KI nutzen: Wie Schweizer Unternehmen profitieren können

Der vorliegende Artikel zeigt den aktuellen Stand der KI-Innovation auf und leitet davon fünf Massnahmen ab, welche Schweizer Unternehmen umsetzen müssen, um nicht nur wettbewerbsfähig zu bleiben, sondern von der KI-Revolution profitieren und KI nutzen zu können.

02.07.2026 Von: Joël Krapf
KI nutzen

KI revolutioniert die Wissensarbeit 

Die Künstliche Intelligenz hat die Phase des Experimentierens verlassen und transformiert die Wissensarbeit in einem Tempo, das selbst Fachleute überrascht. Während die Technologie weltweit bereits von einfachen Assistenten zu autonomen Agenten-Netzwerken gereift ist, stehen viele Schweizer Unternehmen noch vor der Herausforderung, KI nutzen zu können und dieses Potenzial in messbare Wertschöpfung zu übersetzen.

Künstliche Intelligenz verursacht eine beispiellose Veränderungsgeschwindigkeit – KI nutzen als Erfolgsfaktor

Vor weniger als vier Jahren veröffentlichte OpenAI mit GPT-3.5 die erste öffentliche Version von ChatGPT. Bereits fünf Tage nach dem Start erreichte ChatGPT eine Million Nutzer, nach zwei Monaten waren es rund 100 Millionen. Keine andere Technologie hat sich bisher schneller verbreitet. Mittlerweile zählt ChatGPT rund eine Milliarde Nutzer; alternative Plattformen wie Gemini (Google) und Copilot (Microsoft) nähern sich dieser Schallmauer ebenfalls. 

Noch eindrücklicher als die rasante Verbreitung ist jedoch die Geschwindigkeit der Innovation. Während die erste Version von ChatGPT keinen Internetzugang hatte, ist es heute möglich, eigene KI-Agenten einzusetzen, die selbstständig Aufgaben im digitalen Raum übernehmen. Im Jahr 2025 veröffentlichte OpenAI nach eigenen Angaben im Schnitt alle drei Tage neue Funktionen. Mit diesem Tempo Schritt zu halten, ist selbst für Expert:innen schwierig. Und noch schwieriger für Unternehmen, welche diesen Schwall an Innovation wertbringend einsetzen wollen. 

Von der Super-Suchmaschine zur autonomen Wissensarbeit

Dieser eindrücklichen Innovationskraft steht die Wahrnehmung vieler Entscheidungstragender in Schweizer Unternehmen gegenüber: Obwohl die Fähigkeiten generativer KI beeindruckend sind, ist eine klar messbare Verbesserung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit nur sehr selten zu beobachten, wenn Unternehmen KI nutzen.

Ein Blick nach Amerika oder China lässt jedoch erahnen, welches transformative Potenzial generative KI entfalten kann. In diesen besonders innovationsgetriebenen Regionen entwickelte sich die Technologie innerhalb kurzer Zeit von einer besseren Suchmaschine (2022–2023) über einzelne KI-Assistenten (2024) hin zu agentischen Netzwerken (2025).

Konkret bedeutet dies, dass innovative Unternehmen bereits vor über zwei Jahren damit begonnen haben, KI-Assistenten zu entwickeln, die einzelne Wissensaufgaben von Menschen übernehmen. Im Fokus standen dabei Tätigkeiten, die eine schnelle und weitgehend standardisierte Verarbeitung von Wissen erfordern: die Beantwortung (unternehmensspezifischer) Wissensabfragen (etwa im Kundenservice, bei Compliance-Themen oder bei Rechercheaufgaben), die Unterstützung bei der Generierung von Wissen (z. B. Computer-Code, Lead-Outreach, Texte oder Konzepte) sowie die Erstellung von Inhalten für Marketing und soziale Medien (Videos, Bilder, Musik).

