05.10.2020

Berufliche Vorsorge bei Teilzeit: Fallgruben und Möglichkeiten

Die Zahl der Teilzeitbeschäftigten nimmt laufend zu, insbesondere, weil heutzutage die Männer ebenfalls Teilzeitbeschäftigungen ausüben. In der Schweiz arbeitet mehr als ein Drittel aller Erwerbstätigen im Teilzeitpensum. Wie Zahlen des Bundesamtes für Statistik belegen, erfreut sich dieses Arbeitsmodell seit längerem einer wachsenden Beliebtheit. Aus Sicht des BVG ist es unerheblich, ob eine mitarbeitende Person ein Vollzeit- oder ein Teilzeitpensum erbringt. Dem Beschäftigungsgrad wird von Gesetzes wegen keine Rechnung getragen. Relevant ist einzig der Jahreslohn.

Von: Hans Zeltner  DruckenTeilen 

Hans Zeltner

Hans Zeltner ist Sozial­versicherungsfachmann mit eidg. Fachausweis, langjähriger Präsident des Schweizerischen Verbands der Sozialversicherungs-Fachleute Region Nord-Ostschweiz und Geschäftsleitungsmitglied der PolyNetwork AG. 


Berufliche Vorsorge bei Teilzeitarbeit

Die versicherten Personen

Alle angestellten Personen, die das 17. Altersjahr zurückgelegt haben und in einem Arbeitsverhältnis stehen, bei dem sie mehr als einen bestimmten Mindestlohn erzielen, müssen einer Pensionskasse beitreten (Risikoversicherung für Invalidität und Tod ab dem 18. Lebensjahr, Altersversicherung/ Alterssparteil ab dem 25. Lebensjahr). Nicht versichert werden müssen Löhne, die unter dem Mindestjahreslohn (Eintrittsschwelle) liegen. Dieser Mindestjahreslohn wird periodisch vom Bundesrat festgelegt. Für das Jahr 2020 beträgt er 21‘300 Franken. Ob jemand eine unselbstständige oder selbständige Erwerbstätigkeit ausübt, richtet sich nach den gleichen Kriterien wie bei der AHV. Das Gesetz über die berufliche Vorsorge (BVG) schreibt Minimalleistungen vor und ist ein Minimalgesetz, weshalb weitergehende Lösungen auf betrieblicher Ebene beschlossen und in der Pensionskasse realisiert werden können. So ist es durchaus möglich, dass der Mindestjahreslohn (Eintrittsschwelle) gesenkt oder aufgehoben und die obere Plafonierung heraufgesetzt werden kann. Dies hat zur Folge, dass beispielsweise auch Personen mit geringerem Einkommen in der beruflichen Vorsorge versichert sind. Eine Person muss BVG-versichert werden, wenn mit ihr ein Arbeitsverhältnis von über drei Monaten oder von unbeschränkter Dauer eingegangen wird. Die Vereinbarung einer Probezeit entbindet nicht von der Versicherungspflicht, auch wenn allenfalls das Arbeitsverhältnis in der Probezeit wieder gekündigt wird.

Berufliche Vorsorge bei Teilzeitangestellten

Arbeitet jemand Teilzeit, so muss diese Person BVG-versichert werden, wenn das Jahreseinkommen über dem Mindestjahreslohn liegt (das heisst, mehr als 21‘330 Franken (Stand 2020)). Arbeitet eine Person an mehreren Stellen Teilzeit, kann sie sich freiwillig versichern lassen, sofern das Gesamteinkommen über 21‘330 Franken liegt. Die Beiträge werden dann auf die Teilzeitlöhne umgelegt. Die arbeitnehmende Person kann sich bei der Vorsorgeeinrichtung des Arbeitgebers versichern lassen, sofern deren reglementarische Bestimmungen es vorsehen, oder sie kann sich bei der Stiftung Auffangeinrichtung BVG (www.chaeis.net) versichern lassen. Mit der Aufnahme in die Vorsorgeeinrichtung muss zur Ermittlung der Altersgutschriften der koordinierte Lohn bestimmt werden. Im BVG-Obligatorium gelten für alle Beschäftigten der gleiche Koordinationsabzug und die gleichhohe Eintrittsschwelle. Bei Vorsorgeplänen, die BVG-Minimalleistungen erbringen, wird bei allen Versicherten zur Ermittlung des koordinierten Lohns der Koordinationsabzug von 24‘885 Franken (Stand 2020) verwendet. Dies bedeutet, dass für Teilzeitbeschäftigte in der beruflichen Vorsorge der koordinierte Lohn verhältnismässig tiefer ausfällt, als für Beschäftigte mit Vollzeitpensum. Folglich fallen die Altersgutschriften sowie das Altersguthaben und die daraus resultierende Altersrente für Teilzeitbeschäftigte tiefer aus.

Spielräume nutzen

Die Unternehmen können teilzeitbeschäftigte Mitarbeiter besser absichern, wenn der Koordinationsabzug dem Beschäftigungsgrad angepasst und allenfalls zusätzlich die Eintrittsschwelle gesenkt wird. Viele Unternehmen nutzen bereits heute diese vorhandenen Spielräume, die allerdings zu höheren Beiträgen für Versicherte und Unternehmen führen.

