Weka Plus

Austrittsmanagement: Mitarbeitende professionell begleiten

KURZ ZUSAMMENGEFASST

Kündigungen sind weniger ein administrativer Akt als vielmehr der Moment, in dem sich Führungsqualität offenbart. Während Prozesse und rechtliche Leitplanken wichtig sind, entscheidet die menschliche Führung darüber, ob eine Trennung als Vertrauensbruch oder als würdevoller Abschluss erlebt wird. Eine wirksame Führung berücksichtigt sowohl die sachliche als auch die emotionale Ebene und bezieht nicht nur die betroffene Person, sondern auch die verbleibenden Mitarbeitenden mit ein.

Die wichtigsten Punkte:

  • Kündigungen sind primär eine Führungsaufgabe, keine reine HR-Administrationsleistung.
  • Der Vertrauensbruch entsteht oft bereits vor dem Gespräch durch mangelnde Klarheit im Alltag.
  • Verbleibende Mitarbeitende (Survivors) beobachten das Trennungsverhalten genau und leiten daraus ihre Zukunftssicherheit ab.
  • Echte Trennungskultur stärkt die Bindung an das Unternehmen und die Reputation als Arbeitgeber.
  • Care-Angebote und Outplacement sind entscheidend, um nach der Kündigung Orientierung und Stabilität zu schaffen.
30.09.2026 Von: Michael Hasler
Austrittsmanagement

Warum ist eine Kündigung mehr als ein Prozess und wie führt man sie als Führungskraft erfolgreich?

Kündigungen gehören zum Führungsalltag und sind gleichzeitig einer der grössten blinden Flecken in Unternehmen. Prozesse im Austrittsmanagement sind definiert, rechtliche Fragen geklärt, trotzdem scheitern viele Trennungen. Nicht an der Entscheidung, sondern an der Führung. Gerade hier entscheidet sich, wie eine Kündigung aufgenommen wird und welche Reaktionen sie auslöst.

Kündigungen sind der Moment der Wahrheit

In vielen Organisationen ist das Austrittsmanagement formal gut aufgestellt. Es existieren klare Abläufe, Vorlagen und rechtliche Leitplanken. HR sorgt für Struktur und Absicherung. Und dennoch bleibt die Wirkung oft negativ.

Der Grund liegt selten im Prozess, sondern in der Führung. Kündigungen werden administrativ abgearbeitet, aber nicht aktiv geführt.

Führungskräfte vermeiden Klarheit, delegieren oder ziehen sich zurück. Damit wird unterschätzt, worum es tatsächlich geht.

Kündigungen sind kein Prozess. Sie sind der Moment, in dem Führung sichtbar wird. Wie ein Unternehmen kündigt, zeigt, wie es führt.

Führung entscheidet über die Wirkung

Für Betroffene ist eine Kündigung ein einschneidendes Ereignis. Sie löst häufig Schock, Unsicherheit, Wut oder Selbstzweifel aus.

Gerade im Schweizer Kontext ist die berufliche Rolle eng mit dem Selbstwert verbunden. Der Verlust der Stelle bedeutet oft mehr als nur eine berufliche Veränderung.

Diese Dynamik beeinflusst, wie schnell Betroffene wieder handlungsfähig werden und die Situation verarbeiten.

Kündigungsgespräche finden immer auf zwei Ebenen statt, einer sachlichen und einer emotionalen. Viele Führungskräfte konzentrieren sich ausschliesslich auf die sachliche Ebene. Wirksame Führung berücksichtigt beide.

Nicht die Kündigung selbst entscheidet über die Wirkung, sondern wie sie geführt und erlebt wird.

Der Vertrauensbruch entsteht häufig vor dem Gespräch

Wenn Kündigungen schwierig verlaufen, liegt die Ursache selten im Gespräch selbst. Sie liegt in der Führung davor.

Typische Muster sind zu lange zu positive Mitarbeitergespräche, fehlende Klarheit in der Leistungsbeurteilung oder das Vermeiden von Konflikten. Dadurch entstehen falsche Erwartungen.

