07.11.2017

Rede halten: Wirkungsvoller Inhalt und Aufbau einer Rede

Die Grundvoraussetzung für eine gelingende Rede: Der Redner sollte weitaus mehr von seinem Thema wissen und verstehen als sein Publikum, und nur wer über ausreichend Material verfügt, hat genügend zu sagen.

Von: Margarete Maria Kuhn-Porwoll   Drucken Teilen   Kommentieren  

Margarete Maria Kuhn-Porwoll, M.A.

Margarete Maria Kuhn-Porwoll arbeitet als systemischer und personzentrierter Coach vor allem mit Führungs- und Fachkräften in den Bereichen Business-Coaching, Karriereberatung und Selbstmanagement sowie als Dozentin zu den Themen Rhetorik, Kommunikation und Selbstmarke­ting.

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Rede halten

Die zielorientierte Stoffsammlung

Wenn das Redeziel feststeht, folgt als nächster Vorbereitungsschritt die umfas­sende Stoffrecherche und die tiefgehende inhaltliche Auseinandersetzung. Gesammelt wird, was von der Sache her oder auch für den Auftraggeber notwendig und im Hinblick auf die Zuhörer wirkungsvoll ist: wesentliche Gedanken, Fragestellungen und Aspekte, stichhaltige Argumente, ggf. auch Ideen für eine Visualisierung.

Ertragreich sind dabei unterschiedliche, produktive Vorgehensweisen:

  • Sicherung von Spontan-Ideen: alle Einfälle (Thesen, Argumente, Zitate, Geschichten, Vergleiche, Bilder etc.) schriftlich festhalten. Tipp: Führen Sie in der Vorbereitungsphase immer ein Ideenbuch mit sich, denn Geistesblitze kommen meist unvermittelt und intuitiv!
  • Nutzung von Kreativitätstechniken: Brainstorming, Mindmapping, Clustering, ABC-Listen, Kopf-standtechnik etc.
  • Systematische Stoffsammlung: anhand von Leitfragen zu Thema, Ziel, Inhalt, Publikum, ggf. Auftraggeber
  • Quellen:
    • bei Sachvorträgen: Fachbücher, Fachzeitschriften, Tageszeitungen, Experten, Verbände, Datenbanken, Internet etc.
    • Gelegenheitsreden: anlass- oder personenbezogene Daten (Geburtstag, Sternzeichen, Beruf, Lebensmotto des Jubilars)
    • für alle Fälle: aktuelle Ereignisse, Anthologien (Zitate, Anekdoten, sinnreiche Storys, Fabeln, Gleichnisse)

Tipp: Schreiben Sie Ihre gesammelten Ideen ungefiltert und gesondert auf einzelne Stichwortblätter oder Karteikarten. Diese lassen sich im Überblick leichter den einzelnen Redeteilen (Einleitung, Hauptteil, Schluss) zuordnen und z. B. im Hauptteil gemäss ihrer Bedeutsamkeit und Gewichtung strukturieren.

Die zielorientierte Stoffauswahl

Qualität lässt sich allerdings nicht mit Quantität erreichen, eine Rede halten ist keine ungeordnete Anhäu­fung von Daten, Fakten, Belegen und Vergleichen. Das, was gesammelt wurde, braucht eine klare Gestalt. Aufgabe des Redners ist es, sich nicht nur umfassend zu informieren, sondern diese Infor­mationen zielkonform auszuwählen, zusammenzustellen und zu formen, um die beabsichtigte Wirkung zu erreichen. Die Antwort auf die Fragen: «Was will ich mit diesem Thema bei wem erreichen?»/«Welche Botschaft, These, welche Kerngedanken sollen die Zuhörer am Ende mit nach Hause nehmen?»/«Was soll das Publikum nach der Rede denken, meinen, fühlen?» wurden im Ziel­satz kurz und prägnant formuliert. Diese zentrale Aussage, diese Kernbotschaft ist der rote Faden, anhand dessen der Stoff bewertet, ausgewählt und argumentativ aufgebaut wird.

