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Automationen: Mehr Zeit dank Künstlicher Intelligenz?

KURZ ZUSAMMENGEFASST

Generative Künstliche Intelligenz beschleunigt Prozesse und befreit von Routineaufgaben, was jedoch häufig zu einer unbemerkten Verdichtung der Arbeit führt. Studien zeigen, dass dieser Effekt kurzfristig die Produktivität steigert, langfristig aber zu Erschöpfung und nachlassendem kritischem Denken bei den Mitarbeitenden führen kann. Der wahre Nutzen entsteht erst, wenn der gewonnene Zeitvorsprung bewusst in menschliche Stärken wie Kundenkontakt, kreative Erneuerung und Zusammenarbeit investiert wird.

Die wichtigsten Punkte:

  • GenAI erhöht die Arbeitsintensität oft schneller, als sie Entlastung schafft.
  • Unkritische Nutzung kann kognitive Fähigkeiten und Urteilsvermögen schwächen.
  • Zeitgewinn sollte nicht in höhere Taktung, sondern in qualitative Verbesserungen fliessen.
  • Fünf Wirkungsfelder – Entlastung, Zusammenarbeit, Kundennähe, Erneuerung, Befähigung – sichern den langfristigen Erfolg.
  • Menschliche Bindung und echtes Verstehen bleiben der zentrale Wettbewerbsvorteil.
29.10.2026 Von: Roger Haenggi
Automationen

Wie Unternehmen mit Automationen und KI mehr Zeit gewinnen und diese sinnvoll investieren?

Haben Unternehmen falsche Erwartungen an generative Künstliche Intelligenz (GenAI)? Führt Zeitgewinn automatisch zu Entlastung und besserer Arbeitsqualität? Zwei Studien deuten auf das Gegenteil hin: Arbeit verdichtet sich, kritisches Denken lässt nach, Erschöpfung macht sich breit. Dieser Beitrag soll anregen, neu zu überdenken, wie sich der Zeitgewinn besser nutzen lässt. Denn wer ihn klug nutzt, erzielt mit GenAI doppelten Nutzen: mehr Effizienz und mehr Zukunftsfähigkeit.

Was der Einsatz von GenAI mit Nutzenden macht

GenAI verspricht uns von Routinearbeiten zu befreien. Endlich bleibt mehr Zeit für das Wesentliche, das wirklich Wichtige. Doch geschieht das tatsächlich?

Bemerkenswert in diesem Zusammenhang sind die Ergebnisse einer im Harvard Business Review (HBR) vom Februar 2026 publiziert Studie: AI Doesn’t Reduce Work - It Intensifies It (2026, Ranganathan, Xingqi). Untersucht wurden 200 Mitarbeitende eines IT-Unternehmens in den USA. Über einen Zeitraum von acht Monaten wurden ihre Arbeitsgewohnheiten durch persönliche Beobachtungen begleitet; zusätzlich wurden Interviews mit Mitarbeitenden aus den Bereichen Engineering, Produkt, Design, Forschung und Betrieb geführt.

Mitarbeitende arbeiten schneller, übernehmen mehr Aufgaben und dehnen die Arbeit freiwillig auf Pausen und Freizeit aus, oft ohne es zu bemerken. Das Gefühl, einen starken Kollegen an der Seite zu haben, beflügeln sie zudem, auch schwierige Aufgaben anzupacken, die mit vertretbarem Aufwand bisher kaum realisierbar erschienen.

Ist das nicht genau der Produktivitätssprung, den man sich von GenAI verspricht? 

Einfach beantwortet: ja. Laut der Studie liegt darin jedoch auch ein Risiko, das vom Management nicht unterschätzt werden sollte. Sobald die anfängliche Begeisterung für das Experimentieren nachlässt, rückt die schleichend gestiegene Arbeitslast ins Bewusstsein der Beschäftigten und sie fühlen sich überlastet. Das Hamsterrad dreht jetzt noch schneller. Hält diese Arbeitsverdichtung an, sinken Konzentration, Entscheidungsqualität und kreative Leistungsfähigkeit - im schlimmsten Fall hin bis zum Burnout.

Eine weitere wichtige Erkenntnis liefert die MIT-Lab-Studie vom Juni 2025, Your Brain on ChatGPT: Accumulation of Cognitive Debt when Using an AI Assistant for Essay Writing Task, (2025, Kosmyna, Hauptmann, Yuan, Situ, Liao, Beresnitzky, Braunstein, Maes): Die Nutzung von GenAI führte nachweisbar zu einer Abnahme kognitiver Fähigkeiten, weil bestimmte Hirnregionen weniger trainiert wurden (Hirnaktivität mit Elektroden gemessen). Ebenso alarmierend: Gleichzeitig verringerte sich die Bereitschaft, GenAI-Ergebnisse kritisch zu hinterfragen. Das wäre beim Schreiben von Offerten, Berichten, Stellungnahmen, Konzepten, Projektanträgen, Risikobeurteilungen oder Strategiepapieren nicht wünschenswert.

OpenClaw, eine Orchestrierungssoftware für GenAI-Systeme, hat die GenAI-Welt Anfang 2026 in den Bann gezogen. OpenClaw agiert eigenständig und arbeitet Aufträge über Systeme hinweg ab, wie eine Arbeitskraft mit 24/7-Verfügbarkeit. Das Potenzial an Zeitgewinn und Arbeitsverdichtung ist enorm. Bezahlt wird mit emotionaler Währung. Denn sicher zu stellen, dass Aufträge nach vereinbarten Rahmenbedingungen ausgeführt wurden, ist auf Dauer mental belastend.

Der Umgang mit der gewonnenen Zeit wird zum Schlüsselfaktor

Die im HBR veröffentliche Studie zeigt: Arbeitsverdichtung allein macht ein Unternehmen mittel- und langfristig nicht automatisch leistungsfähiger oder erfolgreicher; sie erschöpft vor allem die Mitarbeitenden.

Im besten Fall nimmt uns GenAI repetitive Arbeiten ab, hilft uns, mit Komplexität auf beherrschbare Weise umzugehen und schenkt uns gewonnene Zeit zurück: Zeit zum Denken. Zeit für geniale, schöpferische Tätigkeit.

Was heisst das konkret?

Es gilt neue Wege zu finden, die gewonnene Zeit sinnvoller einzusetzen, als sie lediglich in eine höhere Taktung zu lenken, die zu Arbeitsverdichtung führt. Die geschenkte Zeit sollte gezielt dort investiert werden, wo bei uns Menschen das Potenzial liegt: im echten Austausch mit Kollegen, Kunden, Lieferanten und Businesspartnern. Echtes Verstehen dessen, was Menschen wirklich brauchen, entsteht nicht aus Daten allein, sondern auch aus Gesprächen.

Nachfolgend werden fünf Wirkungsfelder skizziert, die auf die Förderung menschlicher Stärken, auf Kundenbindung und auf Unternehmenserfolg ausgerichtet sind. Sie dienen als Anregung und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Wirksamkeit der Umsetzungen geht Hand in Hand mit der Bereitschaft dazu. Unternehmensstruktur und Kultur bestimmen dabei den Weg zum Ziel.

Entlastung: damit Druck abgebaut wird und echte Freiräume entstehen. 

Zusammenarbeit: damit mehr Wertschätzung und Schwarmintelligenz wirksam werden.

Kundennähe: damit aus Zeitgewinn mehr Relevanz für Kunden entsteht.

Erneuerung: damit nicht nur optimiert, sondern auch Neues geschaffen wird.

Befähigung: damit Menschen wirksamer werden und das Unternehmen stärken.

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