03.08.2017

Berufliche Vorsorge bei Teilzeit: Fallgruben und Möglichkeiten

Die Zahl der Teilzeitbeschäftigten nimmt laufend zu, insbesondere, weil heutzutage die Männer ebenfalls Teilzeitbeschäftigungen ausüben. In der Schweiz arbeitet mehr als ein Drittel aller Erwerbstätigen im Teilzeitpensum. Wie Zahlen des Bundesamtes für Statistik belegen, erfreut sich dieses Arbeitsmodell seit längerem einer wachsenden Beliebtheit. Aus Sicht des BVG ist es unerheblich, ob eine mitarbeitende Person ein Vollzeit- oder ein Teilzeitpensum erbringt. Dem Beschäftigungsgrad wird von Gesetzes wegen keine Rechnung getragen. Relevant ist einzig der Jahreslohn.

Von: Hans Zeltner   Drucken Teilen   Kommentieren  

Hans Zeltner

Hans Zeltner ist Sozial­versicherungsfachmann mit eidg. Fachausweis, langjähriger Präsident des Schweizerischen Verbands der Sozialversicherungs-Fachleute Region Nord-Ostschweiz und Geschäftsleitungsmitglied der PolyNetwork AG. 

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Berufliche Vorsorge bei Teilzeitarbeit

Die versicherten Personen

Alle angestellten Personen, die das 17. Altersjahr zurückgelegt haben und in einem Arbeitsverhältnis stehen, bei dem sie mehr als einen bestimmten Mindestlohn erzielen, müssen einer Pensionskasse beitreten (Risikoversicherung für Invalidität und Tod ab dem 18. Lebensjahr, Altersversicherung/ Alterssparteil ab dem 25. Lebensjahr). Nicht versichert werden müssen Löhne, die unter dem Mindestjahreslohn (Eintrittsschwelle) liegen. Dieser Mindestjahreslohn wird periodisch vom Bundesrat festgelegt. Für das Jahr 2017 beträgt er 21‘150 Franken. Ob jemand eine unselbstständige oder selbständige Erwerbstätigkeit ausübt, richtet sich nach den gleichen Kriterien wie bei der AHV. Das Gesetz über die berufliche Vorsorge (BVG) schreibt Minimalleistungen vor und ist ein Minimalgesetz, weshalb weitergehende Lösungen auf betrieblicher Ebene beschlossen und in der Pensionskasse realisiert werden können. So ist es durchaus möglich, dass der Mindestjahreslohn (Eintrittsschwelle) gesenkt oder aufgehoben und die obere Plafonierung heraufgesetzt werden kann. Dies hat zur Folge, dass beispielsweise auch Personen mit geringerem Einkommen in der beruflichen Vorsorge versichert sind. Eine Person muss BVG-versichert werden, wenn mit ihr ein Arbeitsverhältnis von über drei Monaten oder von unbeschränkter Dauer eingegangen wird. Die Vereinbarung einer Probezeit entbindet nicht von der Versicherungspflicht, auch wenn allenfalls das Arbeitsverhältnis in der Probezeit wieder gekündigt wird.

Teilzeitangestellte

Arbeitet jemand Teilzeit, so muss diese Person BVG-versichert werden, wenn das Jahreseinkommen über dem Mindestjahreslohn liegt (das heisst, mehr als 21‘150 Franken (Stand 2017)). Arbeitet eine Person an mehreren Stellen Teilzeit, kann sie sich freiwillig versichern lassen, sofern das Gesamteinkommen über 21‘150 Franken liegt. Die Beiträge werden dann auf die Teilzeitlöhne umgelegt. Die arbeitnehmende Person kann sich bei der Vorsorgeeinrichtung des Arbeitgebers versichern lassen, sofern deren reglementarische Bestimmungen es vorsehen, oder sie kann sich bei der Stiftung Auffangeinrichtung BVG (www.chaeis.net) versichern lassen. Mit der Aufnahme in die Vorsorgeeinrichtung muss zur Ermittlung der Altersgutschriften der koordinierte Lohn bestimmt werden. Im BVG-Obligatorium gelten für alle Beschäftigten der gleiche Koordinationsabzug und die gleichhohe Eintrittsschwelle. Bei Vorsorgeplänen, die BVG-Minimalleistungen erbringen, wird bei allen Versicherten zur Ermittlung des koordinierten Lohns der Koordinationsabzug von 24‘675 Franken (Stand 2017) verwendet. Dies bedeutet, dass für Teilzeitbeschäftigte in der beruflichen Vorsorge der koordinierte Lohn verhältnismässig tiefer ausfällt, als für Beschäftigte mit Vollzeitpensum. Folglich fallen die Altersgutschriften sowie das Altersguthaben und die daraus resultierende Altersrente für Teilzeitbeschäftigte tiefer aus.

