Organisationsform: Ist Ihr Betrieb richtig aufgestellt?
Inhalt
KURZ ZUSAMMENGEFASST
Die Wahl der Organisationsform ist entscheidend für die Effizienz und Skalierbarkeit eines Unternehmens. Während flache Hierarchien in kleinen Betrieben üblich sind, erfordern wachsende KMU strukturierte Abläufe, um Aufgaben klar zuzuordnen und die Führungskraft zu entlasten. Je nach Geschäftszweck, Produktprogramm und Mitarbeiterzahl eignen sich funktionale, spartenbezogene oder projektbezogene Modelle unterschiedlich gut.
Die wichtigsten Punkte:
- Die Organisationsform muss zum Geschäftszweck und der Unternehmensgrösse passen.
- Kleine Unternehmen (bis 30 Mitarbeitende) profitieren oft von funktionalen Strukturen.
- Spartenbezogene Modelle sind bei heterogenen Produkten und ab ca. 100 Mitarbeitenden sinnvoll.
- Klare Abgrenzung von Aufgaben und Kompetenzen ist Voraussetzung für Effizienz.
- Projektbezogene Formen eignen sich besonders für komplexe, kundenorientierte Aufträge.

Passende Arbeitshilfen
Wie finde ich die richtige Organisationsform für mein Schweizer KMU?
Die richtige Organisationsform finden
Grundsätzlich bildet sich ein Unternehmen aus einer Geschäftsleitung und untergeordneten Stellen bzw. Abteilungen.
Dabei bestehen verschiedene Möglichkeiten, wie die einzelnen Stellen bzw. Abteilungen abgegrenzt und zugeordnet werden sollen. Es kann nach:
- Funktionen,
- Regionen,
- Produkten,
- Märkten,
- aber auch nach Projekten
abgegrenzt werden. Entscheidend für die Wahl einer geeigneten Organisationsform ist der Geschäftszweck bzw. die Hauptaufgaben des Unternehmens. Grundsätzlich kann von vier Grundstrukturen ausgegangen werden, die aber entsprechend den Unternehmensbedürfnissen im Detail angepasst werden können.
Vorgehensweise zur Gestaltung
Für das Auffinden einer geeigneten Organisationsform ist eine Vorgehensweise in folgenden Phasen sinnvoll:
- Definition des grundsätzlichen Unternehmenszweckes bzw. der Grundaufgabe des Unternehmens
- Aufsplittung der Grundaufgabe in Teilaufgaben
- Zusammenführung der Teilaufgaben zu sinnvollen Aufgabenpaketen
- Zuordnung dieser Aufgabenpakete zu Stellen bzw. Abteilungen
Funktionale Organisation
Die funktionale Organisationsform stellt die klassische Gliederungsform dar. Dabei werden Stellen und Abteilungen mit gleichen Aufgaben zusammengefasst.
Die Vorteile sind:
- Spezialisierung auf bestimmte Aufgaben ist möglich.
- Die Synergien sind gross.
- Die Mitarbeiter können optimal den Anforderungen und Qualifikation entsprechend eingesetzt werden.
Die Nachteile einer derartigen Unternehmensform sind:
- Bei Personalausfall entstehen Schwachstellen.
- Geringe, marktorientierte Flexibilität.
- Bei einem stark veränderlichen Umfeld gelangt diese Form an ihre Grenzen.
Eine funktional- bzw. aufgabenorientierte Organisationsform können Sie dann einrichten, wenn Ihr Unternehmen:
- klein und gut überschaubar ist (bis zu 30 Mitarbeiter)
- wenn das Unternehmen gut koordinierbar ist
- wenn die Aufgaben gut aufteil- und zuordbar sind
- wenn eine starke Spezialisierung sinnvoll ist
- wenn Sie über ein enges Produkte-/Leistungsprogramm verfügen
- wenn eine klar abgrenzbare Zielgruppe bearbeitet wird
- wenn eine möglichst hohe Rationalität erreicht werden soll
- wenn die regionale Verbreitung relativ gering ist
Je stärker diese Aussagen für einen Betrieb zutreffen, desto eher ist er für diese Organisationsform geeignet.
Checkliste
- Haben Sie den grundsätzlichen Unternehmenszweck klar definiert?
- Sind die Grundaufgaben in überschaubare Teilaufgaben gesplittet?
