Reizüberflutung: Reduzieren Sie Störfaktoren für Mitarbeiter
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KURZ ZUSAMMENGEFASST
Hochsensible Mitarbeiter sind in modernen Arbeitsumgebungen wie Grossraumbüros oft einer massiven Reizüberflutung ausgesetzt, die zu Stress und Leistungsabfall führt. Durch gezielte Reduktion von Störfaktoren wie Lärm, hellem Licht und fehlender Privatsphäre lässt sich die Arbeitsqualität für diese Personengruppe signifikant verbessern. Massnahmen, die den Bedürfnissen hochsensibler Personen entgegenkommen, kommen dabei der gesamten Belegschaft zugute und fördern eine inklusivere Unternehmenskultur.
Die wichtigsten Punkte:
- Reizüberflutung durch Lärm, Licht und Gerüche belastet hochsensible Mitarbeiter überproportional.
- Gestaltungsänderungen am Arbeitsplatz profitieren nicht nur die Betroffenen, sondern das gesamte Team.
- Kommunikation muss die Einzigartigkeit der Mitarbeiter betonen, um Ausgrenzung zu vermeiden.
- Kleine Massnahmen wie Akustikpaneele oder Rückzugsorte wirken oft grosser als teure Umbauten.
- Home-Office und flexible Pausen sind effektive Instrumente zur Reduktion von sensorischem Stress.

Passende Arbeitshilfen
Wie können Unternehmen Reizüberflutung im Büro reduzieren und hochsensible Mitarbeiter unterstützen?
Die Arbeitswelt aus hochsensibler Perspektive
Die Arbeitswelt wandelt sich. Keine Frage. Mehr agile Teams. Weniger Vor-Ort-Präsenz, dadurch auch Wegfall von Büroflächen. Oft Rückkehr zu Grossraumbüros, die jedoch agiler gestaltet werden. Doch eins hat sich nicht gewandelt – oder kaum: Die Arbeitswelt ist weiterhin erfüllt mit
- einer permanenten Geräuschkulisse wie Telefonklingeln, das Summen des Druckers, Gespräche von KollegInnen,
- künstlichem Licht,
- wenig Privatsphäre,
- engen Kontakt zu KollegInnen, ob nun im Grossraumbüro mit oder ohne seine Cubicles oder in einem kleinen Büro mit (zu vielen) KollegInnen,
- Düften und Gerüchen, sei es vom dampfenden Kaffee, der Kantine, dem Essen, das am Schreibtisch gegessen wird oder dem AfterShave des Kollegen,
- einer Arbeitsatmosphäre, ob im Team oder in der Abteilung, die sich durch Spannungen, Probleme, Ärger, Frust und auch Freude, Begeisterung auszeichnet – und all diese Gefühle sind für hochsensible Mitarbeiter körperlich spürbar.
Oder anders ausgedrückt: All diese typischen Arbeitswelt-Faktoren sind im Grunde Reize, die auf unsere Sinne wirken. Und zwar eine Vielzahl und Unmenge an Reizen, die da pro Sekunde auf jeden einströmen. Für die Mehrheit der MitarbeiterInnen stellt diese Reizüberflutung kein Problem dar. Sie filtern sehr grob, alles, was auf sie einströmt und nehmen vieles auch gar nicht oder nur sehr wenig wahr.
Für Mitarbeiter, die hochsensibel sind, ist es jedoch eine ganz andere Geschichte. All diese Reize strömen bewusst auf sie ein und wollen und müssen bewältigt werden. Durch die Fülle führt dies u.a. zu Stress, Leistungsabfall und Unwohlsein. Die Arbeitsumgebung wird zur Herausforderung.
Gute Arbeitskultur für hochsensible Mitarbeiter schaffen: 5 Tipps
Das Gute ist: Arbeitsplätze und somit Arbeitswelten lassen sich aktiv gestalten. Jederzeit. Überall. Das Beste ist: All die Aspekte, die Sie für hochsensible Mitarbeiter ändern, sind auch ein Gewinn für Ihre anderen MitarbeiterInnen. Alle MitarbeiterInnen profitieren. Definitiv. Einfach hervorragend.