Spielräume nutzen

Die Unternehmen können teilzeitbeschäftigte Mitarbeiter besser absichern, wenn der Koordinationsabzug dem Beschäftigungsgrad angepasst und allenfalls zusätzlich die Eintrittsschwelle gesenkt wird. Viele Unternehmen nutzen bereits heute diese vorhandenen Spielräume, die allerdings zu höheren Beiträgen für Versicherte und Unternehmen führen.

Gesamtbetrachtung ist wichtig

In der Gesamtbetrachtung müssen deshalb die Kosten von Risikoleistungen und Verwaltungskosten sowie der Aspekt der Überversicherung berücksichtigt werden; denn, rechnet man die monatlich anfallenden Kosten sowie die Verwaltungskosten zu den Sparbeiträgen, lässt sich an Beispielen von Teilzeitarbeitenden feststellen, dass die Ausgaben oftmals höher sind, als die zu erwartende Altersrente.

Reform der Altersvorsorge

Das Parlament hat die Reform der Altersvorsorge 2020 am 17. März 2017 verabschiedet Voraussichtlich am 24. September 2017 wird das Stimmvolk darüber abstimmen. Die Reform verbessert die Situation der Teilzeitangestellten mit einer Neugestaltung des Koordinationsabzugs. Der Abzug wird reduziert und nach Einkommen gestaffelt. Gleichzeitig wird das versicherte Mindesteinkommen auf 7‘050 Franken erhöht.

Situation bisher

In der beruflichen Vorsorge ist versichert, wer ein Einkommen von mindestens 21‘150 Franken verdient. Ist diese Bedingung erfüllt, entspricht das Einkommen, das in der obligatorischen beruflichen Vorsorge versichert ist, dem Jahreslohn bis maximal 84‘600 Franken minus dem Koordinationsabzug von 24‘675 Franken, mindestens aber 3‘525 Franken. Die Eintrittsschwelle und der Koordinationsabzug gelten bei jedem einzelnen Arbeitsverhältnis. Diese Regelung ist mit ein Grund für eine ungenügende berufliche Vorsorge vieler Frauen, weil Frauen überdurchschnittlich häufig teilzeitlich und bei mehreren Arbeitgebern beschäftigt sind.

Gebundene Vorsorgemöglichkeit

Teilzeitangestellte haben grundsätzlich folgende Varianten, über eine gebundene Vorsorge ihre Altersrente zu optimieren.

Anschluss an einen Vorsorgeeinrichtung

Erwerbstätige mit einem Jahreslohn von weniger als CHF 21'150 sind nicht dem obligatorischen BVG unterstellt. Sie können sich jedoch freiwillig bei der Stiftung Auffangeinrichtung in Zürich (www.chaeis.net) versichern lassen, bezahlen dann jedoch Arbeitnehmer- UND Arbeitgeberbeiträge.

Säule 3a

Grundsätzlich kann jeder die Säule 3a nutzen, der in der Schweiz ein AHV-pflichtiges Erwerbseinkommen erzielt. Die Säule 3a ist fakultativ und zeichnet sich durch eine steuerliche Bevorteilung aus. Beiträge sind, im Rahmen der Limite (maximale  Einzahlungsmöglichkiet pro Jahr und Erwerbstätiger von CHF 6'768), vom übrigen Einkommen abzugsfähig. Teilzeitangestellte können bis maximal 20 Prozent ihres Einkommens in die 3. Säule einzahlen - bis zum Limit von CHF 6'768. Personen, die im AHV-Rentenalter sind und weiterarbeiten, können maximal bis zur Vollendung des 69. Altzersjahrs (Frauen) bzw. 70. Altersjahrs (Männer) in die Säule 3a einzahlen.

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