Resilienzfaktoren: Die verschiedenen Ressourcen im Prozess der Resilienzentwicklung
KURZ ZUSAMMENGEFASST
Resilienz ist kein statisches Persönlichkeitsmerkmal, sondern ein dynamischer Prozess, der durch spezifische personale Ressourcen gestärkt wird. Diese Ressourcen lassen sich in körperliche, kognitive, emotionale, soziale und motivationale Kategorien einteilen. Im Gegensatz zu reinen Schutzfaktoren können diese Ressourcen aktiv trainiert und entwickelt werden, um auch in Krisensituationen handlungsfähig zu bleiben.
Die wichtigsten Punkte:
- Resilienzfaktoren sind trainierbare Ressourcen, keine festen Eigenschaften.
- Fünf Hauptkategorien beeinflussen die psychische Widerstandskraft: körperlich, kognitiv, emotional, sozial und motivatorisch.
- Ein optimales Mass an Anforderung und Unterstützung ist für die Resilienzentwicklung entscheidend.
- Soziale Beziehungen und emotionale Stabilität sind essenzielle Grundlagen für das Wohlbefinden am Arbeitsplatz.
- Zielsetzungen und Motivation helfen, Pflichten souverän zu meistern und Prokrastination zu vermeiden.

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Welche Ressourcen sind entscheidend für die Entwicklung von Resilienz im Arbeitskontext?
Verschiedene Ressourcenarten als wichtige Resilienzfaktoren
Körperliche Gesundheitsressourcen
Körperliche Ressourcen sind nicht nur im Privatleben, sondern auch im Arbeitskontext von Bedeutung. Deshalb gibt es bestimmte Gesetze bezüglich Arbeitszeiten, insbesondere zur Nachtarbeit, damit das physische Wohlbefinden erhalten werden kann (Seco, 2013).
Zudem ist bekannt, dass es Personen mit physischer Attraktivität leichter haben in der Arbeitswelt (z. B. höherer Stimmenanteil bei Wahlen und bessere Bewertung der Leistung [Klein & Rosar, 2005, 2006]).
Kognitive Ressourcen
Im Arbeitskontext erwiesen sich besonders kognitive Fähigkeiten wie Analysestärke, die Fähigkeit zu reflektieren, Selbstbewusstsein, die Fähigkeit, sich weiterzuentwickeln und seine Horizonte zu erweitern, Ziel- und Lösungsorientierung sowie eine realistische Situationswahrnehmung als erfolgreiche Resilienzfaktoren. Diese Resilienzfaktoren ermöglichen es Mitarbeitenden, auch unter Druck handlungsfähig zu bleiben und Herausforderungen souverän zu meistern.
Eine kleine Geschichte: Es waren einmal zwei Frösche. Einer war ein Optimist, er war glücklich und froh. Er sah an allem immer das Heitere und Positive. Der andere war ein Pessimist, er war düster und bitterernst. Eines Tages fielen beide in einen grossen Rahmeimer. «Entsetzlich, hier kommen wir nie wieder heraus, und in diesem Rahm können wir nicht überleben», jammerte der pessimistische Frosch. «Wir werden unter grossen Schmerzen sterben. Aber ich will nicht leiden.» Der pessimistische Frosch schlug mit dem Kopf gegen die Wand des Eimers und sank wie ein Stein. «Also ich gebe nicht kampflos auf!», sagte der optimistische Frosch. «Wenn ich schon sterben muss, so werde ich glücklich sterben. Da geniesse ich noch eine lustige Zeit!» Darauf begann der optimistische Frosch herumzuspritzen, zu tanzen und zu singen. Nach einer Weile bemerkte er, wie seine fröhlichen Bewegungen den Rahm zu Butter werden liesen. Bald konnte er hochklettern und ins Freie hüpfen!
Emotionale Ressourcen
Verschiedene Studien haben gezeigt, dass emotionale Stabilität im Arbeitskontext eine essenzielle Ressource darstellt. So ist bekannt, dass eine gute Emotionsregulation, Positivität und Optimismus am Arbeitsplatz wertvolle Ressourcen sind (Philipsen & Ziemer, 2013). Kinman und Grant (2011) fanden eine erhöhte Resilienz unter andauerndem Stress, wenn emotionale Intelligenz vorhanden ist, d.h., die Personen fähig sind, ausgedrückte Emotionen wahrzunehmen und zu bewerten, sich selber emotional auszudrücken, diese Emotionen zu verstehen, zu analysieren und zu gebrauchen.
