Besteuerung Kapitalgesellschaft: Im Vergleich zu Personenunternehmen

KURZ ZUSAMMENGEFASST

Bei einer Kapitalgesellschaft (AG oder GmbH) besteht eine strikte rechtliche Trennung zwischen der Gesellschaft als eigenständigem Steuersubjekt und den Gesellschaftern als Privatpersonen. Dies führt zu einer wirtschaftlichen Doppelbelastung, da sowohl die Gesellschaft auf Gewinn und Kapital als auch die Aktionäre auf Dividenden und Anteile Steuern entrichten. Durch die Teilbesteuerung von Dividenden wird diese Belastung jedoch gemildert, was in Kantonen mit starken Entlastungen wie Schwyz oder Glarus deutliche Steuervorteile gegenüber Personenunternehmen schaffen kann.

Die wichtigsten Punkte:

  • Kapitalgesellschaften unterliegen als juristische Personen einer eigenen Besteuerung auf Gewinn und Kapital.
  • Gesellschafter versteuern Dividenden und Kapitalgewinne als Einkommen und Vermögen in ihrem Privatvermögen.
  • Die Teilbesteuerung von Dividenden reduziert die Doppelbelastung für Aktionäre in vielen Fällen.
  • Die Wahl der Rechtsform beeinflusst massiv die Gesamtsteuerbelastung, insbesondere bei privaten Vermögenswerten wie Immobilien oder Fahrzeugen.
  • In Kantonen mit hoher Dividendenentlastung können Kapitalgesellschaften steuerlich vorteilhafter sein als Personenunternehmen.
01.03.2025 Von: Mathias Josi, Thomas Kunz
Besteuerung Kapitalgesellschaft

Wie unterscheiden sich die Besteuerung von Kapitalgesellschaften und Personenunternehmen in der Schweiz?

Steuern und Sozialversicherungsbeiträge stellen für eine Unternehmung einen beträchtlichen Kostenblock dar. Die Unternehmer müssen deshalb bestrebt sein, diese Belastungen so gering wie möglich zu halten. Um dieses Ziel zu erreichen, muss zwangsläufig geprüft werden, ob und in welchem Ausmass die Rechtsform, über die eine unternehmerische Tätigkeit ausgeübt wird, von Bedeutung ist. Dabei stellt sich regelmässig die Frage, ob über ein Personenunternehmen (Einzelunternehmen, Kollektiv- oder Kommanditgesellschaft) oder über eine Kapitalgesellschaft (AG oder GmbH) operiert werden soll. Besonders relevant ist in diesem Zusammenhang die Besteuerung der Kapitalgesellschaft, da sie sich strukturell von derjenigen eines Personenunternehmens unterscheidet und sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich bringt. Dieser Beitrag gibt einen Überblick über das Thema Besteuerung Kapitalgesellschaft.

Der Erwerb einer privaten Immobilie

Seit der Einführung der Teilbesteuerung von Dividenden und geldwerten Leistungen stellt sich diese Frage betreffend Rechtsform vermehrt auch wieder im privaten Bereich. Beispielsweise vor dem Erwerb einer privaten Immobilie muss sich eine Privatperson unter anderem auch mit den folgenden Optionen auseinandersetzen:

  • Soll das Grundeigentum Privat erworben werden?
  • Oder soll für die Abwicklung des Kaufs eine dafür bestimmte und gegründete Aktiengesellschaft eingeschaltet werden?

Diese das Privatvermögen betreffende Frage ist auch deshalb von sehr grosser Bedeutung, weil eine sich einmal im Privatvermögen befindliche Immobilie später in aller Regel nicht mehr ohne Steuerfolgen auf eine Kapitalgesellschaft übertragen werden kann (Grundstückgewinnsteuer auf dem Wertzuwachs, Handänderungssteuer). Für eine steuerneutrale Umwandlung in eine Kapitalgesellschaft fehlt es einer einzelnen Liegenschaft nämlich am dafür notwendigen Prädikat eines Betriebs- oder Teilbetriebs. Somit ist der Entscheid für die eine oder die andere Variante zwangsläufig vor dem Kauf zu fällen und zwar in Abwägung aller Vor- und Nachteile und unter Berücksichtigung der konkreten Ziele, Bedürfnisse und Wünsche der Eigentümerschaft (auch mittel- und langfristig). 

Ergänzend stellt sich die gleiche Frage der Zuordnung auch bei anderen Vermögenswerten mit möglicher gemischter Nutzung. Dazu zählen beispielsweise Boote, Fahrzeuge oder Kunstobjekte, die sowohl privat als auch geschäftlich verwendet werden können. Ein typisches Beispiel ist der Erwerb und die Nutzung einer Jacht.

