Beeinflussbare Absenzen: Das Unvermeidliche positiv beeinflussen
KURZ ZUSAMMENGEFASST
Absenzen sind nicht per se vermeidbar, doch ein Teil davon lässt sich durch gezieltes Management positiv beeinflussen. Während kurzfristige Ausfälle weniger als 10 % der Gesamtkosten ausmachen, verursachen sie hohen organisatorischen Aufwand und Unzufriedenheit im Team. Der Schlüssel liegt nicht in der medizinischen Diagnose, sondern in der Überwindung individueller und sozialer Hindernisse sowie in einem konstruktiven Dialog zwischen Betrieb und Mitarbeitenden.
Die wichtigsten Punkte:
- Kurzabsenzen sind oft Ausdruck gesunder Selbstfürsorge; weniger als 4 pro Jahr sollten wohlwollend betrachtet werden.
- Mitarbeitende, die nie fehlen, zeigen in Langzeitstudien oft höhere Risiken für spätere Langzeiterkrankungen.
- Soziale Hindernisse und fehlende Kommunikation blockieren die Rückkehr in den Arbeitsprozess häufiger als die Krankheit selbst.
- Ein klarer Rahmen mit definierten Regeln für Absenzgespräche und stufenweise Wiedereingliederung schafft Sicherheit für alle Beteiligten.

Passende Arbeitshilfen
Wie können Unternehmen in der Schweiz beeinflussbare Absenzen wirksam reduzieren und die Rückkehr in den Arbeitsprozess fördern?
Krankheits- und unfallbedingte Absenzen
Ganz grundsätzlich gilt, dass die Krankheitsdiagnose nur einen unwesentlichen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hat. Es gibt Menschen, die sich mit einer Erkältung todkrank fühlen und sich nicht von ihrem Krankenlager erheben können, und andere, die trotz schwerer chronischer Erkrankungen sehr leistungsfähig sind. Die richtige Diagnose ist auch keine notwendige Voraussetzung für eine schnelle Heilung oder eine zügige Rückkehr in den Arbeitsprozess. Allerdings treten mit zunehmender Absenzdauer die gesundheitlichen Einschränkungen in den Hintergrund. Stattdessen hemmen individuelle und soziale Hindernisse die Rückkehr in den Arbeitsprozess. Alleinlebende kehren nach einer längeren Absenz besonders selten an ihren Arbeitsplatz zurück. Auch wenn die Lohnfortzahlung bei Krankheit oder Unfall höher ausfällt als der Nettolohn für die Arbeit, verhindern solche Regelungen im Personalreglement die Rückkehr zur Arbeit. In der Schweiz kann das sehr leicht geschehen, wenn der Sparanteil in der Pensionskasse ab dem 4. Krankheitsmonat nicht mehr vom Lohn abgezogen wird.
Beeinflussbare Absenzen vermeiden
«Problematische» Absenzen äussern sich in einer gewissen Diffusität. Es sind häufig Situationen, in denen eine klare medizinische Abklärung oder Diagnose fehlt oder sich mehrere Krankheitsbilder gleichzeitig zeigen. Wir erleben in unserer Beratungstätigkeit häufig, dass in diesem Kontext auch die Kommunikation zwischen dem Betrieb und dem Mitarbeitenden fehlt oder gestört sein kann. Gründe dafür können sein, dass eine ungenügende Vertrauensbasis besteht, oder dass sich Vorgesetzte und Personalverantwortliche davor scheuen, dass sie zu stark in die Privatsphäre der Mitarbeitenden eindringen könnten. Auf Seiten der Mitarbeitenden kann dieses nicht Nachfragen als Desinteresse wahrgenommen werden im Sinne von «der Betrieb interessiert sich nicht für mich». Manchmal stehen auch Konflikte hinter Absenzsituationen. In diesen Fällen ist die Zusammenarbeit bereits gestört und Mitarbeitende flüchten sich in die Krankheit, um mit belastenden Situationen am Arbeitsplatz nicht weiter konfrontiert zu sein.
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