Führungskraft: Die ersten 100 Tage als Führungskraft

Nicht nur ein Bundeskanzler oder der Papst werden an ihren ersten 100 Tagen im Amt gemessen, dies gilt auch für Führungskräfte. Jeder, der befördert wurde oder als Manager das Bewerbungsverfahren erfolgreich durchlaufen hat, steht unter intensiver Beobachtung der neuen Mitarbeiter, Kollegen und des eigenen Chefs.

14.03.2023 Von: Matthias K. Hettl
Führungskraft

Einleitung

Sowohl für junge Führungskräfte als auch Führungskräfte, die die Stelle wechseln, gilt: Ob sich eine Führungskraft auf ihrer neuen Position behauptet, entscheidet sich in aller Regel in den ersten 100 Tagen. Macht sie in dieser Zeit große Fehler, bekommt sie oft kein Bein mehr auf den Boden.

Gerade in dieser Zeit kommt es darauf an, sich in der Manager-Rolle zu positionieren. Doch wie geht das? Hier einige Tipps, die (nicht nur) frischgebackene Führungskräfte beim Antritt einer neuen Stelle beherzigen sollten.

Neu in der Führungsrolle

Sie haben es geschafft. Zum ersten Mal haben Sie eine Manager-Position übernommen. In Ihrer bisherigen beruflichen Laufbahn haben Sie bereits eine beachtliche Strecke zurückgelegt und viele Herausforderungen gemeistert. Nun stehen Sie vor einem neuen Abschnitt in Ihrer Karriere. Ob als Team-, Abteilungs- oder Bereichsleiter, jetzt übernehmen Sie eine Führungs- und Managerrolle mit neuen Verantwortungs-, Wirkungsbereichen und Verpflichtungen. Zukünftig sind Sie nicht mehr nur noch für Ihre eigenen Aufgaben und Leistungen verantwortlich, sondern auch für Ihr Team.

Für die ersten Schritte als Manager ist es für Sie entscheidend sich in der Manager-Rolle richtig zu positionieren. Dabei stellt sich für Sie die Frage:

  • Wie stelle ich mich gegenüber Mitarbeitern, Kollegen und dem eigenen Chef professionell dar?
  • Wie soll ich mich verhalten, um die Position erfolgreich auszufüllen und der Verantwortung gerecht zu werden?

Akzeptanz schaffen

Für eine "frischgebackene" Führungskraft gilt es in den ersten 100 Tagen, also im ersten Quartal der Zusammenarbeit, vor allem die Akzeptanz bei den Mitarbeitern und dem Chef zu bekommen, sich einen umfassenden Überblick über den Verantwortungsbereich und seine Aufgaben zu verschaffen, Kompetenz aufzubauen und die ersten Handlungsfelder zu definieren. Es geht keinesfalls darum, von der ersten Stunde an alles anders machen zu müssen.

Als Neuling im Chefsessel sind Sie mit einer ganz neuen Situation konfrontiert, nämlich Ihrer ersten Stelle als Führungskraft und Manager. Aber auch Ihr Team, Ihre neuen Kollegen und Ihr eigener Chef werden sich fragen: Wie ist denn der bzw. die Neue? Das ist unabhängig davon, ob Sie in eine ganz neue Abteilung kommen oder innerhalb Ihrer alten Abteilung aufsteigen, wo Sie Ihre "neuen" Kollegen und Ihren Vorgesetzten bereits kennen.

Zeigen Sie, dass Sie genau der bzw. die Richtige für diese Stelle sind. Für Sie geht es dabei vor allem um den Umgang mit Veränderungen, denn Sie wollen ja voller neuer Ideen und Elan Ihre neue Stelle besetzen und sinnvolle Veränderungen durchführen.

Die ersten 100 Tage sind entscheidend

Konzentrieren Sie sich in der Anfangszeit vor allem darauf, Ihre Mitarbeiter kennenzulernen und sich Verbündete zu schaffen. Die ersten 100 Tage sind entscheidend für die zukünftige Zusammenarbeit, die Motivation bei den Mitarbeitern und die Festlegung der Aufgaben und Ziele. Die 100 Tage teilen sich in der Regel in fünf Phasen. Jede Phase hat ihre eigenen Schwerpunkte.

