Interim-Management: Ein Lösungsinstrument für den Fachkräftemangel

In Zeiten der Umbrüche müssen Unternehmen ihre Personalstrukturen stabil halten. Eröffnen sich Vakanzen, helfen Interim-Manager und -Managerinnen, diese hoch qualifiziert zu überbrücken sowie Projekte gezielt und schnell voranzutreiben. Mit wertvollem Blick von aussen setzen sie neue Impulse.

23.04.2024 Von: Steffen Hilser, Martin Roth
Interim-Management

Einleitung

Um sich im Markt durchzusetzen, müssen Unternehmen auch in herausfordernden Zeiten schnell und flexibel agieren können. Jedoch wird die Zeitspanne, die bis zur erfolgreichen Besetzung einer vakanten Position einberechnet werden muss, aktuell immer länger, und auch der Aufwand nimmt immer weiter zu. Die Folge ist: Die Prozesse verlangsamen sich, und der Workload auf die bestehenden Mitarbeitenden vergrössert sich. Einen schnellen und effizienten Lösungsansatz in Zeiten des Fachkräftemangels bieten Interim-Manager bzw. -Managerinnen. Ihre Kompetenzen werden immer gefragter. Insbesondere wenn intern Stellen nicht besetzt oder auch von aussen die richtigen Personen nicht zeitnah gefunden werden können. Mit dem Einsatz der Führungskräfte auf Zeit haben Unternehmen ein wichtiges und flexibles Arbeitszeitmodell in der Hand, um Personalengpässe zeitnah und hoch qualifiziert abzufedern und zu überbrücken.

Schneller Einsatz bei hochkomplexen Situationen

Den Interim-Führungskräften haftet der Ruf einer «Feuerwehr» an. Sie sind schnell zur Stelle und unterstützen Unternehmen in vielfältigen und herausfordernden Situationen – rasch, erfolgreich, kompetent und auf Zeit. Kurzfristig auftretende hochkomplexe Bedarfe, die nach einer besonderen Lösung verlangen, sind ihre typischen Einsatzfelder. Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn ein Unternehmen eine neue Rechnungswesensoftware so schnell wie möglich grenzüberschreitend einführen möchte. Es benötigt in diesem Fall nicht nur notwendige fachliche Expertise, sondern auch jemanden, der – ohne auf die Unternehmenspolitik Rücksicht nehmen zu müssen – den Change gezielt vorantreiben kann. Oder ein Leiter Controlling eines mittelständischen Unternehmens nutzt kurzfristig ein Sabbatical. Während dieser Monate kann ein Interim-Manager bzw. eine Interim-Managerin einspringen, sich schnell in den Job einarbeiten, ihn fortführen und nach Ende der Auszeit wieder an die bisherige Führungskraft übergeben. 

Auch Firmenübernahmen oder Unternehmenszusammenschlüsse gehören zu den Szenarien, in denen schnell verfügbares hoch qualifiziertes Expertenwissen mit Erfahrung und einem Blick aus einer gewissen Distanz gefragt ist. Noch relativ unbekannt ist das Interim-Management im Rahmen eines Mentorings. Will beispielsweise ein Unternehmensinhaber die nachfolgende Generation ans Steuer lassen, kann eine Führungskraft auf Zeit diesen Übergabeprozess eng begleiten: Sie arbeitet sich schnell in die Materie ein, ist im Alltagsgeschäft tief im Thema und an zwei bis drei Tagen die Woche für die neuen Unternehmenslenker eine erfahrene Sparringspartnerin mit Branchenkenntnissen auf Geschäftsführerniveau.

Kernkompetenzen und Schlüsselqualifikationen 

Die Interim-Führungskräfte bringen als Freelancer mit viel Erfahrung einen wertvollen Blick von aussen mit, der nicht durch das Unternehmen geprägt ist. Sie können innerhalb der Organisation unpolitisch, ohne mögliche Karriereabsichten agieren. Das bedeutet: Erkennen sie neue Problemfelder, sind sie als Experten mit hoher Expertise genau in der Position, diese klar ansprechen zu können, entsprechende Lösungsansätze schnell und nachhaltig voranzutreiben und neue Impulse zu setzen. Das bietet Unternehmen beispielsweise auch die Chance, interne Strukturen und Prozesse zu optimieren. 

Die Machenden auf Zeit sind durchsetzungsstark und Fachleute auf ihrem Gebiet, im Denken und Handeln äusserst analytisch und flexibel. Situationen umfassend zu erfassen, sich schnell in neue Themengebiete hineinzudenken und sich dank ihrer meist langjährigen Berufs- und Projekterfahrung umgehend einarbeiten zu können, zeichnet sie aus. Das tägliche Business kann so wie gewohnt im Unternehmen weiterlaufen, während die Interim-Führungskraft übernimmt. 

Ein nachhaltiges Interim-Management zeichnet sich darin aus, dass die temporären Experten die Menschen «mitnehmen» können. Neben hohen fachlichen Kompetenzen besitzen sie wichtige Softskills und können so rasch Vertrauen aufbauen. Vor allem Situationen mit hohem Veränderungsdruck wie Change-Prozesse, die für die Mitarbeitenden oftmals belastend und mit vielen Sorgen verbunden sind, erfordern umfassende Kommunikationsfähigkeiten. Es gilt, klar und sachlich – mit der nötigen Portion Durchsetzungsstärke und Fingerspitzengefühl – in sämtliche Unternehmensebenen und Instanzen zu kommunizieren. Und auch wenn es darum geht, den endlich gefundenen Kandidaten bzw. die Kandidatin für eine bisher vakante Stelle gezielt einzuarbeiten, unterstützen gute kommunikative Fähigkeiten einen erfolgreichen Onboarding- Prozess entscheidend.