Und dies sollten Sie genauso „verkaufen“. Und zwar aus einem einfachen Grund: Hochsensible Mitarbeiter wollen und sollten nicht ausgegrenzt werden. Wird jedoch die Umgestaltung mit dem Argument „Ihr Kollege ist hochsensibel und benötigt einen Rückzugsort“ kommuniziert, geschieht genau dies. Die TeamkollegInnen fühlen sich benachteiligt – und lassen ihren Frust, gar Neid deutlich spüren. Die folgenden Tipps bieten Anregungen, wie Sie dieser Ausgrenzung entgegenwirken, aber auch, wie der Arbeitsplatz positiv für den hochsensiblen Mitarbeiter gestaltet werden kann.
Tipp 1: Einzigartigkeit jedes Einzelnen würdigen
Hochsensibilität ist eine Veranlagung. Da diese auf „nur“ ca. 15 bis 20 Prozent zutrifft, bedeutet dies, 85 bis 80 Prozent Ihrer Mitarbeiter sind eben nicht hochsensibel. Die Mehrheit also. Allein dieser Fakt rückt den hochsensiblen Mitarbeiter bzw. Kollegen ins Rampenlicht. Die Veranlagung wird zur Einzigartigkeit. Und dies mag irritieren, frustrieren, gar zur Kontaktreduzierung führen. Steuern Sie aktiv gegen. Heben Sie mit Teambildungs-Übungen die Einzigartigkeit jedes Teammitglieds hervor.
| Teambildungs-Übungen: Einzigartigkeit |
| Die folgenden Übungen können in jedes Meeting eingebaut werden. Am besten am Ende, um den Motivationsschub mit in die Teamarbeit zu tragen. Zwischen 10 – 15 Minuten sollten Sie pro Übung einplanen. Hinweis: Nach jeder „Running-a-phrase“-Übung darf jeder, der will, seine Einzigartigkeit oder nur einzelne Aspekte mitteilen. Dabei ist zu beachten: Kein (Aus-)Lachen oder Unterbrechen. |
Übung 1: Ich bin einzigartig, weil… Bei dieser Übung darf jeder Mitarbeiter den Satz so oft beenden, wie er möchte. Am besten setzen Sie ein Zeitlimit von 1 – 2 Minuten, in denen ohne zu stoppen, alles notiert wird, was die eigene Einzigartigkeit hervorhebt – beispielsweise: Ich bin einzigartig, weil …
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Übung 2: Du bist einzigartig, weil… Nun wird ein/e TeamkollegIn ausgewählt. Jede/r erhält wieder 1 – 2 Minuten Zeit, um die Einzigartigkeit zu notieren – beispielsweise: Du bist einzigartig, weil…
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Übung 3: Meine Einzigartigkeit ist für das Team ein Gewinn, weil… Erneut wird der Fokus auf die eigene Einzigartigkeit gelenkt. Mit dem Ziel, den Nutzen zu erkennen, den diese für das Team bedeutet. Dadurch wird hervorgehoben, dass jede/r etwas Wichtiges beisteuert. Wieder ist das Zeitlimit 1 – 2 Minuten. Notiert werden darf alles, was einfällt – beispielsweise: Meine Einzigartigkeit ist für das Team ein Gewinn, weil…
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Seminar-Empfehlungen
Tipp 2: Die Bedürfnisse klären
Jede Arbeitskultur profitiert von Respekt und Toleranz. Nur, wer nicht weiss, wie der andere eigentlich tickt, kann kaum dessen Verhalten und Eigenarten akzeptieren und respektieren. Unwissen führt zu Unverständnis und letztendlich zu Missverständnissen, weil die eigenen Werte und kulturellen Gepflogenheiten erwartet werden.
