Widerstandsfähigkeit: Wie gut ist Ihre Resilienz?
KURZ ZUSAMMENGEFASST
Resilienz bezeichnet die psychische Widerstandsfähigkeit, Krisen nicht nur zu überstehen, sondern sie als Anlass für persönliche Entwicklung zu nutzen. Diese Fähigkeit ist kein starres Schicksal, sondern lässt sich auch als Erwachsener gezielt trainieren, indem man die sieben Säulen der Resilienz – wie Emotionssteuerung, Impulskontrolle und realistischer Optimismus – aktiv stärkt. Unternehmen profitieren ebenfalls von Resilienz, wenn sie entsprechende Werte wie Diversität und Antizipation in ihrer Kultur verankern.
Die wichtigsten Punkte:
- Resilienz ist die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und daran zu wachsen.
- Schutzfaktoren entstehen im Individuum, in der Familie und im Umfeld.
- Die sieben Säulen der Resilienz sind trainierbar und nicht angeboren.
- Organisationen benötigen eine resiliente Kultur, um strategische Umbrüche zu meistern.
- Veränderung setzt voraus, dass man den Willen zur Veränderung mobilisiert.

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Was ist Resilienz und wie können Sie Ihre psychische Widerstandsfähigkeit trainieren?
Was ist Resilienz?
Unter Resilienz verstehen wir die Fähigkeit, sich buchstäblich wie der berühmte Münchhausen an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen zu können. Oder um ein anderes Bild zu verwenden: Die Stehauf-Menschen, die Menschen, die immer wieder auf die Füsse fallen, die sind resilient.
Die Wikipedia-Definition lautet so:
«Resilienz (von lat. resilire ‹zurückspringen›, ‹abprallen›) oder psychische Widerstandsfähigkeit ist die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und durch Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen als Anlass für Entwicklungen zu nutzen. Mit Resilienz verwandt sind Entstehung von Gesundheit (Salutogenese), Widerstandsfähigkeit (Hardiness), Bewältigungsstrategie (Coping) und Selbsterhaltung (Autopoiesis).»
Schutzfaktoren der Resilienz
Wie resilient ein Mensch später durchs Leben geht, wird bereits in der Kindheit geprägt. Die Forschung zeigt, dass Schutz-respektive Resilienzfaktoren begründet sind im Individuum, in der Familie und im Umfeld.
Individuum: Resiliente Kinder wirken bereits früh aktiv, angenehm, fröhlich, aufgeschlossen und gesellig, sind stolz auf sich und ihre Fähigkeiten (hohes Selbstwertgefühl) und trauen sich etwas (hohes Selbstwirksamkeits-Gefühl). Ausserdem sind sie hilfsbereit.
Familie: Typisch für resiliente Kinder sind Bezugspersonen mit hoher Stabilität und Kompetenz, die auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen. Resiliente Jungen haben Zugang zu meinem männlichen Identifikationsfigur, werden immer wieder ermutigt, ihre Gefühle zu zeigen, resiliente Mädchen haben oft Zugang zu einer unabhängigen und verlässlichen weiblichen Bezugsperson.
Umfeld: Hier fällt auf, dass resiliente Kinder sich auf Gleichaltrige oder Älter Bezugspersonen verlassen können, wenn sie Unterstützung suchen. Diese Personen dienen dann als positives Rollenmodell. Kurz das, was wir als stabiles Umfeld bezeichnen.
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Risikofaktoren der Resilienz
Daraus folgt umgekehrt, dass der Aufbau von Resilienz im Kindesalter behindert wird durch sogenannte Vulnerabilitätsfaktoren wie Chromosomenanomalien, chronische Erkrankungen, schwierige Temperamentsmerkmale, unsichere Bindungsorganisation, geringe kognitive Fertigkeiten einerseits und andrerseits durch Risikofaktoren wie niedriger sozioökonomischer Status, psychische Erkrankung eines Elternteils, bildungsfernes Elternhaus, Erziehungsdefizit, häufige Umzüge.
Kann man Widerstandsfähigkeit trainieren?
Das alles hört sich so an, wie wenn der Grad der persönlichen Widerstandsfähigkeit einfach Schicksal wäre – je nach Elternhaus hat man halt einfach Pech gehabt. Glücklicherweise ist dem nicht so. Resilienz lässt sich auch als Erwachsener durchaus trainieren, man ist also nicht einfach Opfer unglückseliger Umstände oder braucht es jedenfalls nicht zu bleiben. Man kann tatsächlich jeden einzelnen Faktor, die zusammen die Resilienz ausmachen, einzeln trainieren. Nicht dass dies besonders leicht wäre, aber es ist möglich. Die Forschung hat 7 relevante Elemente herausgearbeitet, die sogenannten «Sieben Säulen der Resilienz».
