KI-Ethik: Weiterhin ethisch handeln

KURZ ZUSAMMENGEFASST

Generative KI bietet enorme Vorteile für Prozesse und Innovationen, birgt aber gleichzeitig signifikante Risiken für Privatsphäre, Transparenz und geistiges Eigentum. Studien zeigen, dass die Verantwortung für einen ethischen Einsatz allein beim Unternehmen liegt, da die Technologie selbst keine moralischen Entscheidungen trifft. Klare Kriterien und eine aktive Kommunikation mit Anbietern sind essenziell, um die Technologie als Segen und nicht als Fluch zu nutzen.

Die wichtigsten Punkte:

  • KI ist Technik und Statistik; ethisches Handeln erfordert menschliche Verantwortung.
  • 57 % der Experten sehen in generativer KI grosse Risiken für digital-ethische Verstösse.
  • Klare Kriterien gegenüber Anbietern und interne Rahmenbedingungen sind unverzichtbar.
  • Transparenz bei Datenherkunft und Qualitätssicherung steht im Fokus der Vertrauensbildung.
30.01.2026 Von: Brigitte Miller
KI-Ethik

Wie können Unternehmen generative KI ethisch und rechtssicher einsetzen?

Mehr und mehr kommt (generative) KI zum Einsatz – und polarisiert. Digital-ethische Aspekte rücken in den Fokus. Erstellen Sie klare KI-Ethik-Kriterien.

Generative KI: Segen oder Fluch 

Künstliche Intelligenz ist eins: Künstlich, d.h. die vielbeschworene Intelligenz ist nicht mehr als Technik, Statistik und Algorithmus. Dieser Fakt schmälert nicht all die vielen Vorteile, die viele zu Recht als Segen empfinden – wie beispielsweise: 

  • Unternehmensprozesse verbessert,
  • umfassendere Daten auswerten,
  • Innovationen vorantreiben,
  • Wissen (umfangreich) erfassen und verknüpfen,
  • Entscheidungsfindung erleichtern,
  • Text- und Bildgestaltung automatisieren,
  • schnelle 24/7 Kommunikation mit Kunden und Geschäftspartnern,
  • (komplexe) Probleme lösen,
  • rezeptive Aufgaben übernehmen
  • undundund…

Nur, Generative KI wird dem Deloitte Technology Ethics Survey 2023, indem 1.700 Digitalexperten weltweit befragt wurden, als Segen und als Fluch gesehen – als zweischneidiges Schwert: 

  • 39% sehen in dieser kognitiven Technologie das grösste Potenzial, um sozial und gesamtgesellschaftlich für alle Nutzen zu generieren,
  • 57% allerdings finden, dass in dieser generativen KI die grössten Risiken und Gefahren für ernsthafte digital-ethische Verstösse lauern. 

Als Unternehmer, der vielleicht bereits generative KI intern einsetzt, vielleicht damit begonnen hat oder es in Kürze plant, werden Sie sich zweifelsfrei in beiden Einordnungen wiederfinden: Dem Segen und dem Fluch. Und eins mit Deutlichkeit sagen können: Von generativem KI ethisches Handeln zu erwarten, ist eine Illusion. Die Verantwortung diese Zukunftstechnologie ethisch korrekt einzusetzen, das wissen Sie, liegt bei Ihnen. 

Digital-ethische Bedenken bezüglich KI-Ethik im Fokus 

Zweifelsfrei können Sie selbst mühelos einige ethisch-rechtliche Bedenken benennen. Ein wenig „beruhigend“ mag es sein, zu sehen und zu lesen, dass Sie nicht alleine mit diesen Bedenken sind. Die Deloitte Technology Trust Ethics Survey 2023 führt befürchtete Konflikte und Verstösse, die die 1.700 Befragten hervorhoben, auf: 

Digital-ethische Bedenken im Fokus 
Zuwiderhandlungen gegen die Privatsphäre22 Prozent
Konflikte mit der Transparenz14 Prozent
Vergehen gegen geistiges Eigentum bzw. Urheberrecht12 Prozent
Risiko der Manipulation12 Prozent
Missachtungen und Unklarheit der Datenherkunft12 Prozent
Risiko der „Halluzinationen“9 Prozent
Gefahr der Täuschung8 Prozent
Konflikte mit dem Standort und Arbeitsplätzen: Arbeitsplatzverlagerung7 Prozent
Verletzungen der Aktualität3 Prozent 
Wo reihen Sie sich überall ein? Und welche Bedenken fehlen für Sie?