Vorbereitungsphase

Die Vorbereitungsphase ist die Phase, in der die 100 Tage noch nicht laufen, denn diese Beginnen mit Ihrem Eintritt in das Unternehmen bzw. mit dem Antritt Ihrer neuen Stelle. Hier bereiten Sie sich für einen guten Start vor und schließen mögliche Qualifikations-, Wissens- oder Verständnislücken.

Folgende Fragen helfen Ihnen dabei:

  • Welche Aufgaben werden Sie erfüllen müssen? (siehe Stellen- bzw. Aufgabenbeschreibung). Gibt es hier noch Klärungs- bzw. Abstimmungsbedarf
  • Welche zusätzlichen Kompetenzen benötigen Sie? Gleichen Sie Selbsteinschätzung und Stellenanforderungen ab.
  • Wie können Sie sich durch Seminare, Mentoring, Coaching die Kompetenzen noch erschließen?
  • Welches Führungsverständnis existiert im Unternehmen und passt Ihr Führungsstil dazu. Wo müssen Sie sich weiterentwickeln?
  • Was brauchen Sie sonst noch zur Vorbereitung bzw. welche Verständnisfragen haben Sie bezüglich den Erwartungen an Sie?
  • Wie genau sind die formulierten Erwartungen an Sie in der Führungsrolle durch Ihren zukünftigen Vorgesetzten?
  • Wie ist Ihre organisatorische „Aufhängung“ im Unternehmen und war bedeutet das für Ihren Auftritt?  
  • Wie gestalten Sie den ersten Arbeitstag und Ihre Vorstellung bei Vorgesetztem, Kollegen und Mitarbeitern?
  • Wie ist es mit einer Antrittsrede?

Start- bzw. Orientierungsphase

In der Start- bzw. Orientierungsphase sollten Sie sich als Führungskraft darauf konzentrieren, zu lernen, zu verstehen, Fragen zu stellen, Fakten zu sammeln, Beziehungen aufzubauen, Kommunikationsstrukturen einzurichten und die Regeln dafür aufzustellen.

Folgende Fragen sind dabei hilfreich:

  • Wie strukturieren Sie die ersten Wochen? Tipp: Einarbeitungsplan erstellen.
  • Wie gehen Sie mit den Erwartungen Ihres Chefs, der Kollegen und der Mitarbeitenden um? Tipp: Erfragen Sie die Erwartungen.
  • Wie lernen Sie die Mitarbeitenden (besser) kennen? Tipp: Planen Sie Einzel- und Teamgespräche. Interessieren Sie sich für die Aufgaben, Erfolge, Ziele usw.
  • Wie erhalten Sie einen Überblick über Ihren Verantwortungsbereich, über die Betriebskultur und das Umfeld? Tipp: Erfassen Sie systematisch Daten und Fakten sowie „Geschichten“: Stellen Sie Fragen, beobachten und lesen Sie.
  • Wie sortieren, analysieren und bewerten Sie? Tipp: z.B. mit SWOT-Matrix

Bewertungsphase

Während der Bewertungsphase sortieren Sie die gewonnenen Informationen, diskutieren diese, bewerten die Stärken und Schwächen und definieren die Aufgaben- bzw. Handlungsfelder und planen langfristige Veränderungen.

Diese Fragen bringen Sie weiter:

  • Wie verifizieren Sie die Informationen? Tipp: Binden Sie Ihre Kollegen im Rahmen einer Besprechung bzw. eines Workshops mit ein.
  • Wie leiten Sie eine Roadmap ab? Tipp: Auch hier möglichst viele Mitarbeiter im Rahmen des Workshops miteinbinden.
  • Wie informieren Sie alle Mitarbeiter und binden diese mit ein? Tipp: Regelmäßige Einzel- und Teamgespräche schaffen Transparenz.

Umsetzungsphase

In der anschließenden Umsetzungsphase leiten Sie als Führungskraft Maßnahmen ein, überprüfen deren konsequente Umsetzung und holen sich Feedback ein.