Die Kündigung trifft Betroffene dann unerwartet.

Für sie ist nicht die Kündigung das grösste Problem, sondern der Bruch in der Wahrnehmung.

Nicht die Kündigung verletzt, sondern wie sie zustande kommt.

Konsequente Führung beginnt deshalb lange vor dem eigentlichen Trennungsgespräch. Wer im Alltag nicht klar führt, verliert im entscheidenden Moment an Glaubwürdigkeit.

Führung bedeutet, Verantwortung zu übernehmen

Viele Führungskräfte versuchen, sich in Kündigungssituationen zurückzuhalten. Sie delegieren Gespräche an HR oder reduzieren ihre Rolle auf die formale Entscheidung.

Das ist nachvollziehbar, aber problematisch. Kündigungen sind keine reine HR-Aufgabe. Sie sind in erster Linie eine Führungsaufgabe.

Gleichzeitig spielt HR eine entscheidende Rolle in der Vorbereitung, der Befähigung der Führungskräfte und der Sicherstellung eines konsistenten Prozesses.

Wirksam wird Austrittsmanagement dort, wo beides zusammenspielt: klare Führung und starke HR-Unterstützung.

Führungskräfte müssen Entscheidungen vertreten, Gespräche aktiv führen, emotionale Reaktionen aufnehmen und Orientierung geben. Gleichzeitig bewegen sie sich in einem Spannungsfeld zwischen Unternehmensinteressen und persönlicher Betroffenheit.

Gerade deshalb braucht es Vorbereitung und Unterstützung.

Kündigungsgespräche gehören zu den anspruchsvollsten Führungsaufgaben überhaupt.

Und genau deshalb zeigen sie, wie belastbar Führung wirklich ist.

Drei Anspruchsgruppen gleichzeitig im Blick behalten

Wer Kündigungen führt, führt immer gleich zeitig drei Realitäten. Die drei Anspruchsgruppen sind in der folgenden Abbildung dargestellt.

  1. Die gekündigten Mitarbeitenden 
    Sie stehen im Zentrum der Situation und erleben die stärkste emotionale Belastung. Neben der beruflichen Unsicherheit geht es oft auch um Identität, Selbstwert und Perspektive. Wie der Trennungsprozess gestaltet wird, entscheidet darüber, ob eine Neuorientierung blockiert oder möglich wird.
  2. Die verbleibenden Mitarbeitenden («Survivors») 
    Sie sind selten aktiv im Prozess, aber stark betroffen. Sie beobachten genau, wie mit Kolleginnen und Kollegen umgegangen wird, und ziehen daraus Schlüsse für sich selbst. Daraus entstehen Fragen nach Sicherheit, Fairness und Vertrauen. Die Art der Trennung wirkt sich direkt auf Motivation, Bindung und Leistungsbereit schaftaus.
  3. Führungskräfte und HR 
    Sie tragen gemeinsam die Verantwortung für den Prozess, fachlich, organisatorisch und emotional. Gleichzeitig stehen sie unter Druck, Entscheidungen zu vertreten, Gespräche zu führen und Stabilität im Team zu sichern. Wer Trennungen wirksam gestalten will, muss alle drei Perspektiven gleichzeitig im Blick behalten. Wird eine davon vernachlässigt, entstehen Lücken, und genau diese werden im weiteren Verlauf sichtbar.

Jetzt Member werden und weiterlesen:

  • Unlimitierter Zugriff auf alle 1300 Arbeitshilfen
  • Alle kostenpflichtigen Beiträge auf weka.ch frei
  • Zugriff auf alle Videos
  • Täglich aktualisiert
  • Wöchentlich neue Inhalte und Arbeitshilfen
  • Exklusive Spezialangebote
  • News- & Update-Services
  • Seminargutscheine
und viele weitere Vorteile! ab CHF 24.80 pro Monat Jetzt abonnieren Sind Sie schon Member? Hier anmelden

Seminar-Empfehlungen

Member werden Newsletter