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Soziale Ressourcen
Unter den sozialen Ressourcen ist die Fähigkeit zu guten Beziehungen und Kollegialität sowie Empathie (Philipsen & Ziemer, 2013), Nächstenliebe und soziale Unterstützung zu verstehen. Auch Vorbilder und Humor zu haben, scheint vorteilhaft für die Entwicklung von Resilienz zu sein (Southwick et al., 2005). Diese sozialen Aspekte gelten als wichtige Resilienzfaktoren, die Menschen dabei unterstützen, Krisen besser zu bewältigen.
Als menschliche Wesen sind wir individuelle Persönlichkeiten und gleichzeitig Teil von sozialen Systemen. Beziehungen zu unseren Eltern, Geschwistern, Freunden, Bekannten, Nachbarn, Arbeitskollegen, zu unserer Lebenspartnerin bzw. unserem Lebenspartner prägen uns. Sie beeinflussen unser Selbstbild, unsere Werte, Wünsche, Ziele und Visionen und geben uns Rückhalt. Haben Sie sich auch schon die Frage gestellt, wer dazu beigetragen hat, dass Sie zu dem Menschen geworden sind, der Sie heute sind? Wann und von wem haben Sie Impulse erhalten, die für Sie und Ihre Entwicklung
wichtig, vielleicht sogar weichenstellend waren? Wer ist für Sie in Notsituationen da? In Verbindung mit anderen Menschen zu sein und einen erfüllenden und unterstützenden Austausch zu pflegen, ist eine wichtige Grundlage für unsere Zufriedenheit, für unseren Erfolg und unseren Antrieb und damit für unsere Resilienz.
Checkliste
- Achten Sie auf Ihre körperliche Gesundheit: Sind Arbeitszeiten und Pausen so gestaltet, dass Ihr physisches Wohlbefinden erhalten bleibt?
- Fördern Sie kognitive Fähigkeiten: Üben Sie die Analyse von Situationen und reflektieren Sie regelmässig Ihre Ziele.
- Stärken Sie die emotionale Regulation: Lernen Sie, Emotionen wahrzunehmen, zu verstehen und konstruktiv zu nutzen.
- Pflegen Sie soziale Netzwerke: Bauen Sie stabile Beziehungen zu Kolleginnen und Kollegen auf und suchen Sie aktiv den Austausch.
- Nutzen Sie Empathie und Humor: Diese sozialen Ressourcen helfen, Krisen gemeinsam zu bewältigen.
- Setzen Sie klare Ziele: Formulieren Sie handlungswirksame Tages- und Wochenziele, um Motivation und Fokus zu steigern.
- Vermeiden Sie Unter- und Überforderung: Prüfen Sie, ob die aktuellen Anforderungen im Gleichgewicht mit Ihren Ressourcen stehen.
- Suchen Sie Vorbilder: Orientieren Sie sich an Personen, die Resilienz erfolgreich in ihrem Berufsleben leben.
- Reflektieren Sie Ihre Entwicklung: Überlegen Sie, welche Impulse aus Ihrer Vergangenheit Sie heute stark machen.
- Bewerten Sie Ihre Motivation: Sind Sie motiviert, Ihre beste Leistung zu zeigen, oder gibt es Hindernisse, die Sie angehen müssen?
Motivationale Ressourcen
Die Fähigkeit, bewusst planerisch denken zu können und sich Ziele zu setzen, ist ein Privileg des Menschen. Im Gegensatz zu den Tieren, die oft nur instinktiv handeln, haben wir die Fähigkeit, vorausschauend denken zu können. Diese Fähigkeit ist im frontalen Kortex des Gehirns lokalisiert.
