22.11.2016

Verständlichkeit: Die Voraussetzung für eine wirkungsvolle Rede

Die schriftliche, mündliche oder nur gedankliche Formulierung der Rede ist an Redeziel und Publikum gebunden. Als Grundvoraussetzung, um zuhörerorientiert sprechen zu können, braucht der Redner Sachexpertise, er muss den Inhalt kennen, durchdacht und verstanden haben. Nur dann sind klare und verständliche Aussagen überhaupt grundsätzlich möglich.

Von: Margarete Maria Kuhn-Porwoll   Drucken Teilen   Kommentieren  

Margarete Maria Kuhn-Porwoll, M.A.

Margarete Maria Kuhn-Porwoll arbeitet als systemischer und personzentrierter Coach vor allem mit Führungs- und Fachkräften in den Bereichen Business-Coaching, Karriereberatung und Selbstmanagement sowie als Dozentin zu den Themen Rhetorik, Kommunikation und Selbstmarke­ting.

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Methodische Kompetenzen

Er kann sein Thema noch so exzellent beherrschen, um es dem Zuhörer in verständlicher Weise zu vermitteln, braucht er auch die ergänzende methodische Kompetenz. Der Redner hat in Wortwahl, Syntax, Gesamtaufbau, Gliederung und Stil nach einer angemessenen Ausdrucksweise zu suchen, welche dem jeweiligen intellektuellen Niveau und Anspruch seiner Zuhörer auch unter der Zielsetzung «Verständlichkeit» gerecht wird. Schwerverständliche Gelehrtheit mag zu einem kurzfristigen Prestigegewinn beitragen, kann jedoch in der Dauer die Beziehungsgestaltung des Redners zum Publikum sehr schädigend beeinflussen. Diese Verständlichkeit hat nichts mit banaler Simplizität zu tun, sie umfasst vier Dimen­sionen sprachlicher Gestaltung: Übersichtlichkeit und Ordnung, Einfachheit und Prägnanz, Kürze und Präzision sowie Anregung und Stimulanz:

1. Übersichtlichkeit und Ordnung statt Durcheinander

  • Eine innere Folgerichtigkeit entsteht durch eine klare logische und psychologische Argu­mentationsstruktur. Sie begünstigt die Transparenz und die Nachvollziehbarkeit.
  • Die Ankündigung und die Hervorhebung zentraler Aussagen und wesentlicher Rede­abschnitte «Ich komme nun zu ...», die ausdrückliche Betonung relevanter Textstellen («Besonders wichtig ...») entsprechende Hinweise (z. B. «Zitat» ... «Zitatende») und die Aufteilung in sprachliche Sinneinheiten durch eine eindrückliche Pausentechnik sorgen für Ordnung und erhöhen punktuell die Aufmerksamkeit für bedeutsame Passagen.
  • Sprachliche Gliederungssignale erleichtern den Zugang zu einer Rede. Bei der Lektüre eines Textes erhält ein Leser über dessen typografische Aufbereitung (Seitenzahlen, Über­schriften, unterschiedliche Auszeichnungen, Anführungszeichen etc.) Hinweise, welche Lesen und Verstehen erleichtern. Genauso verdeutlichen die ausdrückliche Angabe von Aufzäh­lungen wie «1. ... 2. ... 3. ...» oder Gliederungspunkten wie «einerseits ... andererseits» Inhaltsstrukturen und legen Zusammenhänge offen, schaffen «Aha-Erlebnisse» und bieten auch dem zwischendrin «ausgestiegenen» Zuhörer immer wieder eine gute Orientierung.
  • Sinndichte Aussagen sind sinnvoll zu verteilen, d. h. komplizierte Sachverhalte sollten nicht komprimiert in sofort aufeinanderfolgenden Sätzen konzentriert, sondern im Abstand, dosiert und intellektuell verwertbar übermittelt werden.
  • Wiederholungen und Zusammenfassungen wichtiger Aussagen verstärken die Merk­fähigkeit und wirken zusätzlich argumentationsstützend.

