Konflikte zwischen VR und GL: Richtig managen in Spannungsituationen
Inhalt
KURZ ZUSAMMENGEFASST
Konflikte zwischen Verwaltungsrat und Geschäftsleitung können bei fehlender professioneller Bearbeitung erhebliche finanzielle Schäden und langfristige operative Störungen verursachen. Da solche Spannungen oft unterschwellig bleiben, ist eine frühzeitige Erkennung und strukturierte Bearbeitung essenziell. Die Methode der Klärungshilfe bietet hierfür einen bewährten Rahmen, der durch einen externen Moderator geleitete, lösungsorientierte Gespräche ermöglicht.
Die wichtigsten Punkte:
- Konflikte auf höchster Ebene erfordern Fingerspitzengefühl und frühes Eingreifen, um Eskalationen zu verhindern.
- Die Klärungshilfe nach Christoph Thomann nutzt sieben Phasen, um unterschiedliche Sichtweisen offen zu legen.
- Ein externer Moderator gewährleistet Neutralität und sorgt für einen fairen Dialog zwischen VR und GL.
- Führung ist gleichbedeutend mit Konfliktmanagement; aktive Auseinandersetzung ist die Voraussetzung für Erfolg.

Passende Arbeitshilfen
Wie lassen sich Konflikte zwischen Verwaltungsrat und Geschäftsleitung professionell managen?
Konflikte zwischen VR und GL professionell managen
Das populärste Beispiel der Schweiz hallt noch immer nach. Dem endgültigen wirtschaftlichen Absturz der Swissair ging ein interner Konflikt zwischen dem Verwaltungsrat und dem CEO Philippe Bruggisser über die teure Allianz-Strategie der Luftverkehrsgesellschaft voraus.
Konfliktsituationen auf oberster hierarchischer Unternehmensebene können zu einem erheblichen – auch finanziellen – Schaden für das Unternehmen führen, der das operative Geschäft langfristig negativ beeinflussen kann. Das Vorgehen im Management der Konflikte läuft über alle Hierarchie-Ebenen jedoch nach dem gleichen Prinzip ab. Zudem werden Konflikte zwischen VR und GL oft nicht zugegeben und trüben das Arbeitsklima unterschwellig. Daher gilt es besonders für die obersten Führungsgremien, Konfliktpotenziale früh zu erkennen und vorbeugend Massnahmen zu treffen, um eine Eskalation zu vermeiden. Treten Konflikte klar hervor, tun sich die Betroffenen häufig schwer, persönliche Differenzen ohne fremde Hilfe zu benennen, zu diskutieren und einer praktikablen Lösung zuzuführen.
Klärungshilfe als Lösung
Abhilfe bei unternehmensinternen Konflikten schafft die aus dem Mediationsbereich stammende Methode der Klärungshilfe. Die von Christoph Thomann begründete Methode basiert wie auch andere Verfahren der Mediation auf Vorstellungen und Modellen der humanistischen Psychologie und der systemischen Therapie. Klassischerweise wird die Klärungshilfe in einen Prozess mit sieben Phasen der Konfliktklärung unterteilt. Ein unabhängiger (externer) Moderator führt die betroffenen Parteien dabei durch ein lösungsorientiertes, klärendes Gespräch, bei welchem alle Beteiligten gleichermassen zur Sprache kommen und ihre Sicht der Dinge offen darlegen können. Zur Veranschaulichung des Prozesses dient dabei das Modell der Klärungsbrücke – «the bridge over troubled water».
Die sieben Phasen der Konfliktklärung
In einem klassisch hierarchisch organisierten Unternehmen gelten grundsätzlich die folgenden Phasen zur Klärung eines Konflikts. Dies gilt auch für besonders sensible Konflikte zwischen VR und GL, bei denen Machtverhältnisse, Rollenverständnisse und Kommunikationswege eine zentrale Rolle spielen und eine strukturierte Konfliktbearbeitung unerlässlich ist.
Checkliste
- Konfliktpotenziale zwischen VR und GL frühzeitig erkennen, bevor sie das Arbeitsklima trüben.
- Entscheidung treffen, einen unabhängigen externen Moderator für den Prozess zu beauftragen.
- Die Selbstklärungsphase einleiten, damit alle Beteiligten ihre Sicht der Situation darlegen können.
- Den Dialog verlangsamen, um durch vertiefte Auseinandersetzung wieder zueinander zu finden.
- Gemeinsam in der Lösungsphase konkrete und praktikable Vorschläge entwickeln.
- Die erarbeiteten Lösungen in einer Abschlussphase rückblickend festhalten.
- Eine Nachsorge über drei bis sechs Monate planen, um die Umsetzung der Lösungen zu sichern.
Darauf folgt die Selbstklärungsphase, in welcher die Beteiligten, ihre Sicht der Situation darstellen können. Die Dialogphase bildet die zentrale Phase des Prozesses. In einem verlangsamten Dialog zwischen den jeweiligen Konfliktparteien sollen die Beteiligten durch Auseinandersetzung zueinander finden. Das so vertiefte Gespräch erhält damit eine Qualität zurück, die es durch die Eskalation verloren hat. In der Erklärungs- und Lösungsphase werden anschliessend gemeinsam Lösungen entwickelt. Oft werden erstaunlich schnell Lösungsvorschläge vorgebracht, die bisher nicht denkbar waren. Die Abschlussphase bietet schliesslich die Möglichkeit, den Klärungsprozess noch einmal rückblickend zu betrachten.
Im Nachgang an den Klärungsprozess folgt zuletzt die Nachsorge. Sie findet üblicherweise in den folgenden drei bis sechs Monaten statt und soll bei der Umsetzung der erarbeiteten Lösungen helfen. Die Voraussetzung eines erfolgreichen Konfliktmanagements bildet stets die aktive Auseinandersetzung mit Konflikten. Mit der Umsetzung eines erfolgreichen Konfliktmanagements können Eskalationen verhindert und positive Konfliktfolgen genutzt werden. Die zentrale Rolle bei der Konfliktbewältigung nehmen Führungskräfte ein, oder anders gesagt: Führung ist Konfliktmanagement. Konflikte zwischen VR und GL wird es immer geben, daher wird auch das Bedürfnis nach Konfliktmanagement immer vorhanden sein.
FAQ: Konflikte zwischen VR und GL
Was ist die Methode der Klärungshilfe?
Die Klärungshilfe ist eine aus der Mediation stammende Methode, die auf systemischer Therapie basiert. Sie führt Konfliktparteien durch einen strukturierten Prozess mit sieben Phasen zu einer gemeinsamen Lösung, unterstützt durch einen externen Moderator.
Warum ist ein externer Moderator bei Konflikten zwischen VR und GL notwendig?
Da interne Konflikte oft mit Machtverhältnissen und Rollenverständnis verknüpft sind, können die Beteiligten persönliche Differenzen ohne fremde Hilfe selten neutral benennen und lösen. Ein externer Moderator sorgt für Gleichberechtigung im Gespräch.
Wie lange dauert ein solcher Klärungsprozess?
Der eigentliche Klärungsprozess umfasst die sieben Phasen bis zur Abschlussphase. Zusätzlich folgt eine Nachsorgephase über drei bis sechs Monate, um die Nachhaltigkeit der Lösungen zu gewährleisten.
Welche Rolle spielt die Führung in diesem Prozess?
Führung ist Konfliktmanagement. Führungskräfte müssen aktiv Konflikte angehen, anstatt sie zu ignorieren, um Eskalationen zu verhindern und positive Konfliktfolgen zu nutzen.