Bedenken ernst nehmen – und konkrete Kriterien bezüglich KI-Ethik gegenüber KI-Anbieter kommunizieren 

Nicht allein bei der Einführung von KI-Lösungen in Ihrem Unternehmen, gilt es einen verlässlichen, rechtlich-ethischen Einsatz zu garantieren. Auch beim späteren Einsatz sollte immer wieder das Augenmerk darauf liegen. Nur, als KI-Nutzer, fehlt Ihnen verständlicherweise das Wissen über die Funktionsweise der eingesetzten KI-Lösung. Da poppen logischerweise Fragen auf – wie beispielsweise: 

  • Woher bezieht die KI Ihre Daten? Nur von uns? Oder womit wurde sie „gefüttert“ und wird weiter „gefüttert“? Wie können wir dies nachvollziehen – Transparenz ist gewünscht?
  • Welche Daten werden von uns eingespeist – und wie können diese gesichert werden?
  • Wie kann ausgeschlossen werden, dass die eingesetzten Daten so verfälscht werden, um den Kunden bzw. Endabnehmer geschickt zu manipulieren?
  • Wie verhindern wir Fake-News?

 

Mit all diesen oder ähnlichen Fragen sind Sie nicht allein. Ausgezeichnet, denn dies bedeutet, dass sich viele mit ähnlichen Aspekten und Anliegen beschäftigen. Aus diesem Grunde hat das Institut für Internet-Sicherheit –if(is) – der Westfälischen Hochschule ein Forschungsprojekt „Trust KI“ durchgeführt, mit dem Ziel, als Mittler beim Vertrauensaufbau zu fungieren – und zwar zwischen Ihnen als Anwender und dem Hersteller(unternehmen). Bei diesem Projekt beteiligten sich 263 Führungskräfte deutscher Anwender(unternehmen).

Trust-KI-Studie: Die Kernergebnisse
Die Auswertung offenbart viele Kriterien. Kriterien, die für das Vertrauen zwischen Führungskräften – also Ihnen – der KI-Lösung und dessen Anbieter, notwendig sind. Lesen Sie die aufgeführten Kriterien in Ruhe durch. Markieren Sie, was für Sie und Ihr Unternehmen wesentlich ist. 
KriteriumBedeutung in ProzentJa 
Geschäftshauptsitz50,8 Prozent legen Wert darauf, dass der KI-Anbieter seinen Geschäftshauptsitz in der EU/Deutschland hat. 
Qualitätssicherung65 Prozent erwarten vom KI-Hersteller einen definierten Prozess zur Qualitätssicherung in der Entwicklung. 
Funktionen42,4 wollen wissen, wieso und ob durch den KI-Hersteller auf bestimmte Funktionen zum Wohle des Anwenders und/oder Kunden verzichtet wurde.  
Störfall75,4 Prozent erwarten eine unmittelbare Kommunikation eines Störfalls durch den KI-Hersteller
Code of Conduct
  • 62,2 Prozent wollen Informationen über den Code of Conduct.
  • 61,3 Prozent fordern Informationen zur sozialen, ökologischen und ökonomischen Nachhaltigkeit.
  • 50 Prozent fordern die Einhaltung von Fairness und Solidarität – ethische Grundsätze.
  • 48,3 Prozent ist es wichtig, dass ein Ethik-Gremium etabliert wurde und welche Verantwortung es hat. 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datenkontrolle und Datenschutz72,6 Prozent beanspruchen Informationen darüber, wie und ob bei der Nutzung der KI-Lösung sichergestellt wird, dass Sie als Anwender die Kontrolle über die Abgabe der Daten behalten. 
Schadensabwendung68 Prozent fordern Informationen, was der KI-Hersteller vorsieht und unternimmt, um physische, psychische und/oder finanzielle Schädigungen von Ihnen als Anwender abzuwenden. 
Welche Kriterien fügen Sie noch hinzu? 

Generative KI im Einsatz – und weiterhin ethisch handeln

Generative KI ist nicht wegzudenken. Dafür beschert sie einfach zu viele Vorteile. Um weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben, gar den gewünschten Vorsprung vor der Konkurrenz zu haben, werden Sie zweifelsfrei in immer mehr Unternehmensbereiche künstliche Intelligenz einsetzen. Damit diese ein Segen und kein Fluch wird, setzen Sie klare Ziele für den ethisch-rechtlichen Einsatz. 

