Krisensituation: 2 Tipps für einen kühlen Kopf in Krisensituationen

KURZ ZUSAMMENGEFASST

In Krisensituationen ist es normal, dass das vertraute Weltbild erschüttert wird und die mentale Stärke zunächst abnimmt. Der Schlüssel zur Bewältigung liegt darin, negative Gedankenketten bewusst zu unterbrechen und durch einen mentalen Abstand die Situation neu zu bewerten. Mit zwei konkreten Techniken – dem Gedanken-Stopp und dem Perspektivenwechsel – können Verantwortliche schnell wieder in einen klaren Handlungsmodus gelangen.

Die wichtigsten Punkte:

  • Rufen Sie sich Ihre bereits bewältigten Krisen und die dafür entwickelten Kompetenzen ins Gedächtnis.
  • Unterbrechen Sie negative Gedankenmuster sofort mit einem mentalen oder lauten «Stopp».
  • Gewinnen Sie Distanz, indem Sie die Krise aus einer zukünftigen Perspektive (z. B. in einem Jahr) betrachten.
29.07.2026 Von: Brigitte Miller
Krisensituation

Wie bewahre ich in einer akuten Krisensituation einen kühlen Kopf und bleibe handlungsfähig?

Krisen fordern heraus. Denn eine Krisensituation stellt das Bestehende auf den Kopf – auch Ihre Reaktion. Ein kühler Kopf ist deshalb bei der Krisenbewältigung erwünscht.

Eine Krisensituation tritt immer wieder auf – Ihre Ressourcen auch

Keiner ist vor ihr gefeit: Der Krisensituation. Ob es sich um ein Erdbeben handelt oder einen Waldbrand. Ob es ein Unfall ist oder ein Produktionsfehler mit einer kostspieligen Rückrufaktion. Ob es die Kündigung ist oder die Trennung/Scheidung vom Partner. Immer wieder treten Krisensituationen im Leben auf – beruflich und privat.

Sie sind also mit Krisen bestens vertraut. Denn Sie selbst haben die eine oder andere Krisen erlebt und bewältigt. Mit jeder Krisenbewältigung haben Sie somit bereits Ressourcen und Kompetenzen entwickelt, wie Sie mit auftretenden Krisen umgehen (können). Rufen Sie sich diese Ressourcen jetzt einmal bewusst in Erinnerung. Fragen Sie sich:

  • Welche Krisen – beruflich und/oder privat – sind in Ihrem Leben aufgetreten?
  • Welches waren Ihre spontanen Reaktionen auf diese Krise? Was haben Sie gedacht? Wie sich gefühlt? Welches Verhalten wurde aktiviert? Wie gut konnten Sie Ihre mentale Stärke zeigen?
  • Wie haben Sie letztendlich die Krise bewältigt? Wie haben Sie es erreicht, wieder einen «kühlen Kopf» zu erlangen? Welche Ressourcen und Kompetenzen haben Sie dafür aktiviert und eingesetzt?

Ihre Antworten offenbaren Ihre mentale Stärke. Ihre Antworten offenbaren aber auch die eine oder andere «Schwäche» im Umgang mit Krisen. Aufgrund dieser «Schwächen» fühlen Sie sich manches Mal für die Krisenbewältigung schlecht gerüstet. Sie zweifeln an sich. Und wünschen sich eins: Immer einen kühlen Kopf bewahren zu können.

Krisen erschüttern – und der «Kopf geht verloren»

Nur einen kühlen Kopf beim Auftreten einer Krisensituation zu behalten, ist erst einmal eine unrealistische Erwartung an sich selbst. Denn jede Krise erschüttert das eigene Weltbild – mal mehr, mal weniger. Der vertraute Verhaltensmodus wird durcheinander gebracht, gar deaktiviert. Es fällt schwer, klar zu denken. Noch schwerer eine Entscheidung zu treffen und wieder in einen Handlungsmodus zu gelangen.

In solchen Momenten muss sich jeder mental, emotional und kognitiv neu sortieren. Deshalb fällt es schwer, die gewünschte mentale Stärke zu zeigen. Allerdings – und dies ist wichtig – können Sie sich weitere Kompetenzen aneignen, die Sie genau bei diesem Ziel unterstützen.

Erfolgreiche Krisenbewältigung: 2 Tipps für einen kühlen Kopf

Um schneller wieder in einen Handlungsmodus zu gelangen, benötigen Sie einen mentalen Abstand. Es gilt, die Krise neu und anders zu bewerten. Jeder der folgenden Tipps bietet Ihnen hierfür Strategien.

Tipp 1: Gedanken-Stopp praktizieren

Krisen triggern neben Emotionen auch automatische Gedanken-Muster. «Nie kann mal etwas für längere Zeit gut gehen. Schon wieder eine schlechte Produktmarge. Aus dieser Krise gehen wir nicht unbeschadet hervor. Die Kunden wandern ab…» Ein Gedanken führt zum nächsten. Das Bild, das Sie malen, ist düster und negativ. Und mit jedem Gedanken treten Emotionen wie Unsicherheit, Beklemmung, Angst, vielleicht auch Wut hervor, die es Ihnen erschweren, besonnen mit der Krise umzugehen.