- Werden Teilaufgaben logisch zu sinnvollen Aufgabenpaketen zusammengeführt?
- Sind Aufgabenpakete eindeutig Stellen oder Abteilungen zugeordnet?
- Ist die aktuelle Struktur noch skalierbar bei weiterem Wachstum?
- Existieren klare Verantwortungs- und Kompetenzbereiche?
- Sind Synergien zwischen Abteilungen optimal genutzt?
- Gibt es bei Personalausfall kritische Schwachstellen?
- Ist die Koordination zwischen verschiedenen Bereichen gewährleistet?
- Passt die Organisationsform zu den Anforderungen des Marktes?
Objekt- bzw. spartenbezogene Organisationsform
Bei der spartenorientierten Organisationsform wird das Unternehmen nach Produkten, Produktgruppen bzw. Leistungen aufgebaut. Die gebildeten Bereiche sind dann selbständig für die Entwicklung, Beschaffung, Marketing usw. für ihr Produkteprogramm zuständig. Dies setzt eine Mindestgrösse (ca. ab 100 Mitarbeiter) voraus, damit nicht zu viele Doppelspurigkeiten entstehen.
Diese Organisationsform bietet folgende Vorteile:
- Wenn spezifische Markt- bzw. Produktkenntnisse notwendig sind, kann eine klare Zuordnung erfolgen.
- Klare Zuordnung von Produkt- bzw. Marktverantwortung an den Spartenleiter ist möglich.
- Es können direkte produkt- bzw. marktspezifische Ziele formuliert werden.
- Es entstehen mehr Allrounder im Unternehmen.
- Mehr Arbeitsabwechslung für die einzelnen Mitarbeiter.
Die Nachteile sind:
- Doppelspurigkeiten vor allem im administrativen Bereich sind möglich.
- Die Koordination zwischen den einzelnen Bereichen wird erschwert.
Sinnvoll ist diese Organisationsform dann,
- wenn unterschiedliche Märkte bedient werden,
- wenn ein heterogenes Produkte-/Leistungsprogramm angeboten wird,
- wenn es sinnvoll ist, unterschiedliche Marketing- und Verkaufsabteilungen einzurichten,
- wenn verschiedene Massnahmen, Mittel und Ressourcen eingesetzt werden müssen,
- wenn an die Mitarbeiter unterschiedliche Qualifikationsanforderungen gestellt werden müssen,
- wenn die finanziellen Mittel zur Einrichtung von Doppelfunktionen vorhanden sind.
Projektbezogene Organisationsform
Diese Form ist vor allem bei Unternehmen in der Mediabranche häufig. Dabei geht es vor allem darum, kundenorientierte, komplexe und herausfordernde Projekte möglichst effizient und zielorientiert abzuwickeln. Dabei werden die einzelnen Abteilungen nach den verschiedenen Projektarten zusammengefasst und die entsprechenden Spezialisten zugeordnet.
FAQ: Organisationsform
Wann sollte ein KMU von einer flachen Hierarchie zu einer strukturierten Organisationsform wechseln?
Ein Wechsel ist notwendig, sobald der Geschäftsführer nicht mehr alle Mitarbeitenden direkt überblicken kann und Führungsaufgaben delegiert werden müssen. Dies geschieht typischerweise mit zunehmender Unternehmensgrösse, um Effizienz und Effektivität zu sichern.
Welche Organisationsform eignet sich für Unternehmen mit bis zu 30 Mitarbeitenden?
Für kleine, gut überschaubare Unternehmen mit einem engen Produktprogramm ist die funktionale Organisationsform am besten geeignet. Sie ermöglicht Spezialisierung und hohe Synergien bei klarer Aufgabenverteilung.
Was sind die Hauptvorteile einer spartenbezogenen Organisationsform?
Diese Form ermöglicht eine klare Zuordnung von Produkt- oder Marktverantwortung, fördert Allrounder im Unternehmen und erlaubt die Formulierung direkter, produktspezifischer Ziele. Sie ist ideal bei heterogenen Produktprogrammen.
Wann ist eine projektbezogene Organisationsform sinnvoll?
Diese Form ist besonders bei Unternehmen mit komplexen, kundenorientierten Projekten vorteilhaft, wie etwa in der Mediabranche. Spezialisten werden projektspezifisch zugeordnet, um Aufträge effizient und zielorientiert abzuwickeln.