Das sind nützliche Fragen:

  • Wie leiten Sie strategische Ziele ab? Tipp: z. B. mit Hilfe der Balanced Scorecard
  • Wie setzen Sie Ihre Ziele um? Tipp: z. B. durch Projektmanagement
  • Wie gestalten Sie erste Veränderungen? Tipp: Changemanagementkonzept
  • Wie gewinnen Sie wichtige Unterstützungspartner im Unternehmen? Tipp: Bauen Sie ein Netzwerk mit wichtigen Beziehungen auf

Reflexionsphase

Die Reflexionsphase ist die Phase in der Sie zurückblicken. Diese Beginn dann hach den ersten 100 Tage. Sie machen sozusagen eine Manöverkritik.

Wichtige Fragen:

  • Wie blicken Sie auf die ersten 100 Tage zurück? Tipp: Eigenbeurteilung und Fremdwahrnehmung durch Feedback
  • Wie blickt Ihr Vorgesetzter auf Sie in den ersten 100 Tagen? Tipp: Reviewgespräch
  • Wie geht es weiter? Tipp: Erstellen Sie einen Entwicklungsplan.

Wenn Sie zum ersten Mal die Führung übernehmen, ist es für Sie ein „Sprung ins kalte Wasser“. Neben einem bedeutenden beruflichen Einschnitt bedeutet die Führungs-Position auch eine große persönliche Herausforderung. Mit der neuen Rolle sehen sich insbesondere junge Manager einer veränderten Situation gegenüber, in der ihre Aufgaben wechseln und sie gleichzeitig in eine neue Beziehung zum Umfeld, zu den Kollegen und zum Vorgesetzten treten. Doch was tun, um von Mitarbeitern oder ehemaligen Kollegen als Manager anerkannt zu werden?

Bauen Sie Ihre "persönliche" Autorität als Manager auf. Auf der einen Seite müssen Sie die Vorgaben der Führungsspitze erfüllen und auf der anderen Ihr Team motivieren und zu Höchstleistungen ermutigen. Dabei muss Ihr Führungsstil auch unter schwierigen Bedingungen in der Sache zielgerichtet, entschlossen und konsequent, aber gleichzeitig menschlich und verständnisvoll sein.

Vertrauen und Nähe aufbauen

Die oberste Maxime bei den ersten Schritten als Manager lautet: Respekt verschaffen. Als ein guter Chef müssen Sie die Menschen mögen, aber nicht um des Aufstiegs willen. Zeigen Sie, dass Sie sich tatsächlich für ihre Belange und Wünsche interessieren. Bleiben Sie authentisch, kein „Theater spielen“. Das merken Ihre Mitarbeiter relativ schnell. Respekt und Anerkennung müssen Sie sich erstmal verdienen. Dann können Sie bestehendes Vertrauen nutzen, ohne es auszunutzen.

Das Rezept dabei lautet: Verständnisvoll zu den Menschen, aber konsequent in der Sache. Um Vertrauen aufzubauen, fangen Sie mit einfachen Dingen an. Sagen Sie Ihren Mitarbeitern häufiger "Bitte" und "Danke". Lassen Sie Ihre Teammitglieder ausreden, hören Sie ihnen zu und fallen Sie Ihnen nicht ins Wort. Gehen Sie auf Ihre Mitarbeiter ein. Geben Sie ihnen Feedback, loben Sie ihre Arbeit, wenn Projekte gut laufen. Mit diesem Vorgehen schaffen Sie die nötige Nähe zu Ihren Mitarbeitern.

Tipps für einen "frischgebackenen" Manager

  • Schaffen Sie Respekt und Vertrauen der Kollegen, um von ihnen als Manager anerkannt zu werden.
  • Lernen Sie Ihre neuen Mitarbeiter kennen und schaffen Sie sich Verbündete.
  • Bauen Sie auf und etablieren Sie als Manager die natürliche Akzeptanz und persönliche Autorität.
  • Strahlen Sie Autorität aus und bleiben Sie trotzdem für jeden Kollegen ansprechbar.
  • Definieren Sie Ihre "Grenzen" und die Grenzen Ihres Zuständigkeitsbereiches.
  • Erkennen Sie, was sich in Ihrer neuen Aufgabe im Vergleich zu früher ändert.

Stellen Sie Ihr persönliches Verhalten bewusst auf die neue Situation ein und lösen Sie sich von ihrer früheren Rolle als Kollege. Das ist wichtig für Ihren Erfolg.

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