Pensionsplanung: Planungssicherheit für Ihre finanzielle Zukunft

Wir werden viel älter, als wir erwarten – systematisch unterschätzen wir, wie stark sich unsere Lebenserwartung steigert, was dazu führt, dass die Pensionsplanung wegen fehlerhafter Annahmen nicht das Papier wert sind, auf dem sie gedruckt sind.

01.06.2026 Von: Reto Spring
Pensionsplanung

Einleitung

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen im Ferienflieger und hören die Ansage:« Ladies and Gentlemen – willkommen an Board zum Flug in Ihre längsten Ferien! Bei uns sind alle Extras umsonst – bezahlen werden das die künftigen Passagiere. Lehnen Sie sich daher zurück und geniessen Sie unseren Service. Wir machen Sie auf die üblichen Sicherheitsvorkehrungen aufmerksam: Rettungswesten befinden sich unter jedem zweiten Sitz. Der Autopilot weicht nicht jeder Gewitterzelle aus und trifft den Zielflughafen mit einer Quote von 50%. Aber bisher hat sich noch niemand beschwert, wie denn auch? Im Namen der Crash-Air danken wir Ihnen, dass Sie uns Ihr Leben anvertrauen, und wünschen Ihnen viel Glück, denn das werden Sie brauchen.»

Niemand steigt bewusst in den« Ferienflieger der Crash-Air ». Erstaunlicherweise überlassen es aber viele dem Schicksal, was die Planung des dritten Lebensabschnitts angeht, oder sie schieben wichtige Entscheidungen auf die lange Bank. Daher ist eine harte Landung auf dem Boden der Realität unausweichlich. Alle« wissen », dass man was tun müsste – aber tun nichts.

HINWEIS
Menschen haben eine starke Tendenz, den aktuellen Zustand beizubehalten und Veränderungen zu vermeiden. Der sogenannte Status-quo-Bias führt dazu, dass Menschen zögern, aktiv Massnahmen für ihre Zukunft zu ergreifen, selbst wenn diese Massnahmen klar von Vorteil wären. Der erste Schritt zur Überwindung des Status-quo-Bias ist das Bewusstsein darüber, dass er existiert. Sie sollten sich darüber im Klaren sein, dass Sie möglicherweise aus Bequemlichkeit oder Angst vor Veränderung an bestehenden Zuständen festhalten. Regelmässige Selbstreflexion und das Hinterfragen der eigenen Entscheidungen können helfen, unbewusste Tendenzen zu erkennen.

Denkfehler und Stolperfallen 

Wenn der Durchschnitt eines Jahrgangs das Alter 80 erreicht, sterben 50% vorher und 50% nachher. Wenn man jetzt einen Pensionsplan am Durchschnittsalter dieses Jahrgangs ausrichtet, dann stimmt er schon mal für die Hälfte nicht mehr. Viele Annahmen bezüglich erzielbarer Rendite oder Rentenhöhe werden viel zu optimistisch getroffen oder wie im Falle der Inflation vernachlässigt, was das Resultat massiv verfälscht. Weiter wird davon ausgegangen, dass wir bis zum Referenzalter über ein stabiles Einkommen verfügen, obwohl« biografische Brüche », Umstrukturierungen und« flexible, gleitende Pensionierungen »mittlerweile zur Realität gehören. Wir wähnen uns in einer finanziellen Sicherheit, die es so gar nicht gibt, und verlassen uns auf« Schönwetter- Prognosen ». Vielfach wird auch die Steuerbelastung im Ruhestand unterschätzt: Bis zur Abschaffung des Eigenmietwertes fallen die Kosten also noch an, diverse Abzüge fallen weg (3a, Berufsauslagen, Weiterbildung, Pendlerkosten) oder fallen geringer aus (geringere Hypozinsen wegen Amortisation). Dazu kommen mehr Auslagen für Freizeit und Ferien, aber auch Kosten für Wellness, Gesundheit und Pflege. Haushalte mit weniger als CHF 50 000.– Einkommen pro Jahr sind davon weniger betroffen, aber der Mittelstand und Gutverdiener über CHF 100 000.– umso mehr. Die Anpassungsfähigkeit wird überschätzt, das« Gewohnheitstier Mensch »führt den bisherigen Lebensstil gerne weiter. Wer kann schon« flexibel »auf 50% seines bisherigen Einkommens verzichten?