Besteuerung Kapitalgesellschaft

Im Gegensatz zu den Personenunternehmen besteht bei der Kapitalgesellschaft eine klare rechtliche resp. organisatorische Trennung zwischen Privatem und Geschäft. AG und GmbH werden als eigenständige Subjekte behandelt und besteuert (Besteuerung als juristische Personen), Aktionär und Gesellschafter als Privatpersonen (Besteuerung als natürliche Personen). Dies führt zu einem steuerlichen Trennungsprinzip und schafft an sich eindeutige Verhältnisse. Dispute um die korrekte Abgrenzung von privaten Lebenshaltungskosten und geschäftsmässig begründetem Aufwand scheinen damit zu entfallen.

Hinweis

In Bezug auf die vorerwähnte Jacht bestünde hier die Möglichkeit, diese entweder im Privatvermögen zu halten oder sie alternativ ins Eigentum der Kapitalgesellschaft zu übertragen. Bei einer teilweise geschäftlichen Nutzung der Jacht ergäbe sich somit folgendes:

  • Im ersten Fall (Boot im Privatvermögen) hätte der Eigentümer Anspruch auf eine marktkonforme Entschädigung für die der Aktiengesellschaft zugestandene geschäftliche Nutzung der Jacht
  • Im zweiten Fall (wo sich die Jacht im Eigentum der Kapitalgesellschaft befindet) hat im Gegenzug der Aktionär seine Gesellschaft für die private Nutzung der Jacht zu entschädigen. Tut er dies nicht, wird ihm der Wert der privaten Nutzung als (Naturallohn-) Komponente oder aber als geldwerte Leistung aufgerechnet.

Die klare rechtliche und steuerliche Trennung führt auf der andern Seite zu einer wirtschaftlichen Doppelbelastung. Zunächst entrichtet die Gesellschaft auf dem Gewinn und dem Kapital die Gewinn- und Kapitalsteuern (Achtung: in zahlreichen Kantonen kann die Gewinnsteuer- an die Kapitalsteuer angerechnet werden, siehe Art. 30 Abs. 2 StHG). Die Aktionäre ihrerseits haben die aus der Unternehmung erzielten Vermögenserträge (Dividenden, geldwerte Leistungen) als Einkommen und die Gesellschaftsanteile (Aktien, Stammanteile) als Vermögen zu versteuern. Somit unterliegen die Beteiligungen an einer Kapitalgesellschaft und die ausgeschütteten Gewinne grundsätzlich einer wirtschaftlichen Doppelbelastung. Milderung verschafft das Konzept der Teilbesteuerung von Dividenden, welches in qualifizierenden Fällen Anwendung findet.

Hält ein Aktionär seine Aktien im Privatvermögen, geniessen Kapitalgewinne aus der Veräusserung seiner Aktien grundsätzlich Steuerfreiheit (Art. 16 Abs. 3 DBG). In diesem Zusammenhang ist jedoch auf die verschiedenen Bedrohungen dieser Steuerfreiheit, d.h. möglichen Besteuerungen hinzuweisen (effektives oder gewillkürtes Geschäftsvermögen, Gewerbsmässigkeit, Transponierungdirekte Teilliquidation und indirekte TeilliquidationMantelhandelwirtschaftliche Handänderung an Grundeigentum).

Folgerung

Die Rechtsformwahl ist Gegenstand der strategischen Steueroptimierung. Der Entscheid über die optimale Rechtsform ist im Einzelfall unter Berücksichtigung konkreter Steuerbelastungsvergleiche (Belastung insgesamt durch Steuern und Sozialversicherungsabgaben) zu fällen. Seit der Einführung der Teilbesteuerung von Dividenden ist in der Tendenz festzustellen, dass eine Annäherung an den Grundsatz der rechtsformunabhängigen Besteuerung stattgefunden hat.

In Kantonen, welche Dividenden und geldwerte Leistungen sehr stark entlasten (wie zum Beispiel SZ mit 75% und GL mit sogar 80%) lässt sich feststellen, dass Kapitalgesellschaften im Vergleich zu Personenunternehmungen deutliche Steuervorteile aufweisen. Dies jedoch selbstverständlich nur dann, wenn der Inhaber der Unternehmung auch seinen Wohnsitz in einem solchen Kanton hat. Diese Feststellung rüttelt am Grundsatz, wonach unternehmerische Ergebnisse unabhängig von der gewählten Rechtsform gleich oder zumindest ähnlich besteuert werden sollen (rechtsformunabhängige Besteuerung).