KI-Ethik Tipp 1: Den Einsatz klären 

Es gibt so viele Unternehmensbereiche, in denen künstliche KI von Vorteil ist. Und jeder Bereich bedarf oftmals anderer bzw. angepasster KI-Lösungen, aber auch – ganz wesentlich – anderer ethisch-korrekter Schwerpunkte. In einem spielt der Datenschutz und die Transparenz der Daten eine entscheidende Rolle. In einem anderen das Urheberrecht und die Minimierung von Manipulation. Deshalb fragen Sie sich: 

  • In welchen Unternehmensbereichen wünschen Sie sich KI-Lösungen?
  • Welche Aufgaben soll diese übernehmen?
  • In welchem Umfang soll sie welche Aufgaben übernehmen?
  • In welche Prozesse soll sie eingebunden werden?
  • Bei welchen Entscheidungen soll sie mitwirken – auf welche Art und Weise?
  • Mit welchen Daten soll sie gefüttert werden?

Checkliste

  • Hauptsitz des KI-Anbieters in der EU oder Deutschland lokalisieren.
  • Definierte Prozesse zur Qualitätssicherung bei der Entwicklung einfordern.
  • Transparenz bezüglich der Trainingsdaten und Datenherkunft sicherstellen.
  • Mechanismen zur Vermeidung von Fake-News und Manipulation prüfen.
  • Sofortige Kommunikationswege für Störfälle mit dem Anbieter klären.
  • Einhaltung von Code of Conduct und Nachhaltigkeitsstandards verifizieren.
  • Massnahmen zum Schutz vor physischen, psychischen oder finanziellen Schäden definieren.
  • Interne Richtlinien für den Einsatzbereich und die Datennutzung erstellen.
  • Regelmässige Audits zur Einhaltung der ethischen Kriterien durchführen.

KI-Ethik Tipp 2: Risiken wahrnehmen

Jeder Einsatz generativer KI birgt Risiken. Sensibilisieren Sie sich für diese. Listen Sie erste Risiken auf. Besprechen Sie sich mit Ihren Mitarbeitern, Kollegen und der Geschäftsleitung, um diese Liste zu vervollständigen. Fragen Sie sich: 

  • Welche ethisch-rechtlichen Aspekte fallen in welchem Einsatzbereich ins Gewicht?
  • Welche sind besonders gravierend?
  • Welche müssen in jedem Falle beachtet und ausgeschlossen werden?
  • Was müssen Sie beachten?
  • Was soll zusätzlich beachtet werden?

KI-Ethik Tipp 3: Kriterien benennen – und selbst soweit als möglich kontrollieren können

Sie haben Ihren ethisch-rechtlichen Rahmen abgesteckt. Kommunizieren Sie diesen gegenüber dem KI-Hersteller und –Anbieter. Besprechen Sie, wie dieser auf welche Weise sicherstellt, dass die Kriterien umgesetzt und eingehalten werden. Klären Sie auch, ob und wie Sie, ein Mitarbeiter oder Ihr Team selbst prüfen können, ob die Kriterien weiterhin beim Einsatz der KI-Lösung bestehen.

FAQ: KI-Ethik

Warum ist es wichtig, den Hauptsitz des KI-Anbieters zu kennen?

Ein Sitz in der EU oder Deutschland erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass strenge Datenschutz- und Ethikstandards eingehalten werden, was für Schweizer KMU rechtliche Sicherheit bietet.

Welche Rolle spielt die Transparenz bei KI-Daten?

Transparenz ist entscheidend, um zu verstehen, womit die KI «gefüttert» wurde, und um Missbrauch, Manipulation oder Verletzungen des Urheberrechts auszuschliessen.

Wie können Unternehmen «Halluzinationen» der KI minimieren?

Durch klare Qualitätskriterien, menschliche Überprüfung der Outputs und die Wahl von Anbietern, die Mechanismen zur Validierung der Datenintegrität implementiert haben.

Ist ein ethischer Rahmen auch für kleine Unternehmen notwendig?

Ja, denn ethische Verstösse können das Vertrauen von Kunden und Partnern nachhaltig schädigen, unabhängig von der Unternehmensgrösse.

Was tun bei einem Störfall im KI-Einsatz?

Der KI-Anbieter sollte eine unmittelbare Kommunikation vorhalten; Unternehmen müssen eigene Eskalationspläne und Schadensabwendungsstrategien bereitstellen.

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