Deshalb ist es sinnvoll, die Hochsensibilität im Team zu besprechen. Laden Sie den hochsensiblen Mitarbeiter ein, sich zu öffnen. Diskutieren Sie gemeinsam:
- Was heisst eigentlich Hochsensibilität? Konkreter: Wie definierst du deine Hochsensibilität?
- Welche Aspekte und Eigenschaften gehören zu einem hochsensiblen Menschen? Konkreter: Welche Aspekte sind in dir besonders stark vertreten?
- Wie nimmt er seine Umgebung wahr? Konkreter: Wie nimmst du uns, deine Arbeit und die Umgebung wahr?
- Welche Bedürfnisse leiten sich daraus ab? Konkreter: Welche Bedürfnisse hast du, damit es dir gut geht?
- Worauf sollte geachtet werden? Konkreter: Was sollten wir akzeptieren? Was hindert dich daran, deine Hochsensibilität positiv auszuleben? Wie können wir dich positiv unterstützen?
Tipp 3: Arbeitsplatz für hochsensible Mitarbeiter umgestalten
Bevor Sie jetzt Umbauten planen, setzen Sie auf kleine Veränderungen – mit grosser Wirkung. Zum einen, weil diese schnell umgesetzt werden können. Zum anderen, weil das Budget dadurch nicht zu stark belastet wird.
Checkliste
- Analysieren Sie die aktuelle Geräuschkulisse und identifizieren Sie Hauptlärmquellen im Büro.
- Prüfen Sie die Beleuchtung und ersetzen Sie störendes Kunstlicht durch Tageslichtlampen oder dimmbare Systeme.
- Installieren Sie Akustikpaneele oder schalldämmende Vorhänge zur Schallabsorption.
- Schaffen Sie physische Rückzugsorte wie kleine Büros, Cubicles oder entspannte Chill-Zonen.
- Fördern Sie den Blick ins Grüne durch Pflanzen oder Wandfototapeten mit Naturmotiven.
- Bieten Sie Noise-Cancelling-Kopfhörer als standardmäßige Ausrüstung für sensible Mitarbeiter an.
- Initiiieren Sie Teambildungs-Übungen, um die Einzigartigkeit und Bedürfnisse aller Mitglieder wertzuschätzen.
- Diskutieren Sie offen im Team über Hochsensibilität, um Missverständnisse und Vorurteile abzubauen.
- Ermöglichen Sie flexible Home-Office-Modelle, um die Arbeitsumgebung individuell steuerbar zu machen.
- Sichern Sie eine klare Regelung für Erreichbarkeit und Pausenzeiten, um Überforderung zu vermeiden.
Ideen zur Gestaltung sind:
- Akustikpaneelen, die an Wänden angebracht oder auch als Trennwände zwischen den Arbeitsplätzen im Grossraumbüro aufgestellt werden können. Hervorragend, um Geräusche und Schall im Raum zu absorbieren.
- Schalldämmende Vorhänge, die vor Fenster, Türen und auch zwischen die Arbeitsplätze aufgehängt werden können. Bei Bedarf können diese vorgezogen werden – und schon kehrt Ruhe ein.
- Tageslichtlampen, die am Schreibtisch, am besten auch als Deckenleuchten, den Arbeitsplatz beleuchten und dabei angenehm für die Augen, als auch für die Gemütsverfassung ist. Gerade in der dunkeln Jahreszeit sind Tageslichtlampen wahre Muntermacher.
- Blick ins Grüne, um die Seele baumeln lassen zu können. Für hochsensible Mitarbeiter wichtig, um wieder auftanken zu können. Falls das Fenster zu weit entfernt ist oder der Blick aus dem Fenster eher auf Beton statt aufs Grüne führt, bringen Sie Wandfototapeten an. Vielleicht mit einem Waldmotiv. Vielleicht mit Bergen oder der See. Vergessen Sie nicht, die Büros durch Pflanzen grün(er) zu gestalten. Nicht allein sorgt der Blick für eine mentale Auszeit, sondern Pflanzen filtern auch die Luft von Schadstoffen und geben Feuchtigkeit ab.