Checkliste

  • Liegt der Wohnsitz des Inhabers in einem Kanton mit hoher Entlastung von Dividenden (z. B. SZ, GL)?
  • Sollen private Vermögenswerte (Immobilien, Fahrzeuge, Kunst) geschäftlich genutzt werden?
  • Ist eine klare Trennung zwischen privatem und geschäftlichem Aufwand gewünscht?
  • Können die Vor- und Nachteile der Doppelbelastung durch Teilbesteuerung kompensiert werden?
  • Sind langfristige Ziele wie die Veräusserung von Aktien mit Steuerfreiheit geplant?
  • Besteht die Gefahr einer gewerbsmässigen Veräusserung oder einer Teilliquidation?
  • Ist der Aufwand für die Buchhaltung und Steuererklärung einer Kapitalgesellschaft tragbar?
  • Sind Sozialversicherungsbeiträge im Vergleich zwischen Rechtsformen berücksichtigt?
  • Wurde der mögliche Erwerb einer privaten Immobilie über eine eigene AG geprüft?
  • Liegt eine steuerneutrale Umwandlung von Privatvermögen in Betriebsvermögen vor?

Übersicht Besteuerung Kapitalgesellschaft / Personenunternehmen

RechtsformEinzelunternehmenKollektiv- und Kommandit-gesellschaft

Steuersubjekt

(Person, von der die
Steuer erhoben wird)

InhaberJeder Gesellschafter

Steuerobjekt

(Gegenstand, auf dem
die Steuer erhoben wird)

Einkommen und Kapitalgewinne
aus Geschäftsvermögen

Vermögen (Geschäft/Privat)

übriges Einkommen

Einkommensanteil und Kapitalgewinne
aus Geschäftsvermögen

+ Vermögensanteil
an Personengesellschaft

- übriges Einkommen

+ Vermögen (Privat)

Zuteilungsnormen

(Wo wird was besteuert)

Ort des Einzelunternehmens:

- Gewinn Einzelunternehmen

- Geschäftsvermögen Ort des Wohnsitzes:

- Einkommen (privat)

- Privatvermögen

Ort der Personengesellschaft:

- anteiliger Gewinn und Zins

- anteiliges Vermögen Ort des Wohnsitzes:

- Einkommen (privat)

- Privatvermögen

Steuerhoheit

(Recht, eine Steuer zu
erheben)

Bund

Kanton

Gemeinde

Bund

Kanton

Gemeinde

RechtsformAGGmbH

Steuersubjekt

(Person, von der dieSteuer erhoben wird)

a) Gesellschaft

b) Aktionär

a) Gesellschaft

b) Gesellschafter

Steuerobjekt

(Gegenstand, auf demdie Steuer erhoben wird)

a) Gewinn, Eigenkapital

b) Einkommen (Dividenden,geldwerte Leistungen)

+ Vermögen (Aktien)

a) Gewinn, Eigenkapital

b) Einkommen (Dividenden,geldwerte Leistungen)

+ Vermögen (Stammeinlage)

Zuteilungsnormen

(Wo wird was besteuert)

a) Ort des Geschäftssitzes:

- Gewinn

- Eigenkapital

b) Ort des Wohnsitzes:

- Einkommen

- Vermögen

a) Ort des Geschäftssitzes:

- Gewinn

- Eigenkapital

b) Ort des Wohnsitzes:

- Einkommen

- Vermögen

Steuerhoheit

(Recht, eine Steuer zuerheben)

Bund

Kanton

Gemeinde

Bund

Kanton

Gemeinde

FAQ: Besteuerung Kapitalgesellschaft

Warum unterliegen Kapitalgesellschaften einer Doppelbelastung?

Die Gesellschaft zahlt Gewinn- und Kapitalsteuern auf Unternehmensebene. Zusätzlich versteuern die Gesellschafter die ausgeschütteten Dividenden und den Wert ihrer Anteile in ihrem privaten Vermögen und Einkommen.

Wie wirkt sich die Teilbesteuerung von Dividenden aus?

Sie reduziert den steuerpflichtigen Anteil der Dividenden im privaten Einkommen des Aktionärs, um die Doppelbelastung zu mildern. Der genaue Entlastungsgrad variiert je nach Kanton.

Kann eine private Immobilie später in eine Kapitalgesellschaft übertragen werden?

Nein, in aller Regel nicht ohne Steuerfolgen. Eine Übertragung löst oft Grundstückgewinnsteuer und Handänderungssteuer aus, da eine einzelne Liegenschaft meist nicht als Betriebs- oder Teilbetrieb gilt.

Was passiert bei der privaten Nutzung eines Firmenfahrzeugs oder einer Jacht?

Der Gesellschafter muss für die private Nutzung eine marktkonforme Entschädigung an die Gesellschaft zahlen. Unterlässt er dies, wird der Wert der Nutzung als Naturallohn oder geldwerte Leistung versteuert.

Sind Kapitalgewinne aus dem Verkauf von Aktien steuerfrei?

Ja, wenn die Aktien im Privatvermögen gehalten werden und keine gewerbsmässige Tätigkeit vorliegt. Ausnahmen gelten bei effektivem oder gewillkürtem Geschäftsvermögen sowie bei Teilliquidationen.

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