Tipp: Gute Ergebnisse brauchen eine Inkubationszeit und kommen manchmal über Nacht! Nutzen Sie bewusst die Kraft Ihres Unterbewusstseins. Wenn Sie Ihre Recherchen und Stoffsammlung beendet haben, lassen Sie diese eine Weile ruhen und lenken Sie sich ab oder schlafen Sie darüber. Ihr Unterbewusstsein wird sich weiterhin mit Ihrem Hauptthema beschäftigen und klärt, was noch nebulös und diffus war, setzt vorher scheinbar Unzusammenhängendes oder Unvereinbares zu einem System zusammen und liefert plötzlich und unerwartet nicht nur fabelhafte Ideen und Einfäl­le, sondern auch glasklare brillante Lösungen.

Die zielorientierte Gliederung

Eine klare nachvollziehbare Struktur einer Rede ist die Grundvoraussetzung für deren Verständlich­keit. In der Antike wurde eine Rede unterteilt in Einleitung, Hauptteil, Schluss, und dieses Dreier-Schema ist nach wie vor bewährter Standard. Die einzelnen Redeteile sind hinsichtlich der Redezeit unterschiedlich gewichtet. Sie besitzen zwar eine unterschiedliche kommunikative Funktion, stehen aber in einem stringenten Zusammenhang. Erst dadurch entsteht ein Informations- und Spannungs­bogen von der Einleitung über den Hauptteil bis zum Schluss.

Einleitung – Denkimpuls

Zeitumfang

Die Einleitung umfasst ca. 10–15% der Gesamtredezeit.

Kommunikative Funktion

Die Einleitung kündigt an, was folgen wird. Vor allem dient sie der Öffnung («Ohröffner») und der Einstimmung des Publikums auf Redner und Thema. Jetzt sollten die erfolgsentscheidenden Beziehungen angebahnt werden:

  • die Beziehung zwischen Thema und Publikum, indem Interesse geweckt wird und
  • die Beziehung zwischen Redner und Publikum, indem Kontakt aufgebaut wird. Der erste und besonders wichtige Kontakt ist der Blickkontakt.

Tipp: Erst aufgrund dieser Beziehungen entsteht die Bereitschaft des Publikums, dem Redner zu folgen! Statt allzu grosser reisserischer Schneidigkeit steht dem Redner an dieser Stelle eher die vom antiken Redner geforderte «humiliatio», eine diskrete Bescheidenheit an, indem er im unaufdringli­chen Bewusstsein seiner Kompetenz dem Publikum seine Reverenz erweist.

Möglicher Inhalt und Aufbau

1. Klassischer Einstieg

Begrüssen Sie Ihr Publikum wertschätzend und ernsthaft. Aufrichtige Freude und ein passendes Kompliment sind nicht zu verwechseln mit plumper Anbiederung oder austauschbarer Floskel, wie «Danke für Ihr zahlreiches Erscheinen!» vor vielleicht zehn Menschen!

2. Effektvoller Einstieg

Gemeinsamkeit schaffen - Sprechen Sie Ihr Publikum in seiner Situation an und stellen Sie eine Beziehung zu sich selbst und zum Thema her, indem Sie Gemeinsamkeit schaffen. Diese kann bestimmt sein durch

  • Gemeinsame Probleme, Bedürfnisse, Ziele (politische, intellektuelle, kulturelle) Interessen, Firmen-/Branchenzugehörigkeit, regionale/dialektale Merkmale, die Anrede «wir» und «uns»
  • Bezug zwischen Rede-Zeitpunkt/-Tag und einem geeigneten historischen, aktuellen oder auf­regenden Ereignis
  • Bezug zu Rede-Ort, Rahmenprogramm oder Vorredner

Neugier wecken - Machen Sie Ihr Publikum neugierig, überraschen Sie es mit:

  • Zitat, Anekdote, kurzer beispielhafter Geschichte, aktuellem Ereignis
  • Rhetorischer Frage
  • Angemessenem Humor

Orientierung bieten - Beantworten Sie Ihrem Publikum folgende Fragen:

  • Was ist Thema? Warum wird es sich lohnen zuzuhören?
  • Wer ist der Redner? Was hat das Thema mit dem Redner persönlich zu tun?
  • Was hat das Publikum in welcher Reihenfolge zu erwarten? (Evtl. ist es sinnvoll, Gliederung und die wichtigsten Thesen zu Beginn zu nennen.) Wie lange wird geredet?