Stoppen Sie deshalb Ihre negative Gedanken-Emotions-Kette, sobald Sie Ihnen bewusst wird. Gelingen kann dies auf unterschiedliche Weise:

  • Laut oder im Kopf «Stopp» sagen. Unterbrechen Sie so den Fluss Ihrer Gedanken.
  • Positiv instruieren. Sprechen Sie innerlich beruhigend mit sich selbst. Lenken Sie Ihren Fokus auch auf bereits bewältigte Krisen, um sich Ihre Ressourcen vor Augen zu führen. «Nun mal ruhig bleiben. Du schaffst das. Du hast auch die letzte Krise gut gemeistert. Jetzt verschaffe dir erst einmal ein Bild der Lage…»
  • Kopfrechnen. Mental etwas völlig anderes tun. Rechnen Sie 103 minus 7 und subtrahieren von diesem Ergebnis wieder 7. Rechnen Sie solange, bis Sie mental zur Ruhe gekommen sind.
  • Raum beschreiben. Bringen Sie Ihre Aufmerksamkeit ins Hier und Jetzt. Schildern Sie den Ort, an dem Sie sich befinden.

Tipp 2: Abstand gewinnen durch Perspektivenwechsel

Treten Sie für einen Augenblick bewusst aus Ihrer Verstrickung mit der Krise heraus. Verschaffen Sie sich durch eine zeitliche und/oder räumliche Dissoziierung einen mentalen Abstand.

Die zeitliche Dissoziierung

  • Wenn Sie diese Krise aus einer zeitlichen Entfernung von einem Jahr (alternativ fünf oder zehn Jahren) betrachten, wie würden Sie die Krise wahrnehmen?
  • Worauf würden Sie Ihre Aufmerksamkeit lenken?
  • Was würde Sie die Krise lehren?
  • Woran würden Sie in einer Woche (alternativ in einem Monat) erkennen, dass Sie die Krise gut bewältigt haben?
  • Woran in einem (halben) Jahr?

Die räumliche Dissoziierung

  • Wie würden Sie die Krise beschreiben…
    • von einer Almhütte hoch oben auf einem Berg?
    • einem Freund bei einem After-Work-Treffen in einer Bar?
    • in Ihrem Urlaub in Australien?
  • An welchen Ort würden Sie sich imaginativ versetzen, der Ihnen die gelassenste Sichtweise auf die Krise ermöglicht? Was würden Sie konkret anders tun oder überhaupt tun, wenn Sie in dieser Entfernung wären?

Checkliste

  • Erkennen Sie den Beginn einer negativen Gedanken-Emotions-Kette.
  • Sagen Sie innerlich oder laut «Stopp», um den Gedankenfluss zu unterbrechen.
  • Instruieren Sie sich selbst positiv: «Du schaffst das» oder «Verschaffe dir erst ein Bild der Lage».
  • Lenken Sie die Aufmerksamkeit durch Kopfrechnen (z. B. 103 minus 7) auf eine neutrale Aufgabe.
  • Beschreiben Sie den aktuellen Raum und Ihre Umgebung, um ins Hier und Jetzt zu kommen.
  • Stellen Sie sich vor, wie Sie die Situation in einem Jahr oder fünf Jahren betrachten würden.
  • Versetzen Sie sich imaginativ an einen Ort, der Ihnen Gelassenheit schenkt (z. B. Berghütte oder Urlaub).
  • Fragen Sie sich, was Sie in einer Woche als Erfolg der Krisenbewältigung erkennen würden.
  • Nutzen Sie die neue Perspektive, um konkrete nächste Schritte zu planen.

FAQ: Krisensituation

Ist es realistisch, in einer Krise immer einen kühlen Kopf zu behalten?

Nein, es ist unrealistisch, sofort ruhig zu bleiben. Jede Krise erschüttert das Weltbild und deaktiviert vertraute Verhaltensmuster. Der Fokus sollte darauf liegen, sich nach der initialen Erschütterung durch gezielte Techniken neu zu sortieren.

Wie funktioniert der Gedanken-Stopp konkret?

Der Gedanken-Stopp unterbricht die automatische negative Kette. Dies gelingt durch das laute oder innere «Stopp», positive Selbstinstruktion, Kopfrechnen oder das Beschreiben der aktuellen Umgebung, um die Aufmerksamkeit zu lenken.

Was versteht man unter zeitlicher Dissoziierung?

Dabei betrachten Sie die aktuelle Krise aus der Perspektive der Zukunft (z. B. in einem Jahr). Dies hilft, den emotionalen Druck zu reduzieren und zu erkennen, welche Lehren die Krise mit sich bringt oder wann Sie den Erfolg der Bewältigung sehen.

Warum ist ein Perspektivenwechsel hilfreich?

Ein Perspektivenwechsel, etwa durch räumliche Dissoziierung (Sich imaginativ an einen anderen Ort versetzen), schafft mentalen Abstand. Dies ermöglicht eine objektivere Bewertung der Lage und fördert gelassene Handlungsoptionen.

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