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Gesamtbetrachtung ist wichtig

In der Gesamtbetrachtung müssen deshalb die Kosten von Risikoleistungen und Verwaltungskosten sowie der Aspekt der Überversicherung berücksichtigt werden; denn, rechnet man die monatlich anfallenden Kosten sowie die Verwaltungskosten zu den Sparbeiträgen, lässt sich an Beispielen von Teilzeitarbeitenden feststellen, dass die Ausgaben oftmals höher sind, als die zu erwartende Altersrente.

BVG Kennzahlen und deren Herleitung (Stand 2020)

Koordination zwischen 1. und 2. Säule
vom AHV-pflichtigen Lohn wird derjenige Teil abgezogen, der bereits durch die AHV versichert ist. Grundlage bildet  die maximale jährliche AHV-Altersrente von CHF 28’4400.- (Fr. 2‘370 x 12) daraus wird folgende Achtel-Regelung abgeleitet  daraus ergeben sich die entsprechenden Kennzahlen für die beruflichen Vorsorge:

- 1/8 od. CHF   3’555.--   = mindest koordinierter Lohn
- 6/8 od. CHF 21’330.--   = Eintrittsschwelle
- 7/8 od. CHF 24’885.--   = Koordinationsabzug

Maximal versicherter BVG-Lohn:
AHV-Lohn, welcher eine maximale AHV-Altersrente ergibt (CHF 84’600.--)
abzüglich Koordinationsabzug (CHF 24’885.--)

= maximal versicherter BVG-Lohn von CHF 60’435.—

BVG Reform

Am 13. Dezember 2019 hat der Bundesrat die BVG-Reform in die Vernehmlassung geschickt. Wesentlichen Punkte dieses Gesetzesvorentwurfs geben Anlass zu Diskussionen und Kontroversen?

Ausgangslage

Die Gesetzesvorlage zur Altersvorsorge 2020 ist durch das Schweizer Volk am 24. September 2017 abgelehnt worden – damit auch die darin vorgesehene Senkung des Mindestumwandlungssatzes in der obligatorischen beruflichen Vorsorge von 6.8% auf 6.0%. Daraufhin hat der Bundesrat beschlossen, für die 1. und 2. Säule zwei getrennte Vorlagen zu erarbeiten. Die Botschaft zur Stabilisierung der 1. Säule (AHV21) ist bereits durch den Bundesrat verabschiedet worden.

Am 13. Dezember 2019 hat der Bundesrat nun die BVG-Reform in die Vernehmlassung geschickt. Die vorgeschlagene Reform bezweckt die Sicherung der Renten, die Stärkung der Finanzierung sowie die Verbesserung der Versicherung von Teilzeitbeschäftigten und damit insbesondere von Frauen. Auch dieses Mal bildet die Senkung des Mindestumwandlungssatzes in der obligatorischen Vorsorge Dreh- und Angelpunkt der Reform. Der Gesetzesvorentwurf stützt sich dabei weitgehend auf den von den Sozialpartnern (SAV, Travail.Suisse und SGB) ausgearbeiteten Kompromissvorschlag ab, dies weil der Bundesrat diesen für eine mehrheitsfähige Reform hält.

Eckdaten des Gesetzesvorentwurfes

Die grundlegenden Neuerungen dieses Vorentwurfs sind die folgenden:

GegenstandMassnahmeZiel der Massnahme
UmwandlungssatzSenkung des Mindestumwandlungssatzes von 6.8% auf 6.0% in einem Schritt mit Inkrafttreten der ReformSicherung der Finanzierung der beruflichen Vorsorge; Anpassung an die höhere Lebenserwartung sowie das tiefe Zinsniveau
Ausgleichsmassnahme RentenzuschlagLebenslanger monatlicher Rentenzuschlag für künftige Alters- und Invalidenrentner der beruflichen Vorsorge von CHF 100 bis 200 je nach Jahrgang; Übergangsgeneration von 15 Jahrgängen; ab 16. Jahrgang Festlegung der Höhe durch Bundesrat
Finanzierung durch Umlageverfahren: Zusätzlich 0.5% auf AHV-pflichtigem Einkommen durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu zahlen (wobei Arbeitgeber mind. die Hälfte der Beiträge übernehmen muss)
Erhalt des Niveaus der Altersleistungen; Ausgleich der Senkung des Umwandlungssatzes
KoordinationsabzugSenkung von heute CHF 24'885 auf CHF 12'443Höherer versicherter Lohn und bessere Absicherung von Versicherten mit tieferen Löhnen (Teilzeitbeschäftigte und Frauen)
AltersgutschriftenAnpassung der Altersgutschriften:
25-34: 9% (bisher: 7%)
35-45: 9% (bisher: 10%)
45-54: 14% (bisher: 15%)
55-65: 14% (bisher: 18%)
Erhöhung der beruflichen Chancen älterer Arbeitnehmer (Reduktion der Unterschiede jung/alt; Senkung der Lohnkosten für ältere Arbeitnehmer)

 

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