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Entsendungsrichtlinien: Auslandseinsätze einheitlich regeln

Entsendungsrichtlinien sind Regelungen für Personen, die von einem Unternehmen ins Ausland entsandt werden. Bereits bei einer geringen Anzahl von Entsendungen lohnt es sich, solche Richtlinien aufzustellen. Erfahren Sie in diesem Beitrag, was es bei der Erstellung zu beachten gilt.

21.01.2022 Von: Patrick Allemann
Entsendungsrichtlinien

Unternehmen verfolgen mit Auslandseinsätzen vielfältige Ziele, sei es die Eroberung neuer Märkte, der internationale Wissenstransfer, das Management internationaler Kooperationen oder die fachliche und persönliche Entwicklung von Führungskräften. Der Begriff Entsendung bezeichnet die vorübergehende geografische Versetzung eines Mitarbeiters in einen anderen Staat, generell in eine andere Jurisdiktion, um dort bestimmte Aufgaben im Rahmen seines Arbeitsverhältnisses zu erledigen. Jedes Rechtsgebiet – vom Arbeitsrecht über das Aufenthaltsrecht bis hin zum Steuer- und Sozialversicherungsrecht – hat ein eigenes Verständnis davon, was als Entsendung gilt.

Jeder Staat verfügt über sein eigenes nationales Recht, insbesondere über sein eigenes Steuerrecht, sein Sozialversicherungsrecht und sein Arbeitsrecht. Dieses nationale Recht ist selten deckungsgleich mit dem Recht eines anderen Staates. Entsprechend sind Regelungen notwendig, welche im Falle einer Entsendung für den Mitarbeiter eine Brücke zwischen Heimat- und Gastland schlagen und allfällige Nachteile, die aus den Veränderungen der Umstände und des lokal gültigen Rechts entstehen könnten, beseitigen. Da diese Regelungen für mehrere Jahre Gültigkeit behalten sollen, lohnt es sich, sie in gesonderten Reglementen festzuhalten, die über einfache Spesen- oder Entschädigungsreglemente hinausgehen. Dies ist der Zweck der sogenannten Entsendungsrichtlinien, vielfach auch Policies genannt, in denen typische Fälle zusammengefasst und aus verschiedenen Blickwinkeln – finanziell, rechtlich, steuerlich, persönlich, familiär – betrachtet werden.

    Risiken und Kosten minimieren

    Unternehmen bezwecken mit dem Gebrauch von Entsendungsrichtlinien, den Arbeitsfrieden durch Gleichbehandlung vergleichbarer Situationen zu fördern. Die Arbeitsfaktoren sollen budgetierbar und betriebliche und administrative Abläufe sollen vereinfacht werden. Weiter soll die Anwendung einer Entsendungsrichtlinie Risiken minimieren und kosten- sowie steuersparend wirken. Mitarbeiter gewinnen insbesondere Rechtssicherheit über ihre zukünftige Situation. Zudem sollen Entsendungsrichtlinien die Geschäftsziele des Unternehmens unterstützen, aber dennoch anpassbar und auf sich verändernde wirtschaftliche Anforderungen und Umstände anwendbar sein.

    Entsendungsrichtlinien sind aus juristischer Sicht Bestandteil des Arbeitsvertrags einer Person im Zusammenhang mit ihrer Entsendung in eine andere Jurisdiktion. Vor dem Hintergrund, dass über 70 Prozent der Unternehmen, die Mitarbeiter entsenden, in über fünf verschiedenen Ländern mit Entsandten aktiv sind, ist es sinnvoll, die Richtlinien allgemein zu halten. Ziel ist eine möglichst universelle Anwendbarkeit der Entsendungsrichtlinie, die den verschiedenen zwingenden nationalen Rechten in den Gastländern nicht widerspricht. Spezifische, nur den einzelnen Entsandten betreffende Fragen und Regelungen werden deshalb nicht in der Entsendungsrichtlinie geregelt, sondern z.B. in einer Entsendungsvereinbarung (Assignment Letter).

    Entsendungspaket ergänzt Policy

    Entsendungsvereinbarung und gastlandspezifische Zulagen/Zusatzleistungen (Allowances) bilden das persönliche Entsendungspaket (Assignment Package) des Mitarbeiters. Das Entsendungspaket stellt einen persönlichen Zusatz zur Entsendungsrichtlinie dar und geht der Entsendungsrichtlinie in der Regel vor. Die meisten Unternehmen unterscheiden zwischen Policy Defined Benefits und Package Defined Benefits. Erstere sind in der Entsendungsrichtlinie geregelt und für jeden Entsandten erhältlich. Letztere werden persönlich ausgehandelt und berücksichtigen nebst gastlandspezifischen Umständen insbesondere auch Rang und Funktion im Unternehmen.

    Unternehmensstrategie als Basis für Entsendungsrichtlinien

    Ein Unternehmen muss sich darüber im Klaren sein, wie es seine Entsendungen aufbauen will, das heisst, wie seine Strategie diesbezüglich aussieht. Hierbei gibt es verschiedene Grundformen. Generell macht es Sinn, das Entsendungsmanagement dem betrieblichen Management nachzubilden, insbesondere, um Kompetenzkonflikte wie auch Doppelspurigkeiten zu vermeiden.

    In der Praxis sind vier Typen von Entsendungsrichtlinien verbreitet, die parallel zur betriebswirtschaftlichen Organisation gehen:

    • Weltweite Gesamtrichtlinie der Muttergesellschaft:
      Diese gilt für alle Gruppengesellschaften gleichermassen. Die Schwierigkeit besteht insbesondere darin, alle Interessen zu integrieren und keine Nationalität oder Gruppe zu benachteiligen.
    • Regionenrichtlinien:
      In Anlehnung an die betriebliche Struktur und eine gewisse Autonomie von Regionen wie Europa, dem Asien-Pazifik-Raum  und den amerikanischen Kontinenten können Entsendungsrichtlinien entstehen, die auf bestimmte regionale Gegebenheiten und Umstände besser Rücksicht nehmen können als eine weltweite Richtlinie.
    • Rahmenvereinbarung der Konzernmutter:
      Die Muttergesellschaft gibt der Gruppe nur den Rahmen vor, in dem sich die einzelnen Länder (selten die einzelnen Gesellschaften) bewegen können.
    • Lokale Entsendungsrichtlinien:
      Hierbei steht es den einzelnen Gruppengesellschaften frei, für ihre Entsendungen eigene Richtlinien zu erlassen. Diese Entsendungsrichtlinien sind dann sehr gut den lokalen Gegebenheiten angepasst, führen aber gegebenenfalls zu Unruhe unter der Gesamtheit der Entsandten, da die Mitarbeiter je nach ihrer Herkunft unterschiedlich behandelt werden.

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