12.04.2016

Hilflosenentschädigung IV: Diese Anspruchsvoraussetzungen müssen erfüllt sein

Invalide, die hilflos sind, haben unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie sich die Schwere der Hilflosigkeit auf die Entschädigungszahlung auswirkt.

Von: René Mettler   Drucken Teilen   Kommentieren  

René Mettler, eidg. dipl. Versicherungsfachmann

René Mettler arbeitet nach über zwanzigjähriger Erfahrung in den Schadenabteilungen von Versicherungsgesellschaften und nach seiner Tätigkeit als Geschäftsführer des Schleudertrauma-Verbandes seit 2002 als selbständiger Berater für verunfallte und erkrankte Personen in Versicherungs- und Leistungsfällen. Er ist in den Bereichen Haftpflicht-, Versicherungs- und Sozialversicherungsrecht Dozent an verschiedenen Schulen/Fachhochschulen.

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Hilflosenentschädigung-IV

Grundlagen

Hilflosigkeit setzt voraus, dass die versicherte Person für die täglichen Lebensverrichtungen wie:

  • Aufstehen/Absitzen/Abliegen (inkl. ins Bett gehen oder das Bett verlassen);
  • Essen;
  • Körperpflege (waschen, kämmen, rasieren, Zahnpflege, baden, duschen usw.);
  • Verrichten der Notdurft;
  • Fortbewegung (im oder ausser Haus);
  • Pflege der gesellschaftlichen Kontakte;

regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und/oder überdies

  • der dauernden Pflege; oder
  • der dauernden persönlichen Überwachung bedarf.

Im Weiteren wird als hilflos im Sinne der Hilflosenentschädigung der IV bezeichnet, wenn  eine volljährige Person ausserhalb eines Heimes lebt und infolge Invalidität:

ohne Begleitung einer Drittperson nicht selbstständig wohnen kann; oder für Verrichtungen und Kontakte ausserhalb der Wohnung auf Begleitung einer Drittperson angewiesen ist; oder ernsthaft gefährdet ist, sich dauernd von der Aussenwelt zu isolieren.

Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung besteht nur, wenn nicht gleichzeitig eine Hilflosenentschädigung aus der obligatorischen Unfallversicherung gemäss UVG oder von der Militärversicherung ausgerichtet wird. Die von der IV gewährte Hilflosenentschädigung wird bei Erreichen der AHV-Altersgrenze weiter ausgerichtet (Besitzstand), und zwar so lange, als die Voraussetzungen dafür gegeben sind.

Bemessung der Hilflosenentschädigung IV

Die Hilflosenentschädigung bemisst sich nach der Dauer und dem Umfang der notwendigen Hilfe oder persönlichen Überwachung des AHV-Rentners.

Leichte Hilflosigkeit setzt voraus, dass die versicherte Person:

  • in mindestens zwei der erwähnten Lebensverrichtungen regelmässig und in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist;
  • oder einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf;
  • oder infolge des Leidens ständiger und besonders aufwändiger Pflege bedarf;
  • oder wegen einer schweren Sinnesschädigung oder eines schweren körperlichen Leidens nur dank regelmässiger Dienstleistung Dritter gesellschaftliche Kontakte pflegen kann.

Eine Hilflosenentschädigung leichten Grades wird auch ausgerichtet, wenn die versicherte Person:

  • ohne Begleitung einer Drittperson nicht selbstständig wohnen kann; oder:
  • für Verrichtungen und Kontakte ausserhalb der Wohnung auf Begleitung einer Drittperson angewiesen ist; oder:
  • ernsthaft gefährdet ist, sich dauernd von der Aussenwelt zu isolieren.

