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ADHS: 5 Tipps, wie Sie Mitarbeiter mit ADHS unterstützen

ADHS wächst sich nicht aus. 30 bis 50 Prozent zeigen auch als Erwachsene Symptome. Als Führungskraft sind Sie gefordert. Bieten Sie konkrete Unterstützung.

18.01.2022 Von: Brigitte Miller
ADHS

Der etwas andere Mitarbeiter

Wer ADHS hört, aktiviert blitzschnell ein Bild im Kopf: Ein Kind, das auf seinem Stuhl herumzappelt, trödelt und vor sich hinträumt. Ein Kind, das für Unruhe sorgt und sich schwer konzentrieren kann.

Etwas wird bei diesem Bild jedoch ausgeklammert: Wer als Kind die Diagnose ADHS erhalten hat, zeigt auch als Erwachsener meist entsprechende Symptome - laut neueren amerikanischen Studien sind zwischen 30 bis 50 Prozent der Erwachsenen betroffen. Als Führungskraft treffen Sie somit auch auf Mitarbeiter, die an ADHS leiden – und Ihre konkrete Unterstützung benötigen.

ADHS – Symptome kennenlernen

Von einem Vorurteil darf sich sofort verabschiedet werden: ADHS ist keine Krankheit. ADHS ist eine Konstitution der Persönlichkeit, so wie manche Menschen extrovertiert sind, andere introvertiert. Und um das Konzept der Neurolinguistische Programmierung zu nutzen: Menschen mit ADHS haben eine ganz persönliche Landkarte, gar ein „Strickmuster“, das deren Art der Wahrnehmung, des Fühlens, Denkens und Agierens prägt.

Menschen mit ADHS – und deren innere Landkarte

Die Sonnenseiten Die Schattenseiten
Sehr gut in der Fehleranalyse, da sie eben alle Aspekte ungefiltert an sich heranlassen, ihnen entgeht somit nichts

Gehirn kann schlecht äussere Reize filtern, d.h. alles strömt auf denjenigen ungefiltert ein, was in dem Moment in der Umgebung passiert: Musik, Telefonate, Gespräche, Gerüche, Tippen auf der Tastatur, Druckergeräusche, Surren der Klimaanlage – einfach alles

Hohe Kreativität und sehr assoziationsstark Impulsives Verhalten
Enorm hilfsbereit und setzen sich gerne für andere ein, gerade Schwächere Langeweile und Routineaufgaben sind kaum auszuhalten und werden oft vermieden
Originelle mutige Vordenker und Visionäre, weil sie sich schlecht an Regeln halten können und alles in Frage stellen Sich selbst zu organisieren kostet viel Energie. Oft werden andere Dinge einfach dazwischengeschoben.
Energiegeladen und aktiv Alles scheint gleich wichtig zu sein. Der Überblick fehlt für das Setzen von Prioritäten.
Hohe Flexibilität und spontan Wirken manches Mal müde und unmotiviert
Sehr aufmerksam und neugierig. sie haben ausgeprägte „Antennen“ Sind sehr leicht abzulenken
Ist etwas wichtig, bleiben sie dran und erbringen herausragende Leistungen

Spüren oft den Drang, aufzustehen, die Sitzposition zu wechseln, einen Kaffee sich zu holen, wippen mit den Füssen, klopfen mit den Fingern auf

Lieben es zu diskutieren, haben deshalb eine hohe Sprachfertigkeit entwickelt Vergesslich, zerstreut und bekommen manches Mal nicht alles mit
Sind warmherzig, offen, emotional und ehrlich: sie sagen, was sie denken Kommen oft zu spät und verschätzen sich in ihrer Zeit. Deshalb wird mancher Termin „vergessen“

5 Tipps für die Führung von Mitarbeitern mit ADHS

Als Führungskraft sind Sie gefragt. Ein Mitarbeiter mit ADHS kann gute, sogar Top-Leistungen erbringen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Sorgen Sie deshalb für geeignete Strukturen.

Tipp 1: Ruhiger Arbeitsplatz statt Grossraumbüro

Minimieren Sie so viele Quellen, die Ablenkung bieten, als möglich ist. Ein Büro alleine oder maximal mit einem anderen Kollegen, der eher ein ruhigeres Temperament besitzt, unterstützt den Mitarbeiter mit ADHS dabei konzentriert arbeiten zu können.

Tipp 2: Prioritäten deutlich kommunizieren und setzen

Geben Sie klare und strukturiere Vorgaben. Verdeutlichen Sie als Vorgesetzter die Prioritäten der Aufgaben und des Arbeitsbereiches. Benennen Sie eindeutige Kriterien. Grenzen Sie Aufgabenpakete voneinander ab. Bieten Sie die Struktur, die derjenige für sein Arbeiten benötigt.

Tipp 3: Arbeiten in Etappen

Besprechen Sie mit dem Mitarbeiter, in welchen Etappen welche Aufgaben und/oder Arbeitsschritte zu erledigen sind. Stellen Sie sicher, dass die Etappen nicht zu lang sind, um ein konzentriertes Arbeiten zu ermöglichen.

Für wiederkehrende Aufgaben empfiehlt es sich, Checklisten zu erstellen. Checklisten lenken stets den Fokus wieder zurück auf die einzelnen Arbeitsschritte. Auch die Nutzung eines elektronischen Kalenders bietet demjenigen beste Unterstützung. Gerade die „Erinnerungsfunktion“ sollte aktiv für das Zeitmanagement eingesetzt werden.

Tipp 4: Ruhephasen gönnen

Ein Mitarbeiter mit ADHS, auf den alles ungefiltert einströmt, erschöpft schneller und stärker als seine Kollegen. Besprechen Sie mit Ihrem Mitarbeiter, in welchen Zeitintervallen Pausen sinnvoll sind.

Überlegen Sie, ob Sie generell für alle in Ihrem Team und der Abteilung Ruhezonen im Unternehmen einrichten. Solche Ruhezonen sollten wenig Reize bieten, ausser einigen Pflanzen, dezentem Licht und gerne auch Liegemöglichkeiten. Erlauben Sie es allen, sich dort auszuruhen und wieder mit Energie aufzuladen.

Tipp 5: Meetings klug strukturieren

Langatmige Meetings, in denen lange geredet und vielleicht nichts geklärt wird, sind für jeden Mitarbeiter ein Gräuel. Menschen mit ADHS sind in solchen Meetings allerdings komplett überfordert. Eben, weil alles ungefiltert auf sie einprasselt. Deshalb planen Sie die Meetings klug und kurz:

  • Agenda: Fixieren Sie in der Agenda, welche Punkte wie lange besprochen werden.
  • Gezielte Einladung: Legen Sie fest, bei welchen Besprechungspunkten derjenige überhaupt am Meeting teilnehmen muss. Grenzen Sie seine Anwesenheit dadurch gezielt ein.
  • Kommunikation geschickt führen: Stoppen Sie langatmige Diskussionen, in denen von einem Einwand zum nächsten gesprungen wird. Nutzen Sie de Bono’s „6 denkende Hut“-Methode, um Themen und Probleme strukturiert zu besprechen.
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