Magische Grenze 50 

Erst mal zur Beruhigung: 50 ist kein Alter, sondern nur eine Zahl. Unser Lebensgefühl sagt 40 und unsere körperliche Fitness irgendetwas dazwischen. Und doch ist die« erste Halbzeit »geschafft! Angehörige der Generation« 50minus »müssen mehr sparen, länger arbeiten und dürfen weniger Rente erwarten. Und wer zur Generation« 50plus »gehört, soll sich von einem Experten beraten lassen – seriöse Finanzplaner lassen sich über die Berufsverbände finden. Dabei geht es in erster Linie darum, sich Klarheit über die eigene finanzielle Situation zu verschaffen und die Optimierungsmöglichkeiten kennenzulernen. Trifft man Vorbereitungen für die« längsten Ferien », betritt man schliesslich Neuland. Finanzplaner sind hierfür die idealen« Reiseleiter », denn Pensionsplanungen sind ihr« daily business »: Es kommt nicht darauf an, wie alt man wird, sondern wie man alt wird. Mit zunehmendem Alter schätzt man einen gewissen Wohlstand. Ersparnisse bedeuten Sicherheit und Freiheit. Idealerweise setzt man sich ein Ziel und spart diszipliniert darauf hin. Mit Alter 50 werden die meisten Menschen glücklicher, freier, unabhängiger, erfahrener, effizienter, selbstbewusster und genügsamer – man weiss, was man will und was man nicht will. Und man nimmt es etwas leichter und mit Humor.

Wozu sich also vor dem dritten Lebensabschnitt fürchten? Die meisten investieren viel Zeit in die Vorbereitung perfekter Ferien: Man liest und plant, informiert sich im Internet und stellt ein Budget auf – oft sind Emotionen und Vorfreude genauso zentral wie die Reise selbst. Für die Planung Ihrer« längsten Ferien »gehen Sie idealerweise auch frühzeitig und mit Freude ans Werk. Nicht alles muss akribisch geplant sein, aber man soll die wichtigen Weichen rechtzeitig stellen, um keine bösen Überraschungen zu erleben.

Finanzplanung für die Generation« 50minus»

Die schlechte Nachricht zuerst: Ihre Generation (und jede nachfolgende) wird länger arbeiten und mehr sparen müssen – und trotzdem weniger Rente erhalten. Orientiert sich ein 40-Jähriger an der Pensionskassenrente seines Vaters, so wird seine eigene Rente (bei gleichem Einkommen) mindestens 25% tiefer ausfallen.

TIPP 
Ein Blick auf den Vorsorgeausweis hilft da leider nicht weiter: In Verkennung heutiger Realitäten wird da munter mit zu hohen Projektionszinssätzen gerechnet und das auf diese Weise hochgerechnete Kapital mit 5% und mehr als jährliche Rente monetarisiert. Wer es glaubt, wird selig! 

Nun die Good News: Es bleibt noch Zeit, und eine seriöse Finanzplanung kann helfen. Als Faustregel für den benötigten jährlichen Sparbetrag in der privaten Vorsorge haben sich 10% etabliert – das gilt bis zu einem Bruttoeinkommen von CHF 100 000.–, wer mehr verdient, sollte sich an 20% orientieren. Die Gründe dafür liegen in der Plafonierung der AHV und der schlechteren Verrentung überobligatorischer Lohnbestandteile im BVG. 

Viele Anschaffungen (Auto, Haus) und Entscheidungen (Ausbildung, Karriere, Partnerschaft) haben finanzielle Auswirkungen – daher ist es sinnvoll, die Finanzplanung als dynamischen Prozess zu verstehen, der immer wieder Anpassungen erfordert. Zwar fehlen in der Rushhour des Lebens oft die Zeit und die Lust, sich damit zu beschäftigen. Ein« Finanzcoach »kann aber helfen, den Blick auf die prioritären Ziele und die angenehmen und chancenorientierten Aspekte zu lenken. Aber wie beim Abnehmen gilt: Der gute Vorsatz allein genügt nicht …

Pensionsplanung für die Generation «50plus»

Wer den 50. Geburtstag feiert, wähnt sich auf der sicheren Seite, wird uns doch« Besitzstandswahrung »versprochen. Weil solche« Kompensationslösungen »aber zeitlich und für die« Zielgruppe der Geringverdiener »eingeschränkt werden, kann es sein, dass man« zwischen Stuhl und Bank fällt », sprich: Man muss mit deutlich tieferen Renten rechnen und hat nur noch begrenzt Zeit, die Rentenlücke selber zu füllen. 

Daher harren noch einige knifflige Fragen einer nachhaltigen Lösung: Welche Vorkehrungen kann man treffen angesichts sinkender Umwandlungssätze? Lohnt es sich, das Eigenheim vorzeitig zu amortisieren? Wie können Vermögenswerte an die nächste Generation weitergegeben werden, ohne die eigene Pension zu gefährden? Oftmals fehlt gerade Kaderleuten und Selbstständigen ein neutraler Partner auf Augenhöhe, um diese Fragen zu erörtern. Zwar ist für die meisten die kapitalintensivste Zeit vorbei (Ausbildung, Familie, Eigenheim), andere wiederum beginnen von vorn (zweite Familie und weiterlaufende Verpflichtungen für die erste) oder finden (noch) keinen Nachfolger für die eigene Firma, die implizit die Altersvorsorge darstellt.

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