ADHS: 5 Tipps, wie Sie Mitarbeiter mit ADHS unterstützen
KURZ ZUSAMMENGEFASST
ADHS ist bei Erwachsenen keine vorübergehende Phase, sondern zeigt sich bei 30 bis 50 Prozent der Betroffenen auch im Berufsleben. Führungskräfte stehen vor der Aufgabe, die spezifischen Stärken wie Kreativität und Fehleranalyse zu fördern, während sie gleichzeitig die Herausforderungen bei der Reizfilterung und Priorisierung durch gezielte Strukturen ausgleichen. Ein bewusster Umgang mit diesen Unterschieden verwandelt potenzielle Schwachstellen in wertvolle Unternehmensressourcen.
Die wichtigsten Punkte:
- ADHS-Symptome bestehen bei Erwachsenen oft fort und erfordern spezifische Führungsstrategien.
- Mitarbeiter mit ADHS bringen hohe Kreativität und Detailgenauigkeit, kämpfen aber mit Reizüberflutung.
- Strukturierte Arbeitsplätze, klare Prioritäten und kurze Arbeitsphasen sind entscheidend für den Erfolg.
- Ruhephasen und angepasste Meeting-Formate schützen vor Überforderung und Erschöpfung.
- Ein offener Dialog ermöglicht es, individuelle Stärken optimal im Team einzubinden.

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Wie können Führungskräfte Mitarbeiter mit ADHS effektiv unterstützen und ihre Potenziale nutzen?
Der etwas andere Mitarbeiter
Wer ADHS hört, aktiviert blitzschnell ein Bild im Kopf: Ein Kind, das auf seinem Stuhl herumzappelt, trödelt und vor sich hinträumt. Ein Kind, das für Unruhe sorgt und sich schwer konzentrieren kann.
Etwas wird bei diesem Bild jedoch ausgeklammert: Wer als Kind die Diagnose ADHS erhalten hat, zeigt auch als Erwachsener meist entsprechende Symptome - laut neueren amerikanischen Studien sind zwischen 30 bis 50 Prozent der Erwachsenen betroffen. Als Führungskraft treffen Sie somit auch auf Mitarbeiter, die an ADHS leiden – und Ihre konkrete Unterstützung benötigen.
Menschen mit ADHS – und deren innere Landkarte
| Die Sonnenseiten | Die Schattenseiten |
|---|---|
| Sehr gut in der Fehleranalyse, da sie eben alle Aspekte ungefiltert an sich heranlassen, ihnen entgeht somit nichts | Gehirn kann schlecht äussere Reize filtern, d.h. alles strömt auf denjenigen ungefiltert ein, was in dem Moment in der Umgebung passiert: Musik, Telefonate, Gespräche, Gerüche, Tippen auf der Tastatur, Druckergeräusche, Surren der Klimaanlage – einfach alles |
| Hohe Kreativität und sehr assoziationsstark | Impulsives Verhalten |
| Enorm hilfsbereit und setzen sich gerne für andere ein, gerade Schwächere | Langeweile und Routineaufgaben sind kaum auszuhalten und werden oft vermieden |
| Originelle mutige Vordenker und Visionäre, weil sie sich schlecht an Regeln halten können und alles in Frage stellen | Sich selbst zu organisieren kostet viel Energie. Oft werden andere Dinge einfach dazwischengeschoben. |
| Energiegeladen und aktiv | Alles scheint gleich wichtig zu sein. Der Überblick fehlt für das Setzen von Prioritäten. |
| Hohe Flexibilität und spontan | Wirken manches Mal müde und unmotiviert |
| Sehr aufmerksam und neugierig. sie haben ausgeprägte „Antennen“ | Sind sehr leicht abzulenken |
| Ist etwas wichtig, bleiben sie dran und erbringen herausragende Leistungen | Spüren oft den Drang, aufzustehen, die Sitzposition zu wechseln, einen Kaffee sich zu holen, wippen mit den Füssen, klopfen mit den Fingern auf |
| Lieben es zu diskutieren, haben deshalb eine hohe Sprachfertigkeit entwickelt | Vergesslich, zerstreut und bekommen manches Mal nicht alles mit |
| Sind warmherzig, offen, emotional und ehrlich: sie sagen, was sie denken | Kommen oft zu spät und verschätzen sich in ihrer Zeit. Deshalb wird mancher Termin „vergessen“ |
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5 Tipps für die Führung von Mitarbeitern mit ADHS
Als Führungskraft sind Sie gefragt. Ein Mitarbeiter mit ADHS kann gute, sogar Top-Leistungen erbringen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Sorgen Sie deshalb für geeignete Strukturen.
Tipp 1: Ruhiger Arbeitsplatz statt Grossraumbüro
Minimieren Sie so viele Quellen, die Ablenkung bieten, als möglich ist. Ein Büro alleine oder maximal mit einem anderen Kollegen, der eher ein ruhigeres Temperament besitzt, unterstützt den Mitarbeiter mit ADHS dabei konzentriert arbeiten zu können.
Tipp 2: Prioritäten deutlich kommunizieren und setzen
Geben Sie klare und strukturiere Vorgaben. Verdeutlichen Sie als Vorgesetzter die Prioritäten der Aufgaben und des Arbeitsbereiches. Benennen Sie eindeutige Kriterien. Grenzen Sie Aufgabenpakete voneinander ab. Bieten Sie die Struktur, die derjenige für sein Arbeiten benötigt.