Doch warum soll man sich überhaupt Ziele setzen? Wie viele unangenehme Pflichten fallen Ihnen auf Anhieb ein, die Ihnen schon lange im Nacken sitzen und die Sie schon lange hätten erledigen sollen, dies aber nicht tun? «Prokrastination» nennt sich dieses Phänomen in der Fachsprache – und «Aufschieberitis» in der Umgangssprache! Die Kunst der handlungswirksamen Zielformulierung soll Ihnen zukünftig dabei helfen, souverän und motiviert mit Pflichten und Zielen umzugehen. Die Fähigkeit, Ziele für sich zu formulieren, kann Ihnen dabei helfen, Ihren Blick zu heben, vorausschauend zu denken und so effizient und motiviert zu handeln. Verschiedene wissenschaftliche Untersuchungsergebnisse aus der Positiven Psychologie weisen darauf hin, dass glückliche Menschen mehr das tun, was sie möchten, und ihre Aktivitäten eher geniessen können, indem sie es schaffen, ihre formulierten Ziele einzuhalten.
Merke: In einer Studie des Staatssekretariats für Wirtschaft konnte auch die Motivation in Zusammenhang mit Resilienz gebracht werden: Drei Viertel der Beschäftigten berichten, motiviert zu sein, bei der Arbeit ihre beste Arbeitsleistung zu zeigen. Hingegen fühlen sich 13% gar nicht oder kaum motiviert (Grebner et al., 2011). Die Motivation hängt dabei zusammen mit der Zufriedenheit der Arbeitsbedingungen und einem besseren allgemeinen Gesundheitszustand.
Resilienzförderung hat zum Ziel, dass sich Personen gestärkt zum Positiven entwickeln können. Die Schwierigkeit besteht darin, zu wissen, in welchem Mass gefordert werden soll, und wie viel Unterstützung dabei zur Verfügung gestellt werden soll (Kumpfer, 1999, S. 212). Wie viel soll von Arbeitenden gefordert werden und inwiefern soll man ihnen dabei Unterstützung anbieten?
Merke: Auch für die Arbeitenden ist das richtige Mass an Anforderung wichtig, sodass sie sich bei optimaler Belastung in einem Gleichgewicht befinden und maximale Leistung zeigen können. Unterforderung und auch Überforderung können bei Arbeitenden Stress auslösen und folglich auch zu schlechterem Wohlbefinden und Krankheit führen (Wagner-Link, 2006).
Praxisbeispiel: Herr F. und Frau C. befinden sich in einer Phase der beruflichen Umorientierung. Diese Lebensphase stellt für beide eine entscheidende Lebensphase dar. Der Herausforderung, sich beruflich neu zu orientieren, begegnen die beiden Personen völlig unterschiedlich. Während Herr F. sich Tages- und Wochenziele setzt und damit sehr gut fährt, geben Frau C. abstraktere Visionen viel mehr Kraft.
FAQ: Resilienzfaktoren
Was sind Resilienzfaktoren?
Resilienzfaktoren sind personale Ressourcen wie körperliche Gesundheit, kognitive Fähigkeiten, emotionale Stabilität, soziale Beziehungen und Motivation, die aktiv trainiert werden können, um Krisen besser zu bewältigen.
Können Resilienzfaktoren im Arbeitskontext trainiert werden?
Ja, im Gegensatz zu statischen Eigenschaften können Resilienzfaktoren gezielt entwickelt werden. Beispiele sind das Setzen von Zielen, das Pflegen von Beziehungen und das Trainieren der emotionalen Regulation.
Warum sind soziale Ressourcen für die Resilienz wichtig?
Soziale Ressourcen wie Kollegialität, Empathie und Unterstützung durch das Umfeld geben Rückhalt, prägen das Selbstbild und helfen Menschen, in Notsituationen besser durchzuhalten.
Welche Rolle spielt die Motivation bei der Resilienz?
Motivation ist eng mit der Zufriedenheit und dem Gesundheitszustand verknüpft. Die Fähigkeit, Ziele zu formulieren und einzuhalten, hilft, Pflichten souverän zu meistern und Prokrastination zu vermeiden.
Wie viel Anforderung ist für die Resilienzentwicklung förderlich?
Ein optimales Mass an Anforderung ist entscheidend. Sowohl Unter- als auch Überforderung können Stress auslösen. Das richtige Gleichgewicht ermöglicht maximale Leistung und Wohlbefinden.