Pensionierung: Rechtzeitig vorsorgen
KURZ ZUSAMMENGEFASST
Der Schlüssel zu einer gelingenden Pensionierung liegt nicht primär in der Maximierung des Ersatzeinkommens, sondern in der präzisen Analyse der zukünftigen Ausgabensituation. Ein korrekt ermitteltes Budget, das die Inflation berücksichtigt, bildet die Basis, um Budgetdefizite zwischen 65 und 75 Jahren zu identifizieren. Anstatt langfristiges Renteneinkommen künstlich zu erzwingen, ist die Bereitstellung von Liquidität in dieser Phase entscheidend, wobei Vermögenswerte, die erst später benötigt werden, als Sachwerte angelegt werden können.
Die wichtigsten Punkte:
- Klarheit über jährliche Budgetdefizite nach der Pensionierung schaffen.
- Liquidität für die ersten 10 bis 15 Jahre im Ruhestand priorisieren.
- Inflation zwingend in die Budgetplanung einbeziehen.
- Sachwerte langfristig zurückstellen, Cash für den unmittelbaren Bedarf halten.
- Steueroptimierung durch Pensionskassen-Einkäufe vor und Renovationen nach der Pensionierung nutzen.

Passende Arbeitshilfen
Wie plane ich meine Pensionierung finanziell und steuerlich optimal in der Schweiz?
Nicht die Einnahmensituation – die Ausgabensituation ist der Schlüssel zur gelingenden Pensionierung
Ja, das Ersatzeinkommen sinkt mit der Pensionierung – und dies in jedem Fall. Darum ist der Kunde vielfach auf diesen Sachverhalt fokussiert. Selbstverständlich kann er gerade die sinkenden Umwandlungssätze mit Einkäufen etwas kompensieren. Besser ist es jedoch, Klarheit zu bekommen, wie hoch die jährlichen Budgetdefizite ab Pensionierung sind. Anhand dieser Kennzahl kann (bei frühzeitiger Planung) sowohl die Steueroptimierung mit Pensionskassen-Einkäufen – als auch – kombiniert mit einem Teilkapitalbezug (Achtung: Sperrfrist drei Jahre) elegant Vermögen sicher und ertragreich angelegt werden. Mit dem Teilkapitalbezug können die Budgetdefizite in der wichtigen (weil in der Regel gesundheitlich problemlosen) Zeit zwischen 65 und 75 bequem finanziert werden. Die Bereitstellung von genügend Liquidität in diesen Jahren nach der Pensionierung ist wichtiger, als ein etwas höheres langfristiges Renteneinkommen zu erzwingen. Der Schlüssel, um die Defizitsituation zu eruieren, ist ein korrekt errechnetes Budget. Dabei ist es ein Fehler, von einem Budget vor und nach Pensionierung sprechen zu wollen. Die Ausgaben (mit Ausnahme der 3a-Beiträge) werden beim rüstigen Rentner noch während zehn bis 15 Jahren kaum sinken.
Heute gehört zudem in das Budget zwingend auch die Einrechnung der Inflation. Mit anderen Worten: Die Bereitstellung einer genügenden Liquidität ist zentral für die Pensionierung. Liquidität ist – das Wort sagt es – nicht zu verwechseln mit Investitionen in Finanzprodukte mit mehrjähriger Laufzeit oder einem (aus Risikosicht) benötigten mehrjährigen Anlagehorizont (was auf dasselbe hinausläuft). Liquidität ist also ganz einfach Cash. Vermögensbestandteile, welche in den nächsten zehn bis 15 Jahren nicht gebraucht werden, können gerne als Sachwerte längerfristig zurückgestellt werden.
Leichter werden und loslassen
Auch die selbst bewohnte Liegenschaft ist Vermögen. Hier sind jedoch Herr und Frau Schweizer erstaunlicherweise ohne Weiteres bereit, diesen (meistens grössten Aktivposten) möglichst schnell den Kindern weiterzugeben. Dabei wollen (so behaupte ich mal) die meisten Kinder diese Liegenschaft gar nicht, weil sie den eigenen Lebensmittelpunkt und ihren Lebensinhalt anderweitig organisiert haben.
Leider steht einer Weitergabe mit dem Institut der Nutzniessung eine scheinbar einfache Lösung zur Verfügung. Das Eigentum geht auf die Kinder über, und alles andere bleibt beim Nutzniesser (= Eltern), wie Hypotheken, Liegenschaftsunterhalt, Eigenmietwert und Steuern. Für die Kinder ist dies kurzfristig sehr praktisch, weil sie sich nicht darum kümmern müssen (weil einzig im Grundbuch eingetragen). Konflikte sind in einer solchen Eigentums- und Besitzesform aber meistens vorprogrammiert. Wer entscheidet nun über die Renovation? Wie hat die neue Küche auszusehen? Und wehe die rüstigen Eltern möchten nach ein paar Jahren in eine kleinere Attika- Wohnung umziehen! Das Eigenkapital in der Liegenschaft bleibt blockiert. Beim Alters- und Pflegefall kann die Höhe des Verzichtsvermögens zu Konflikten mit den Ergänzungsleistungen führen, weil die Nutzniessung von der EL als Einkommen angerechnet wird.
Checkliste
- Erstellen Sie ein detailliertes Budget für die Jahre nach der Pensionierung unter Einbezug der Inflation.