Auf diese Weise entstanden schrittweise immer mehr spezialisierte KI-Assistenten für klar abgegrenzte Aufgaben. Seit etwas über einem Jahr beginnen diese Unternehmen nun, diese Agenten systematisch zu vernetzen und weiterzuentwickeln, um Wissensarbeit zunehmend ganzheitlich zu automatisieren.

Fünf Massnahmen für Schweizer Unternehmen, um wettbewerbsfähig zu bleiben

Trotz – oder gerade wegen – der hohen Veränderungsgeschwindigkeit wäre es falsch, den Kopf in den Sand zu stecken und darauf zu hoffen, dass sich der KI-Trend als kurzlebiger Hype erweist. Die Vielzahl bereits existierender Anwendungsfälle zeigt, dass selbst der heutige Stand der KI ein erhebliches, bislang nur teilweise realisiertes Geschäftspotenzial besitzt – und die technologische Entwicklung schreitet weiterhin rasant voran.

Gleichzeitig wandelt sich das Anwendungspotenzial von KI so schnell, dass sich Unternehmen in einem bisher unbekannten Tempo kontinuierlich neu ausrichten müssen. Für Schweizer Unternehmen sind daher die folgenden fünf Massnahmen zentral, um im KI-Zeitalter nicht nur wettbewerbsfähig zu bleiben, sondern ihre Leistungsfähigkeit gezielt zu steigern.

Massnahme 1: Iterative, wertgetriebene Weiterentwicklung der KI-Nutzung

Die aktuelle Veränderungsgeschwindigkeit von KI ist selbst für Expert:innen kaum noch vollständig zu überblicken. Gleichzeitig ist Abwarten keine erfolgversprechende Strategie. Die zentrale Frage lautet daher: Wie können Schweizer Unternehmen Schritt halten, ohne erhebliche Ressourcen zu vergeuden?

Unabhängig vom jeweiligen Reifegrad sollten Unternehmen ihre KI-Nutzung iterativ und konsequent wertgetrieben weiterentwickeln. Ausgangspunkt ist dabei die Geschäftsstrategie, auf deren Basis gezielt Anwendungsfälle identifiziert werden, bei denen KI einen klaren Wettbewerbsvorteil oder einen substanziellen Business-Wert schaffen kann. Diese Anwendungsfälle werden priorisiert und schrittweise umgesetzt.

Dieses Vorgehen ermöglicht es, in kurzer Zeit belastbare Business Cases zu realisieren, bevor neue technologische Entwicklungen bereits die nächsten Anpassungen erfordern. Es entsteht ein kontinuierlicher Wettlauf mit der Zeit, den jene Unternehmen für sich entscheiden, denen es gelingt, aus Veränderungen schnell konkreten Wert zu schöpfen.


Massnahme 2: Unternehmerische Agilität – von der Strategie bis zur Umsetzung

Desweiteren können Unternehmen den Wettlauf gegen die Zeit nur gewinnen, wenn sie Agilität nicht auf einzelne KI-Projekte beschränken. Entscheidend ist die Fähigkeit, sich dauerhaft und schnell an Veränderungen anzupassen – auf allen Ebenen, von der Strategie bis zur operativen Umsetzung.

Auf den ersten Blick mag dieser Punkt anachronistisch wirken, da Agilität seit Jahren breit diskutiert wird und mittlerweile stark an Aufmerksamkeit verloren hat. Allerdings ist fraglich, wie tief organisationale Agilität in Schweizer Unternehmen tatsächlich verankert ist. Unabhängig davon lässt sich jedoch festhalten: Die bisherigen Agilitätsansätze reichen im KI-Zeitalter nicht mehr aus.

Die durch KI ausgelöste Dynamik erfordert eine Weiterentwicklung etablierter Modelle wie Scrum, Kanban, OKR, SAFe, Holacracy etc., die für das KI-Zeitalter zu starr und unflexibel sind.