Mittelschwere Hilflosigkeit setzt voraus, dass die versicherte Person

  • in zwei alltäglichen Verrichtungen auf Hilfe Dritter angewiesen und dauernde Überwachung nötig; oder
  • keine Überwachung, aber in vier Bereichen der Lebensverrichtungen auf die Hilfe Dritter angewiesen;
  • oder in mindestens zwei alltäglichen Verrichtungen auf die Hilfe Dritter angewiesen und überdies auf lebenspraktische Begleitung angewiesen ist.

Schwere Hilflosigkeit voraus, dass die versicherte Person

  • in sämtlichen Lebensverrichtungen auf die Hilfe Dritter angewiesen und dauernde Überwachung oder Pflege nötig;
  • oder an Taubblindheit oder Taubheit mit hochgradiger Sehschwäche leidet.

Schadenminderungspflicht

Die betroffene Person ist verpflichtet geeignete und zumutbare Massnahmen zu treffen, um ihre Selbstständigkeit zu erhalten (z.B. der Behinderung angepasste Kleidung, Hilfsmittel, Vorrichtungen). Unterlässt sie dies, kann die entsprechende Hilfe bei der Bemessung der Hilflosigkeit nicht berücksichtigt werden.

Ansätze für die Hilflosenentschädigung

Hilflosenentschädigung IV für zu Hause lebende Personen

Grad
Entschädigung pro Monat
leichte Hilflosigkeit CHF 470.–
mittelschwere Hilflosigkeit CHF 1'175.–
schwere Hilflosigkeit CHF 1’880.–
Hilflosenentschädigung IV für im Heim lebende Personen

Grad
Entschädigung pro Monat
leichte Hilflosigkeit CHF 118.–
mittelschwere Hilflosigkeit CHF 294.–
schwere Hilflosigkeit CHF 470.–
Hilflosenentschädigung AHV für im Heim oder zu Hause lebende Personen
GradEntschädigung pro Monat
leichte Hilflosigkeit (nur zu Hause) CHF 235.–
mittelschwere Hilflosigkeit CHF 588.–

schwere Hilflosigkeit

CHF 940.-

 Hilflosenentschädigung IV für Minderjährige

Bei hilflosen Minderjährigen leistet die IV einen Beitrag an die Pflege. Leistungen sind bereits ab Geburt möglich. Kein Anspruch auf Hilflosenentschädigung besteht, wenn die IV einen Aufenthalt in einer Sonderschule oder eine Eingliederungsmassnahmen in einer Institution bezahlt (nur Anwesenheitstage zu Hause werden bezahlt). Anspruch besteht, wenn Minderjährige wegen ihrer Behinderung im Vergleich zu gleichaltrigen gesunden Kindern für die alltäglichen Lebensverrichtungen (An-/Auskleiden, Essen, Körperpflege usw.) dauernd auf die Hilfe anderer Personen angewiesen sind oder einer dauernden Pflege oder persönlichen Überwachung bedürfen. Sie wird pro Tag entschädigt.

 

Hilflosenentschädigung für Minderjährige
GradEntschädigung pro Tag
leichte Hilflosigkeit (nur zu Hause)CHF 15.70
mittelschwere HilflosigkeitCHF 39.20
schwere HilflosigkeitCHF 62.70

Wenn ein Kind auf vermehrte Pflege oder Überwachung angewiesen ist, kann zusätzlich zur Hilflosenentschädigung für Minderjährige ein Intensivpflegezuschlag ausgerichtet werden. Es muss jedoch Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung bestehen. Ausserdem wird der Intensivpflegezuschlag nur bei Aufenthalt zu Hause ausgerichtet. Der Betreuungsaufwand muss im Vergleich zu Nichtbehinderten im Tagesdurchschnitt mind. 4 Stunden betragen und muss behinderungsbedingt notwendig sein. Der Intensivpflegezuschlag wird in drei Grade nach dem behinderungsbedingten zeitlichen Mehraufwand abgestuft.

 

Aufenthalt zu Hause
mind. 4 StundenCHF 470.-/Monat
mind. 6 StundenCHF 940.-/Monat
mind. 8 StundenCHF 1410.-/Monat

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