Tipp: Der Redebeginn prägt die Einstellung und die Erwartungen des Publikums gegenüber dem Redner und seinem Ziel. Dieser erste Eindruck, der Primär-Effekt, wirkt in besonderer Weise, denn zu Beginn ist die Aufmerksamkeit am grössten. Deshalb ist es sehr zu empfehlen, die Einleitung auszuformulieren, wortwörtlich niederzuschreiben und sogar auswendig zu lernen!

Hauptteil – Denkplan

Zeitumfang

Der Hauptteil umfasst 75–80% der Gesamtredezeit.

Kommunikative Funktion

Die Beziehungen, welche durch die Einleitung geknüpft wurden, das Interesse, das geweckt wurde, sollten nun verstärkt und die Erwartungen des «geneigten», d. h. für Redner und Thema aufgeschlossenen Publikums erfüllt werden.

Möglicher Inhalt und Aufbau

Dem Redeziel entsprechend werden die ausgesuchten Daten, Fakten, Überlegungen an Hand des gewählten Argumentationsmusters aufbereitet und strukturiert präsentiert. Wenn der Zuhörer gerade im Hauptteil durch eine klare Gliederung über den Ablauf informiert ist, entsteht auch bei ihm Klarheit. Beispiele, Vergleiche, Bilder (s. auch «Rhetorische Figuren») stützen die Argumente und veranschaulichen abstrakte Gedanken. Wenn der Zuhörer Gehörtes mit bereits Bekanntem assoziieren kann, fördert dies sowohl das Verstehen als auch die Beziehung zwischen Redner und Publikum. Auch eine eindeutige Dramaturgie, z. B. durch Dialektik und Steigerung, unterstützt die Bedeutsamkeit der einzelnen Argumentationsschritte.

Tipp: Die Verantwortung, von seinem Publikum verstanden zu werden, liegt einzig und allein beim Redner. Durch die geschickte inhaltliche und sprachliche Leitung und Lenkung «verhelfen» Sie dem Publikum zu den Einsichten und Erkenntnissen, die Sie beabsichtigen. Wenn Ihre Haltung und Ihre Ziele redlich sind, kann diese Vorgehensweise nicht mit Manipulation gleichgesetzt werden.

Schluss – Denkziel

Zeitumfang

Der Schluss umfasst ca. 5–10% der Gesamtredezeit.

Kommunikative Funktion

Der Schluss dient der Bekräftigung der Argumentation und der Auffor­derung zum entsprechenden Handeln.

Möglicher Inhalt und Aufbau

Der Schluss ist entscheidend dafür, welchen bleibenden Eindruck die Zuhörer haben und was sie mitnehmen (Rezenzeffekt11). Der Schluss sollte deshalb noch einmal die Kernbotschaft oder die Kernaussagen verdichten, z. B. als:

  • Abrundung durch einen Bogen zum Anfang durch die Wiederaufnahme der Eingangs­formulierung
  • Kurze Zusammenfassung oder knappe Wiederholung der Argumente:
    • «Ich fasse zusam­men: «a) . . . b) . . . c) . . .»
    • «Die Beispiele haben gezeigt, dass . . .»
    • «Wir haben erkannt, dass erstens . . ., zweitens . . ., drittens . . .»
    • «Ich kann nur wiederholen, . . .»
  • Kurze Prognose, positiver Ausblick in die Zukunft:
    • «Dieses Ergebnis bedeutet für uns alle, dass . . .» / «Sie werden in Zukunft sehen, dass . . .»
  • Positiver Aufruf zum Handeln, Appell an Gefühl:
    • «Deshalb tun, handeln, machen Sie . . .»
    • «Nutzen Sie diese Erkenntnisse, diese Ergebnisse für Ihr weiteres Vorgehen . . .»
  • Persönliches Bekenntnis:
    • «Daher bin ich überzeugt und absolut sicher, dass . . .»
  • Kernbotschaft auf den Punkt gebracht:
    • «Denken Sie daran, dass . . .»
  • Emotionaler Höhepunkt bei einer Gelegenheitsrede

Tipp: Der letzte Eindruck bleibt, deshalb das Ende nie dem Zufall überlassen. Für den Schluss gilt wie für den Anfang: Er ist schriftlich auszuformulieren und ggf. auswendig zu lernen!

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