Schnelligkeit bei der Besetzung von Vakanzen 

Von der Anfrage bis zur Vorstellung geeigneter Profile dauert es in der Regel 48 bis 72 Stunden – so lässt sich eine Vakanz zeitnah übernehmen. Spezialisierte Personalberatende greifen dafür auf ihr langjähriges, grosses Netzwerk an Kandidaten zurück. Davor steht jedoch eine ausführliche und profunde Absprache mit dem Auftraggebenden. Hier werden die genauen Anforderungen der Stelle sowie die nötige fachliche Qualifikation der Interim-Führungskraft detailliert geklärt. Häufig stellen sich weitere Einsatzfelder für die Machenden auf Zeit heraus. Oder es zeigt sich, dass die Vakanz einen völlig anderen fachlichen Schwerpunkt besitzt als ursprünglich angegeben. 

Im Idealfall kennt der Personalberatende die meisten Interim-Führungskräfte aus seinem Portfolio persönlich und vermittelt sie bereits seit einigen Jahren. Dank seiner Branchenerfahrung kann er sie nicht nur einschätzen, sondern auch die Herausforderungen der Unternehmen gezielt beurteilen. Er weiss daher, welche Führungskraft fachlich am besten im konkreten Fall unterstützen kann – oftmals über den eigentlichen Bedarf hinaus. Eine weitere wichtige Rolle nimmt der Cultural Fit ein. Die Passung zur Unternehmenskultur entscheidet, ob die Führungskraft auf Zeit sich schnell einbringen kann. Sie muss die Kultur des Unternehmens verstehen und sich bis zu einem gewissen Grad auch auf sie einlassen, um zeitnah, effektiv und nachhaltig handeln zu können.

Entstehende Kosten im Vergleich 

Je nach Qualifikation und Erfahrung erscheinen die Tagessätze von Interim- Managern bzw. -Managerinnen zunächst recht hoch. Jedoch sollte beachtet werde, dass die Interim-Manager bzw. -Managerinnen selbstständige Unternehmer sind. Urlaubs- oder Krankengeld und auch ein 13. Gehalt fallen nicht an. Ihre Einsatzdauer ist projektabhängig und umfasst meist zwischen vier und sechs Monaten. Abhängig von der Art und dem Ziel ihres Einsatzes sind sie nicht zwangsläufig fünf Tage die Woche vor Ort. Oftmals nehmen die Präsenztage einer Interim-Führungskraft gegen Ende ihres Mandats ab. 

Setzt man diese Zahlen mit den Kosten in Vergleich, die sich bei monatelanger Überbrückung einer offenen Stelle ansammeln, profitieren Unternehmen auch in finanzieller Hinsicht vom Einsatz der externen Experten bzw. Expertinnen.

Tipps für die Wahl eines passenden Interim-Managers 

  • Wichtig sind Projekterfolge! Die Ergebnisse stehen im Vordergrund, weniger die Tätigkeit. Zu klären sind: Welche Projekterfolge hat der Manager bzw. die Managerin auf Zeit erzielt, die für den aktuellen Fall, die aktuelle Vakanz, wichtig sind und einen entsprechenden Mehrwert bieten? Hoch qualifizierte Interim-Führungskräfte können für die Aufgabenstellung passende, qualitative Erfolge vorweisen. 
  • Sind Aufgaben- und Problemstellung deutlich definiert? Nicht selten passiert es, dass ein Machender auf Zeit in einem Unternehmen beginnt und sich die Aufgabenstellung letztendlich in eine ganz andere Richtung entwickelt als vorher von allen Seiten geplant und besprochen war. Daher ist es sinnvoll, im Vorfeld genau zu analysieren, wer für was konkret benötigt wird. 
  • Verfügt die Interim-Führungskraft über Leadership und entsprechende Softskills? Ist sie in der Lage, die Mannschaft «mitzunehmen»? Oft stösst sie in den jeweiligen Abteilungen und Bereichen auf eine angespannte Situation: Das Team ist verunsichert oder frustriert. Je nach Situation braucht es neben der fachlichen Expertise auch einen Motivierenden, Leuchtturm oder ruhenden Pol.

Fazit zum Interim-Management

Mit Interim-Management haben Unternehmen ein flexibel einsetzbares Instrument in der Hand, um umgehend auf Veränderungen am Markt oder in der Organisation zu reagieren und zeitnah personelle Engpässe zu umgehen. Ohne grossen administrativen Aufwand lassen sich kurzfristig hoch qualifizierte und zum Unternehmen passende Fachkräfte finden und einsetzen. Die Machenden auf Zeit bringen ihre Expertise und Innovation ins Unternehmen ein. Dies erlaubt es Organisationen, auch in unsicheren Zeiten handlungsfähig zu bleiben und sich für die Zukunft gezielt und nachhaltig aufzustellen.

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