05.01.2016

Pensionierung: Rechtzeitig vorsorgen

Sich über die Pensionierung Gedanken zu machen, bevor das Rentenalter näher rückt, lohnt sich. Vielen Arbeitnehmern bleibt bei der Vorsorgeplanung jedoch nur wenig Spielraum. Der Beitrag befasst sich damit, warum es sinnvoll ist, rechtzeitig vorzusorgen.

Von: René Mettler   Drucken Teilen   Kommentieren  

René Mettler, eidg. dipl. Versicherungsfachmann

René Mettler arbeitet nach über zwanzigjähriger Erfahrung in den Schadenabteilungen von Versicherungsgesellschaften und nach seiner Tätigkeit als Geschäftsführer des Schleudertrauma-Verbandes seit 2002 als selbständiger Berater für verunfallte und erkrankte Personen in Versicherungs- und Leistungsfällen. Er ist in den Bereichen Haftpflicht-, Versicherungs- und Sozialversicherungsrecht Dozent an verschiedenen Schulen/Fachhochschulen.

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Pensionierung

Weg von den sorglosen Zeiten

Die sorglosen Kindheits- und Lehrzeiten führen in den zweiten Lebensabschnitt, die Erwerbstätigkeit, verbunden mit der Aufgabe, für Ein- und Auskommen selber zu sorgen. Rund vier Jahrzehnte später folgt der dritte Lebensabschnitt, der wohlverdiente Ruhestand. Unser Drei-Säulenprinzip folgt diesem Aufbau: 18 bis 25 Jahre dauert es bis zum Eintritt ins Erwerbsleben und ab Mitte 60 erhalten wir Altersleistungen, die das Erwerbseinkommen teilweise ersetzen. Dieses Verhältnis hat sich in den letzten Jahren allerdings merklich verschoben. Die Ausbildung dauert tendenziell länger und die Zeit des Ruhestandes verlängert sich durch die Zunahme der statistischen Lebenserwartung.

Überalterung belastet Vorsorge

Der demografische Wandel birgt für die ersten zwei Säulen Gefahren für die Finanzierung künftiger Altersleistungen. Weniger Erwerbsjahren stehen künftig immer mehr Ruhestandsjahre gegenüber. Hinzu kommt, dass es heute praktisch keine Arbeitsstellen mehr gibt, die eine Beschäftigung bis zum Rentenalter ermöglichen. Arbeitssuchende über 50 Jahren gehören bereits zum älteren Eisen und haben es entsprechend schwer, nach einem Stellenverlust einen neuen Arbeitgeber zu finden. Das kann nach der Halbzeit der vorgesehenen Erwerbsdauer zu massiven Einbussen bei den Altersleistungen führen. Es fehlen aber dadurch auch wichtige Beitragszahlungen bei den Sozialversicherungen von Personen im einkommensträchtigen Alter.

Flexible Lösungen sind gefragt bei der Pensionierung

Die erste Säule (AHV) kennt die Möglichkeit einer vorzeitigen Pensionierung um ein oder zwei Jahre. In der zweiten Säule (BVG) kann gar eine vorzeitige Pensionierung ab 58 Jahren vorgesehen sein. Beide Säulen kennen auch den Aufschub bis zum Alter von 70 Jahren. Ähnliches gilt in der gebundenen Vorsorge (Säule 3a), wobei das Kapital fünf Jahre vor Erreichen des AHV-Alters oder (bei Erwerbstätigkeit) bis zum Alter von 70 Jahren bezogen werden kann. Das Reglement der Vorsorgeeinrichtung kann auch einen stufenweisen Altersrücktritt vorsehen. Ein solcher verhindert den Pensionierungsschock, von einem Tag auf den anderen am Arbeitsplatz nicht mehr gebraucht zu werden, und die meist jahrzehntelangen sozialen Kontakte dort aufzugeben.

Von all diesen vorgesehenen Lösungen können aus finanziellen Gründen vor allem Kadermitarbeiter oder Mitarbeitende des Finanzsektors profitieren, während sich der durchschnittliche Schweizer eine vorzeitige Pensionierung kaum leisten kann.

Nur wenige haben die freie Wahl

Der Zeitpunkt der Erwerbsaufgabe hängt sehr stark von der individuellen Situation jedes Einzelnen ab. Im Idealfall kann der Erwerbstätige den Zeitpunkt frei wählen und seinen Ruhestand in finanzieller Unabhängigkeit geniessen. Dies ist aber nur selten der Fall. Am einfachsten haben es Selbständigerwerbende, welche frei über den Zeitpunkt der Aufgabe ihrer Erwerbstätigkeit entscheiden können. Häufig führen sie aber ihre Erwerbstätigkeit über das AHV-Alter hinaus weiter, um ihre oft bescheidenen Altersleistungen aufzubessern. Nicht zuletzt deshalb sind 45 Prozent der Erwerbstätigen im AHV-Alter Selbständigerwerbende. Mit eingerechnet sind dabei allerdings auch Personen, die kurz vor oder nach der Pensionierung eine selbständige Erwerbstätigkeit aufnehmen.