2. Einfachheit und Prägnanz statt Kompliziertheit

  • Sachlichkeit, d. h. höchstmögliche Wahrheit und Objektivität, wird insgesamt erreicht durch eine sachgerechte Verbindung von Inhalt und Formulierung (nicht unangemessenes, über­schwängliches Pathos), durch die klare Unterscheidung zwischen Sachaussage und Werturteil (z. B. Zürich liegt am Zürichsee / Zürich ist die schönste Stadt der Welt) und zwischen Haupt­sächlichem und Nebensächlichem durch eine ABC-Analyse (Vermeidung von Redundanzen).
  • Einfachheit und Prägnanz auf der Satzebene wird erreicht durch:
    • eine einfache Struktur: mehr Hauptsätze als Nebensätze, keine zeilenlangen Schachtel- sätze, kein «Blähstil
    • die Vermittlung jedes Hauptgedankens in einem Satz
    • die Vermeidung unnötiger Floskeln wie: «Ohne herumzureden, möchte ich hier und jetzt in aller Kürze, die äusseren Umstände, welche – wie wir alle wissen – von entscheidender Bedeutung sind . . .»
  • Einfachheit und Prägnanz auf der Wortebene wird erreicht durch
    • eindeutige Definitionen statt vieldeutigem Begriffswirrwarr
    • Verben statt Nominalisierung (z. B. Zurschaustellung)
    • aussagekräftige Verben statt «toter» Verben (z. B. sich befinden, es gibt) oder Streckverben (z. B. Verzicht leisten, Abhilfe schaffen) und Spreizverben (z. B. bewerkstelligen, vergegen­wärtigen)
    • Aktiv statt Passiv
    • schlichte, treffende Wörter statt komplizierter, abstrakter Begriffe
    • die Verwendung zielgruppenkonformer Fremdwörter und die Erläuterung notwendiger Fachtermini
    • die Wiederholung der gleichen Wörter statt Synonyma oder unterschiedlicher Begriffe
    • die Vermeidung redundanter Füllwörter: z. B. «etwa, nun, auch, aber, immer, . . .». Machen Sie ggf. die «Wegstreich-Probe»: Ist der Satz immer noch korrekt, nun das Füllwort aber ersatzlos streichen

3. Kürze und Präzision statt Weitschweifigkeit

  • Zielsätzigkeit bedeutet eine eindeutige Fokussierung auf den Zielsatz oder wenige Zielge­danken. Wiederholungen, vor allem der Kernbotschaft, steigern den Erinnerungswert und verstärken den Wahrheitsgehalt.
  • Beschränkung auf Wichtiges und Wesentliches: «Nicht vieles, sondern viel sagen.» Details, Beispiele, Einschübe (Sachexkurse, Erläuterungen, Anekdoten und Geschichten) haben nur eine bestimmte Funktion im Gesamtzusammenhang, sie sind nicht Selbstzweck.
  • Angemessene Informationsauswahl: Die Informationsmenge und die Informationsdichte stehen in Abhängigkeit zur Gesamtlänge der Rede, die wiederum eingegrenzt ist durch die vorgegebene Redezeit. Diese bestimmt auch die Länge und Gewichtung von Einleitung, Hauptteil und Schluss.
  • Prägnante, nachvollziehbare Logik statt umständlicher Erklärung
  • Indikativ statt Konjunktiv: verstärkt den Wahrheitsgehalt
  • Positiv-Formulierungen statt Negationen (ausser als bewusst eingesetztes Stilmittel, s. «Rhetorische Figuren»)

4. Anregung und Stimulanz statt Langweile

  • Persönliche Ansprache: nicht «man», sondern «Sie» oder «wir»
  • kein Berichtsmodus: Direkte Rede statt indirekter Rede (wirkt plastisch und unmittelbar), Indikativ statt Konjunktiv (wirkt lebendig)
  • Wechsel von kurzen und langen Sätzen (Richtwert: 14–15 Wörter pro Satz)
  • Rhetorische Figuren (s. auch dort): Durch «Kopfkino» werden Assoziationsbrücken geschaf­fen: z. B. durch anschauliche Bilder, welche das Wesentliche einer Aussage verdeutlichen, ange­messene Beispiele und Zitate, treffende Vergleiche, welche z. B. Zahlen «einkleiden»: «Dieses Ergebnis (Zahl x) entspricht der Länge von x Fussballfeldern.» Frage-Antwort-Sequenzen sor­gen für Belebung, Aufzählungen und Gedankenketten für Steigerung und Eindringlichkeit.
  • Humor (ggf. auf eigene Kosten), Witz und Esprit sollten dem Anlass angemessen eingesetzt werden.
  • Angemessene Ausrufe: «Also gut!»/«Stellen Sie sich vor!»/«Ausgezeichnet!» sind plakativ und sorgen für Belebung ebenso wie Anekdoten, Erlebnisse, Geschichten (jedoch nur zielgruppenkonform und dem Gesamtzusammenhang angemessen verwenden!)

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