Tipp 3: Arbeiten in Etappen
Besprechen Sie mit dem Mitarbeiter, in welchen Etappen welche Aufgaben und/oder Arbeitsschritte zu erledigen sind. Stellen Sie sicher, dass die Etappen nicht zu lang sind, um ein konzentriertes Arbeiten zu ermöglichen.
Für wiederkehrende Aufgaben empfiehlt es sich, Checklisten zu erstellen. Checklisten lenken stets den Fokus wieder zurück auf die einzelnen Arbeitsschritte. Auch die Nutzung eines elektronischen Kalenders bietet demjenigen beste Unterstützung. Gerade die „Erinnerungsfunktion“ sollte aktiv für das Zeitmanagement eingesetzt werden.
Checkliste
- Prüfen Sie, ob der Arbeitsplatz in einem ruhigen Büro oder mit einem ruhigen Kollegen eingerichtet werden kann.
- Definieren Sie für jede Aufgabe klare Prioritäten und eindeutige Kriterien vor der Auftragserteilung.
- Gliedern Sie komplexe Projekte in kurze, überschaubare Arbeitsetappen mit klaren Zwischenzielen.
- Einführen von Checklisten für wiederkehrende Aufgaben zur Fokussierung und Struktur.
- Nutzen Sie elektronische Kalender mit aktiven Erinnerungsfunktionen für das Zeitmanagement.
- Planen Sie regelmässige Ruhephasen ein, um die schnelle Erschöpfung durch Reizüberflutung auszugleichen.
- Richten Sie im Unternehmen eine reizarme Zone mit dezentem Licht und Ruhemöglichkeiten ein.
- Strukturieren Sie Meetings mit einer fixen Agenda und limitieren Sie die Anwesenheit auf notwendige Punkte.
- Verwenden Sie Methoden wie die «6 denkenden Hüte» von de Bono, um Diskussionen in Meetings zu fokussieren.
- Führen Sie ein offenes Gespräch mit dem Mitarbeiter, um individuelle Bedürfnisse und Lösungen abzustimmen.
Tipp 4: Ruhephasen gönnen
Ein Mitarbeiter mit ADHS, auf den alles ungefiltert einströmt, erschöpft schneller und stärker als seine Kollegen. Besprechen Sie mit Ihrem Mitarbeiter, in welchen Zeitintervallen Pausen sinnvoll sind.
Überlegen Sie, ob Sie generell für alle in Ihrem Team und der Abteilung Ruhezonen im Unternehmen einrichten. Solche Ruhezonen sollten wenig Reize bieten, ausser einigen Pflanzen, dezentem Licht und gerne auch Liegemöglichkeiten. Erlauben Sie es allen, sich dort auszuruhen und wieder mit Energie aufzuladen.
Tipp 5: Meetings klug strukturieren
Langatmige Meetings, in denen lange geredet und vielleicht nichts geklärt wird, sind für jeden Mitarbeiter ein Gräuel. Menschen mit ADHS sind in solchen Meetings allerdings komplett überfordert. Eben, weil alles ungefiltert auf sie einprasselt. Deshalb planen Sie die Meetings klug und kurz:
- Agenda: Fixieren Sie in der Agenda, welche Punkte wie lange besprochen werden.
- Gezielte Einladung: Legen Sie fest, bei welchen Besprechungspunkten derjenige überhaupt am Meeting teilnehmen muss. Grenzen Sie seine Anwesenheit dadurch gezielt ein.
- Kommunikation geschickt führen: Stoppen Sie langatmige Diskussionen, in denen von einem Einwand zum nächsten gesprungen wird. Nutzen Sie de Bono’s „6 denkende Hut“-Methode, um Themen und Probleme strukturiert zu besprechen.
FAQ: ADHS
Warum ist ein Grossraumbüro für Mitarbeiter mit ADHS problematisch?
Ein Grossraumbüro bietet zu viele äussere Reize wie Gespräche, Telefonate oder Geräusche, die für Menschen mit ADHS ungefiltert auf das Gehirn einströmen. Dies führt schnell zu Überforderung und Konzentrationsschwäche. Ein ruhiger Arbeitsplatz mit minimalen Ablenkungen ist daher essenziell.
Wie können Führungskräfte helfen, wenn Prioritäten fehlen?
Menschen mit ADHS haben oft Schwierigkeiten, selbst Prioritäten zu setzen. Führungskräfte müssen daher klare Vorgaben machen, Aufgabenpakete abgrenzen und explizit benennen, welche Aufgaben zuerst erledigt werden müssen, um dem Mitarbeiter Orientierung zu geben.
Welche Rolle spielen Pausen im Arbeitsalltag?
Da Mitarbeiter mit ADHS schneller erschöpfen, weil sie alle Reize verarbeiten, sind regelmässige Ruhephasen unverzichtbar. Diese sollten bewusst in den Arbeitsplan integriert werden, um Energie zu tanken und die Leistungsfähigkeit zu erhalten.
Wie können Meetings für Mitarbeiter mit ADHS erfolgreich gestaltet werden?
Meetings sollten kurz und strukturiert sein. Eine feste Agenda mit Zeitvorgaben, eine gezielte Einladung nur bei relevanten Themen und Methoden zur Strukturierung von Diskussionen helfen, Überforderung zu vermeiden und die Teilnahme effektiv zu gestalten.
Welche Stärken können Mitarbeiter mit ADHS ins Team einbringen?
Trotz der Herausforderungen bringen Mitarbeiter mit ADHS oft grosse Kreativität, eine ausgeprägte Fehleranalyse, hohe Flexibilität und eine originelle Denkweise mit. Sie sind oft hilfsbereit, emotional offen und können bei wichtigen Aufgaben herausragende Leistungen erbringen.