Tipp 4: Rückzugsorte anbieten
Hochsensible Mitarbeiter benötigen immer wieder eine (kurze) Auszeit von dem Trubel um sie herum. Deshalb profitieren sie von
- kleinen Büros, in denen sie nur mit wenigen KollegInnen zusammenarbeiten,
- Cubicles, in die sie sich zum Arbeiten zurückziehen können,
- einem Mehr an Pausen, die sie je nach Bedarf für sich nehmen können. Denn in der heutigen Arbeitswelt gilt ja eins: Das Ergebnis und nicht die Anwesenheit. Deshalb dürften mehr Pausen kein Problem sein.
- Chill-Zonen, also mit Pflanzen, Stressless-Sessel und Springbrunnen,
- Noise-Cancelling-Kopfhörer, die sie jederzeit an ihrem Arbeitsplatz aufsetzen können.
Tipp 5: Mehr Home-Office-Tage
Es liegt auf der Hand. Hochsensible Mitarbeiter profitieren enorm vom Home-Office. Prüfen Sie,
- wie viele Tage sie im Home-Office arbeiten könn(t)en,
- zu welchen Anlässen und wann sie definitiv im Büro sein müssen,
- wie der Datentransfer sicher ablaufen kann,
- wie die Arbeit im Home-Office gestaltet werden muss, d.h. wann sollte der hochsensible Mitarbeiter für seine KollegInnen definitiv erreichbar sein.
FAQ: Reizüberflutung
Was versteht man unter Reizüberflutung am Arbeitsplatz?
Reizüberflutung bezeichnet den Zustand, in dem zu viele sensorische Reize wie Geräusche, Licht, Gerüche und soziale Interaktionen gleichzeitig auf einen Menschen einwirken. Für hochsensible Personen führt dies zu einer Überlastung des Nervensystems, die sich in Stress, Konzentrationsschwäche und Unwohlsein äussert.
Warum profitieren alle Mitarbeiter von Massnahmen für Hochsensible?
Massnahmen wie bessere Akustik, angenehmes Licht und Rückzugsmöglichkeiten schaffen eine allgemein ruhigere und strukturiertere Arbeitsumgebung. Dies reduziert Stresslevel und steigert die Produktivität für das gesamte Team, nicht nur für die hochsensiblen Mitarbeiter.
Wie kann man Hochsensibilität im Team kommunizieren, ohne Ausgrenzung zu fördern?
Statt den Fokus auf das Bedürfnis eines einzelnen Mitarbeiters zu legen, sollte die Umgestaltung als Gewinn für die gesamte Teamkultur und die Einzigartigkeit jedes Einzelnen präsentiert werden. Teambuilding-Übungen, die Stärken und Besonderheiten aller hervorheben, helfen, Neid zu vermeiden und Verständnis zu fördern.
Welche kostengünstigen Massnahmen helfen gegen Reizüberflutung?
Oft genügen kleine Veränderungen wie das Aufstellen von Pflanzen, das Anbringen von Wandfototapeten, die Nutzung von schalldämmenden Vorhängen oder die Bereitstellung von Noise-Cancelling-Kopfhörern. Auch die Einführung von flexiblen Pausen und Home-Office-Tagen erfordert keine grossen Investitionen.
Welche Rolle spielt das Home-Office für hochsensible Mitarbeiter?
Das Home-Office bietet die Möglichkeit, die Arbeitsumgebung vollständig selbst zu kontrollieren und Störfaktoren wie Lärm oder ungewollte soziale Interaktionen auszublenden. Es ermöglicht hochsensiblen Personen, ihre Leistungsfähigkeit zu erhalten und sich zwischen den Aufgaben zu erholen.