- Berechnen Sie das jährliche Budgetdefizit, um den benötigten Liquiditätsbedarf zu ermitteln.
- Nutzen Sie die Sperrfrist von drei Jahren bei Teilkapitalbezügen für die Finanzplanung.
- Untersuchen Sie, ob eine Weitergabe der selbstbewohnten Liegenschaft an Kinder sinnvoll ist oder ein Verkauf besser passt.
- Vermeiden Sie die reine Nutzniessung-Regelung, um Konflikte und Probleme mit Ergänzungsleistungen zu verhindern.
- Planen Sie werterhaltende Renovationen nach der Pensionierung zur Steueroptimierung.
- Prüfen Sie, ob ein Erwerbseinkommen für weitere 3a-Beiträge nach der Pensionierung möglich ist.
- Trennen Sie Besitz und Eigentum klar, um den Familienfrieden zu wahren.
- Sorgen Sie für genügend Cash-Reserven, statt in langfristige Finanzprodukte zu investieren, die kurzfristig nicht verfügbar sind.
- Fragen Sie sich kritisch, ob alle geplanten Renovationen wirklich vor der Pensionierung abgeschlossen sein müssen.
Ein Verkauf (wenn an die Kinder gerne auch unter dem Verkehrswert) ist die saubere Lösung. Hier entscheidet sich nämlich, ob die Kinder wirklich interessiert sind. Oft wird dies kaum der Fall sein. Die (zu grosse) Liegenschaft kann somit auf dem Markt verkauft werden und den Kindern (wenn gewünscht und möglich) aus dem Erlös ein Anteil als Vorerbe gewährt werden. Der verbleibende Vermögensanteil bleibt in liquider Form den Eltern erhalten und erlaubt so manches. Besitz und Eigentum bleiben schön sauber getrennt – der Familienfrieden muss nicht strapaziert werden.
Steueroptimierung?
Das Thema Steuern bleibt gerade nach der Pensionierung weiterhin virulent. Obwohl das Ersatzeinkommen (BVG und AHV) in jedem Fall (deutlich) tiefer als das bisherige Einkommen ist, wird sich die Steuersituation kaum entspannen. Gewinnungskosten, Fahrabzüge, allg. Berufsauslagen, Kinderabzüge, AHV- und BVG-Abzüge sind nicht mehr möglich. Nicht zu vergessen die 3a-Abzüge, welche nur noch (bis 20%) eines allfälligen Nebenerwerbs abgezogen werden können. Damit 3a weiterhin abgezogen werden kann, ist ein Erwerbseinkommen zwingend. Wo verbleibt dann Optimierungspotenzial? Genau: Nur noch mit werterhaltenden Renovationen.
Hier stelle ich vielfach fest, dass viele Personen 55+ die Vorstellung haben, sie möchten vor der Pensionierung alle Renovationen fertiggestellt haben. Diese Vorstellung soll hinterfragt werden. Warum diese Renovationen nicht nach der Pensionierung schrittweise durchführen? Man hat Zeit, die Arbeiten zu beaufsichtigen, kann vielleicht noch selbst Hand anlegen und vor allem über einige Jahre etwas Steuern sparen. Für Steueroptimierung gilt ganz generell: vor der Pensionierung via Pensionskasse, nach der Pensionierung mit dem Liegenschaftsunterhalt.
FAQ: Pensionierung
Warum ist Liquidität nach der Pensionierung wichtiger als ein höheres Renteneinkommen?
Liquidität ist in den ersten 10 bis 15 Jahren nach der Pensionierung entscheidend, da die Ausgaben in dieser gesunden Phase oft hoch bleiben. Ein höheres langfristiges Renteneinkommen ist weniger relevant, wenn kurzfristige Budgetdefizite nicht gedeckt werden können. Cash ermöglicht Flexibilität und vermeidet Zwangsverkäufe von Sachwerten.
Sollte die selbstbewohnte Liegenschaft an die Kinder übergeben werden?
Eine direkte Weitergabe, insbesondere mit der Institution der Nutzniessung, führt oft zu Konflikten und blockiert das Eigenkapital. Ein Verkauf ist meist die sauberere Lösung, da er klärt, ob die Kinder die Immobilie wirklich wollen, und den Eltern liquide Mittel für den Lebensunterhalt erhält.
Wie kann ich meine Steuern nach der Pensionierung optimieren?
Nach der Pensionierung stehen weniger Abzüge zur Verfügung. Das grösste Potenzial liegt in werterhaltenden Renovationen, die schrittweise nach der Pensionierung durchgeführt werden sollten. Vor der Pensionierung sollte hingegen auf Pensionskassen-Einkäufe gesetzt werden.
Was passiert mit der Nutzniessung bei der Ergänzungsleistung?
Die Nutzniessung wird von der Ergänzungsleistung (EL) als Einkommen angerechnet. Dies kann im Alters- und Pflegefall zu Konflikten führen, da der Verzicht auf das Eigentum nicht automatisch den Bedarf an EL mindert, wenn die Eltern weiterhin als Nutzniesser gelten.
Ist ein Teilkapitalbezug aus der Pensionskasse sinnvoll?
Ja, ein Teilkapitalbezug kann genutzt werden, um die Budgetdefizite in den ersten Jahren nach der Pensionierung elegant zu finanzieren. Dabei ist jedoch die Sperrfrist von drei Jahren zu beachten, und das Kapital sollte sicher und ertragreich angelegt werden.