Die sieben Säulen der Resilienz
Ich kann also auch als 40-, 50- oder 60-jähriger Mensch durchaus noch resilienter werden, als ich im Moment bin, indem ich diese sieben Fähigkeiten trainiere.
- Emotions-Steuerung (ich bin nicht Sklave meiner Gefühle)
- Impulskontrolle (Ich kann mich selbst regulieren)
- Selbstwirksamkeits-Überzeugung (Ich kann das!)
- Empathie (ich spüre die Welt)
- Realistischer Optimismus (vieles ist möglich)
- Zielgerichtetheit (ich weiss was ich will)
- Analytisches Denken (ich kann Probleme durchdacht angehen)
Ihre Coachs in diesen sieben Fähigkeiten voranzubringen, ist ein wichtiger Teilaspekt der Arbeit als Top Management Coach.
Voraussetzungen
Allerdings müssen dazu einige Voraussetzungen erfüllt sein:
- Ich muss erkennen, dass es da für mich noch was zu lernen gibt.
- Ich muss glauben, dass ich noch veränderbar bin.
- Ich muss meinen Willen zur Veränderung mobilisieren.
- Ich muss mir Trainingseinheiten ausdenken.
- Ich muss die Zeit für dieses Lernfeld in meinem Leben freischaufeln.
Checkliste
- Reflektieren Sie Ihre aktuellen Emotionen und üben Sie deren bewusste Steuerung.
- Trainieren Sie die Impulskontrolle, indem Sie vor Reaktionen kurz innehalten.
- Stärken Sie Ihre Selbstwirksamkeits-Überzeugung durch kleine, erfolgreiche Schritte.
- Entwickeln Sie Empathie, indem Sie aktiv die Perspektive anderer einnehmen.
- Formulieren Sie einen realistischen Optimismus, der Chancen erkennt, ohne Probleme zu ignorieren.
- Setzen Sie klare, erreichbare Ziele und verfolgen Sie diese konsequent.
- Analysieren Sie Probleme strukturiert, statt sie emotional zu überlagern.
Gibt es resiliente Unternehmen?
Zum Schluss noch die Frage: gibt es resiliente Organisationen? Ich denke ja: zum Beispiel sogenannte «intakte Familien» oder verschworene Sportmannschaften.
Gibt es auch resiliente Unternehmen? Mit Sicherheit, und es braucht auch resiliente Unternehmen, denn auf ein heutiges Unternehmen kommen immer schneller immer grössere Herausforderungen (Veränderungen, strategische Umbrüche) zu, die nur mit einer gewissen organisationalen Resilienz bewältigt werden können.
Die entsteht allerdings nicht von selbst, sondern muss bewusst geschaffen werden.
Eine kulturelle Leistung
Das ist in erster Linie eine kulturelle Leistung, denn Resilienz im Unternehmen ist grösstenteils nichts anderes als die Resilienz der Menschen in diesem Unternehmen.
Was das Unternehmen als Ganzes dafür tun kann, ist bestimmte Werte-Haltungen verbindlich zu machen:
- Diversität: Vielfalt der Meinungen
- Einfallsreichtum: Nutze das Vorhandene
- Antizipation: Höre auf leise Signale
- Ausdauer: Marathonqualitäten
Auf der systemisch-organisationalen Seite kann das Unternehmen für robuste (und das sind meist einfache) Strukturen sorgen, verbunden mit einem hohen Identifizierungsangebot.
FAQ: Widerstandsfähigkeit
Kann man Resilienz auch im Erwachsenenalter noch lernen?
Ja, Resilienz ist kein feststehendes Schicksal. Die Forschung zeigt, dass die sieben Säulen der Widerstandsfähigkeit auch bei Erwachsenen trainiert und verbessert werden können.
Welche Rolle spielt die Kindheit für die Resilienz?
Die Kindheit prägt die Grundlage durch Schutzfaktoren wie stabile Bezugspersonen, ein positives Selbstwertgefühl und ein unterstützendes Umfeld. Fehlende Faktoren können jedoch später durch Training ausgeglichen werden.
Was sind die sieben Säulen der Resilienz?
Die sieben Säulen umfassen: Emotionssteuerung, Impulskontrolle, Selbstwirksamkeits-Überzeugung, Empathie, realistischen Optimismus, Zielgerichtetheit und analytisches Denken.
Wie können Unternehmen resilienter werden?
Unternehmen müssen Resilienz als kulturelle Leistung verstehen, indem sie Werte wie Diversität, Einfallsreichtum, Antizipation und Ausdauer verbindlich machen und robuste Strukturen schaffen.
Was sind typische Risikofaktoren für eine geringe Resilienz?
Risikofaktoren umfassen unter anderem chronische Erkrankungen, unsichere Bindungen, niedrigen sozioökonomischen Status, psychische Erkrankungen in der Familie sowie Erziehungsdefizite.