Massnahme 3: Von Funktions- zu Wertstromzentrierung

Unternehmen existieren, um Wert zu schaffen; diese Wertschöpfung legitimiert ihre Organisation. Bereits seit einigen Jahren fördern viele Unternehmen daher die Zusammenarbeit entlang von Wertströmen, um funktionale Silos aufzubrechen.

Die wirksame Nutzung von KI-Agenten und Multi-Agenten-Netzwerken erfordert einen noch konsequenteren Fokus auf den Wertstrom. Nur wenn Arbeit entlang der Wertschöpfung organisiert ist, lassen sich hoch spezialisierte KI-Agenten sinnvoll verknüpfen und ihr Potenzial gezielt ausschöpfen.

Massnahme 4: Daten bleiben das Öl in der Maschine

Was bereits für die Digitalisierung galt, gewinnt im KI-Zeitalter weiter an Bedeutung. KI stärkt die Wettbewerbsfähigkeit nur dann nachhaltig, wenn sie auch auf proprietäre Unternehmensdaten zugreifen kann.

Für viele Schweizer Unternehmen bedeutet dies erhebliche Investitionen in die Datenbasis: in die Aufbereitung relevanter Daten, deren Konsistenz, Verfügbarkeit sowie einen klar geregelten und sicheren Zugriff.

Massnahme 5: Die Rolle menschlicher Arbeit gezielt neu ausrichten

Dass humanoide Roboter Menschen vollständig ersetzen, bleibt vorerst Science-Fiction. Auch Multi-Agenten-Netzwerke aus hoch spezialisierten KI-Agenten sind noch weit davon entfernt, alle menschlichen Aufgaben zu übernehmen. Dennoch verändert sich die Arbeit von Mitarbeitenden grundlegend, wenn Unternehmen KI nutzen.

Je aktiver Unternehmen diesen Wandel gemeinsam mit ihren Mitarbeitenden gestalten, desto schneller und wirksamer gelingt die Mensch-KI-Zusammenarbeit. Dabei übernehmen Menschen zunehmend koordinierende und orchestrierende Rollen: Sie steuern den Gesamtprozess, stellen die Ende-zu-Ende Umsetzung sicher und überprüfen die Ergebnisse – denn KI ist weiterhin nicht frei von Fehlern.

Fazit

Es lässt sich festhalten, dass wir erst am Anfang einer tiefgreifenden Veränderung stehen, bei der KI-Agenten und vernetzte Agenten-Systeme zunehmend grössere Teile der Wissensarbeit übernehmen können. Gleichzeitig führt die aussergewöhnlich hohe Innovationsgeschwindigkeit im KI-Umfeld dazu, dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Unternehmen schneller und weniger vorhersehbar verändern als bisher. Für Schweizer Unternehmen kann das eine Chance sein, wenn sie den Wandel mit wertgetriebenen Prioritäten aktiv adressieren, die nötigen organisationalen Anpassungen vornehmen und die nötigen Daten und Kompetenzen im Unternehmen kontinuierlich ausbauen.  

KI-Agenten werden zunehmend zu Agenten-Netzwerke verknüpft, um so Grossteile von Wissensarbeit zu übernehmen. Damit Schweizer Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben, müssen sie diese fünf Massnahmen umsetzen:

  • Iterative, wertorientierte (Weiter-)Entwicklung der KI-Nutzung
  • Weiterentwicklung der unternehmerischen Agilität von Strategie bis Umsetzung
  • Weg von funktionalen Silos und hin zu wertschöpfungszentrierten Organisationen
  • Aufbereitung relevanter Daten, deren Konsistenz, Verfügbarkeit sowie einen klar geregelten und sicheren Zugriff darauf
  • Kompetenzentwicklung bei menschlichen Mitarbeitenden, insbesondere hinsichtlich der zunehmend orchestrierenden Rolle in der Mensch-KI-Zusammenarbeit
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