menschen auch als Stehaufmännchen und Stehauffrauchen bezeichnet.

Praxisbeispiel: Frau A. arbeitet in einem kleinen Unternehmen, in welchem ein starker Termindruck herrscht. Die strengen Deadlines und das hohe Arbeitstempo des Vorgesetzten stresst sie. Nach ein paar Monaten des Einzelkampfes öffnet sie sich ihrer Arbeitskollegin. Zu ihrem Erstaunen geht es ihrer Arbeitskollegin genau gleich und so beschliessen die beiden Frauen, mit ihrem Vorgesetzten das Gespräch zu suchen und die strengen Deadlines zu besprechen. Frau A. macht die Erfahrung, dass sie aufgrund hoher Arbeitsanforderungen lernen konnte, sich einer Kollegin gegenüber zu öffnen und so eine gemeinsame Lösung für eine Situation suchen zu können. Ihr persönliches Wachstum in dieser Herausforderung besteht darin, dass sie gelernt hat, nicht immer alles mit sich selber ausmachen zu müssen.

 Reflexionsfrage: Welche Herausforderungen haben Sie in Ihrem Leben bereits bewältigt und an welchen sind Sie sogar gewachsen?

Resilienz als Prozess  

Das Resilienzkonzept umschreibt die Fähigkeit, zerrüttenden Herausforderungen des Lebens standzuhalten und aus diesen Erfahrungen gestärkt und bereichert hervorzugehen (Wustmann, 2012). Welter-Enderlin schreibt von biegen statt brechen und der zentralen Frage «wie Menschen es schaffen, mit schwierigen Lebensereignissen so umzugehen, dass sie davon zwar bewegt werden – wie Bäume im Sturm – aber nicht daran zerbrechen» (Welter-Enderlin, 2010, S.11).

Merke: Es geht also darum, dass die Entwicklung bedroht wird, und nichtsdestotrotz einer erfolgreichen Bewältigung auf die belastenden Lebensumstände folgt.

Als Pionier gelten Werner und Smith, die in einer Längsschnittstudie Kinder auf der Insel Kauai in ihrem Werdegang begleiteten (1982, 1992, 2001, zitiert nach Wustmann, 2012). Es wurden 698 Personen (Jahrgang 1955) von der pränatalen Entwicklung bis zum 40. Lebensjahr beobachtet. Von den Kindern, welche zur Risikogruppe gehörten, wuchs ein Drittel trotz den schweren Umständen zu leistungsfähigen und fürsorglichen Erwachsenen heran. Dagegen entwickelten die anderen Kinder Störungen.  

Nun stellte sich die Frage: Wie und weshalb entwickeln Kinder Resilienz? Viele Forscher identifizierten Gegebenheiten der Umwelt (externe Faktoren), welche den Prozess der Resilienzentwicklung zu beeinflussen schienen. Das Ziel war, zukünftig allen Kindern einen erfolgreichen Werdegang zu ermöglichen (Fingerle, Freytag & Julius, 1999, zitiert nach Wustmann, 2012).  

Das Rahmenmodell, welches Wustmann in ihrem Buch «Resilienz – Widerstandsfähigkeit von Kindern in Tageseinrichtungen fördern» (2012) vorstellt, lehnt sich stark an das Resilience Framework der Amerikanerin Karol Kumpfer an. Das Modell von Kumpfer «liefert einen guten Orientierungsrahmen, weil es alle bislang in der Resilienzforschung diskutierten forschungstheoretischen Grundlagen in sich vereint», so Wustmann (2012, S. 61). Es basiert auf den empirischen Ergebnissen einer Vielzahl bisher geführten Studien und ist in diesem Sinne wissenschaftlich fundiert (vgl. Kumpfer, 1999).

Praxisbeispiel: Für Frau K. ist es in Konfliktsituationen besonders wichtig, dass sie diese zuerst für sich alleine analysieren kann (kognitive Ressourcen). Erst nach einer gründlichen Analyse ist sie bereit für ein klärendes Gespräch. Für Herr F. schaut das ganz anders aus. Er muss seine Emotionen von Anfang an in der Konfliktsituation äussern können (emotionale Ressourcen), erst dann ist er bereit für eine rationale Klärung. Dieses Beispiel zeigt, dass Menschen mit Herausforderungen, in diesem Fall einer Konfliktsituation, ganz anders umgehen. Es geht im Rahmen der Resilienzförderung nicht darum zu schauen, welches Vorgehen das richtige ist, sondern welche Verhaltensweise für die Person adäquat, funktional und zielführend ist.

Merke: Den idealtypischen Resilienzprozess gibt es nicht. Jeder Mensch verfügt über verschiedenste Ressourcen, welche ganz persönlich entwickelt und eingesetzt werden können. Somit gibt es kein Patentrezept zur Stärkung der persönlichen Resilienz. Was für die eine Person stimmt und eine Entwicklung darstellt, kann für eine andere total unpassend sein. Wichtig ist es, dass die Person lernt, in herausfordernden Situationen auf sich und ihre Bedürfnisse zu achten, diese ernst zu nehmen und diese entsprechend zu befriedigen!

Resilienz im Business

In den letzten drei, vier Jahren erhielt der Begriff in verschiedenen Bereichen eine bemerkenswerte Verbreitung. Besonders eine Verlagerung des Konzepts auf Mitarbeiterpflege und Führung konnte festgestellt werden (Bott, 2014). Dies besonders, weil in den letzten Jahren in vielen Ländern die Belastung und Beanspruchung der Personen am Arbeitsplatz beträchtlich angestiegen ist (vgl. WHO, 2005, 2010). Dies hat zur Folge das viele Leute dabei sowohl körperlich als auch psychisch erkranken, was zu vermehrtem Arbeitsausfall, IV- und vorgezogenen Rentenbezügen führt.

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