Ein vorzeitiger Altersrücktritt ist immer mit Kürzungen der Altersleistungen verbunden. Je tiefer das Einkommen und die entsprechenden Altersleistungen, desto eher ist der Erwerbstätige gezwungen, seine Erwerbstätigkeit aufrechtzuerhalten. Verliert er vorzeitig seine Arbeitsstelle, wird er auf Arbeitslosenentschädigung angewiesen sein. Auch Wohneigentümer sind durch die Verpfändung der Ansprüche aus der zweiten oder dritten Säule an den Hypothekargeber nur selten in der Lage, die Erwerbstätigkeit vorzeitig aufzugeben. Wer geringe Ansprüche auf Leistungen der Altersvorsorge hat, ist deshalb häufig gezwungen, seine Erwerbstätigkeit über das AHV-Rentenalter hinaus fortzusetzen. Eine freiwillige Fortsetzung der Erwerbstätigkeit wünschen sich aber zunehmend auch vermögendere Altersrentner. Sie sind beruflich zu fit, um ihr Know-how einfach nur mit auf Reisen mitzunehmen. Eine aktuelle Umfrage des international tätigen Personaldienstleisters Kelly Services hat ergeben, dass 51 Prozent der Senioren weiterarbeiten möchte, aber nur 22 Prozent davon überzeugt sind, auch eine Weiterbeschäftigung zu finden.

Kosten häufig unterschätzt

Die anfallenden Kosten im Ruhestand sind oft höher als erwartet. Viele Arbeitnehmer sind sich nicht bewusst, dass Krankenkassenprämien und Miet- oder Hypothekarzinsen auch nach der Pensionierung anfallen. Häufig überrascht sind Altersrentner auch von der steuerlichen Belastung. Rentenleistungen müssen zu 100 Prozent als Einkommen versteuert werden. Auch wenn das Renteneinkommen tiefer ist als das frühere Erwerbseinkommen, zeigt die Tatsache, dass Abzüge kaum mehr möglich sind, ihre Wirkung.

Bei der Planung der Pensionierung empfiehlt es sich, wie in jeder anderen Lebenslage auch, ein möglichst genaues und vor allem realistisches Budget zu erstellen. Gespart werden kann nach Eintritt in den dritten Lebensabschnitt nämlich kaum mehr. Verzichtet man auf dies oder jenes, bringt dies kaum mehr neues Kapital, sondern verzögert nur den Verzehr des angesparten Vermögens. Trügerisch ist auch die Meinung von Wohneigentümern, bei Bedarf könne die Hypothek erhöht werden. Das ist nur möglich, wenn das Renteneinkommen bei einer neuen Tragbarkeitsrechnung durch den Hypothekargeber ausreicht, auch künftig die Hypothekarzinsen zu finanzieren und Rückstellungen für den Unterhalt der Liegenschaft vorzunehmen, damit das Wohneigentum auch künftig nicht an Wert verliert.

Renten- oder Kapitalbezug?

Manche Vorsorgenehmer bevorzugen in Anbetracht der Turbulenzen auf den Kapitalmärkten und in einzelnen Vorsorgeeinrichtungen den Kapitalbezug gegenüber dem Rentenbezug. Dieser Wunsch ist nachvollziehbar, lässt sich damit doch vermeiden, dass man allfällige künftige Sanierungsmassnahmen der beruflichen Vorsorge am eigenen Leib zu spüren bekommt. Ein Bezug des gesamten Kapitals ist allerdings nur möglich, wenn das Reglement der Vorsorgeeinrichtung einen solchen vorsieht. Gesetzlich ist lediglich ein Kapitalbezug von einem Viertel des Altersguthabens möglich.

Zu beachten ist in diesem Zusammenhang auch die Frage, wie für die Liebsten vorgesorgt ist, wenn der Vorsorgenehmer nach der Pensionierung stirbt. Ein Bezug des Alterskapitals geht nämlich zulasten der Hinterbliebenen, während eine Rente diesen zu Gute kommt. Lediglich im Umfang der bezogenen Altersrenten – nicht aber des Alterskapitals – erhalten Ehegatten, eingetragene Partner und Kinder unter den entsprechenden Voraussetzungen Hinterlassenenleistungen aus der beruflichen Vorsorge des Verstorbenen.

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